Haller (Fluss)

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Haller
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Biotop der Haller unterhalb des Haarbergs

Biotop der Haller unterhalb des Haarbergs

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Lage In Niedersachsen
Flusssystem Weser
Abfluss über Leine → Aller → Weser → Nordsee
Quelle Hallerquelle bei Springe an der Deisterpforte
52° 11′ 54″ N, 9° 31′ 50″ O52.198259.5305555555556123.2
Quellhöhe 123,2 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Bei Nordstemmen in die Leine52.1673055555569.762527777777870Koordinaten: 52° 10′ 2″ N, 9° 45′ 45″ O
52° 10′ 2″ N, 9° 45′ 45″ O52.1673055555569.762527777777870
Mündungshöhe 70 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 53,2 m
Länge ca. 20 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 124 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Linke Nebenflüsse Rambke, Mühlenhaller, Röderbeeke, Bleekenbeeke, Pusse, Krähenbach
Rechte Nebenflüsse Hallerbruchgraben, Alter Gehlenbach, Neuer Gehlenbach, Ohe, Wülfinghauser Mühlenbach
Mittelstädte Springe, Nordstemmen, Elze
Hallerquelle in der Deisterpforte

Die Haller ist ein 21 km langer orografisch linksseitiger beziehungsweise westlicher Nebenfluss der Leine in der Region Hannover und im Landkreis Hildesheim, Niedersachsen, Deutschland.

Etymologie[Bearbeiten]

Schreibung: Helere (10.-11. Jahrhundert)[1] Um das Jahr 1000 wurde der Standort der Karstquellen in der Deisterpforte in einer Grenzbeschreibung des Bistums Hildesheim unter dem Namen Helereisprig erwähnt. Die Haller bildet die Grenze zwischen dem Bistum Hildesheim im Süden und dem Bistum Minden im Norden. Der Standort der Karstquellen hieß 1631[2] Hallerbrunn, 1783[3] Haller Brunn, 1896[4] Hallerbrunn und 1950[5] Hallerbrunnen. Von den Hallerquellen erhielt die Stadt Springe ihren Namen: bis in das 18. Jahrhundert wurde sie Hallerspring genannt. Hans-Heinrich Seedorf vermutet, "dass Haller soviel wie ein geräuschvoll fließender Bach bedeutet."[6]

Geografie[Bearbeiten]

Die beiden Quellen der Haller sind an der Deisterpforte am Raher Berg in dem Flurstück Am Spielbrink auf der Höhe 123,2 m ü. NN in einer Wassergewinnungsanlage der Wasserversorgungsgesellschaft Purena erschlossen; die Purena[7] ist ein Beteiligungsunternehmen der E.ON Avacon. Die Hallerbrunnen fördern Quellwasser aus dem zum Teil verkarsteten Korallenoolith des Malm, das durch Zuflüsse aus den rund 15 m mächtigen quartären Lockergesteinen ergänzt wird. Das geförderte Wasser ist leicht alkalisch, hart und weist erhöhte Karbonathärte auf. Die Quellen werden für die Trinkwasserversorgung der Stadt Springe genutzt; ihre Schüttung beträgt etwa 0,5 Millionen m³ pro Jahr. Weitere in der Nähe gebaute Brunnen beeinflussen zeitweise die Quellschüttung, weil sie ebenfalls Wasser aus dem Grundwasserkörper des Korallenoolith entnehmen. Das Einzugsgebiet der Quellen und Brunnen erstreckt sich etwa 3 km nach Südosten in den Kleinen Deister. Der frühere Quellsee ist verschwunden, auch die Quellen sind nicht mehr sichtbar. Aus den beiden Brunnenanlagen wird jeweils nur etwas Wasser aus einem Rohr in das ehemalige Bett der Haller eingeleitet.

In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts gab es rings um die Hallerquelle einen kunstvoll gestalteten Landschafts- und Ausflugsgarten, den der damalige Amtsmann F. Bussmann angelegt hatte. An ihn erinnert ein behauener Kalkstein mit der Inschrift "SP. D. 14. Juni 1770. F. B.", der laut Udo Mierau einen stilisierten Baum und mehrere Vertiefungen zeigt, die in einer Sage als Pferde- und Menschenfuß des Teufels gedeutet werden.[8] Die Schrift ist stark verwittert, da der Stein dem Fließwasser am Hang, dem Regen und dem Frost ausgesetzt ist. Der "stilisierte Baum" kann auch als Pfeil gedeutet werden, der zur Hallerquelle zeigt. Dieser behauene Kalkstein liegt nahe der Hallerquellen im Hang unterhalb der Straße, an der das Wasserwerk steht.

Die Haller fließt durch Springe und an den Orten Alvesrode, Mittelrode, Hallerburg und Adensen vorbei und mündet in der Gemarkung Wülfingen in die Leine. Sie sammelt das Wasser des östlichen Deisters, des nördlichen Kleinen Deisters und des nördlichen Osterwaldes.

Ein Klärwerk der Stadt Springe steht in der Feldmark von Alferde und führt dort das geklärte Wasser in die Haller ein. An der Haller arbeiteten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die drei Wassermühlen Alvesroder Mühle, Hallermühle (bei Mittelrode) und Rosenmühle (bei Adensen). Die Hallermühle wird nur noch zur Stromerzeugung genutzt (Stand: 2008). Aus der Flurnamenforschung lässt sich eine vierte Wassermühle an der Haller erschließen, deren Mühlengebäude aber nicht mehr besteht: die Gosemühle bei Alferde. Weitere Wassermühlen standen an Seitenflüssen der Haller. In der Deisterpforte stand eine Sägemühle.

Geologie[Bearbeiten]

Renaturierter Flusslauf der Haller an der Kaiserallee in Springe

Das Hallertal war ursprünglich ein breites Durchbruchstal der Weser. Die Deisterpforte eröffnete der Weser damals den Weg zur Leine[9], denn das Hallertal wurde in einem Zeitraum von anderthalb Millionen Jahren von der Weser durchflossen, bis es vor 400.000 Jahren in der Elsterkaltzeit so sehr von Eismassen bedeckt wurde, dass die Weser sich einen anderen Weg in Richtung Niederlande suchen musste. Das Festgestein unterhalb des Hallertales entstand im Mittleren und Unteren Jura. Es wurde durch den Weserlauf an der Deisterpforte bis zur Höhe von 75 m ü. NN und vor der Mündung in die Leine bis zur Höhe von 70 m ü. NN abgetragen.

Im Osten des Hallertales wurde das Festgestein des Jura durch die Limberg-Überschiebung[10] durchschnitten, bei der Schichten der Trias, die auf Schichten des Oberen Buntsandsteins wurzeln, auf die Schichten des Jura aufgeschoben worden sind. Die aufragenden Schichten von Unterem Muschelkalk, Mittlerem Muschelkalk, Oberem Muschelkalk, Mittlerem Keuper, Oberem Keuper und Oberem Buntsandstein bilden zwischen Bennigsen und Hallerburg die Höhenzüge Limberg, Harberg, Abraham und Hallerburger Holz, zwischen Alferde und Mehle die Berge Finie mit Steinbank (auch Steinbrink genannt) und Limberg und nördlich von Elze den Teufelsberg und den Burgberg unter der Poppenburg. Zusätzlich finden sich aufragende Schichten vom Unteren Buntsandstein und Unteren Muschelkalk am Marienberg und vom Mittleren Buntsandstein an der Helle, die sich oberhalb von Wülfingen östlich an die Finie anschließt. Diese Berghöhen am Unterlauf des Hallertales zwangen die Weser, das Hallertal zwischen Adensen und Wülfingen zu verlassen. Östlich von Adensen an der Hallerbrücke der Bundesstraße 3 mündete damals die Leine in die Weser.

Kleine Inseln aus hochragendem Gestein wurden von der Weser umspült: Felsen des Lias, auf denen die Stadt Eldagsen steht, und die bei Eldagsen liegenden Anhöhen Sonnenborn aus Mittlerem Keuper und Auf der Höhe aus Mittlerem und Oberem Keuper.

Die Gletscher der Elsterkaltzeit und der späteren Saalekaltzeit überlagerten das Hallertal und luden dort ihr mitgeführtes Geröll ab. Dadurch wurde das von der Weser freigewaschene und später mit Weserkies zugedeckte Flussbett verschüttet und 10 bis 45 Meter höher gelegt. Im Drenthe-Stadium der Saalekaltzeit entstanden Anhöhen zwischen dem Neuen Gehlenbach und dem Wülfinghauser Mühlenbach. Kalte Nordwinde von den Gletschern der Weichselkaltzeit lagerten Löss in Schichtstärken von 0,2 bis 2 m ab, der sich in oberen Bodenschichten zu Lehm umsetzte. Aufgrund der fruchtbaren Böden sind die gerodeten und trockengelegten Flächen des Hallertales vom Ackerbau geprägt; sie gehören zur Calenberger Lössbörde.

Naturschutzgebiet Ziegeunerwäldchen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ziegeunerwäldchen

In früheren Jahrhunderten wurden die damals als Zigeuner bezeichneten Sinti und Roma nicht in die naheliegende Stadt Eldagsen eingelassen und mussten sich im sogenannten Ziegeunerwäldchen aufhalten, das als Feuchtgebiet an der Haller brach lag und landwirtschaftlich nicht genutzt werden konnte.

Die Niedersächsische Landgesellschaft erwarb das Naturschutzgebiet Ziegeunerwäldchen an der Haller für einen Flächenpool. Es wurde auf den Verein Biotop-Management-Initiative e. V. übertragen. Das Naturschutzgebiet hat die Flächengröße 15,0 ha und das Kennzeichen NSG HA 115.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Karten[Bearbeiten]

  • Bernd-Ulrich Kettner: Flussnamen im Stromgebiet der oberen und mittleren Leine. Serie: Name und Wort Band 6. Verlag C. Bösendahl, Rinteln 1972. Seite 106 - 108.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. K. Janicke: Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe I, 40. Leipzig 1896. Zitiert nach: Förstemann: Altdt. Namenbuch, 2 Bd, Bd. 1 A-K. H., Nachdruck der 3. Aufl. von 1913, Sp. 1335 unter Helere.
  2. Quelle: Flurnamenlexikon zur Flurnamenkarte Springe-West. Bearbeitet von Heinz Weber. Hannover 1982. Seite 20.
  3. Kurhannoversche Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts
  4. Königlich Preußische Landesaufnahme
  5. Topographische Karten des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes Blatt 3723 (Springe) und 3823 (Eldagsen).
  6. Hans-Heinrich Seedorf: Hallerbrunnen. In: Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe e. V.: Erlebnisweg vom Schulzentrum Süd zur Hallerquelle. Springe 2013. Seite 36f.
  7. Netzgebiet von Purena
  8. Udo Mierau: Unterwegs im Deister-Süntel-Tal. Ein heimatkundlicher Streifzug von Springe über Bad Münder, Eimbeckhausen, Lauenau, Rodenberg nach Bad Nenndorf. Fürsten Nirski-Verlag - Udo Mierau, Springe 2000. Seite 24+61. ISBN 3-00-006589-X
  9. Durch Fundstätten von Weserkies lässt sich der damalige gemeinsame Lauf von Leine und Weser rekonstruieren. Am ehemaligen Flusslauf liegen zunächst die Orte: Nordstemmen, Rössing, Barnten, Sarstedt, Gleidingen, Rethen, Laatzen, Höver, Altwarmbüchen, Burgwedel, Mellendorf, Brelingen. Aufschlüsse sind beispielsweise an der Kies- und Sandgrube (PDF; 219 kB) nordöstlich von Brelingen zu finden. Weserkiese lassen sich über Hagen bei Neustadt weiter in Richtung Nienburg verfolgen. Literatur: Ludger Feldmann und Klaus-Dieter Meyer (Hrsg.): Quartär in Niedersachsen. Exkursionsführer zur Jubiläums-Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung in Hannover. DEUQUA-Exkursionsführer, Hannover 1998, S.89ff. - Hans Heinrich Seedorf und Hans-Heinrich Meyer: Landeskunde Niedersachsen. Natur und Kulturgeschichte eines Bundeslandes. Band 1: Historische Grundlagen und naturräumliche Ausstattung. Wachtholz, Neumünster 1992, Seite 105ff. - Ludger Feldmann: Das Quartär zwischen Harz und Allertal mit einem Beitrag zur Landschaftsgeschichte im Tertiär. Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld 2002, Seite 133ff und passim. - Manfred Boetzkes, Ingeborg Schweitzer, Jürgen Vespermann (Hrsg.): EisZeit. Das große Abenteuer der Naturbeherrschung. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 1999 und Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 1999, Seite 95ff und passim. - Ludger Feldmann: Als Springe an der Weser lag - die geologische Geschichte der Deisterpforte. In: Springer Jahrbuch 2011 für die Stadt und den Altkreis Springe, Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe e.V., Springe 2011. Seite 10–22, 209–211.
  10. Peter Rohde: Erläuterungen zu Blatt Nr. 3724 Pattensen. Beiheft zu der Geologischen Karte von Niedersachsen 1:25 000. Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung 1983. Seite 110f und Abbildung 40. Friedrich Hamm: Erdgeschichtliches Geschehen rund um Hannover. Norddeutsche Verlagsanstalt O. Goedel, Hannover 1952, Seite 75–77.