Hainewalde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hainewalde
Hainewalde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hainewalde hervorgehoben
50.90555555555614.7322Koordinaten: 50° 54′ N, 14° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Großschönau-Hainewalde
Höhe: 322 m ü. NHN
Fläche: 12,96 km²
Einwohner: 1577 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 122 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02779
Vorwahl: 035841
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 170
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kleine Seite 04
02779 Hainewalde
Webpräsenz: www.hainewalde.de
Bürgermeister: Jürgen Walther (parteilos)
Lage der Gemeinde Hainewalde im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Hainewalde (Oberlausitzer MundartHeenewaale) ist eine sächsische Gemeinde im Landkreis Görlitz. Sie liegt nahe der deutsch-tschechischen Grenze und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Großschönau-Hainewalde.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

An der Mandau, Blick zur Kirche

Die Gemeinde Hainewalde liegt im südwestlichen Teil des Landkreises. Sie liegt etwa zehn Kilometer westlich von Zittau im Vorland des Zittauer Gebirges und wird von der Mandau durchflossen. Sie grenzt südlich an den vor dem Zittauer Gebirge gelegenen Breiteberg, welcher als Hausberg von Hainewalde betrachtet wird.

Westlich des Gemeindegebietes verläuft die Grenze zur Tschechischen Republik. Die Gemeinde befindet sich an der Bahnstrecke Zittau–Varnsdorf, wobei der Bahnhof stündlich von Zügen der Vogtlandbahn in Richtung Seifhennersdorf und Liberec bedient wird. Nördlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 96 im Abschnitt Löbau–Zittau.

Geschichte[Bearbeiten]

Wbt.: 57,4 % (2009: 52,5 %)
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2009

2014

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a BK Hainewalde
Karte von Oberreit mit nördl. Teil von Hainewalde um 1845
Karte von Oberreit mit südl. Teil von Hainewalde um 1845

Hainewalde wurde im Zuge der feudalen deutschen Ostsiedlung von den Siedlern entlang des Mandautales als Waldhufendorf angelegt. Der Ort wurde 1326 urkundlich als „Heyninwalde“ erwähnt. Der Ortsname ist wahrscheinlich vom Ortsgründer „Hener“, „Heno“, „Hening“ oder „Heinrich“ abzuleiten.

Im Jahr 1392 wurde das Alte Schloss (Torhaus) als Rittergut erbaut.[3]

Während der Hussitenkriege wurden die Hussiten am Breiteberg, an dem sie mit ihrer großer Beute nach Böhmen vorbeizogen, von im Gehölz versteckten Zittauern angegriffen. Dabei kamen 150 Mann ums Leben.

Am 20. September 1546 wurde Dr. Ulrich von Nostitz mit Hainewalde belehnt. Nach seinem Tod 1552 übernahm sein Sohn Christoph von Nostitz (1533 bis 10. Februar 1576) die Herrschaft.

1564 erfolgte der Bau des Alten Schlosses, welches 1780 teilweise und 1845 vollständig abgetragen wurde.

Nach dem Prager Frieden fiel die Oberlausitz und damit Hainewalde 1636 an Sachsen, wobei jedoch weitgehende Zugeständnisse an Eigenständigkeit und Religionsfreiheit gemacht wurden. Um 1650 zog dies einige böhmische Exulanten an, die die Einwohnerzahl vergrößerten. Sie brachten die Haarbodenweberei und Siebherstellung nach Hainewalde und trugen so zu einem wirtschaftlichen Aufschwung bei.

1749 bis 1755 ließ der preußische Kammerherr Samuel Friedrich von Kanitz das Neue Schloss errichten.[4] Es erhebt sich noch heute eindrucksvoll über einem terrassierten Berghang. 1778 fiel der Besitz Hainewalde im Wege der Erbfolge an die mit der Familie von Kanitz verschwägerte Familie von Kyaw, die diesen am 12. März 1927 an die Gemeinde Großschönau verkaufte.

Am 26. März 1933 wurde es von der Schutzwache des SA-Sturmbannes III-102 aus Dresden besetzt, welche für politische Gefangene ein provisorisches Konzentrationslager einrichtete, in dem zwischen 450 und 1.000 Häftlinge eingekerkert und misshandelt wurden, unter ihnen die Juden besonders. Bereits am 28. März 1933 trafen die ersten Gefangenentransporte ein. Am 10. August 1933 wurde das KZ Hainewalde wieder aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es unterschiedlichen Nutzungen. Seit 1972 steht es leer und verfällt. 2000 wurde der „Förderverein zur Erhaltung des Kanitz-Kyawschen Schlosses Hainewalde e. V.“ gegründet. So konnte im Jahr 2007 mit der Sanierung des Ostflügels begonnen werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wasserschloss
Himmelsbrücke
  • Umgebindehäuser
  • Kirche von 1705 (Grundsteinlegung am 15. April) bis 1711 (Einweihung am 7. Okt.) erbaut (Bauruhe vom 6. Sept. 1706 bis Frühjahr 1708 wegen Kriegsunruhen, Baukosten 11.064 Taler, 10 Groschen und 3½ Pfennig)[5]
  • Wasserschloss: Im nördlichen Teil der Anlage des Schlossparkes befindet sich das Torhaus des unter der Herrschaft der Familie von Nostitz errichteten alten Schlosses. Von dieser einstigen Wasserburg in etwa quadratischer Grundform mit Innenhof ist nach dem Abbruch im Jahre 1780 lediglich das Torgebäude mit seinem westseitigen Renaissanceportal erhalten geblieben.
  • Schloss Hainewalde: Von 1749 bis 1755 wurde das Neue Schloss zusammen mit der terrassierten barocken Gartenanlage unter der Herrschaft der Familie von Kanitz-Kyaw erbaut. 1883 wurde das Schloss renoviert und die Außenfassade ihrer Barockelemente beraubt. Stattdessen erhielt sie italisierende Sgraffiti.
  • barocke Gruft der Familie Kanitz-Kyaw auf dem Friedhof von 1715
  • Hausberg Breiteberg mit Aussichtsturm, Bergbaude und Querxhöhle
  • Roschertal flussabwärts entlang der Mandau
  • Himmelsbrücke, einbogige Bogenbrücke von 1832 über die Mandau

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Ein Gedenkstein am Eingang des Schlossgartens erinnert an Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus.

Kultur[Bearbeiten]

Es gibt mehrere Vereine im Ort. Über die Ortsgrenzen bekannt ist das Roaperradl, in dem monatlich Kulturveranstaltungen organisiert werden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Rassekaninchen- und Geflügelschau
  • Hainewalder Weihnachtsmarkt

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinderatswahl 2014. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 12. August 2014.
  3. Hainewalde: Altes Schloss Hainewalde. In: Sachsens-Schlösser.de. Abgerufen am 31. März 2014.
  4. Hainewalde: Neues Schloss Hainewalde. In: Sachsens-Schlösser.de. Abgerufen am 31. März 2014.
  5. Hainewalder Sehenswürdigkeiten: Die Kirche. Abgerufen am 31. März 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kirsten Krepelin & Thomas Thränert: Schloss und Gartenanlage Hainewalde. Verlag G. Oettel: Görlitz, 2010. ISBN 978-3-938583-54-8.
  • Falk Lorenz: Terrassen und Treppen. Schloßpark Hainewalde; in: Ernst Panse (Hg.): Parkführer durch die Oberlausitz; Lusatia Verlag: Bautzen 1999; S. 215–217; ISBN 3-929091-56-9.
  • Monika Rössler (Hrsg.): Hainewalde im Tal der Mandau. Geiger: Horb am Neckar, 1994. ISBN 3-89264-957-X.
  • Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 2. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1971.
  • Arthur Wündrich: Die deutsche Siebmacherei und Rosshaarweberei in ihrer historischen Entwicklung und ihre gegenwärtige Lage, vornehmlich in Hainewalde; Fritsche & Schmidt: Leipzig, 1910.
  • Cornelius Gurlitt: Hainewalde. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 29. Heft: Amtshauptmannschaft Zittau (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1906, S. 27.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hainewalde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien