Haemophilus influenzae b-Infektion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
J14 Pneumonie durch Haemophilus influenzae
P23.6 Angeborene Pneumonie durch sonstige Bakterien
- Haemophilus influenzae
G00.0 Meningitis durch Haemophilus influenzae
A41.3 Sepsis durch Haemophilus influenzae
A49.2 Infektion durch Haemophilus influenzae, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die invasive Haemophilus-influenzae-b-Infektion ist eine der schwersten bakteriellen Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren. Der Erreger kommt nur beim Menschen vor und findet sich vor allem auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege.

Erreger ist Haemophilus influenzae vom Typ b (Hib), ein gramnegatives Bakterium, das von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion verbreitet wird. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis fünf Tage. Danach können fieberhafte Infektion des Nasenrachenraums mit Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündung auftreten. Gefürchtete Komplikationen sind Hirnhautentzündungen oder Entzündungen des Kehldeckels, die mit Erstickungsanfällen einhergehen. Bleibende Schäden und Todesfälle sind möglich.

Solange Keime aus dem Nasenrachenraum isoliert werden können, besteht Ansteckungsgefahr. Sehr selten erfolgt eine erneute Infektion bei Kindern unter zwei Jahren. Ein erhöhtes Infektions- und Komplikationsrisiko besteht bei eingeschränkter Funktion oder nach entfernter Milz.

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Die Krankheit beginnt als fieberhafte Infektion des Nasenrachenraums und kann dann Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung, akute Bronchitis und Lungenentzündung hervorrufen. Die gefürchtetste Komplikation ist eine eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis). Unbehandelt sterben 60 bis 90 Prozent der Erkrankten, die eine Meningitis entwickeln. Auch bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika beträgt die Todesrate noch mehr als fünf Prozent. Nach überstandener Hirnhautentzündung kommt es oftmals zu Defektheilungen mit dauerhaften Schäden des Nervensystems wie Hörschäden, Sehstörungen oder geistigen Störungen. Etwa fünf Prozent der Kinder sind nach einer Hib-Hirnhautentzündung körperlich und geistig schwerstbehindert. Weitere Komplikationen einer Infektion können sehr plötzlich einsetzende Kehldeckelentzündungen (Epiglottitis) mit Erstickungsgefahr, Brustfell- oder Gelenkentzündung, Blutvergiftung und Knochenhautentzündung sein.

Impfung[Bearbeiten]

Ab dem vollendetem zweiten Lebensmonat erfolgen in Deutschland bisher meist drei Impfungen im Abstand von vier Wochen mit Kombinationsimpfstoffen, im 11. bis 14. Lebensmonat dann eine vierte Impfung. Bei verspäteter erster Impfung ab dem ersten Lebensjahr erfolgt nur eine Impfung.[1] In Österreich wurde hingegen bereits ein neues Impfschema für die Sechsfachimpfung eingeführt, sodass Kinder dort in der Regel nur dreimal (im dritten, fünften und zwölften Lebensmonat) gegen Haemophilus influenzae Typ b geimpft werden.[2]

Nach der Einführung der allgemeinen Impfung von Kindern Anfang der 1990er Jahre wurde weltweit ein dramatischer Rückgang der Fallzahlen von Infektionen durch Haemophilus influenzae Typ b beobachtet. In der Folge wurden Wiederanstiege unter geimpften Kindern und Heranwachsenden in Großbritannien und den Niederlanden verzeichnet.[3] 2011 gab es laut SurvStat 271 Fälle invasiver Infektionen durch Haemophilus influenzae in Deutschland, davon jedoch nur 30 bei Kindern im Alter bis zu 14 Jahren, von denen wiederum lediglich sechs eindeutig dem Kapseltyp b zugeordnet werden konnten.[4]

Wichtig ist, die Kinder so früh wie möglich entsprechend den offiziellen Empfehlungen zu impfen, denn Säuglinge sind die am meisten gefährdete Gruppe. Ab dem Alter von fünf Jahren ist die Impfung nur noch in Ausnahmefällen angezeigt.[1]

Meist werden Kombinationsimpfstoffe eingesetzt, die als einen Anteil die Hib-Komponente beinhalten. Über Impfreaktionen wie leichte Temperaturerhöhung oder Rötung und Schwellung an der Einstichstelle wird gelegentlich berichtet.[5] Im Allgemeinen treten diese Reaktionen nach der zweiten und dritten Impfung etwas häufiger auf.

Geimpft werden sollten ferner unbedingt alle Patienten ohne Milz oder mit bestimmten Erkrankungen, die die Funktion der Milz beeinträchtigen.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert-Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut / Stand: Juli 2012 In: Epidemiologisches Bulletin. 30. Juli 2012 / Nr. 30, S. 283-310, ISSN 1430-0265 (PDF; 188 kB)
  2. Impfplan Österreich 2012. Nationales Impfgremium, abgerufen am 23. November 2012.
  3. Astrid Milde-Busch et al.: Surveillance for rare infectious diseases: is one passive data source enough for Haemophilus influenzae?. In: European Journal of Public Health. Bd. 18, Nr. 4, 2008, S. 371-375, ISSN 1101-1262 (PDF; 98 kB)
  4. Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 21. November 2012.
  5. Sicherheit von Impfungen. Robert-Koch-Institut, 2. Dezember 2010, abgerufen am 23. November 2012.
  6. Impfungen bei Asplenie (Entfernung der Milz oder Ausfall der Organfunktion). Robert-Koch-Institut, 11. September 2012, abgerufen am 23. November 2012.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!