Hagioskop

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Hagioskop (griechisch hágios: heilig; skopein: sehen, betrachten), auch Lepraspalte genannt, ist ein Mauerdurchbruch in einem mittelalterlichen Kirchengebäude, der von außen den Blick ins Innere der Kirche auf den Altar erlaubt. Diese Mauerdurchbrüche waren rund, rechteckig oder auch kreuzförmig.

Im Mittelalter wurden manche Kirchen mit einer solchen Öffnung versehen, damit Menschen, die sich freiwillig oder notwendigerweise aus der Gemeinschaft mit anderen Menschen zurückgezogen hatten, das Geschehen am Altar betrachten und die Kommunion empfangen konnten. Freiwillig zurückgezogen lebten sogenannte Klausner oder Inklusen, die zum Zweck intensiverer religiöser Andacht und Meditation möglichst abgeschieden in kleinen Zellen lebten, die entweder von außen an die Kirche angebaut oder in dickere Wände hineingebaut waren.

Im 12. Jahrhundert kam es jedoch auch im Zuge großer Epidemien zur Notwendigkeit, größere Zahlen von Aussätzigen geistlich zu versorgen, die getrennt von der Gemeinde leben mussten. Diesen Kranken hatte das Dritte Laterankonzil 1179 zwar die Bildung eigener Gemeinschaften mit eigenen Priestern, eigenen Kirchen und eigenen Friedhöfen erlaubt, das war jedoch auf dem Land nicht immer möglich. Hagioskope finden sich daher meist in Gebieten, die im Mittelalter dünn besiedelt waren, kaum in Kirchen größerer mittelalterlicher Städte, wo Leprakranke oft in Leprosorien (Leprahäusern) untergebracht waren, die über eigene Kapellen verfügten.

Nach Ende der großen Lepra-Epidemien Ende des 16. Jahrhunderts wurden Hagioskope zum Teil verfüllt oder zugemauert und erst im 19. und 20. Jahrhundert bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt und wiederhergestellt. Verbreitet waren Hagioskope nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden, in Frankreich sowie in Schweden.

Die einschlägige Forschungsliteratur diskutiert für das Deutschordensland nur Hagioskope, die für asketische Inklusen angelegt worden waren,[1] nicht die Nutzung durch Aussätzige.

Deutschland[Bearbeiten]

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Auswahl

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

Auswahl

Niedersachsen[Bearbeiten]

Auswahl

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

Auswahl

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten]

Auswahl

Finnland[Bearbeiten]

Auswahl

Frankreich[Bearbeiten]

Auswahl

Italien[Bearbeiten]

Auswahl

  • Chiesa della Santissima Trinità (auch Sveta Trojica genannt) im Dorf Monteaperta, Gemeinde Taipana in der Provinz Udine, Friaul

Niederlande[Bearbeiten]

Auswahl

Schweden[Bearbeiten]

Auswahl

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Auswahl

Literatur[Bearbeiten]

  • Kai Peter Jankrift: Hagioskope - Unbeachtete Zeugnisse der Leprageschichte. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 7. Jahrgang / 1999, S. 1 ff., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Gerhard Elmer: Mauerdurchbrechender Blick und Hagioskop in der Backsteinarchitektur des Deutschordenslandes. In: Die sakrale Backsteinarchitektur des südlichen Ostseeraumes – der theologische Aspekt. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7861-1569-9, S. 233–243.
  • Ivo Just: Das Hagioskop der Johanniterkapelle in Bokelesch. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 13. Jahrgang / 2005, Seite 11 f., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Ingeborg Nöldeke: Hagioskope mittelalterlicher Dorfkirchen auf der ostfriesischen Halbinsel - Eine unerwartete Entdeckung. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 18. Jahrgang / 2010, Seite 10 f., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Ingomar Reiff: Ostfrieslandfahrt zu Hagioskopen mittelalterlicher Dorfkirchen. In: Die Klapper - Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V., Münster, 18. Jahrgang / 2010, Seite 12 f., abgerufen am 30. Januar 2015.
  • Ingeborg Nöldeke: Verborgene Schätze in ostfriesischen Dorfkirchen – Hagioskope, Lettner und Sarkophagdeckel – Unbeachtete Details aus dem Mittelalter. Isensee Verlag, Oldenburg 2014, ISBN 978-3-7308-1048-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elmer, siehe Literatur.

Weblinks[Bearbeiten]