Habitat for Humanity

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Habitat for Humanity Deutschland e.V.
HFHD.jpg
Gründung 1998
Sitz Köln, Deutschland
Ursprung Habitat for Humanity International
Aktionsraum Deutschland und weltweit
Methode Katastrophenhilfe und weltweiter Bau von Unterkünften für bedürftige Menschen
Freiwillige weltweiter Einsatz von Freiwilligen
Motto Jeder Mensch hat das Recht auf ein Dach über dem Kopf
Website www.hfhd.de

Habitat for Humanity ist eine internationale christliche und überkonfessionelle Non-Profit-Organisation, die 1976 in Americus, USA gegründet wurde. Die Organisation ist in weltweit etwa 80 Ländern tätig. Ziel der Hilfsleistungen ist es, gegen die weltweiten Armutsbehausungen vorzugehen und Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Nationalität ein menschenwürdiges Wohnumfeld zu ermöglichen. Neben dem weltweiten Hausbau für Bedürftige ist die Organisation als Experte für katastrophensichere Bauweise weltweit in der Katastrophenvorsorge und im langfristigen und nachhaltigen Wiederaufbau tätig.

Habitat for Humanity finanziert sich überwiegend durch private und unternehmerische Spenden und ermöglicht Freiwilligen, sich aktiv in Projektländern einzubringen.

Die deutsche Niederlassung befindet sich seit 1998 in Köln, sie ist als gemeinnützig anerkannt. Regionalbüros befinden sich in Berlin und München.

In Deutschland beliefen sich im Geschäftsjahr 2011/12 die Einnahmen auf 1,6 Millionen Euro.[1]

Hilfe zur Selbsthilfe[Bearbeiten]

Habitat for Humanity arbeitet nach dem Prinzip der Selbsthilfe, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Durch Eigenleistungen, tatkräftige und Unterstützung durch Freiwillige können die Baukosten gering gehalten werden. Langfristige, niedrig verzinste Mikrokredite ermöglichen auch Familien mit sehr geringem Einkommen, ihr Haus zu finanzieren. Bei besonders schutzbedürftigen Menschen wie Waisenkindern, schwer erkrankten Personen und von Naturkatastrophen betroffene Menschen werden keine Rückzahlungen verlangt. Alle Kreditrückzahlungen fließen in revolvierende Fonds, aus denen fortlaufend neue Hilfsprojekte finanziert werden.

Ganzheitlicher Ansatz[Bearbeiten]

Die Hilfe zur Selbsthilfe erstreckt sich nach eigenen Angaben auch auf Bereiche, die das Wohnumfeld erheblich beeinflussen, wie Gesundheit, Einkommen, Umwelt, Bildung und Integration in das gesellschaftliche Leben. Im Zusammenhang mit diesen Themen bietet Habitat for Humanity in Projektländern auch Beratungen, Ausbildungen und Schulungen für Familien an.

Die Hilfe zur Selbsthilfe umfasst folgende Leistungen:

  • Hausbau, Reparatur & Sanierung
  • Trinkwasser & Sanitär
  • Hygiene und Gesundheit
  • Land- und Wohnrecht
  • Bildung und Einkommen
  • Katastrophenvorsorge und Katastrophenhilfe

Eine komplexe Problemlage erfordere oft einen umfassenderen, gemeindeweiten, sektorübergreifenden oder landesweiten Projektansatz. Daher engagiere sich Habitat for Humanity als Fürsprecher in Politik und Gesellschaft und arbeite eng mit anderen Organisationen, Initiativen und Gemeinden zusammen.

Katastrophenvorsorge und -hilfe[Bearbeiten]

Habitat for Humanity engagiert sich auf in Katastrophengebieten und setzt sich für eine umfassende Katastrophenvorsorge in von Naturkatastrophen betroffenen Gebieten ein. Aufgrund der weltweiten Büros können die Helfer im Land auf bereits vorhandene Büros, Landeskenntnisse, erprobte Strukturen und Partnerschaften zurückgreifen. Habitat for Humanity arbeitet nach eigenen Angaben eng mit lokalen Behörden, anderen Hilfsorganisationen und der betroffenen Bevölkerung zusammen.

Das Besondere: Freiwilligenarbeit im Ausland[Bearbeiten]

Habitat for Humanity bietet weltoffenen, sozial engagierten Personen die Möglichkeit, sich als Freiwillige ohne besondere bautechnische Vorkenntnisse in eines der weltweiten Hilfsprojekte einzubringen. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen und den dortigen Familien helfen Freiwillige beim Bau oder der Reparatur eines Hauses für bedürftige Familien, die bisher in Armutsbehausungen leben mussten. Weil diese Freiwilligenarbeit Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen bringt, heißt sie im internationalen Sprachgebrauch auch „Global Village“. Ein Einsatz vermittelt Weltoffenheit, soziale Kompetenz, Hilfsbereitschaft und kulturelle Sensibilität.

Teilnehmen kann jeder, von Unternehmen bis zu privaten Gruppen und Einzelpersonen. Unternehmen nutzen die Möglichkeit im Rahmen ihrer CSR-Programme (Corporate Social Responsibility) und fördern gleichzeitig durch die Entsendung von Teams Mitarbeitermotivation, Teamgeist und Steigerung der Unternehmensloyalität.

In Katastrophengebiete werden keine Freiwilligen entsendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Habitat for Humanity wurde 1976 von dem Rechtsanwalt Millard Fuller und seiner Frau Linda in Americus (Georgia) gegründet. Als erfolgreicher Geschäftsmann und Anwalt war Fuller mit nur 29 Jahren mehrfacher Millionär. Wenige Jahre später (1968) vollzogen Millard und Linda Fuller jedoch einen radikalen Lebenswandel: Sie entschieden sich dazu, ihren Reichtum aufzugeben, verkauften ihren Besitz und spendeten ihr Vermögen für soziale Zwecke. Sie wollten ihr Leben an christlichen Werten und Maßstäben ausrichten und zogen mit ihren Kindern auf die Koinonia Farm in Georgia.

Dort trafen sie Clarence Jordan und gemeinsam entstand die Idee eines Fund for Humanity. Sie fingen an, Häuser zu bauen und sie an bedürftige Familien in der näheren Umgebung zu verkaufen, die in menschenunwürdigen Wohnverhältnissen leben mussten. Sie selbst wollten mit dieser Arbeit keinen Gewinn erzielen, sondern den Teufelskreis aus Armut und Krankheit durch das Schaffen sicherer und gesunder Lebensverhältnisse durchbrechen, damit betroffenen Familien ein neues Selbstwertgefühl und damit auch Perspektiven für die Zukunft erhalten. Aus ihren Erfahrungen entwickelten die Fullers ein nachhaltiges Baukonzept, das auf Eigenleistung, Nachbarschaftshilfe, Freiwilligenengagement und einem Finanzierungsfonds basierte.

1973 zogen die Fullers mit ihren vier Kindern nach Afrika, um dort in Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo) ihr Hausbau-Konzept zu testen. Das Experiment wurde zu einem großen Erfolg für das Entwicklungsland und Fuller war nun davon überzeugt, dass sein Modell weltweit angewendet werden könnte. Als Millard Fuller 1976 mit seiner Familie in den USA zurückkehrte, stand für ihn die Gründung der Organisation Habitat for Humanity International fest [2].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2011/12 Deutschland
  2. Habitat Gründung durch Fuller