Hal Roach

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Hal Roach (1920)

Hal Roach senior (* 14. Januar 1892 in Elmira, New York; † 2. November 1992 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor.

Als Chef der in Culver City angesiedelten Hal Roach Studios produzierte er von Mitte der 1910er-Jahre bis in die 1960er-Jahre über 1200 Filme und Fernsehsendungen, fast ausschließlich Komödien. Seinen Durchbruch als Produzent erreichte er mit den Stummfilmen um Starkomiker Harold Lloyd, später war er Produzent und Regisseur legendärer Filmreihen wie Laurel und Hardy oder den Kleinen Strolchen. Roach wurde 1984 mit einem Ehrenoscar und 1992 als 100-jähriger mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet, jeweils für sein Lebenswerk.

Leben[Bearbeiten]

Frühes Leben und Durchbruch[Bearbeiten]

Hal Roach wurde nahe New York in eine irischstämmige Familie geboren. Er betätigte sich zunächst in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten in den unterschiedlichsten Berufen, vom Goldsucher in Alaska bis zum Lastwagenfahrer. Schließlich kam er 1912 nach Hollywood, das damals noch junge Zentrum der US-Filmindustrie, wo er als Statist in Filmen auftrat. Allerdings ahnte er bereits nach wenigen Filmen, dass er als Schauspieler kaum erfolgreich sein würde. Er begann eine Karriere als Filmassistent und eröffnete wenig später sein eigenes Filmstudio, welches anfangs nur bescheidenen Erfolg hatte. Zum ersten Hauptdarsteller seiner Filme wurde Roachs guter Freund Harold Lloyd. Lloyd spielte zunächst ab 1915 die Figur des „Lonesome Luke“, eine der vielen Chaplin-Kopien zur damaligen Zeit. Erst als Lloyd und Roach eine eigenständige Figur entwickelten – den draufgängerischen Abenteurer mit der kreisrunden Hornbrille, einen Strohhut und dem konventionellen Anzug eines jungen Angestellten – sollte der große Erfolg auf sie zukommen. Zum weiblichen Star der Hal Roach-Filme mit Lloyd wurde Bebe Daniels und später Mildred Davis, mit beiden war Lloyd auch in einer persönlichen Beziehung.

Arbeit in den Hal Roach Studios[Bearbeiten]

Im Vergleich zu anderen Hollywoodstudios ließ Roach seinen Komikern viel Freiraum, damit diese ihre Talente und ihre Kreativität frei entfalten konnten. Sie durften sich zum Beispiel als Gagschreiber und Drehbuchautoren bei ihren Filmen beteiligen, wovon unter anderem Harold Lloyd und Stan Laurel intensiv Gebrauch machten und so auch hinter der Kamera Anteil am Erfolg ihrer Filme hatten. Insbesondere in den frühen Jahren seines Studios schrieb Roach an vielen seiner Filme selbst als Drehbuchautor mit. Gleichzeitig achtete er aber auch darauf, dass die Filme wirtschaftlich erfolgreich waren, auch weil seine Filmbudgets im Vergleich zu denen der großen Hollywoodstudios immer eher begrenzt waren. Er baute 1919 seine 58,680 m² großen Hal Roach Studios auf einem Gelände in Culver City. Harold Lloyd stieg zu dieser Zeit neben Charlie Chaplin und Buster Keaton zum dritten großen Komiker von Hollywoods Stummfilmzeit auf. Mit Ausgerechnet Wolkenkratzer! feierten Lloyd und Roach 1923 ihren bis dahin größten Erfolg und Roach konnte seinen langjährigen Konkurrenten, den Comedy-Produzenten Mack Sennett, übertrumpfen. Anschließend verließ Lloyd die Hal Roach Studios, um eigenständiger arbeiten zu können, dennoch blieben er und Roach bis zu seinem Tod im Jahre 1971 gute Freunde.

Roach setzte bei seinen Filmen insbesondere auf den Einsatz von Slapstick, weil er diesen als universell witzigen Humor betrachtete. Seine Filme wurden bis 1927 von Pathé Exchange in den Kinos vertrieben, dann wechselte er zu Metro-Goldwyn-Mayer und schließlich 1938 zu United Artist. Ab den 1920er-Jahren drehten bekannte klassische Komiker wie Will Rogers, Max Davidson, Charley Chase, Harry Langdon, James Finlayson, Thelma Todd, ZaSu Pitts und Patsy Kelly bei Hal Roach ihre Filme. Berühmt wurden insbesondere seine Kleinen Strolche, welche ab 1922 in den Kinos Erfolge verzeichnen konnten. Roach bekam die Idee zur Filmserie 1921, während er Kinder vor seinem Studio betrachtete, die sich um ein Stück Holz stritten. Roach und seinem Regisseur Robert F. McGowan war es bei den Kleinen Strolchen wichtig, ein natürlicheres und kein – wie sonst üblich – gekünsteltes Verhalten der Kinder einzufangen. Er ließ in der Serie afroamerikanische Kinder mit weißen Kindern spielen, was zu vielen Beschwerden und Protesten im damals sehr rassistisch eingestellten Amerika führte. Aber nicht nur Menschen kamen in Roachs Filmen zum Einsatz, er ließ auch eine Reihe von Tierfilm-Komödien drehen.

Bei meist größeren Filmprojekten seines Studios betätigte sich Roach nicht nur als Produzent, sondern auch als verantwortlicher Regisseur seiner Filme. Seine Hal Roach Studios wurden wegen der vielen Komödien auch als Hollywoods Laugh Factorybezeichnet. Ab Ende der 1920er-Jahre paarte Roach regelmäßig die Schauspieler Stan Laurel und Oliver Hardy als trotteliges Duo zusammen, weil diese auf der Leinwand gut miteinander harmonierten. Als Laurel und Hardy („Dick und Doof“) wurden beide zu dem wohl erfolgreichsten Komikerduo der Filmgeschichte und übten mit ihren berühmten Gags großen Einfluss auf spätere Komiker aus. Raoch ließ Stan Laurel, dem kreativen Kopf des Duos, viel Freiraum und Laurel war nicht nur Schauspieler, sondern häufig auch Co-Regisseur, Drehbuchautor und Co-Produzent seiner Filme. 1932 brachten Laurel und Hardy den Hal Roach Studios mit dem Kurzfilm Der zermürbende Klaviertransport ihren ersten Oscar ein. Den zweiten und letzten Oscar fuhr Hal Roach 1937 für die Komödie Bored of Education von den Kleinen Strolchen ein.

Durch den veränderten Publikumsgeschmack musste Roach, welcher zuvor fast ausschließlich Kurzfilme drehte, sich in den 1930er-Jahren auf Langfilme umstellen. Als der Langfilm General Spanky (1936) von den Kleinen Strolchen floppte, verkaufte er die Reihe Ende der 1930er-Jahre an MGM, da auch die Kurzfilme der Kleinen Strolche kaum mehr profitabel waren. Nach ihrem Wechsel zu MGM verloren die Kleinen Strolche nach allgemeiner Meinung deutlich an Qualität, vor allem weil ihre frechen Späße aus den Roach-Filmen bei MGM deutlich zahmer und vorhersehbarer ausfielen. 1940 verließen Laurel und Hardy Roachs Studio nach dem Film Auf hoher See, weil es ab Mitte der 1930er-Jahre immer wieder zu künstlerischen Differenzen zwischen ihm und Stan Laurel gekommen war. Die beiden Komiker wechselten zu MGM, jedoch verließ sie dort ebenfalls der Erfolg und sie wurden nach einigen schwächeren Filmen 1944 eingestellt. Statt Komikern setzte Roach nun vor allem auf populäre Filmstars wie Cary Grant, welcher 1937 in der Komödie Topper – Das blonde Gespenst einen Geist spielte. Er drehte nun ebenfalls einige Filme außerhalb des Komödiengenres, etwa den Abenteuerfilm Tumak, der Herr des Urwalds (1940) mit Victor Mature sowie das Drama Von Mäusen und Menschen (1939) mit Burgess Meredith.

1937 plante Roach, mit Vittorio Mussolini – dem Sohn des italienischen Diktatoren Benito Mussolini – eine Produktionsfirma namens "R.A.M" (Roach and Mussolini) zu gründen. Erst als Roachs Geschäftspartner gegen diese Verbindung protestierten, gab er den Plan auf. Es muss erwähnt werden, dass Roach politisch keineswegs faschistisch war, vielmehr war er politisch desinteressiert, sodass er wenig Ahnung von den Machenschaften Mussolinis hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Roach Mitglied der United States Army Signal Corps und er stellte seine Hal Roach Studios als Gelände für die US-Armee zu Verfügung, wo nun eine Reihe von Propaganda- und Militärfilme gedreht wurden, darunter auch Komödien, die das NS-Regime und seine Verbündeten wie Mussolini als trottelige Idioten veralberten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Roach zunächst nicht an seine alten Erfolge anknüpfen und seine ersten Filme Ende der 1940er-Jahre wurden zu finanziellen Misserfolgen, auch weil er als erster Produzent alle seine Filme in damals noch kostspieliger Farbe drehte. Zur Rettung kam ihm schließlich das Fernsehen, welches er als einer der ersten für sich entdeckte. Er produzierte zahlreiche beliebte Fernsehcomedy-Serien, unter anderem die Abbott und Costello-Show. Er verhalf sogar dem vergessen Buster Keaton zu einem Comeback in seinen Fernsehsendungen. Schon im Jahre 1951 produzierte er rund 1500 Stunden Fernsehen, auch weil er auf alte Erfolgsfilme mit Laurel und Hardy sowie den Kleinen Strolchen zurückgreifen konnte und diesen im Fernsehen zu neuer Popularität verhalf.

Späteres Leben[Bearbeiten]

1955 übergab er die Studioleitung seinem Sohn Hal Roach Jr. (1918-1972). Sein Sohn hatte nicht das Finanztalent seines Vaters und die großen Pläne, welche Roach Jr. hatte, schlugen alle fehl. Er verlor das Studio an die Gläubiger. Nachdem 1961 der letzte Film in den Hal Roach Studios gedreht wurde, wurde das Gelände im Sommer abgerissen, um neuen Geschäftsgebäuden Platz zu machen.

Als eingetragene Firma existieren die Hal Roach Studios heute noch weiter, vor allem als Rechteverwerter am alten Filmarchiv. Von diesen Rechten konnte Hal Roach senior im Alter finanziell gut leben. Insgesamt produzierte er bis 1966 über 1200 Film- und Fernsehsendungen. Im hohen Alter gab er als einer der letzten Zeitzeugen der Anfangszeit Hollywoods zahlreiche Interviews. Er besuchte Talkshows wie die Late Night with David Letterman und die Tonight Show. Er hatte ebenfalls als einer der ersten die Idee für Pay-TV, verwirklichte sie aber nicht selbst. 1984 bekam er von George McFarland und Jackie Cooper den Ehrenoscar verliehen. Roach besuchte als Hundertjähriger, wenige Monate vor seinem Tod, die Berlinale 1992 als Ehrengast und erhielt eine Berlinale Kamera.

Tod und Privatleben[Bearbeiten]

Hal Roach verstarb zwei Monate vor seinem 101. Geburtstag infolge einer Lungenentzündung. Er war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe mit der Schauspielerin Marguerite Nichols (* 1891) dauerte von 1915 bis zu ihrem Tod im Jahre 1941. Das Paar hatte zwei Kinder. Von 1942 bis zu ihrem Tod 1981 war Roach mit der Sekretärin Lucille Prin (* 1913) verheiratet, mit der er vier Kinder hatte. Roach überlebte drei seiner sechs Kinder. Er wurde auf dem Woodlawn Cemetery in seinem Heimatort Elmira begraben.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten]

Mit Harold Lloyd

Mit Laurel und Hardy

Die kleinen Strolche

Weitere Filme

Regie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Lewis Ward: A History of the Hal Roach Studios. Southern Illinois University Press, Carbondale 2005, ISBN 0-8093-2637-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hal Roach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien