Hans-Joachim Herrmann (Flieger)

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Hajo Herrmann (1944)

Hans-Joachim („Hajo“) Herrmann (* 1. August 1913 in Kiel; † 5. November 2010 in Düsseldorf)[1] war ein deutscher Kampf- und Jagdflieger während des Zweiten Weltkriegs (zuletzt Oberst) und Rechtsanwalt, der u. a. bekannte Alt- und Neonazis, Holocaustleugner und Rechtsextremisten verteidigte und selbst dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen war.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Hajo Herrmann diente von 1933 bis 1935 bei der Infanterie der Reichswehr und wechselte anschließend zur Luftwaffe der Wehrmacht über. Von 1936 bis 1937 war er als Bomberpilot der Legion Condor und Inspekteur der Flak-Waffe im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Weitere Einsätze hatte er im Zweiten Weltkrieg nach dem Polenfeldzug und im Luftkrieg gegen Großbritannien, an denen er sich unter anderem bei den Angriffen auf die India-Docks in der großen Themseschleife im Ostteil Londons beteiligte. Nach einer Reihe von weiteren Einsätzen wurde ihm im Oktober 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. 1941 wurde er mit seiner Einheit an das Mittelmeer verlegt und flog mehrere Luftangriffe auf den strategisch wichtigen britischen Flottenstützpunkt Malta. Bei der Bombardierung von alliierten Nachschubkonvois zum sowjetischen Hafen Murmansk, die von norwegischen Flugplätzen aus erfolgte, erlangte er Erfahrung hinsichtlich der Schiffsbekämpfung.

Hermann erkannte recht früh, dass die deutsche Nachtjagd an Kampfkraft verlor, und schlug am 27. Juni 1943 dem Kommandierenden General der Nachtjäger Josef Kammhuber vor, Tagjäger in einem eigens entwickelten Verfahren – Wilde Sau – direkt über dem Angriffsgebiet operieren zu lassen, was dieser zunächst ablehnte. Erst als die britische Royal Air Force am 25. Juli 1943 die Operation Gomorrha (verheerende Luftangriffe auf Hamburg mit Feuersturm) startete, entschloss man sich, das neue Verfahren zu testen.

Das Jagdgeschwader 300 „Wilde Sau” wurde aufgestellt. Hermann stieg zum Geschwaderkommodore und Divisionskommandeur auf und hatte zuletzt den Rang eines Oberst inne. Die Abwehr alliierter Nachtbomberangriffe wurde effizienter; dafür erhielt Hermann am 2. August 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Herrmann konnte als ein Vertrauter von Hermann Göring gelten, der ihn auf Grund seiner organisatorischen Fähigkeiten – oft unter Umgehung der Luftwaffenhierarchie – mit Sonderaufgaben hinsichtlich der Reichsverteidigung gegen die alliierten Bombardements betraute.

Seine Leistungen in der Reichsverteidigung wurden am 23. Januar 1944 mit der Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz gewürdigt. Herrmann war Mitbegründer der sogenannten „Rammjäger” (Sonderkommando Elbe), die im April 1945 in den Kriegseinsatz geschickt wurden.

Im Verlauf des Krieges absolvierte er 370 Feindflüge, wobei er selbst vier Mal abgeschossen wurde.

Aktivitäten nach 1945[Bearbeiten]

Im Mai 1945 kam Herrmann in Kriegsgefangenschaft in die Sowjetunion, aus der er am 12. Oktober 1955 in die Bundesrepublik Deutschland zurückkehrte. Anschließend nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf und ließ sich 1965 als Rechtsanwalt in Düsseldorf nieder. Herrmann, der selbst bis zu seinem Lebensende rechtsradikale Thesen vertrat, wurde bald zu einem der bekanntesten Verteidiger von Alt- und Neonazis, Holocaustleugnern und Rechtsextremisten. Unter seinen Mandanten waren u. a. Otto Ernst Remer, David Irving sowie der selbsternannte „Gaskammerexperte“ und verurteilte Holocaustleugner Fred A. Leuchter. Herrmann veröffentlichte auch Bücher zum Zweiten Weltkrieg und engagierte sich als Redner für DVU und NPD. Außerdem war er Mitglied der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger.

Privates[Bearbeiten]

Seit 1959 war Herrmann mit der Sängerin und Hochschullehrerin Ingeborg Herrmann-Reichelt verheiratet.[2] Aus der Ehe stammen zwei Kinder. Die Seebestattung von Hajo Herrmann fand vor seinem Geburtsort statt.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern [4]
    • Ritterkreuz am 13. Oktober 1940
    • Eichenlaub am 2. August 1943 (269. Verleihung)
    • Schwerter am 23. Januar 1944 (43. Verleihung)
  • Deutsches Kreuz in Gold am 5. Juni 1942 [4]
  • Frontflugspange in Gold
  • Spanienkreuz in Bronze mit Schwertern

Siehe auch[Bearbeiten]

Publizistische Tätigkeit[Bearbeiten]

  • Bewegtes Leben – Kampf- und Jagdflieger 1935 – 1945, Motorbuch 1984, Universitas ab 1993, ISBN 3-613-01008-9
  • Als die Jagd zu Ende war – Mein Flug in die sowjetische Gefangenschaft, Universitas/Herbig-Verlag (1988) ISBN 3-8289-0330-4
  • "Supersoldiers" – Die Wehrmacht im Urteil ausländischer Experten, FZ-Verlag (2006) ISBN 3-924309-77-9 (als Herausgeber)
  • Erinnerungen eines deutschen Luftwaffenoffiziers (2006, selbst gesprochenes Hörbuch auf 2 CDs), Polarfilm
  • Kleine Odyssee – Der Luftangriff auf den Hafen von Piräus (2007, Hörbuch auf 2 CDs – Herrmann spricht die Einleitung)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Obituaries Hans-Joachim Herrmann in: The Daily Telegraph vom 24. November 2010
  2. Hamburger Abendblatt vom 26. September 1959
  3. Traueranzeige der Familie in Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 2010
  4. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 385