Hallwil

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Dieser Artikel stellt die Gemeinde Hallwil vor. Das Schloss Hallwyl, der Stammsitz der Hallwyler, befindet sich in der Nachbargemeinde Seengen.
Hallwil
Wappen von Hallwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4197i1f3f4
Postleitzahl: 5705
Koordinaten: 655933 / 24245147.3305498.178612475Koordinaten: 47° 19′ 50″ N, 8° 10′ 43″ O; CH1903: 655933 / 242451
Höhe: 475 m ü. M.
Fläche: 2.18 km²
Einwohner: 784 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 360 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Hallwil

Hallwil

Karte
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Schul- und Gemeindehaus Hallwil

Hallwil (in der lokalen Mundart Haubu, ˈhɑʊbʊ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt knapp sieben Kilometer südlich des Bezirkshauptorts im Seetal. Von 1566 bis 1950 existierte die Ortsbezeichnung Niederhallwil, jedoch nur im amtlichen Gebrauch.

Geographie[Bearbeiten]

Das Strassendorf erstreckt sich dem westlichen Rand des Seetals entlang. Es befindet sich allerdings nicht am Hallwilersee, sondern knapp zwei Kilometer von dessen nördlichem Ende entfernt auf einer Moräne. Westlich des Dorfzentrums steigt das Gelände steil zur Hochebene von Dürrenäsch an. Der kanalisierte Aabach inmitten der flachen Ebene des Seetals, der rund 400 Meter vom Dorf entfernt in nordwestlicher Richtung fliesst, bildet die östliche Gemeindegrenze.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 218 Hektaren, davon sind 28 Hektaren bewaldet und 43 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 560 Metern an der südöstlichen Gemeindegrenze, der tiefste auf 442 Metern am Aabach.

Nachbargemeinden sind Seon im Norden, Seengen im Osten, Boniswil im Süden und Dürrenäsch im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Allewilare erfolgte im Jahr 1167. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Hallinwilari und bedeutet «Hofsiedlung des Hallo».[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden 1264 die Habsburger die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz der Herren von Rinach.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Hallwil gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf war Teil des Gerichtsbezirks Trostburg im Amt Lenzburg. Dieser Bezirk war von 1486 bis 1616 im Besitz der Hallwyler und gelangte danach ebenfalls an Bern. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Hallwil gehört seither zum Kanton Aargau.

Im 18. und 19. Jahrhundert war neben der Landwirtschaft auch die Heimarbeit für die Seidenband- und Leinenweberei verbreitet. 1864 wurde die erste Zigarrenfabrik gegründet. Am 15. Oktober 1883 erhielt die Gemeinde einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als der Abschnitt Lenzburg–Beinwil am See der Seetalbahn eröffnet wurde. Der letzte Vertreter der Tabakindustrie schloss im Jahr 1971 seine Tore.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot auf grünem Dreiberg grüne Palme mit gelben Früchten.» Bereits die Gemeindesiegel des 19. Jahrhunderts zeigen deutlich eine Palme. Ob und warum eine Verbindung des einstigen Bauerndorfes mit dieser exotischen Pflanze besteht, ist nicht bekannt. 1963 wurde die Farbe des Wappenschildes von Gelb zu Rot geändert.[5]

Kultur[Bearbeiten]

Bärzeli-Figuren

In Hallwil werden verschiedene Bräuche praktiziert, welche früher in weiteren Teilen des Kantons Aargau verbreitet waren. Die Brauchtumskommission unter der Aufsicht der Gemeinde (früher Vereinigung zur Erhaltung alter Volksbräuche) sorgt für die Erhaltung dieser alten Traditionen. Vom 11. November (Martinstag) bis am 2. Januar werden in kurzer Zeit fünf Seetaler Winterbräuche zelebriert: Es sind dies Chlauschlöpfen, Chlausjagen, Wienachts-Chindli, Silväschtertrösche und Bärzeli. Insbesondere der Bärzeli-Brauch am Berchtoldstag ist weit über die Region hinaus bekannt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 396 428 387 443 508 544 577 516 647 721 773

Am 31. Dezember 2013 lebten 784 Menschen in Hallwil, der Ausländeranteil betrug 16,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 54,2 % reformiert, 23,4 % römisch-katholisch und 5,9 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 89,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,5 % Albanisch, 3,2 % Italienisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Hallwil gehört zum Friedensrichterkreis Seon.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Hallwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 280 Arbeitsplätze, davon 8 % in der Landwirtschaft, 56 % in der Industrie und 36 % im Dienstleistungsbereich.[9] Vorherrschend sind Kleinunternehmen des Dienstleistungssektors und des Apparatebaus. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung (hauptsächlich in Lenzburg).

Verkehr[Bearbeiten]

Haltestelle der Seetalbahn in Hallwil

Durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 26 von Lenzburg über Hochdorf nach Luzern. Eine Nebenstrasse führt über Dürrenäsch ins Wynental. Hallwil besitzt eine Haltestelle an der Seetalbahn der SBB (Linie 9 der Luzerner S-Bahn).

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Seengen besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 186–188.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1110, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 170.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.