Halbkettenfahrzeug

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Amerikanisches Halbkettenfahrzeug M3 der 9th US Armored Division fährt am 27. März 1945 durch Engers
Halftrack auf Basis des amerikanischen Schützenpanzerwagens M3, Mai 1993 Cromer, Renosteel Construction Ltd
Deutsche 1-t-Zugmaschine im Zweiten Weltkrieg, ausgerüstet zur Verlegung von Fernsprechkabeln, 1941

Ein Halbkettenfahrzeug ist ein Kraftfahrzeug, das sowohl normale Räder als auch ein Kettenfahrgestell ähnlich dem eines Panzers besitzt. Meist haben diese Fahrzeuge eine normale gelenkte Vorderachse und ein Kettenfahrgestell anstelle einer oder mehrerer Hinterachsen. Sie werden meist zu den Zugmaschinen gerechnet.

Durch die Kombination von Kettenfahrgestell und Lenkachse wird eine höhere Geländegängigkeit als beim reinen Radfahrzeug erreicht. Die Herstellung und die Technik sind wiederum einfacher als beim reinen Kettenfahrzeug.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden hohe Erwartungen in diese Technik gesetzt. Der französische Hersteller Citroën durchquerte mit Halbkettenfahrzeugen 1922 die Sahara (von Touggourt (Algerien) nach Timbuktu), 1924/25 Afrika (Croisière Noire) und 1931/32 Asien (Croisière Jaune). Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Halbkettenfahrzeuge recht selten geworden; manchmal sind sie noch in der Landwirtschaft in bergigem Gebiet anzutreffen.

Die deutsche Wehrmacht verwendete im Zweiten Weltkrieg viele Halbkettenfahrzeuge, beispielsweise den mittleren Schützenpanzerwagen von Hanomag, aus wirtschaftlichen Erwägungen: Ein Halbkettenfahrzeug ist billiger herzustellen als ein Vollkettenfahrzeug, zumal mit einer ungebremsten und nicht angetriebenen Vorderachse. Der so gewonnene Längenzuwachs erlaubt einen vergleichweise großen Nutzraum. Die Zuladung war in der Regel überraschend gering (sogar eine 18-t-Zugmaschine war nur für eine Nutzlast von 2,8 Tonnen gebaut), da das wesentliche Element der Zugkraftwagen eben die auf der überlegenen Traktion des Kettenlaufwerks aufbauende Zugkraft war, aber natürlich boten diese Fahrzeuge allgemein eine solide Basis für Zubauten. Dadurch konnten auf recht leichten Fahrzeugkonstruktionen sogar Geschütze (Panzerabwehrkanonen, Flugabwehr-Maschinenkanonen) aufgesetzt werden, die das Fahrzeug selbst bei kurzen Schussfolgen nur mäßig ins Schwanken brachten.

Halbkettenfahrzeuge hatten anfangs keine seitendifferenzierbare Traktion (die bei einem Vollkettenfahrzeug zur Lenkung unumgänglich ist), sondern wurden nur mit der bereiften Vorderachse gesteuert. Eine Ausnahme bildeten die deutschen Halbkettenfahrzeuge des Zweiten Weltkrieges, da sich die Lenkwirkung nur durch die Vorderachse im Gelände aufgrund der relativ großen Kettenauflagelängen, beispielsweise 2860 mm bei der 18 to-Zugmaschine und 1800 mm beim mittl. SPW (zum Vergleich: beim US-amerikanischen Standard-Schützenpanzerwagen M3, dem etwa gleichgroßen Gegenstück bei den Alliierten, betrug dieser Wert nur 1187 mm, daher konnte dessen angetriebene und deutlich stärker belastete Vorderachse das Fahrzeug ausreichend lenken) als völlig unzureichend herausstellte. Den Vorteilen, die durch geringeren Verbrauch und Verschleiß und überlegene Geländegängigkeit erreicht wurden, stand aber die aufwändigere Wartung des Lenkbremssystems im Felde gegenüber.

Die Luftwaffe verwendete während des Zweiten Weltkriegs das von NSU gebaute Kettenkrad als Zugmaschine, um Flugzeuge zwischen Unterständen und Wartepositionen zu bewegen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Halbkettenfahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]