Halbinsel Hel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Halbinsel Hel
Luftaufnahme Richtung Südost
Luftaufnahme Richtung Südost
Gewässer 1 Ostsee
Gewässer 2 Danziger Bucht

Geographische Lage

54° 38′ 30″ N, 18° 46′ 53″ O54.64166666666718.781388888889Koordinaten: 54° 38′ 30″ N, 18° 46′ 53″ O
Halbinsel Hel (Polen)
Halbinsel Hel
Länge 34 km
Breite 3 km
Halbinsel Hel
Halbinsel Hel
Kite-Surfer vor Hel

Die Halbinsel Hel (polnisch: Półwysep Helski, Mierzeja Helska, kaschubisch: Hélskô Sztremlëzna, deutsch Halbinsel Hela oder Putziger Nehrung) ist eine 34 Kilometer lange Landzunge in Polen, die die Danziger Bucht teilweise von der Ostsee trennt. Sie liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Danzig. Die zu Kaschubien gehörende Halbinsel ist 200 Meter bis drei Kilometer breit und entstand aus einer Kette von kleinen Inseln, die sich bis zum 18. Jahrhundert hier befanden. Nach und nach schlossen sich durch die Strömung die Lücken zwischen den Inseln mit Dünen. Damit stellt die Halbinsel Hel eine Nehrung dar, wie sie für eine Ausgleichsküste dieses Teils der Ostsee typisch ist. Im Gegensatz zur Frischen und zur Kurischen Nehrung war aber die dahinter liegende Danziger Bucht zu groß, als dass sie wie ein Haff fast vollständig von der Ostsee hätte abgetrennt werden können.

Orte[Bearbeiten]

Orte auf der Halbinsel Hel sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Halbinsel bildete schon Jahrhunderte einen natürlichen strategischen Schutz Danzigs Richtung Nordwesten. Die Halbinsel Hel gehörte seit dem Zweiten Frieden von Thorn 1466 zu Polen und fiel mit der ersten Teilung Polens 1772 an das Königreich Preußen, zu dem sie bis 1808 und ab 1814 bis 1919 als Teil der Provinz Westpreußen gehörte. In der Zeit zwischen 1808 und 1814 war das komplette Gebiet der Halbinsel Hel Territorium der napoleonischen Republik Danzig.

Im Jahr 1836 kam es auf Hela zu einem der letzten Vorfälle wegen Hexenwahns: Eine vermeintliche Hexe wurde von den Fischern der Halbinsel der Wasserprobe unterworfen und, da sie nicht sank, gewaltsam ertränkt.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Halbinsel als Teil des Polnischen Korridors an das wieder unabhängig gewordene Polen, zu dem sie seitdem gehört, unterbrochen durch die Zeit der deutschen Besetzung Polens 1939–1945. Bei der Belagerung der Halbinsel Hel (9. September bis 2. Oktober 1939) verlor die angreifende deutsche Luftwaffe rund 50 Maschinen.[1]

Bei Ende des Zweiten Weltkrieges war die Halbinsel ab März 1945 letzter Zufluchtsort von deutschem Militär und Zivilflüchtlingen, da die langgestreckte, aber nur ein bis zwei Kilometer breite Halbinsel militärisch leicht zu verteidigen war und die beiden Häfen für Fischerei und Kriegsmarine im Ort Hela die letzte Möglichkeit für die Evakuierung militärischer Einheiten, Verwundeter und Zivilflüchtlinge auf dem Seeweg waren. Daher flohen bereits im März über 100.000 deutsche Zivilisten nach Hela, im April kamen weitere 265.000 hinzu. Flüchtlinge und Soldaten lagerten in den Wäldern und Dünen Helas unvorstellbar dicht zusammengedrängt. Laufende sowjetische Luftangriffe forderten hier zahlreiche Todesopfer und erschwerten auch die Schiffstransporte auf das äußerste. Trotzdem konnten allein im Monat April 387.000 Menschen von Hela evakuiert werden, die letzten Schiffstransporte verließen die Halbinsel noch kurz vor Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945. Bei Eintritt der Waffenruhe befanden sich noch etwa 60.000 Flüchtlinge und Soldaten auf Hela.

Zur Zeit der Volksrepublik Polen waren Teile der Halbinsel militärisches Sperrgebiet und durften nicht betreten werden. Nach der Aufhebung der Sperrzone entwickelt sich hier der Tourismus stürmisch. Am 9. Juli 2011 fand ein deutsch-polnisches Gipfeltreffen auf Hel statt.[2]

Tourismus[Bearbeiten]

Die Halbinsel ist durch die Bahnstrecke Reda–Hel erschlossen, welche alle Orte der Halbinsel mit der Dreistadt Gdynia/Sopot/Gdańsk (Gdingen/Zoppot/Danzig) und in der Ferienzeit mit weiteren polnischen Städten verbindet.

Die Halbinsel ist von Danzig mit Personenschiffen zu erreichen. Saisonal fahren drei Fähren am Tag; Fahrzeit sind rund zwei Stunden.[3] Fahrräder können mitgenommen werden. Die gesamte Länge der Halbinsel ist mit einem Radweg erschlossen. Beliebt ist die Halbinsel bei Tauchern und Kitesurfern.

Die Halbinsel besitzt zwei Strände mit jeweils eigenem Charakter und Mikroklima. Der breitere Strand liegt im Norden, der schmalere, aber häufig wärmere zur Putziger Wiek hin.

Im Kurort Jurata, befindet sich die Sommerresidenz des polnischen Präsidenten. Das Gelände umfasst eine Schutzzone mit einem ca. 2km lange Streifen entlang des Strandes, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Der Staatspräsident empfing bereits zahlreiche Staatsoberhäupter aus aller Welt in seiner Sommerresidenz.[4]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Halbinsel Hel – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Henry Steele Commager: The Story of the Second World War, Brassey’s, Washington, D.C. 2004, ISBN 1-57488-741-6, S. 16–19
  2. Bericht im Handelsblatt vom 10. Juli 2011, abgerufen am 10. Juli 2011
  3. Seite des Verkehrsverbundes Danzig, abgerufen am 6. Juli 2011
  4. Bericht im Polski Radio vom 8. Juni 2007, abgerufen am 12. Oktober 2014