Hallesches Heiltum

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Elfenbeinrelief Marientod, Fragment aus einer nicht erhaltenen Monstranz aus dem Halleschen Heiltum, franco-flämisch, um 1400; Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

Das Hallesches Heiltum war die Reliquiensammlung des Kardinals Albrecht von Brandenburg in seiner Residenz Halle (Saale).

Geschichte[Bearbeiten]

Die von Albrecht von Brandenburgs Vorgänger Ernst von Sachsen begonnene Reliquiensammlung bestand zu ihrer Blütezeit um 1520 aus 42 Körpern von Heiligen und 8133 Partikeln in 353 künstlerisch und materiell wertvollen Reliquiaren.

Albrechts Lieblingsresidenz war Halle (Saale). Hier ließ er neben dem Umbau von Marktkirche und Moritzburg eine ehemalige Dominikanerkirche zur Kathedrale (als Hallescher Dom bezeichnet) seines Erzbistums Magdeburg umbauen und die Neue Residenz errichten. Das Hallesche Heiltum bewahrte Albrecht zunächst in der Moritzburg, ab 1520 im „Neuen Stift des hl. Moritz und der Seligen Maria Magdalena zum Schweißtuch des Herrn“ in Halle auf, wo 1520 und 1521 Heiltumszeigungen stattfanden.

Seine dauerhaft wachsende Reliquiensammlung veranlasste Martin Luther, ihn als „Abgott von Halle“ zu bezeichnen. Luther veröffentlichte 1517 seinen Brief an Albrecht mit den 95 Thesen u. a. wider den Ablasshandel. Der Ablasshandel diente Albrecht zur Finanzierung der Reliquiensammlung, seiner Hofhaltung und seiner Bauten.

Aufgrund zunehmender Verschuldung musste Albrecht seine Finanzen vor dem Landtag in Calbe (Saale) offenlegen. In der Folge verließ Albrecht 1541 Halle, nachdem die Stadt im Vorjahr endgültig protestantisch geworden war, und zog sich in sein nicht vom Protestantismus erfasstes Mainzer Erzbistum zurück. Das Hallesche Heiltum und die meisten seiner Kunstschätze nahm er nach Aschaffenburg mit, wo er sie in einer Handschrift, dem „Aschaffenburger Codex“ (in der Aschaffenburger Hofbibliothek, Ms. 14), beschreiben und abbilden ließ. Teile des Reiquienschatzes verkaufte er, um Ansprüche der Domkapitel von Magdeburg und Halberstadt abgelten zu können. Heiltum und Kunstwerke sind heute verstreut; nur etwa 20 Reliquare - und diese meist nur als Fragment - haben die Zeit überdauert.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.): Das Halle'sche Heiltum. Reliquienkult und Goldschmiedekunst der Frührenaissance in Deutschland. Augsburg 2002/2003.
  • Holger Brülls & Thomas Dietzsch: Architekturführer Halle an der Saale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-496-01202-1.
  • Rose-Marie Frenzel & Reiner Frenzel: Kunst- und Kulturführer Leipzig, Halle und Umgebung. Edition Leipzig, Leipzig 1993, ISBN 3-361-00351-2.
  • Klaus Friedrich & Manfred Frühauf (Hrsg.): Halle und sein Umland. Geographischer Exkursionsführer. mdv Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2002, ISBN 3-89812-167-4.
  • Jörg Rassmussen: Untersuchungen zum Halleschen Heiltum des Kardinals Albrecht von Brandenburg. In: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. XXVII, München 1976, S. 59-118, 3. Folge, Bd. XXVIII, München 1977, S. 91-132.
  • Michael Pantenius: Stadtführer Halle. Gondrom Verlag, Bindlach 1995, ISBN 3-8112-0816-0.
  • Das Hallesche Heiltum. Herausgegeben von Philipp Maria Halm und Rudolf Berliner. Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, Berlin 1931.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Halle'sche Heiltum, 2002/2003, S. [4].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hallesches Heiltum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien