Hagioskop

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Ein Hagioskop (v. gr.: hágios: heilig; skopein: sehen, betrachten), auch Lepraspalte und - regional - Pönitenzfenster[1][2] (Pönitenz: v. lat. poenitentia = [kirchliche] Buße, Bußübung) genannt, ist ein Mauerdurchbruch in einem mittelalterlichen Kirchengebäude, der von außen den Blick ins Innere der Kirche auf den Altar erlaubt. Diese Mauerdurchbrüche waren rund, rechteckig oder auch kreuzförmig.

Im Mittelalter wurden manche Kirchen mit einer solchen Öffnung versehen, damit Menschen, die sich freiwillig oder notwendigerweise aus der Gemeinschaft mit anderen Menschen zurückgezogen hatten, das Geschehen am Altar betrachten und die Kommunion empfangen konnten. Freiwillig zurückgezogen lebten sogenannte Klausner oder Inklusen, die zum Zweck intensiverer religiöser Andacht und Meditation möglichst abgeschieden in kleinen Zellen lebten, die entweder von außen an die Kirche angebaut oder in dickere Wände hineingebaut waren.

Im 12. Jahrhundert kam es jedoch auch im Zuge großer Epidemien zur Notwendigkeit, größere Zahlen von Aussätzigen geistlich zu versorgen, die getrennt von der Gemeinde leben mussten. Diesen Kranken hatte das Dritte Laterankonzil 1179 zwar die Bildung eigener Gemeinschaften mit eigenen Priestern, eigenen Kirchen und eigenen Friedhöfen erlaubt, das war jedoch auf dem Land nicht immer möglich. Hagioskope finden sich daher meist in Gebieten, die im Mittelalter dünn besiedelt waren, kaum in Kirchen größerer mittelalterlicher Städte, wo Leprakranke oft in Leprosorien (Leprahäusern) untergebracht waren, die über eigene Kapellen verfügten.

Nach Ende der großen Lepra-Epidemien Ende des 16. Jahrhunderts wurden Hagioskope zum Teil verfüllt oder zugemauert und erst im 19. und 20. Jahrhundert bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt und wiederhergestellt. Verbreitet waren Hagioskope nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, in Finnland, in Frankreich, in Italien, in den Niederlanden, in Schweden sowie im Vereinigten Königreich.

Die einschlägige Forschungsliteratur diskutiert für das Deutschordensland nur Hagioskope, die für asketische Inklusen angelegt worden waren,[3] nicht die Nutzung durch Aussätzige.

Dänemark[Bearbeiten]

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Deutschland[Bearbeiten]

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

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Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

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Niedersachsen[Bearbeiten]

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Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

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Rheinland-Pfalz[Bearbeiten]

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Sachsen-Anhalt[Bearbeiten]

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Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

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Finnland[Bearbeiten]

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Frankreich[Bearbeiten]

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Italien[Bearbeiten]

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  • Dreifaltigkeitskirche (Chiesa della Santissima Trinità, auch Sveta Trojica genannt) im Dorf Monteaperta, Gemeinde Taipana in der Provinz Udine, Friaul.

Niederlande[Bearbeiten]

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Schweden[Bearbeiten]

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Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

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Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Elmer: Mauerdurchbrechender Blick und Hagioskop in der Backsteinarchitektur des Deutschordenslandes. In: Die sakrale Backsteinarchitektur des südlichen Ostseeraumes – der theologische Aspekt. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7861-1569-9, S. 233–243.
  • Kai Peter Jankrift: Hagioskope - Unbeachtete Zeugnisse der Leprageschichte. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 7. Jahrgang / 1999, S. 1 ff., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Norbert Jömann, Christiane Junker, Chadi Touma (Hg.): Religion - wieso, weshalb, warum? Zur Funktion von Religion aus soziologischer, biologischer, philosophischer und theologischer Sicht. Reihe: Edition KSHG, Bd. 3, LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-6947-4, S. 95 ff.
  • Ivo Just: Das Hagioskop der Johanniterkapelle in Bokelesch. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 13. Jahrgang / 2005, S. 11 f., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Ingeborg Nöldeke: Hagioskope mittelalterlicher Dorfkirchen auf der ostfriesischen Halbinsel - Eine unerwartete Entdeckung. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 18. Jahrgang / 2010, S. 10 f., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Ingeborg Nöldeke: Verborgene Schätze in ostfriesischen Dorfkirchen – Hagioskope, Lettner und Sarkophagdeckel – Unbeachtete Details aus dem Mittelalter. Isensee Verlag, Oldenburg 2014, ISBN 978-3-7308-1048-4; Inhaltsverzeichnis, abgerufen am 31. Januar 2015.
  • Alfred Rauhaus: Kleine Kirchenkunde - Reformierte Kirchen von innen und außen. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-63374-8, S. 91 ff.
  • Ingomar Reiff: Ostfrieslandfahrt zu Hagioskopen mittelalterlicher Dorfkirchen. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 18. Jahrgang / 2010, S. 12 f., abgerufen am 30. Januar 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hagioskop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Baugeschichtliches zur St.-Marien-Kirche Boren, abgerufen am 30. April 2015.
  2. a b St.-Andreas-Kirche in Brodersby, abgerufen am 30. April 2015.
  3. Elmer, siehe Literatur.
  4. Kirche von Tørring (dänisch), abgerufen am 5. März 2015.
  5. Reinhold Kießling: Siechenhauskapelle Waiblingen - 540 Jahre alt. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 21. Jahrgang / 2013, S. 10 f., abgerufen am 2. März 2015.
  6. Eugen Schüle: Kapelle und Siechenhaus Waiblingen, abgerufen am 2. März 2015.
  7. Sanierung des Klösterle, abgerufen am 4. März 2015.
  8. Die Außenwandmalerei der Johanniterkirche Mirow, abgerufen am 2. Februar 2015.
  9. Dr. Jörgen Welp: Kirchen in der oldenburgischen Wesermarsch, abgerufen am 2. Februar 2015.
  10. Zugemauerte Nische (Hagioskop) entdeckt, abgerufen am 16. Februar 2015.
  11. Hagioskop - Lepraspalte in der Kirche Midlum im Rheiderland, abgerufen am 11. Februar 2015.
  12. Die Rasteder St.-Ulrichs-Kirche, abgerufen am 11. Februar 2015.
  13. Lepraspalten in der Kirchenwand - Das Hagioskop von Roggenstede, abgerufen am 1. Februar 2015.
  14. Lepraspalte an der Sandeler Kirche, abgerufen am 11. Februar 2015.
  15. Zugemauertes Hagioskop in der Kirche Strackholt, abgerufen am 11. Februar 2015.
  16. Hagioskop der Suurhuser Kirche, abgerufen am 1. Februar 2015.
  17. Kirche St. Ulricus in Börninghausen, abgerufen am 1. Februar 2015.
  18. Das Kirchenschiff wurde 1886 durch Brandstiftung zerstört, erhalten ist der Chorraum, die Eligiuskapelle, abgerufen am 15. Februar 2015.
  19. Kulturgüter in der Region Trier, abgerufen am 15. Februar 2015.
  20. Jiri Fajt (Hg.), Wilfried Franzen (Hg.), Peter Knüvener (Hg.): Die Altmark von 1300 bis 1600 - Eine Kulturregion im Spannungsfeld von Magdeburg, Lübeck und Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-106-8, S. 309.
  21. Hagioskop der Kirche Nôtre Dame in Dives-sur-Mer, abgerufen am 2. Februar 2015.
  22. Hagioskop der Basilika Notre-Dame-du-Roncier in Josselin, abgerufen am 1. Februar 2015.
  23. Baugeschichte der Alten Kirche Oosterbeek (niederländisch), abgerufen am 2. Februar 2015.
  24. Das kreuzförmige Hagioskop der Kirche von Bro, abgerufen am 1. Februar 2015.
  25. Kurze Beschreibung der Kirche von Granhult (schwedisch), abgerufen am 2. Februar 2015.
  26. Das Hagioskop der Kirche von Husaby, abgerufen am 4. März 2015.
  27. Priorat: von einer Abtei abhängiges, kleines Kloster.