Hamadan (Stadt)

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Hamadan

BW

Hamadan (Iran)
Hamadan
Hamadan
Basisdaten
Staat: IranIran Iran
Provinz: Hamadan
Koordinaten: 34° 48′ N, 48° 31′ O34.79183055555648.5166666666671850Koordinaten: 34° 48′ N, 48° 31′ O
Höhe: 1850 m
Einwohner: 525.794[1] (2010)
Zeitzone: UTC+3:30

Hamadan (auch Hamedan oder Hamadaun, persisch ‏همدان‎; Hamadān) ist eine Stadt im Westen des Iran und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Klima[Bearbeiten]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Hamedan (Flughafen)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,9 5,1 11,0 18,3 23,4 30,1 34,2 34,1 29,4 21,5 13,3 6,3 Ø 19,2
Min. Temperatur (°C) -8,0 -6,4 -1,3 4,4 7,3 10,3 13,9 12,7 7,5 3,7 -0,5 -4,4 Ø 3,3
Niederschlag (mm) 36,9 41,5 55,2 42,0 25,8 2,7 1,9 2,3 0,5 26,3 34,7 46,8 Σ 316,6
Regentage (d) 10,0 9,8 11,7 9,7 7,4 1,6 0,6 0,7 0,6 5,3 7,2 9,4 Σ 74
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Geographie[Bearbeiten]

Hamadan liegt inmitten eines wohlbewässerten Obstanbaugebietes am Ufer des Qareh zu Füßen des Zagros-Vorgebirges rund 200 Kilometer westlich von Qom (300 Kilometer westlich von Teheran).

Hamadan liegt damit an der traditionellen Handelsroute zwischen Bagdad und Teheran bzw. Rayy sowie auf der Verbindungslinie zwischen Täbriz im Norden und Luristan bzw. dem Persischen Golf im Süden. Im Mittelalter galt der gesamte Westen Irans als Irak Adschami und war zusammen mit dem Irak Arabi als beide Irak bekannt. Bis 1956 gehörte Hamadan zwischenzeitlich zur iranischen Provinz Kermanschah.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Unter den etwa 500.000 mehrheitlich persischen Einwohnern der Stadt gibt es Minderheiten von Aseris, Kurden, Luren, einigen Tausend Armeniern sowie Juden.

Geschichte[Bearbeiten]

Löwenskulptur Sang-e Shir
Ganj Nameh: Keilschrifttafeln aus der achämenidischen Zeit

Hamadan entstand im 2. Jahrtausend vor unserer Zeit und war unter dem Namen Ekbatana bis ins 6. Jahrhundert vor unserer Zeit die Hauptstadt des iranischen Meder-Reiches. Sie gilt damit als eine der ältesten Städte Irans (vielleicht die älteste), von dort sollen die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem aufgebrochen sein. Den heutigen Namen erhielt es von Armeniern oder Arabern (konkurrierende Deutungen).

Altertum: Ekbatana[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ekbatana

Der Name Hamedân oder Hamadân leitet sich vom altpersischen Ha(m)gmatâna (gräzisiert Ekbatana) ab. Ha(m)gmatâna bedeutet wohl ‚Stadt der Versammlung‘ (aus ham-gmata- = zusammen-gekommen, vgl. Kent, Roland G.: Old Persian - Grammar - Texts - Lexicon, 1953). Die Nasale „m“ und „n“ wurden in der altpersischen Keilschrift vor Konsonanten nicht geschrieben. Im Laufe der Jahrhunderte schliff sich dieser Name zur heutigen (neupersisch-arabischen) Form ab.

Mittelalter: Blüte unter Buyiden und Seldschuken[Bearbeiten]

Nach ihrem Sieg über die persischen Sassaniden in der Schlacht bei Nehawend eroberten die arabischen Muslime 642 auch Hamadan, der Schlachtort Nehawend liegt in der Provinz Hamadan. Die Araber machten Hamadan zu Provinzhauptstadt, doch 643 und 644 kam es zunächst noch zu Aufständen gegen das arabische Kalifat.

Arabische Kalifen[Bearbeiten]

Von 804 bis 810 war die gesamte Region zwischen den Kalifen-Brüdern al-Amin und al-Ma'mun umkämpft. Letzterer übertrug Hamadan einem barmakidischen Statthalter. Mitte des 9. Jahrhunderts siedelte sich ein Stamm hassanidischer Aliden in der Stadt an, die bis 1058 den jeweiligen Bürgermeister stellten (eine Nebenlinie sogar bis 1252). Allmählich wurden diese arabischen Prophetenabkömmlinge iranisiert und schließlich schiitisch. Anders als der - größtenteils erst im 17. und 18. Jahrhundert schiitisch gewordene - übrige Iran wurde Hamadan schon früh ein Zentrum des schiitischen Islam.

Persische Buyiden[Bearbeiten]

Mausoleum von Baba Taher
Weiteres Baba Taher Mausoleum, erbaut 1970

Im Jahre 932 eroberte der Buyide al-Hasan Rukn ad-Daula im Auftrag eines dailamitischen Söldnerführers die Stadt, machte sich sogleich selbständig und baute Hamadan nach dem Erdbeben von 956 wieder auf. Bei der Teilung seines Reiches wurde Hamadan 976 mit Rayy zur Residenzstadt der Nebenlinie Fakr ad-Daula, die mit den Buyiden in Isfahan rivalisierte. Zu jener Zeit, zu Beginn des 11. Jahrhunderts, wirkte auch der große Philosoph, Wissenschaftler und Arzt Avicenna als Wesir des Fürsten in der Stadt. Doch schon 1030 beendete die Eroberung Hamadans durch Sultan Mahmud von Ghazni die persische Dynastie.

Türkische Seldschuken[Bearbeiten]

Nach der Niederlage der Ghaznawiden gegen die Seldschuken setzten sich diese ab 1055 in der Stadt fest.

Seine höchste Blüte erreichte Hamadan unter den Seldschuken-Sultanen, die von hier aus bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts Bagdad und Rayy beherrschten, ehe sie den Choresmiern erlagen. 1221 und 1224 aber zerstörten die Mongolen die Stadt und töteten die meisten ihrer Bewohner. Nach den mongolischen Ilkhanen kamen die Mongolen unter Timur, auch er ließ die kaum wiederaufgebaute Stadt 1386 und 1393 erneut zerstören, alle Einwohner wurden getötet. Nach den Timuriden beherrschten die turkmenischen Qaraqoyunlu ab 1405 von Täbriz aus die Region, ab 1503 schließlich die persischen Safawiden.

Neuzeit: fortgesetzte Kriege[Bearbeiten]

Nach einer vorübergehenden Herrschaft der osmanischen Türken 1587-1603 ließen die Safawiden Hamadan im 16. Jahrhundert neu errichten, doch schon 1724 eroberte der osmanische Statthalter von Bagdad die Region erneut und ließ Hamadan wieder zerstören. Die Türken wurden erst 1732 von Nadir Schah vertrieben, dem ab 1751 die kurdischen Zand und ab 1789 die turkmenischen Kadscharen in der Herrschaft über Hamadan folgten. Schah Fath Ali ließ Hamadan sogar noch ausbauen.

Gegen die Kadscharen erhob sich 1905 die Konstitutionelle Revolution, von der auch das konservative Hamadan 1911 betroffen war. Im Ersten Weltkrieg wurde Hamadan 1915 von den türkischen Truppen erobert, ging aber schon im Mai 1916 an russische Truppen verloren. Von August 1916 bis März 1917 war die Stadt kurze Zeit in der Hand deutscher und türkischer Truppen, dann folgten die Briten und 1918 endlich wieder die Perser.

Zuletzt September 1941 bis 1943 von den Briten im Rahmen der anglo-sowjetischen Invasion Irans während des Zweiten Weltkriegs besetzt, wurde Hamadan erst wieder im Ersten Golfkrieg 1980 von der irakischen Luftwaffe zerstört.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Seit der Antike war Hamadan als Handelszentrum an der Seidenstraße berühmt für Trauben, Mohn (Opium), Pelze und Teppiche. Heute gibt es in Hamadan zwar neben der Landwirtschaft auch Industrie, die Infrastruktur scheint aber schlechter entwickelt als sie es in den meisten übrigen Landesteilen Irans ist.

Mehr Einnahmen machte die Stadt mit der Wallfahrt zu seinen Sehenswürdigkeiten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Mausuleum Esthers, der Frau Xerxes des I. und Mordechai in Hamadan

Mehrere Ausgrabungen am Tepe Hagmatana im Zentrum der Stadt wurden im 20. Jahrhundert durchgeführt, wobei medische und vor allem achämenidische Objekte gefunden wurden, die heute im Teheraner Iranischen Nationalmuseum zu besichtigen sind. Die Herkunft der steinernen Löwenfigur (Sang-e Shir), etwas südlicher im Zentrum, ist unklar. Sie wird teilweise als hellenistische Plastik verstanden, die von Alexander dem Großen für seinen in Hamadan verstorbenen General Hephaistion in Auftrag gegeben wurde. Ebenfalls aus achämenidischer Zeit stammen die Keilschrifttafeln von Ganj Nameh, ca. 12 km vom Zentrum entfernt am Fuß des Alvand-Gebirges gelegen.

Zum vermeintlichen Grab der biblischen Gestalten Mordechai und Esther pilgerten und pilgern zahlreiche Juden, obwohl es sich wahrscheinlich „nur“ um die letzte Ruhestätte einer jüdischen Frau des Sassaniden-Königs Yazdegerd I. († 420) handelt. Auch die dort aufbewahrte Thora soll „nur“ rund dreihundert Jahre alt sein.

Ebenfalls in Hamadan befindet sich die Grabstätte des großen orientalischen Gelehrten Avicenna (Ibn Sina); aus seiner Bibliothek ist die Avicenna-Universität entstanden. Ein drittes bedeutendes Grabmal ist das des Baba Taher, eines persischen Dichters des 11. Jahrhunderts.

In Hamadan starb auch der (vermeintlich) zum Christentum konvertierte Mongolen-Ilchan Abaqa. Raschid ad-Din, der Wesir seines Nachfolgers, wurde hingegen in Hamadan geboren und konvertierte zum Islam.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsdaten der Großstädte Irans (2010) (MS Excel; 125 kB) Tabelle auf Website der Provinzverwaltung Süd-Khorassan (persisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamadan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien