Hafen Klaipėda

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Hafen Klaipėda
Daten
UN/LOCODE LTKLJ
Hafentyp Seehafen
Gesamtfläche des Hafens 498 ha
Umgeschlagene Güter Schüttgut, Container etc.
Website Website des Hafens Klaipėda
Geografische Informationen
Ort Klaipėda
Republik Litauen
Staat Litauen
Der Hafen Klaipėda
Der Hafen Klaipėda
Koordinaten 55° 39′ 39,6″ N, 21° 8′ 43,8″ O55.66121.14550Koordinaten: 55° 39′ 39,6″ N, 21° 8′ 43,8″ O
Hafen Klaipėda (Litauen)
Hafen Klaipėda
Lage Hafen Klaipėda

Der Hafen Klaipėda (litauisch Klaipėdos valstybinis jūrų uostas) ist ein Seehafen in der litauischen Stadt Klaipėda. Er ist der größte Hafen des Landes und gehört zu den wenigen eisfreien nördlichen Ostseehäfen. Jährlich laufen etwa 7000 Schiffe aus ca. 45 Staaten den Hafen an. Das Hafengelände ist ungefähr 498 Hektar groß.

Geschichte bis 1918[Bearbeiten]

Die Geschichte des Hafens begann bereits Mitte des 13. Jahrhunderts, als im damaligen Memel die erste Burg entstand. 1475 erhielt die Stadt nach dem Kulmer Recht verschiedene Privilegien, wodurch der Hafen an Bedeutung gewann. Fortan gehörte Memel neben Danzig, Königsberg und Liepaja zu den wichtigen Umschlagpunkten des Seehandels in Ostpreußen. Gleichzeitig war Memel bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Festungshafen, weshalb das gesamte Hafenareal mit seinen Verteidigungsanlagen dem preußischen Staat gehörte.

Unter der Herrschaft des preußischen Königs Friedrich dem Großen nahm der Handel einen beachtlichen Aufschwung. Deshalb erfolgten Mitte des 18. Jahrhunderts erste Ausbauten des Hafens. 1770 erreichte die Zahl der einlaufenden Schiffe erstmals die Zahl 500. 1783 zählte die Memeler Handelsflotte 30 Schiffe. Der Wert der jährlichen Ausfuhren zur See betrug 1791 ca. 1,3 Millionen Taler und stieg 1798 auf 7,5 Millionen Taler. 1796 wurde auf einer Geländeerhebung nördlich der Stadt ein 54 Fuß hoher Leuchtturm erbaut. Der Lotsenturm entstand 1807.

Von wirtschaftlicher Bedeutung war der Hafen Memel vor allem als Holzhafen. Während ursprünglich die geschlagenen Bäume meist unbearbeitet ausgeführt wurden, begann 1753 die Verarbeitung der Hölzer in der Region, da so höhere Gewinne erzielt werden konnten. 1791 gab es in der Stadt bereits 14 Schneidemühlen. Die in den ausgedehnten Waldgebieten der Umgebung geschlagenen Bäume wurden in Flößen zusammengebundenen und durch den König-Wilhelm-Kanal nach Schmelz bei Memel befördert. Hier erfolgte die Weiterverarbeitung und der folgende Transport der Holzprodukte zum Hafen.

Einen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte der Hafen während des Krimkrieges 1853-1855. Da sämtliche russische Häfen von England und Frankreich blockiert wurden, musste ein großer Teil des russischen Handels über Memel abgewickelt werden.

1855 erfolgte die Anlage eines neuen Winterhafens. Mit der Anbindung der Stadt an das ostpreußische Eisenbahnnetz 1875 erhielt der Hafen drei Jahre später ein Verbindungsgleis zum Bahnhof. Im gleichen Jahr wurden die Hafenanlagen und der Ballastplatz ausgebaut. Um größeren Schiffen den Zugang zu ermöglichen, erfolgte um 1900 der Ausbau der Südermole, wodurch das Versanden der Hafeneinfahrt behoben und eine größere Einfahrtstiefe in der Haffmündung gewährleistet werden konnte.

Geschichte nach 1918[Bearbeiten]

Nach Erlangung der Unabhängigkeit Litauens wuchs die Bedeutung des einzigen Großhafens des Landes. In den Jahren 1921 und 1922 wurden unter Regie einer eigens eingerichteten Hafendirektion und mit Unterstützung der litauischen Regierung moderne Lade- und Löschvorrichtungen geschaffen, wobei man den durch die Stadt fließenden Fluss Dange als Hafenerweiterung einbezog. Hinzu kam ein Ausbau der bestehenden städtischen Industriebahn auf ca. 20 Kilometer. Zwischen 1935 und 1938 wurden zwischen 75–78 % des Gesamtexport und 66 % des Gesamtimport Litauens über den Klaipedaer Hafen abgewickelt.

Unter sowjetischer Herrschaft erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg der Ausbau zum Fischerei- und Handelshafen der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Außerdem gab es eine Schiffsreparatur- und eine Schiffsbauwerft. Sämtliche Hafenanlagen und Betriebe unterstanden verschiedenen Ministerien der ehemaligen Sowjetunion.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Mit der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit 1991 begann Litauen, die einzelnen Bereiche des Hafens von Klaipėda zu einem modernen und universellen Seehafen nach westeuropäischem Vorbild umzubauen. Im Zuge der neuen Struktur des Hafens wurde 1991 die Staatliche Seehafenbehörde Klaipeda gegründet. Ihr obliegt die Verwaltung des Hafens und dessen Einbeziehung in die verkehrstechnische Infrastruktur des Landes. 1996 wurde das Klaipeda-Hafengesetz erlassen, welches Grundstück und Infrastruktur des Hafens als Staatsbesitz festschreibt, Umschlag und Lagerung jedoch privaten Unternehmen überlässt. Nach Modernisierungsarbeiten kann der Hafen heute Schiffe bis zu 195 m Länge mit bis zu 10,5 m Tiefgang aufnehmen. 1996 erreichte der Frachtdurchsatz fast 15 Millionen Tonnen. Außerdem nutzten mehr als 60.000 Passagiere den Hafen, meist im Fährverkehr. Regelmäßige Verbindungen bestehen u.a. nach Kiel, Kopenhagen, Åhus, Rotterdam, Felixstowe und Malmö. Außerdem gibt es einige Inlandsverbindungen zu Orten an der litauischen Küste und in die benachbarten baltischen Staaten.[1] Die Route nach Saßnitz-Mukran wurde am 30. September 2013 eingestellt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hafen Klaipėda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Staatliche Seehafen Klaipeda. Website abgerufen am 20. August 2012.
  2. Litauen Fähre von Sassnitz nach Klaipeda. Abgerufen am 12. Januar 2014.