Haller von Hallerstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen der Haller

Die Haller von Hallerstein sind eine der ältesten Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1205. Familiensitz ist bis heute das 1766 von den Pfinzing übernommene Schloss Großgründlach. Die Haller waren als einzige Familie ab 1314 ununterbrochen bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1806 im Inneren Rat vertreten. Sie gehörten nach dem Tanzstatut zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern. Seit dem 15. Jahrhundert gehören sie zum Reichsadel.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Abstammung der Haller ist nicht völlig geklärt. Es wird angenommen, dass ihre Wurzeln in Tirol, wo der Name besonders im Burggrafenamt häufig vorkommt, liegen. Familiengeschichtliche Forschungen wurden allerdings von den Angehörigen schon sehr früh unternommen, was der Nürnberger Patrizier Ulman Stromer in seinem in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verfassten Püchel von meinem Geschlecht auch ausdrücklich erwähnte. Hans Haller legte 1488 das älteste Hallerbuch an und diesem ließ Konrad Haller 1526 ein weiteres, ausführlicheres folgen. Den Inhalt hatte er auf speziellen Reisen und nach alten Urkunden gewonnen.

Das Geschlecht erscheint zuerst mit Heinricus Hallare seit 1205 urkundlich im Gefolge der Herzöge von Andechs-Meranien, mit Ulricus Hallar, Richter zu Innsbruck, seit 1230 urkundlich im Gefolge des Grafen Albert von Tirol. Seit seiner Übersiedlung nach Franken urkundet das Geschlecht dort zuerst 1304 mit dominus Heinricus Haller de Prosperch. Ulrich Haller, seit 1297 Consul zu Nürnberg, war Vertrauter Kaiser Ludwigs des Bayern und wurde 1316 mit dem Hochgericht zu Großhabersdorf belehnt.[1]

Bereits im 14. Jahrhundert gehörte das Geschlecht zu den bedeutendsten im Nürnberger Stadtadel. Familienmitglieder saßen im Rat der Stadt und waren in der Stadt, aber auch außerhalb, so unter anderem in Kalchreuth, reich begütert. 1360 stiftete Berthold Haller das Pilgrimspital zum Heiligen Kreuz.

Die Haller gewannen ihr beträchtliches Vermögen im Fernhandel mit Köln, Lyon, Bologna und Venedig, aber auch mit Österreich und Ungarn, sowie im Bergbau und durch umfangreiche Geldgeschäfte. Sie vermehrten es durch Erbschaften die einer geschickten Heiratspolitik folgten.

Haller Madonna, 1498 von Albrecht Dürer; links unten ist das Familienwappen zu sehen

Mit Ruprecht I. († 1489), Martin III. († 1617) und Johann Siegmund († 1805) stellte das Geschlecht drei Vorderste Losunger und Reichsschultheiße in der freien Reichsstadt. Ein Mitglied der Familie, der Oberst Johann Georg Haller von Hallerstein, rettete im August 1796 die Reichskleinodien, indem er sie vor den heranrückenden Franzosen aus Nürnberg, über Prag, nach Regensburg brachte, von wo sie dann 1800 nach Wien gelangten. Verbunden ist der Name der Haller auch mit einem berühmten Gemälde Albrecht Dürers, das unter dem Namen Haller-Madonna bekannt wurde.

Ein Zweig des Geschlechts, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Siebenbürgen und Ungarn siedelte, wurde in den österreichischen Grafenstand erhoben. Eine kaiserliche Wappenbesserung durch Verleihung einer goldenen Krone erlangten die Nürnberger Haller schon 1433. Eine Wappenbestätigung 1463 und eine Reichsadelsbestätigung 1478 durch Kaiser Friedrich III. folgten. Eine weitere Wappenbesserung erfolgte 1521 durch Kaiser Karl V.

Der Zusatz "von Hallerstein" samt Wappenvereinigung mit dem ausgestorbenen bayerischen Adelsgeschlecht von Hallerstein, ermöglicht durch ihre Einflussmöglichkeiten bei Hof, stammt von 1528 und wurde 1790, mit dem Reichsfreiherrentitel verbunden, als Adelsprädikat anerkannt. 1813 wurden sie als solche dem bayerischen Adel immatrikuliert. Die siebenbürgisch-ungarische Linie wurde 1699 in den Freiherrenstand und 1713 in den Grafenstand erhoben. Im 17. Jahrhundert zählten die Haller von Hallerstein zur Reichsritterschaft im Kanton Steigerwald des fränkischen Ritterkreises. Nach 1753 gehörten sie als Administratoren des Rietererbes für die Freie Reichsstadt Nürnberg zum Ritterkanton Altmühl.

Die meisten Besitzungen der Haller sowie die reichen Bibliotheken und Kunstsammlungen gingen durch Ablösungsgesetze von 1848 sowie durch Inflationen und Zerstörungen der beiden Weltkriege verloren. Seit 1945 ist das 1766 aus dem Erbe der Pfinzing übernommene Hallerschloss in Großgründlach Familiensitz und einziger Mittelpunkt der Familientradition. In Nürnberg selbst erinnern die Hallerstraße, das Hallertor, die Hallertorbrücke, die Hallerwiese, die Hallerhüttenstraße in Forsthof und die Hallerweiherstraße im Stadtteil Fischbach, an die Familie und deren frühere Besitztümer.

Hallerschloss in Großgründlach

Besitzungen[Bearbeiten]

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten]

Das Nürnberger Stammhaus der Haller (vor 1517–1611), in der Karlstraße, beherbergt heute das Spielzeugmuseum. Weiterhin besaßen sie:

  • 1337–1500 (?) Grundherrschaft Gräfenberg
  • 1354–1945 das Herrenhaus, „Pflegerhaus des Heilig-Kreuz-Spitals“ in St. Johannis, Nürnberg
  • 1365–1540 die Wasserburg Malmsbach bei Schwaig bei Nürnberg
  • 1370–1647 Ziegelstein und Burg Ziegelstein
  • 1374–1379 die Burg Schöneberg im Lauf an der Pegnitz
  • 1379–1503 die Burg Eschenau, Von-Muffel-Platz 1, 2 (50 % – der andere Teil gehörte den Muffel von Eschenau)
  • 1379–1417 die Burg Spiesmühle in Gräfenberg
  • 1381–1465 der Herrensitz Weiherhaus bei Feucht
  • 1394–1848 Hausen bei Forchheim
  • 1395–1463 die Burg Tennenlohe
  • 1395–1850 den Herrensitz Kalchreuth, Schlossplatz 4
  • 1450–1581 das Nassauer Haus in Nürnberg
  • 1462–1487 / 1501–1848 das Hallerschloss in Buckenhof
  • 1469–???? das Schloss in Gräfenberg, Kirchplatz 8
  • 1477–1496 die Burg in Gräfenberg, Bahnhofstraße 11–21 (50 % – der andere Teil gehörte den Tetzel von Kirchensittenbach)
  • 1482–1540 den Herrensitz Walkersbrunn bei Gräfenberg
  • 1491–1538 Glockenhof (früher: Galgenhof) in Nürnberg
  • 1491–1529 den Herrensitz Hammerschloss in Hirschbach
  • 1492–1507 die Burg Hauseck bei Etzelwang
  • 1492–1813 das Hallerweiherhaus in Gleißhammer (Grundherrschaft)
  • 1500–???? den Herrensitz Weigelshof in Nürnberg (?)
  • 1501–1525 das Grundherrnhaus (Haus zum goldenen Schild) in Nürnberg
  • 1523–1535 den Herrensitz Dormitz, Kirchenstraße 7
  • 1550–1571 das Cnopfsche Schloss in Mögeldorf
  • 1555–1652 das Hallerschloss in Mögeldorf
  • 1570–1590 den Herrensitz Brand in Eckental, Brander Hauptstraße
  • 1578–1651 das Welserschloss in Rasch bei Altdorf bei Nürnberg
  • 1579–1672 / 1730–1766 das Schloss Grünsberg bei Altdorf bei Nürnberg
  • 1579–1823 die Burg Prackenfels bei Altdorf
  • 1582–1686 / 1747–1788 den Herrensitz in Altenfurt, Oelser Straße 13
  • 1592–1609 das Drachenschloss in Kalchreuth, Weißgasse 14
  • 1620–1678 das Schlüsselfeldersche Schloss (Kugelhammer) in Röthenbach bei Sankt Wolfgang
  •  ????–???? Raitenbuch
  • 1660–???? das Wasserschloss Adlitz bei Marloffstein – Linie Haller von Raitenbuch
  • 1673–1790 das Rittergut Oberndorf bei Möhrendorf – Linie Haller von Raitenbuch [2]
  • 1750–1820 das Tucherschloss in Rückersdorf
  • 1750–1811 das Tucherschloss in Happurg
  • 1753–1807 das Rieterschloss in Kornburg (Administratoren)
  • 1753–1776 den Herrensitz Steinach in Fürth
  • 1764–1817 das Pfinzingschloss in Henfenfeld
  • 1766–1815 der Herrensitz Hallerschlösschen in Nuschelberg, Lauf an der Pegnitz
  • 1774–1814 das Nützelschösschen in Sünderbühl, Rothenburger Straße 119
  • 1785–1859 den Herrensitz Bislohe
  • 1793–1810 den Herrensitz Artelshofen
  •  ????–1664 das Schloss Rohensaas südlich von Höchstadt an der Aisch in Uehlfeld-Peppenhöchstädt [3]

Stiftungen (Auszug)[Bearbeiten]

  • Heilig-Kreuz-Pilgerspital durch Berthold Haller
  • Stiftung bedeutender Kunstwerke für St. Sebald und St. Lorenz sowie vielen anderen Kirchen in und um Nürnberg
  • Hallersche Familienstiftungen
  • Hallersche Forschungsstiftung

Wappen[Bearbeiten]

  • Das Stammwappen zeigt in Rot ein silbernen, schwarz gefüllten schrägrechten Sparren. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Rumpf einer nackten Jungfrau (Maurin) mit langem schwarzen Zopf, fliegender silberner Stirnbinde und goldenen Ohrringen. (Auf späteren Wappen die Jungfrau zwischen zwei, in den Mündungen mit natürlichen Pfauenfedern bestückten, roten Büffelhörnern)
  • Das Wappen von 1528 ist geviert, Felder 1 und 4 zeigen das Stammwappen, 2 und 3 geteilt, oben in Rot eine gestürzte, eingebogene goldene Spitze, unten in Silber ein rechtshin schreitender zweischwänziger schwarzer Löwe (Hallerstein). Zwei Helme mit rechts rot-silbernen, links rot-goldenen Decken; auf dem rechten der Rumpf einer nackten Jungfrau (Maurin) mit langem schwarzen Zopf, fliegender silberner Stirnbinde und goldenen Ohrringen, zwischen zwei in den Mündungen mit natürlichen Pfauenfedern besteckten roten Büffelhörnern (=Stammhelm) auf dem linken mit schwarz-silbenem Wulst eine fünfendige naturfarbene Hirschgeweihstange und ein von Rot und Silber geteilter Flügel, in dessen oberer Hälfte die gestürzte goldene Spitze.
  • Das Wappen von 1790 ist geviert und belegt mit goldenem Herzschild, darin ein schwarzer Doppeladler mit über ihm schwebender Reichskrone. Felder 1 und 4 das Stammwappen, 2 und 3 geteilt, oben in Rot eine gestürzte, eingebogene goldene Spitze, unten in Silber ein rechtshin schreitender zweischwänziger schwarzer Löwe (Hallerstein). 3 Helme mit rechts dem Stammhelm, auf dem mittleren der Adler mit der Reichskrone des Herzschildes, auf dem linken mit schwarz-silbernem Wulst eine fünfendige naturfarbene Hirschgeweihstange und ein von Rot und Silber geteilter Flügel, in dessen oberer Hälfte die gestürzte goldene Spitze. Schildhalter: Zwei widersehende goldene Löwen.

Historische Wappenbilder[Bearbeiten]

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten]

  • Bertold Haller (?–1379), Finanzier Karls IV.
  • Wilhelm Haller von Hallerstein († 1504), politischer Berater des Herzogs Karl des Kühnen von Burgund
  • Ruprecht (II.) Haller (1452–1513), Begründer einer heute noch existierenden Nebenlinie der Haller in Ungarn (Haller de Hallerkeö) – 1713/53 in den dortigen Grafenstand erhoben.
  • Hieronymus Haller (?–1519), Freund von Konrad Celtis, Zahlmeister Karls V.
  • Wilhelm Haller von Hallerstein (1478–1534), Astronom
  • Bartholomäus Haller von Hallerstein (1486–1551), Reichsschultheiß von Frankfurt am Main, Sekretär der Königin Maria von Ungarn
  • Wolf Haller von Hallerstein (1492–1559) Rat Karls V.
  • Stephan (István) Graf Haller von Hallerstein (Hallerkö) (16xx–1710), Gubernator von Siebenbürgen 1709–1710
  • Johann Sebastian Haller von Hallerstein (1684–1745), Generalfeldmarschallleutnant des Fränkischen Reichskreises
  • August(in) Haller von Hallerstein (1703–1774), Missionar in China aus einer Nebenlinie der Nürnberger Haller
  • Johann (János) Graf Haller von Hallerstein (Hallerkö, † 1756), Gubernator von Siebenbürgen 1734–1755
  • Christoph Joachim Haller von Hallerstein, (1723–1792), Jurist, 1745 Kronkavalier bei der Krönung von Kaiser Franz I., ab 1750 Bayerischer Geheimrat, ab 1786 Oberalmospfleger sowie Kurator der Universität Altdorf
  • Johann Sigmund Haller von Hallerstein (1723–1805), Reichsschultheiß von Nürnberg
  • Johann Carl Haller von Hallerstein (1774–1817), Architekt und einer der ersten deutschen Archäologen in Griechenland
  • Johann Georg Haller von Hallerstein, Oberst und Retter der Reichskleinodien
  • Adalbert Haller von Hallerstein (1854–1914), Zoologe
  • Sigmund Haller von Hallerstein (1861–1936), Arzt und sozialdemokratischer Politiker
  • Wilhelm Freiherr Haller von Hallerstein (* 1952 als Wilhelm Trey), seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA in Köln

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haller von Hallerstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag Limburg a. d. Lahn 1978, S. 406
  2. Geschichte von Oberndorf
  3. Schloss Rohensaas