Hamburg-Billstedt

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Wappen von Hamburg
Billstedt
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 32′ 26″ N, 10° 6′ 4″ O53.5405110.1009858Koordinaten: 53° 32′ 26″ N, 10° 6′ 4″ O
Höhe m ü. NN
Fläche 16,8 km²
Einwohner 69.570 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 4141 Einwohner/km²
Postleitzahl 22111, 22113, 22115, 22117, 22119
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Mitte
Verkehrsanbindung
Autobahn A1 A24
Bundesstraße B5
U-Bahn U2Hamburg U2.svg U4Hamburg U4.svg
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Billstedt ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg.

Geographie[Bearbeiten]

Billstedt um 1790, damals noch Schifbeck, Öjendorff und (Kirch-)Steinbeck

Innere Stadtteilgliederung[Bearbeiten]

Im westlichen Teil an der Grenze zu Hamburg-Horn überwiegt eine niedriggeschossige Bebauung von früheren Arbeitersiedlungen, teils auch als Reihenhaussiedlungen mit angeschlossenen Hintergärten.

Im Nordosten deckt sich die Bezirksgrenze mit dem Verlauf der Autobahnen 24 und 1, die hier am Kreuz Hamburg-Ost zusammentreffen. Auf Billstedter Gebiet liegen dabei die Autobahn-Anschlussstellen Hamburg-Jenfeld (A 24) sowie Hamburg-Öjendorf und Hamburg-Billstedt an der A 1. Dazwischen liegen in dem Viereck bis zum Jenfelder Bach bzw. dem ehemaligen Stadtteil Schiffbek im Westen und bis zur Glinder Straße bzw. der Siedlung Öjendorf im Süden 4,5 Quadratkilometer weitgehend unbebauter Fläche. Diese besteht größtenteils aus dem Öjendorfer Friedhof und dem Öjendorfer Park mit dem etwa 0,5 Quadratkilometer großen Öjendorfer See.

Der Öjendorfer Friedhof ist mit einer Fläche von einem Quadratkilometer der zweitgrößte von Hamburg. Der Öjendorfer See war ehemals eine Kiesgrube und der angrenzende Park steht zum großen Teil auf hier abgelagerten Trümmern der im Weltkrieg zerbombten Hamburger Innenstadt. Von 1949 bis 1954 führte hier die „Trümmerbahn“ von Hamm durch die Straßenzüge Hermannstal – Kattensteert – Schiffbeker Höhe – Öjendorfer Weg zum Kieswerk. Dieses offengelassene Gelände wurde 1968 durch Schulpraktika unter Leitung von Landschaftsgärtnern zum Öjendorfer Park umgewandelt.

Der südliche Teil in dem Dreieck zwischen dem Straßenzug Schiffbeker Höhe / Glinder Straße und der Autobahn-Anschlussstelle Hamburg-Billstedt ist weitgehend mit Einfamilienhäusern bebaut. Der südöstliche Zipfel an der Grenze zu Oststeinbek und zum Bezirk Bergedorf wird von der Großsiedlung Mümmelmannsberg eingenommen.

Im nördlichen Teil, der an Jenfeld grenzt, liegt die kleine Hochhaussiedlung Dringsheide.

Eine typische Stadtkernbebauung mit mehrgeschossigen Häusern und Ladengeschäften ist nur im Bereich der südlich an der Grenze zu Hamburg-Billbrook gelegenen Gabelung der Möllner Landstraße und der Billstedter Hauptstraße anzutreffen. Hier liegt auch rund um den U-Bahnhof Billstedt U2/U4 das Stadtteilzentrum mit dem Kundenzentrum Billstedt des Bezirks Mitte, einem Einkaufszentrum und dem Busbahnhof. Die Südgrenze bildet die namensgebende Bille.

Nachbarstadtteile und -gemeinden[Bearbeiten]

Der Stadtteil wird umgrenzt von:

Geschichte[Bearbeiten]

Billstedt entstand 1928 als Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen, zum Kreis Stormarn gehörigen und damit preußischen Dörfer Kirchsteinbek, Öjendorf und Schiffbek. Den Namen entwickelten die drei Gemeinderäte in einem längeren Diskussionsprozess; er bezieht sich auf den Fluss Bille, der die neue Ortschaft südlich begrenzte.[1] Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes wurde es 1937 nach Hamburg eingemeindet. Anfang der 1970er Jahre wurde die Großwohnsiedlung Mümmelmannsberg erbaut.

Siehe auch: Spökelburg

Kirchsteinbek[Bearbeiten]

Evangelisch-lutherischer Friedhof in Kirchsteinbek mit Friedhofskapelle

Erstmals wird der Ort 1212 als Steinbek urkundlich erwähnt. Der Name geht auf die Glinder Au, den den Ort teilenden steinigen Bach, zurück. Mit dem Bau der ersten Kirche 1239 wird das Dorf auch Kirchsteinbek genannt. 1321 wird erstmals eine Kornmühle im Ort genannt. Seit diesem Jahr gehört er auch zum Kloster Reinbek und wurde Zentrumsgemeinde eines Kirchspiels, zu dem 18 weitere Dörfer gehörten. Nach der Reformation und der damit verbundenen Auflösung des Klosterbesitzes kommt Steinbek zum landesherrlichen Amt Reinbek.

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurde der Ort endgültig in Kirchsteinbek umbenannt und dem neu gegründeten Kreis Stormarn zugeordnet. Mit Einführung der preußischen Kommunalverfassung 1889 kam der Ort zum Amtsbezirk Schiffbek. Um 1900 begann die Verstädterung der bisher dörflichen Gemeinde. 1927 wurde Kirchsteinbek mit Schiffbek und Öjendorf zur neuen Großgemeinde Billstedt zusammengelegt. Es hatte damals 2.154 Einwohner.

Öjendorf[Bearbeiten]

Öjendorf wurde 1224 erstmals urkundlich als Odingetorpe erwähnt. Der Name führt zurück auf den Familiennamen Olding. Seit 1265 gehörte das Dorf zum Kirchspiel Kirchsteinbek. Zuvor waren die Bewohner – wie auch die aus Schiffbek – nach Hamburg zur Hauptkirche St. Jacobi eingepfarrt. Öjendorf war stets der kleinste der drei Teilorte. Zum Zeitpunkt der Gründung Billstedts wohnten nur knapp 700 Menschen dort. Noch heute sind einige alte Bauernhäuser im Ort erhalten.

Die Freiwillige Feuerwehr Öjendorf wurde offiziell im Jahr 1890 gegründet, wobei Dokumente schon im Jahr 1880 eine Feuerwehr in Öjendorf aufzeigen.

In Öjendorf liegt das Naherholungsgebiet Öjendorfer See und der Hauptfriedhof Öjendorf, der 1966 als zweiter Hauptfriedhof Hamburgs angelegt wurde.

Schiffbek[Bearbeiten]

Katholische St.-Paulus-Kirche in Schiffbek

Wie Kirchsteinbek wurde 1212 auch Schiffbek erstmals urkundlich erwähnt. Der Name, früher Skipbeke, bezeichnet die Stelle, bis zu der die Bille schiffbar war und bedeutet in der wörtlichen Übersetzung „schiffbarer Bach“. Zwar war der Ort dem Hamburger Domkapitel tributpflichtig, verwaltungsmäßig gehörte er jedoch zum Kloster Reinbek, nach der Reformation dann zum landesherrlichen Amt Reinbek. Mit Gründung der Jute-Spinnerei 1881 zogen viele Arbeiter aus Polen und Böhmen nach Schiffbek, das daher Ende des 19. Jahrhunderts auch eine römisch-katholische Gemeinde erhielt.

Im Rahmen des Hamburger Aufstandes der Kommunistischen Partei Deutschlands wurde am 23. Oktober 1923 die Polizeiwache überfallen und die dort liegenden Waffen erbeutet. Schiffbek entwickelte sich zu einem Zentrum des Aufstandes. Zum Zeitpunkt der Bildung Billstedts hatte der Ort knapp 9000 Einwohner.

Das ehemalige Dorf bildet heute das Zentrum Billstedts. Hier sind ein Kundenzentrum des Bezirksamts, ein Einkaufszentrum und eine Fußgängerzone vorhanden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Gedenkstein für Widerstandskämpfer vor dem ehemaligen Ortsamt Billstedt
  • 1928: ca. 11.800
  • 1937: 13.661
  • 2002: 68.461
  • 2006: 69.406

Heute haben rund 47 Prozent der Billstedter einen Migrationshintergrund.[2]

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Billstedt zum Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis:[3]

  • SPD: 57,0 % (+17,5)
  • CDU: 20,0 % (−20,2)
  • Linke: 7,4 % (−1,1)
  • Grüne/GAL: 5,4 % (+1,4)
  • FDP: 4,1 % (+0,6)
  • Übrige: 6,1 % (+1,8)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Billstedt befindet sich kein nennenswertes produzierendes Gewerbe. Lediglich bis etwa 1964 befand sich nahe der Archenholzstraße/Schleemer Weg die große Konservenfabrik Hermann Heins. Die überwiegend aus Arbeitern bestehende Bevölkerung Billstedts fand ihr wirtschaftliches Auskommen stets meist in den Gewerbegebieten des benachbarten Billbrook und Wandsbek, sowie auch der Innenstadt und des Hafens von Hamburg. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit haben die Kirchengemeinde der Jubilate Kirche und die „Freiwilligenbörse Hamburg“, unterstützt von Teilen der örtlichen Wirtschaft das „Jobcafe im Mehrgenerationenhaus“ begründet.

Verkehr[Bearbeiten]

Zugabstellanlage am Schiffbeker Weg, Blickrichtung Legienstraße (September 2011)

Billstedt ist mit drei Anschlussstellen an die Bundesautobahnen 1 (HeiligenhafenSaarbrücken) und 24 (Hamburg–Berlin) und die Bundesstraße 5 unmittelbar an das nationale Straßennetz angebunden.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) gewährleistet. Die U-Bahn-Linien U2 und U4 verbinden den Stadtteil (vier Haltestellen) mit der Hamburger Innenstadt. Am U-Bahnhof Billstedt befindet sich der Busbahnhof, der von zahlreichen Buslinien der Hamburger Hochbahn (Richtung Norden und Westen) und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) (Richtung Osten und Süden) angefahren wird.

Nur noch von geringer Bedeutung ist die Eisenbahnstrecke der ehemaligen Südstormarnschen Kreisbahn, die jetzt von der Eisenbahn Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN) für gelegentlichen Güterverkehr (Holztransporte zweimal wöchentlich) von Glinde (Bahnhof) nach Tiefstack betrieben wird.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Größte ansässige Unternehmen sind die Otto Wulff Bauunternehmung in Öjendorf und die Adolf Neubauer Mühlenwerke in Kirchsteinbek, die Glimmer verarbeiten und damit der letzte der früher zahlreichen Mühlenbetriebe sind. Diverse Unternehmen, die als Dienstleister vor Ort ansässig sind, haben eine große Bedeutung für die Bewohner von Billstedt.

Behörden[Bearbeiten]

Billstedt bildete bis 2007 mit den Nachbarstadtteilen Horn und Billbrook ein Ortsamtsgebiet, dessen Verwaltung in Billstedt saß. Für Mümmelmannsberg gab es eine Ortsdienststelle, die Dienstleistungen des Bezirks vor Ort anbot.

Sport[Bearbeiten]

Der SC Vorwärts-Wacker 04, entstanden aus einer Fusion des SV Wacker 04 mit Vorwärts Billstedt, ist insbesondere im Fußball, man spielte mehrere Jahre in der Oberliga Nord, und im Boxen erfolgreich. Dagegen liegen die Erfolge des TV Gut Heil Billstedt überwiegend im Wasser: Bekannteste Abteilung ist die Schwimmsparte, für die von 1994 bis 1999 auch Sandra Völker antrat. Dritter und kleinster Sportverein im „alten“ Billstedt ist der SV Billstedt-Horn, bei dem Piotr Trochowski und Matthias Reincke ihre Fußballkarrieren begannen. In Mümmelmannsberg sind der Mümmelmannsberger SV und der SC Europa 92 zuhause.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Steinbeker Kirche

Kulturpalast[Bearbeiten]

Im ehemaligen Wasserwerk am Öjendorfer Weg ist seit 1993 der Kulturpalast im Wasserwerk beheimatet. Dort treffen sich zirka 40 Gruppen und es werden über 70 Kurse im Jahr durchgeführt. Aber auch Konzerte, Kabarett und Kino gehören zum Angebot. Mit 50.000 Besuchern jährlich ist der Kulturpalast das größte Stadtteilzentrum im Bezirk Hamburg-Mitte. Die BilleVue als Stadtteilfest für Billstedt ist in den Räumen des Kulturpalasts durch Initiative die Geschäftsführerin Dörte Inselmann und durch weitere Gesellschafter entstanden.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die heutige Steinbeker Kirche (Dreieinigkeitskirche) stammt von 1884 und liegt auf dem Geestrand, so dass sie einen weithin sichtbaren Orientierungspunkt abgibt. Sie wurde nach Plänen von Otto Ritscher errichtet. Im Innern befinden sich zwei Kronleuchter von 1679 und 1719, die der Vorgängerkirche entstammen.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Hamburg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Hamburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Billstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 21
  2. http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/SI_SPEZIAL_V_2010_01.pdf
  3. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true