Halbmastwurf

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Halbmastwurf
Halbmastwurf
Typ Sicherung
Anwendung dynamische Sturzsicherung
Ashley-Nr
Synonyme HMS-Knoten, Karabinerbremse
Englisch Munter Hitch

Der Halbmastwurf ist ein Knoten, der beim Klettern und Bergsteigen zur dynamischen Sicherung des Kletterpartners dient.

Namen und Geschichte[Bearbeiten]

Der Halbmastwurf, auch Halbmastwurfsicherung oder kurz HMS, ist einer der wichtigsten Knoten beim Bergsteigen. Durch seine Verwendung im Alpinsport ab etwa 1970 ist eine wesentliche Verbesserung der Sicherungstechnik im Fels- wie Eisklettern erfolgt.

In den 1960er Jahren in der behelfsmäßigen Bergrettung der Gebirgstruppe

Der angebliche Erfinder des Halbmastwurfs ist der Schweizer Werner Munter. Spätestens ab 1965 wurde der Knoten als Seilkreuzbremse beim Heeresbergführerlehrgang der Bundeswehr in der Behelfsmäßigen Bergrettung gelehrt.[1] In der Literatur wird unter anderem eine Zufallsentdeckung aus dem Jahr 1969 während einer Klettertour erwähnt. Laut Pit Schubert ist der Halbmastwurf allerdings noch älter und wurde schon in den 30er Jahren von russischen Kletterern verwendet. Wahrscheinlich benutzten in der Antike die Phönizier diesen Knoten schon zum Losfieren von Schiffen.

Der Halbmastwurf wurde auf einer UIAA-Tagung 1971 in Trient von der italienischen Delegation und auch von dem Schweizer Werner Munter vorgestellt. Seit dieser Zeit hat er sich als Sicherungsknoten allgemein durchgesetzt. Im Englischen heißt der Knoten auch Munter Hitch.

Anwendung[Bearbeiten]

Der Halbmastwurf wird zur dynamischen Sicherung beim Klettern verwendet. Ein Sturz wäre tödlich, wenn man nach wenigen Metern schlagartig von einem unflexiblen Halteseil abgebremst werden würde. Deswegen werden beim Klettern a) dynamische Kletterseile verwendet, die den Sturz durch ihre Dehnung bremsen, und b) eine dynamische Sicherungstechnik, bei der das Seil noch etwas durch das Sicherungsgerät läuft und dabei durch Reibung gebremst wird. Zu den dabei auftretenden Kräften siehe Absturz (Unfall).

Beim Halbmastwurf läuft das Seil durch einen HMS-Karabiner und ermöglicht es der sichernden Person, dem Kletternden soviel Seil auszugeben, wie dieser für seine Fortbewegung im Fels benötigt. Stürzt der Kletternde jedoch, hält der Sicherungspartner das Sicherungs-Seilende fest, so dass sich der Knoten zuzieht und das Seil sich selbst beklemmt und den Sturz dynamisch abbremst und stoppt.

Zum guten Funktionieren der Sicherung muss der HMS-Karabiner immer mit dem Verschluss abgewandt von der Bremshand eingehängt werden (Sonst kann der Verschluss beim Bremsen vom Seil aufgeschraubt und aufgedrückt werden.). Die Bremshand muss das Bremsseil dauernd genügend festhalten und in genügend Abstand vom Karabiner fassen und in Seilrichtung liegen.[2] Zu lockeres (auch verspätetes) Fassen würde das Seil durchrutschen lassen und zu Brandverletzungen an der Hand und möglicherweise zum Loslassen und Absturz des Partners führen. Über den Haltewinkel lässt sich beim Abseilen der Seildurchlauf besser regulieren als mit Handreibung; das Seil ist eher in die Richtung zurück zu leiten aus der das zu sichernde Seil ankommt (ohne beide gemeinsam zu fassen). Achtung, dass nichts in den laufenden HMS-Knoten gezogen wird, wie etwa Kleidung, Haare, Gurt oder Handschuh. Der Sichernde sollte nicht wesentlich leichter sein als der zu Sichernde.

Neben dem Sport- und Alpinklettern wird der Halbmastwurf auch im Bereich der Höhen- und Höhlenrettung sowie als Absturzsicherung bei der Feuerwehr eingesetzt.

Haltekraft[Bearbeiten]

Der DAV-Sicherheitskreis ermittelte Bremskräfte der HMS am Fixpunkt zwischen 1,7 und 3,0 kN in Abhängigkeit von der Handkraft des Sichernden bei Einfachseilen (10 bis 11 mm) und einem Sturzfaktor von 0,4. Bei Stürzen in den Stand mit Sturzfaktor 2 lagen die ermittelten Bremskräfte zwischen 2,0 und 4,8 kN. Mit dieser Bremskraft ist es auch schwachen Personen möglich, einen Sturz zu halten.[3]

Knüpfen[Bearbeiten]

Für den Halbmastwurf dürfen nur spezielle HMS-Karabiner mit geeigneter Verschlusssicherung verwendet werden. Das Seil wird zu einem Auge verdreht und dieses in den Karabiner eingelegt (Klick). Das Seil wird dann gegenläufig nochmal eingelegt (Klick). Die Handbewegung muss zur sicheren Anwendung automatisiert werden (2 mal Klick). Der Knoten sollte immer durch einen Sicherungspartner kontrolliert werden.

Das Einhängen in den Karabiner
fertig eingehängt


Alternativen[Bearbeiten]

  • Eine automatische Bremswirkung wird mit halbautomatischen Sicherungsgeräten (z. B. Grigri) erzielt.
  • Für das reine Sportklettern im Klettergarten und in der Kletterhalle werden zum Sichern oft Tubes verwendet (z. B. ATC).
  • Nur eingeschränkt anwendbar ist eine Sicherung mit dem Abseilachter.
  • Als doppelter HMS wird die Bremswirkung noch verstärkt.[4]

Doppelter HMS[Bearbeiten]

Herstellung des doppelten HMS
  • A: zwei Augen übereinander legen
  • B: erstes (großes) Auge durch den Karabiner, zweites (kleinere) Auge auf den Karabiner legen
  • C: das Ende durch den Karabiner über das kleine Auge und unter dem größeren Auge durchstecken
  • D: (2. Variante) einklinken mit dem Karabiner
  • E: der fertige, festgezogene, Doppelte HMS (Abseilrichtung im Bild nach oben, das -untere- Ende an den Fixpunkt/Haken)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zeitschrift: bergundsteigen, Zeitschrift für Risikomanagement im Bergsport, Ausgabe 2/2005, S.7 ff.
  • Zeitschrift: Bergsteiger 1/1999

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.gudelius.de/hms.htm
  2. http://195.248.137.247/service/downloads/info_klettersport/Sicherungstechnik_4_2003.pdf
  3.  Chris Semmel: hms. In: BergundSteigen. Nr. 2, 2006, S. 67–73 (PDF, 130kB, abgerufen am 8. Mai 2008).
  4. doppelten HMS (Abb. 27 bzw. richtiger 28) (PDF; 1,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Halbmastwurf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien