Haeckse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Haeckse, auch Häckse, ist eine Bezeichnung für weibliche Hacker.[1] Der Ausdruck ist ein in der Hacker-Szene häufig verwendetes Kunstwort, das sich vom ursprünglichen Hacker ableitet und auf das deutsche Wort Hexe anspielt.

Im Speziellen steht das Wort Haecksen auch für einen Zusammenschluss weiblicher Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC).

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Innerhalb des „purely white male phenomenon“ der „hacking culture“[2] werden weibliche Hacker allgemein immer noch als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen. Für die Tatsache, dass Hacker in der Anfangszeit, das heißt in den 1950er- und 1960er-Jahren sowie bis in die 1980er-Jahre vor allem männlich und weiß waren, lieferte Alison Adam in ihrer Studie Gender, Ethics and Information technology eine zunächst einfache Erklärung: Zugänge zu verfügbaren Rechnern gab es anfangs in den USA nur auf dem Campus und sie konnten nur nachts genutzt werden. Der Zugang war daher für Frauen mit Kindern ebenso erschwert wie für ethnische Minderheiten, die nächtliche Campusbesuche aus Furcht vor rassistischen Übergriffen scheuten.[3]

Michael Nagenborg weist in seiner Studie Hacker – Computer als Werkzeug und Symbol der Macht jedoch darauf hin, dass „hacking“ auch in den 1990er-Jahren noch als fast ausschließlich männliches Phänomen galt, und wirft im Umkehrschluss die Frage auf, ob Computer unter anderem auch deswegen als „männliche Sache“ gelten, weil „hacking“ als männliche Aktivität gilt. Im geringen Frauenanteil unter den Hackern sieht er einen Widerspruch zu der egalitär geprägten so genannten „Hackerethik“. Nagenborg untersucht anhand der Analysen von Michel Foucault die allgemeinen „Machtbeziehungen“ und kommt zum Ergebnis, dass die Form der Arbeitsethik und der hohe Anspruch an Fortbildung von Hackern sowie die Betonung des technischen Aspektes von „hacking“ – als Abwehrhaltung gegen die Kriminalisierung – es Frauen nicht leicht mache, sich als Hacker zu identifizieren. Die Pathologisierung der Hacker in der Wissenschaft und die Verbreitung eines entsprechenden Hackerbildes in den Massenmedien würden diesen Effekt verstärken.[3]

Inzwischen bilden weibliche Hacker jedoch einen festen Bestandteil der Szene, was von Nagenborg nach Foucault so gedeutet werden könne, dass „sich ‚Haecksen‘ nicht länger an traditionellen Rollenmustern orientieren und z. B. ‚Frau‘ und ‚Technik‘ nicht als Widerspruch wahrnehmen. Denn nach Foucault ist es eine viel versprechende Form des Widerstandes, sich selbst neu zu definieren.“[3]

Haecksen beim CCC[Bearbeiten]

Als Haecksen bezeichnet sich ein Zusammenschluss weiblicher Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC). Geprägt wurde der Ausdruck 1988 durch Rena Tangens und Barbara Thoens[4] und bezeichnete den von ihnen gegründeten Zusammenschluss weiblicher Mitglieder innerhalb des Chaos Computer Clubs.[5] Seit 2009 findet sich die Bezeichnung auch im Szene-Wörterbuch des Dudenverlags.[6]

Das Ziel der Haecksen ist es, zu zeigen, dass Mädchen und Frauen ganz selbstverständlich kreativ mit Technik umgehen können und dass das Bild in den Köpfen der Menschen, Hacker seien männlich, nicht stimmt.

Die Haecksen treffen sich jährlich auf dem Chaos Communication Congress des CCC und veranstalten eigene Projekte. Ebenso finden regionale Veranstaltungen statt, wie beispielsweise 2003 in Aalen.[7] Da sie sich als virtueller Erfahrungsaustauschkreis (ERFA-Kreis) des CCC verstehen, ist ihr wichtigstes Kommunikationsmittel eine Mailingliste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Annette Treibel u. a. (Hrsg.): Gender medienkompetent. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14931-8, S. 109, 111–123.
  • Rena Tangens: Androzentrismus im Netz. In: Kursbuch Internet – Anschlüsse an Wirtschaft und Politik. Wissenschaft und Kultur, 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Haeckse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden – Das neue Wörterbuch der Szenesprachen. Dudenverlag Mannheim/Wien/Zürich, ISBN 978-3-411-71092-8. Siehe: tagesanzeiger.ch.
  2. Vgl. Alison Adam: Gender, Ethics and Information technology. Palgrave Macmillian, Houndmills/New York 2005, S. 139.
  3. a b c Vgl. Michael Nagenborg: Hacker – Computer als Werkzeug und Symbol der Macht. In: Annette Treibel u. a. (Hrsg.): Gender medienkompetent. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14931-8, S. 111–123.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHeike Schmidt: "Ein Freiraum im hintersten Winkel des Kellers". die tageszeitung, 30. Dezember 2005, abgerufen am 11. November 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKristina Debelius: "Netzfrauen: Die Häcksen des Cyberspace". Der Spiegel, 17. Juni 2006, abgerufen am 11. November 2009.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format""Abflashen", "bitchen", "Casual Sex": Dudens neues Szene-Wörterbuch". Der Standard, 7. Oktober 2009, abgerufen am 11. November 2009.
  7. Die „Haecksen“ in Aalen, Bericht vom 16. Juni 2003 bei Stadt Aalen.Online, aufgerufen am 13. November 2009.