Emder Hafen

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53.344397.2Koordinaten: 53° 20′ 40″ N, 7° 12′ 0″ O

Der Spezialkreide-Hersteller OMYA produziert im Emder Hafen

Der Hafen der Stadt Emden ist ein Seehafen an der Mündung der Ems in die Nordsee. Es handelt sich dabei um den westlichsten Seehafen an der Küste Deutschlands; er erreicht einen Jahresumschlag von rund 6,29 Millionen Tonnen (2011).[1] Hauptumschlagprodukte sind Kraftfahrzeuge, Forstprodukte und in stark zunehmendem Maße Windenergieanlagen. Bei Kraftfahrzeugen ist der Emder Hafen nach Umschlagszahlen der drittgrößte Europas nach Bremerhaven und Zeebrugge.[2]

Betreiber des Emder Hafens ist Niedersachsen Ports.

Zudem ist Emden wichtiger Fährhafen zur Nordseeinsel Borkum. Der Hafen ist an das Eisenbahnnetz mit dem Bahnhof Emden Außenhafen indirekt über den Hauptbahnhof Emden angebunden.

Bedeutung[Bearbeiten]

Portalkran der Nordseewerke
Ein Katamaran der Reederei AG Ems am Borkumkai
Umschlag von Rotoren für Windenergieanlagen des Herstellers Enercon aus Aurich am Nordkai auf dem EPAS-Gelände
Ein mit Kfz beladenes RoRo-Schiff verlässt den Emder Außenhafen, rechts die Westmole (Hafeneinfahrt).
Die Cassens-Werft von der Hafenseite aus gesehen
Große Seeschleuse
Bindeglied zwischen Seehafen und Binnenwasserstraßen: die Borssumer Schleuse
Enercon-Windenergieanlage E 112 an der Ems in Emden, eine der ersten so genannten „Near-Shore-Windenergieanlagen” in Deutschland

Der Hafen ist von jeher der Lebensnerv der Stadt – ohne ihn wäre sie überhaupt nicht entstanden. Der Hafen geht zurück auf die Anfänge der Besiedlung dessen, was heute das Stadtgebiet Emdens ist: Etwa um das Jahr 800 herum entstand am nördlichen Ufer der Emsmündung eine friesische Handelssiedlung. Um 1600 war der Emder Hafen einer der bedeutendsten Nordeuropas. Seit zirka 1900 hat sich der Seehafen Emden zu einem modernen Umschlagsort entwickelt, der auch Industrieansiedlungen nach sich zog. Neben den Werften ist hier das Volkswagenwerk Emden zu nennen: Der VW-Konzern entschied sich 1964 bewusst für eine Hafenstadt als neuen Produktionsstandort – ohne den Hafen hätte sich also der mit weitem Abstand größte industrielle Arbeitgeber Ostfrieslands gar nicht erst in Emden angesiedelt. Somit hängt vom Hafen – direkt und indirekt – nahezu das gesamte Wirtschaftsleben der Stadt ab. Der Emder Hafen ist der flächenmäßig drittgrößte Hafen an der deutschen Nordseeküste.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Historie des Emder Hafens lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen: zum einen von der Entwicklung einer friesischen Handelssiedlung um das Jahr 800 herum bis zirka 1870. In den 1750er Jahren unternahmen von hier aus die Schiffe der Emder Ostasiatischen Handelskompanie Fahrten nach Kanton in China. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hat sich das Bild des Hafens hin zu einem modernen Industriehafen gewandelt.

Ab 1870[Bearbeiten]

Fast während des gesamten 20. Jahrhunderts galt Emden als der „Seehafen des Ruhrgebietes“. Kohle aus dem Ruhrgebiet wurde über den Dortmund-Ems-Kanal nach Emden transportiert, in umgekehrter Richtung wurde importiertes Eisenerz für die Stahlindustrie des Ruhrgebietes via Emden dorthin verschifft. Das Erz wurde vornehmlich an dem in den Jahren 1913 bis 1926 erbauten[4] Südkai umgeschlagen.

Der letzte Erzfrachter machte 1986 in Emden fest. Rotterdam hatte Emden den Rang für diese Produkte abgelaufen. Dabei spielten vier Gründe die wesentliche Rolle: Zum einen konnten die großen Massengutfrachter aufgrund ihres Tiefgangs den Emder Hafen nicht (mehr) anlaufen und mussten nahe Borkum kostspielig „geleichtert“ werden, das heißt Binnenschiffe übernahmen bereits dort einen Teil der Ladung. Ein Frachter konnte erst nach dem „Leichtern“ den Emder Hafen anlaufen.

Zudem wurden die Binnenschiffe stets größer, so dass der Dortmund-Ems-Kanal (und seine Schleusen) nicht mehr für neue Generationen von Binnenschiffen ausreichten. Die Europäisierung der Verkehrsströme tat ein Übriges, ebenso der Niedergang der Stahlindustrie, insbesondere im östlichen Teil des Ruhrgebietes. Die Hochöfen in Duisburg, dem bedeutendsten Stahlstandort Deutschlands, sind über den Rhein besser zu erreichen.

Inzwischen ist der Fahrzeugumschlag die bedeutendste Säule des Emder Hafens. Sämtliche Modelle des VW-Konzerns (inklusive Töchter) werden über Emden im- und exportiert, was den Emder Hafen zum drittgrößten Autoverladehafen Europas macht (nach Brügges Hafen Zeebrugge und Bremerhaven). Weitere Umschlagprodukte sind Forstprodukte und Flüssigkreide (beides für die Papierfabrik UPM Nordland Papier in Dörpen) sowie unter anderem Baustoffe, Getreide, Magnesiumchlorid, Mineralöl und Mineralölerzeugnisse, Eisen und Stahl.

Seit einigen Jahren ist Emden auch als Umschlaghafen für Windenergieanlagen aktiv. Diese stammen vom Hersteller Enercon im benachbarten Aurich, die vom Emder Hafen aus exportiert werden. Das Unternehmen BARD stellt ebenfalls Windenergie-Anlagen im Emder Hafen her. BARD spezialisiert sich aber im Gegensatz zu Enercon auf den Offshore-Bereich. Zurzeit wird Emden als Basishafen für Offshore-Windenergieanlagen in der Nordsee eingerichtet.

Weiterer großer industrieller Arbeitgeber sind die Nordseewerke, die seit März 2010 zur SIAG Schaaf AG gehören. In der früheren Großschiffswerft stellen 700 Mitarbeiter Teile für Offshore-Windenergianlagen her. Der Werftbetrieb (ohne Neubauten, nur Reparaturen und Umrüstungen) wird auf dem Gelände fortgesetzt von der Emder Werft und Dockbetriebe GmbH, die weiterhin zu ThyssenKrupp gehört

Im Bereich des Hafens sind diverse Unternehmen mit dem Umschlag der oben genannten Güter befasst, darunter die Emder Verkehrs und Automotive Gesellschaft mbH (EVAG), die Anker Schifffahrt GmbH, EPAS (Verschiffung von Windenergieanlagen) und mehrere Speditionen.

Der Freihafen in Emden wurde zum 1. Januar 2010 aufgelöst.[5]

Aktuelle Zahlen[Bearbeiten]

Der Hafenumschlag in Emden betrug im Jahr 2010 6,46 Millionen Tonnen. Der Seeverkehr erreichte nach der Krise 2009 im Jahr 2010 mit 4,277 Millionen Tonnen ein Umschlagplus von 17,7 %. 2011 stieg der Umschlag im Seeverkehr des Niedersachsen Ports Emden um 4,4 % auf 4,47 Millionen Tonnen, 2012 wurde ein Umschlagplus von rund zwei Prozent auf 4,5 Millionen Tonnen erreicht.[6]

Im Seeverkehr dominieren bei der Einfuhr Kreide, Forstprodukte, Steine und Erden sowie Kraftfahrzeuge, bei der Ausfuhr sind es mit weitem Abstand Kraftfahrzeuge. Im Binnenverkehr liegen beim Gütereingang Steine und Erden, Kreide, Mineralöle und Mineralölerzeugnisse sowie Forstprodukte vorne, beim Güterausgang sind es mit weitem Abstand Kreide und Forstprodukte – beides für die Dörpener Papierfabrik.

Mit 1,086 Millionen umgeschlagenen Kraftfahrzeugen hat der Emder Hafen 2010 das gute Ergebnis von 2007 (1,083 Millionen) wieder leicht übertroffen, 2012 waren es bereits 1,26 Millionen[7], 2013 1,23 Millionen Automobile.[8] Die Mehrzahl der verschifften Fahrzeuge stammt von Volkswagen.

Der Umschlag von Windenergiekomponeneten betrug beim Seeverkehr 2012 167.931 Tonnen (2011: 154.865 t).[9]

Hafeninfrastruktur[Bearbeiten]

Der Emder Hafen ist seewärtig durch zwei Schleusen erreichbar. Die ältere und kleinere Nesserlander Schleuse (erbaut 1883–1888) dient vornehmlich der Binnen- und Sportschifffahrt sowie der Wasserstandsregulierung im Hafen. Für die Schifffahrt ist sie allerdings wegen Baumaßnahmen seit einiger Zeit gesperrt. Bis spätestens Anfang 2016 soll die Einfahrtbreite auf 18 m und die Kammerlänge auf 180 m vergrößert werden.[10] Die Große Seeschleuse dient der See-, teils auch der Binnenschifffahrt. Mit einer Länge von 260 Metern galt sie für einige Zeit nach ihrer Fertigstellung 1913 als größte Seeschleuse ihrer Art.

Der Hafen hat eine Gesamtfläche von 730 Hektar, davon 210 Hektar Wasserfläche. Die Kailänge im Binnenhafen beträgt 7,3 Kilometer, diejenige im Außenhafen (jenseits der Seeschleusen, also unmittelbar an der Ems) beträgt 1,6 Kilometer.

Der Hafen verfügt über mehrere RoRo-Rampen, eine Container-Verladebrücke und mehrere Krane für die Verladung von Schüttgut, sowie mit dem Bahnhof Emden Außenhafen einen Personenbahnhof am Borkumkai in unmittelbarer Nähe zu den Fährschiffen der AG Ems zur Insel Borkum.

Die Verkehrszentrale Ems des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden an der Knock ist im Rahmen einer deutsch-niederländischen Kooperation für die Radarüberwachung der gesamten Emsmündung zuständig.

Nachfolgend die einzelnen Hafenabschnitte, teils mit Nennung von Umschlagsgütern, dort tätigen Firmen und Institutionen sowie Hafeninfrastruktur. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Emspier: seit 2004, direkt an der Ems gelegen, 250 m Kailänge
  • Emskai: (RoRo) Kraftfahrzeuge (VW), Militärgüter bei Auslandseinsätzen der britischen Streitkräfte in Deutschland, Papier
  • Außenhafen: Kraftfahrzeuge, Getreide
  • Borkumkai: Fährverkehr zur Insel Borkum (Reederei AG Ems), mehrere RoRo-Brücken
  • 1. Hafenbecken: derzeit ungenutzt
  • 2. Hafenbecken: Schiffbau (Cassens-Werft), Docks und Krananlagen
  • 3. Hafenbecken: Emder Yachtservice, Serviceeinrichtungen, Krananlagen
  • Neptundock: Liegeplätze für Baufahrzeuge auf Pontons (Baufirma Gebr. Neumann)
  • Alter Binnenhafen: Sportschifffahrt (Bewirtschaftung der Liegeplätze durch Reederei AG Ems)
  • Eisenbahndock: derzeit ungenutzt, Neubau von Wohnhäusern am Wasser (Bauprojekt Neuer Delft)
  • Alter Liegehafen / Tonnenhof: Betriebsflächen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden
  • Neuer Binnenhafen: Mehrere Steganlagen für die Sportschifffahrt, Liegeplätze für Baufahrzeuge auf Pontons (Baufirma v. d. Linde)
  • Binnenhafen/Industriehafen/Stichkanal: Schiffbau (Nordseewerke), mehrere Hellings, 400-Tonnen-Bockkran, weitere Werftkräne, Trockendock, Schwimmdock
  • Stichkanal: Baustoff- und Ölprodukteumschlag, Krananlagen
  • Borssumer Hafen: Baustoffumschlag, Krananlagen
  • Marinekai: derzeit ungenutzt
  • Ölhafen: Umschlag von Magnesiumchlorid und Flüssigkreide (Omya), Umschlaganlagen zur Flüssiggut-Verladung
  • Terminal I: (RoRo) Kraftfahrzeuge (EVAG)
  • Binnenschiffsbecken: Biomasse-Umschlag für dort liegendes Kraftwerk (E.ON, EWE AG und Stadtwerke Emden)
  • Nordkai: Containerumschlag; Umschlag von Windenergieanlagen (EPAS für den Hersteller Enercon)
  • Jarßumer Hafen: Umschlag von Windenergieanlagen (BARD Engineering), Umschlag von Türmen für Windenergieanlagen (Enercon)
  • Südkai: Baustoffe, mehrere Verladebrücken für Massengüter/Schüttgüter
  • Neuer Binnenhafen: Liegeplätze für Schlepper

Tourismus[Bearbeiten]

Der Emder Hafen hat außer für den Warenumschlag auch für den Tourismus eine erhebliche Bedeutung. Zum einen legen im Außenhafen die Fähren zur Nordseeinsel Borkum ab, zum anderen bildet der Hafen für Freizeitskipper den Durchlass von buten (Hochsee) nach binnen (Binnenwasserstraßen in Ostfriesland).

Zudem werden alte und nicht mehr für den Warenumschlag genutzte Flächen für die Freizeitschifffahrt und auch für die Stadtentwicklung genutzt (siehe Stadtteilarikel Behördenviertel und Klein-Faldern).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Emder Hafenförderungsgesellschaft e.V.: Jahresbericht 2011 (PDF-Datei; 109 kB), aufgerufen am 15. Dezember 2012
  2. Fritz Harders: Weißer Passat fuhr als millionstes Auto an Bord , Ostfriesen-Zeitung vom 11. Oktober 2012, aufgerufen am 15. Dezember 2012
  3. Niedersachsen Ports: Emden , abgerufen am 21. März 2012
  4. TÜV legt Verladebrücke am Südkai still, Ostfriesen-Zeitung vom 16. Februar 2013, abgerufen am 17. Februar 2013
  5. Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Aufhebung der Freihäfen Emden und Kiel (PDF-Datei; 24 kB), aufgerufen am 15. Dezember 2012
  6. Seaports of Niedersachsen Umschlagsplus in Niedersachsens Seehäfen, eingesehen am 3. juni 2013
  7. General-Anzeiger: Neue Höchstmarke beim Autoumschlag in Emden, General-Anzeiger vom 4. Januar 2013, aufgerufen am 4. Januar 2013
  8. Michael Meyer: Emden profitiert nicht vom Export-Plus. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Januar 2014, S. 1/3
  9. Unterschiedliche Entwicklung der Umschlagzahlen. Bilanz 2012. In: Schiff & Hafen, Heft 5/2013, S. 16/17, Seehafen-Verlag, Hamburg 2013, ISSN 0938-1643
  10. Bilanz der deutschen Seehäfen 2010. In: Hansa, Heft 4/2011, S. 63/64, ISSN 0017-7504

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Witthohn: Emden - Grüner Wind. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 6/2010, S. 28–31, Storck, Hamburg 2010, ISSN 0948-9002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Emder Hafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien