Hadès (Rakete)

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Hadès
Allgemeine Angaben
Typ: Kurzstreckenrakete
Hersteller: Aérospatiale
Entwicklung: 1984
Indienststellung: 1992
Technische Daten
Länge: 7,50 m
Durchmesser: 530 mm
Gefechtsgewicht: 1.860 kg
Antrieb:
Erste Stufe:

Feststoff
Reichweite: 480 km
Ausstattung
Zielortung: INS und GPS
Gefechtskopf: 1 TN-90 Nukleargefechtskopf 80 kt oder konventionelle Gefechtsköpfe
Waffenplattformen: LKW
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Hadès war die Bezeichnung einer nuklearfähigen Kurzstreckenrakete des französischen Heeres in der Zeit des Kalten Krieges.

Entwicklung[Bearbeiten]

1975 begannen Studien für den Ersatz der Pluton-Kurzstreckenrakete, basierend darauf wurde im Juli 1984 bei Aérospatiale die Entwicklung begonnen, die 1992 abgeschlossen werden konnte. In dieser Zeit kürzte man die geplante Stückzahl von 120 Hadès auf 30 mit 15 Startfahrzeugen. Noch vor dem Ende der Entwicklung kam es 1991 zum Beschluss, das System Hadès nicht in Dienst zu stellen. Die bereits produzierten 20 bis 25 Lenkwaffen lagerten zunächst noch zusammen mit den Startfahrzeugen in einem Depot in Lunéville. 1996/97 wurden als ein Zugeständnis Frankreichs an das START-Abkommen zwischen den USA und Russland alle Hadès-Raketen verschrottet.

Technik[Bearbeiten]

Das System war auf einer hochmobilen, schnell verlegbaren Abschussrampe untergebracht. Es wurde eine minimale Reaktionszeit aus voller Fahrt - bis zum Raketenverschuss - von unter 10 Minuten erreicht. Jedes Fahrzeug war mit zwei Hadès-Raketen bestückt, welche in einem Intervall von 30 Sekunden gestartet werden konnten. Die Hadès-Raketen konnten mit einer ganzen Auswahl von unterschiedlichen Gefechtsköpfen bestückt werden:

  • Nuklearsprengkopf TN-90 mit 80 kT Sprengleistung
  • Splittergefechtskopf
  • Penetrationsgefechtskopf gegen verbunkerte Anlagen
  • Bomblets (Submunition)

Die Hadès wurde von einem hochenergetischen Feststofftreibsatz angetrieben, welcher die Rakete auf eine Marschgeschwindigkeit von über 4.500 km/h beschleunigte. Die Rakete flog auf einer flachen semi-ballistischen Flugbahn. Bei der maximalen Schussdistanz (rund 480 km) betrug das Apogäum 150 km. Die Steuerung der Hadès erfolgte mittels einer Trägheitsnavigationsplattform sowie einem GPS-Satellitennavigationssystem. Mit diesen beiden Systemen wurde eine Präzision (CEP) von 5-50 m erreicht. Die Kurskorrekturen wurden mittels Schubvektordüsen durchgeführt. Als einzige Lenkwaffe ihrer Klasse konnte die Hadès während des Fluges auf ein anderes Ziel umdirigiert werden.

Die Hadès verfügte über eine Reihe von Systemen zur Überwindung von gegnerischen Abwehrmaßnahmen. Zum Beispiel führte die Rakete während der Schlussphase des Zielanfluges (Wiedereintrittes) nach dem Zufallsprinzip mehrere abrupte Ausweichmanöver durch. Auch war die Raketenoberfläche mit einer radarabsorbierenden Schutzschicht versehen.

Kritik aus deutscher Sicht[Bearbeiten]

Das Konzept der Hadès-Rakete stieß unmittelbar mit Bekanntwerden der geringen Reichweite von nur 480 km auf massive Kritik in der deutschen Regierung und Öffentlichkeit: Die 120 geplanten Raketen konnten ihre nuklearen Sprengsätze im Einsatzfall nur bis auf deutsches Gebiet tragen, maximal bis zur polnischen oder tschechoslowakischen Westgrenze. Deutschland wäre also möglicherweise im Einsatzfall zu einem nuklearen Schlachtfeld vor Frankreich geworden.[1][2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zeit.de/1991/37/laehmung-in-paris Artikel 1991 in Die Zeit über Verstimmung Paris-Bonn
  2.  Waffe der letzten Warnung. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1991, S. 20a (12. August 1991, online).