Hamburg-Eppendorf

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Wappen von Hamburg
Eppendorf
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 35′ 44″ N, 9° 59′ 2″ O53.595669.98401Koordinaten: 53° 35′ 44″ N, 9° 59′ 2″ O
Fläche 2,7 km²
Einwohner 23.777 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 8806 Einwohner/km²
Postleitzahl 20249, 20251, 22529
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Nord
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
Blick vom Leinpfad über den Alsterstreek auf die St. Johanniskirche 2006 …
… und der gleiche Blick 1845

Eppendorf ist ein nordwestlich der Außenalster gelegener Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord der Freien und Hansestadt Hamburg. Der Name leitet sich vermutlich vom altdeutschen epen, „am Wasser gelegen“, her.

Geografie[Bearbeiten]

In Eppendorf münden der Isebekkanal und das Flüsschen Tarpenbek in die Alster. Die Tarpenbek fließt vorher durch den Mühlenteich, der auch als Winterquartier für die Alsterschwäne dient.

Geschichte[Bearbeiten]

Eppendorf, 1140 erstmals als Eppenthorp erwähnt, ist Hamburgs ältestes Dorf. Sein Name leitet sich entweder von altgermanisch epen – „am Wasser“ – ab oder von dem Personennamen Ebo, Ebbo oder Eppo. Fraglich ist, ob damit der Erzbischof Ebo von Reims gemeint war, der von 823 bis 826 mehrfach auf Missionsreisen nördlich der Elbe zog. Auf eine frühe Christianisierung weisen allerdings die bei einer Renovierung der 1267 erstmals erwähnten St-Johannis-Kirche gefundenen Überreste eines älteren Rundturmes aus ungehauenen Feldsteinen hin.

An der Heilwigstraße direkt an der Alster befindet sich seit 1914 das sogenannte Kloster St. Johannis, der Nachfolger des 1530 zum Damenstift umgewandelten Herwardeshuder Zisterzienserinnenklosters, das 1247 von Heilwig von der Lippe, Ehefrau des Schauenburger Grafen Adolf IV. gegründet worden war. Eppendorf hatte zur Grafschaft Holstein-Stormarn gehört, die seit 1227 von den Schauenburger Grafen regiert worden war. Zuvor stand es seit 1214 unter dänischer Herrschaft, die aber nach der für Adolf IV. siegreichen Schlacht bei Bornhöved endete.[1] Graf Adolfs Nachfahren verkauften das Dorf Eppendorf 1343 an jenes Kloster St. Johannis.

Als nach der Reformation das Kloster aufgelöst und abgebrochen wurde, gründete die neue lutherische Konfession 1530 die „evangelische Stiftung Kloster St. Johannis“, der die Klosterbesitzungen – und damit auch Eppendorf – übertragen wurden. Drei Jahrhunderte blieb das Dorf im Besitz der Stiftung, ehe es 1832 – wie der gesamte Stiftungsbesitz – direkt in hamburgische Verwaltung kam.[1] Mit fünf Vollhufnern, 12 Halbhufnern und 17 Brinksitzern war es damals eines der größeren Dörfer im Hamburger Umland. Die Bauern (Hufner) und Handwerker (Brinksitzer) siedelten vor allem im Dreieck zwischen dem Eppendorfer Marktplatz, dem heutigen Schrammsweg und der St.-Johannis-Kirche. Hinzu kamen noch Landsitze wohlhabender hamburgischer Bürger, die sich alsteraufwärts befanden.

In der Zeit der Zugehörigkeit zur Klosterstiftung wurde Eppendorf wiederholt Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen und Gegenstand von Besetzungen. Im Dreißigjährigen Krieg quartierten sich schwedische und dänische Truppen ein, bis sie 1627 vom kaiserlich-katholischen Feldmarschall Johann t’Serclaes von Tilly vertrieben wurden. 1712 und 1762 besetzten dänische Truppen Eppendorf, da Dänemark weiterhin die Zugehörigkeit Hamburgs und seiner Besitzungen zum von ihm regierten Herzogtum Holstein beanspruchte. Erst mit dem Gottorper Vertrag von 1768 gab Dänemark diese Ansprüche auf. Napoleonische Truppen besetzten Eppendorf dann 1806 und verleibten es dem französischen Kaiserreich als Teil des Département des Bouches de l’Elbe ein. Unter Marschall Louis-Nicolas Davout wurde ein Großteil des Dorfes 1813 niedergebrannt, um den Franzosen freies Schussfeld vor den Toren Hamburgs zu verschaffen, bereits ein Jahr später gelang es aber russischen Truppen Hamburg – und damit auch Eppendorf – zu befreien.[1]

Im 19. Jahrhundert wurde Eppendorf zum beliebten Vorort für wohlhabende Bürger aus Hamburg, die dort ihren Landsitz errichteten. In der Folgezeit wurde das niedriggelegene, sehr feuchte Land aufgeschüttet und bebaut. Von der ursprünglichen Weide- und Moorlandschaft hat sich nur das Eppendorfer Moor an der Tarpenbek erhalten, das seit 1982 unter Naturschutz steht.

1875 wurde der Eppendorfer Bürgerverein (EBV) gegründet, der heute noch besteht und das Stadtteil-Magazin Der Eppendorfer herausgibt.

1879, als die Hamburger Krankenhäuser die vielen Kranken, die oft an Seuchen wie Cholera litten, nicht mehr aufnehmen konnten, wurde mit dem Bau eines modernen Krankenhauses auf einem freien Gelände am Rand von Eppendorf begonnen, dem heutigen Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Bei der Unterbringung der Kranken in einzelnen Pavillons anstelle der großen Säle früherer Krankenhäuser wurden neue Erkenntnisse der Vermeidung von Ansteckungen angewandt.

1894 wurde Eppendorf, das bereits 1871 den Status eines Vororts erhalten hatte, als Stadtteil in die Stadt Hamburg eingemeindet. Zahlreiche Gebäude stammen aus der Zeit zwischen der Eingemeindung 1894 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1832: ≈1.000[1]
  • 2010: 24.135

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Eppendorf zum Wahlkreis Eppendorf-Winterhude. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis:[2]

  • SPD: 46,6 % (+14,6)
  • CDU: 18,6 % (−23,1)
  • GAL: 15,2 % (+1,5)
  • FDP: 9,9 % (+3,5)
  • Linke: 4,9 % (±0,0)
  • Sonstige: 4,8 % (+3,5)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche St. Johannis: liegt direkt an der Alster und an der Brücke nach Winterhude. Sie hat einen ehemals runden Turm, der wohl aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt, das 1622 neu gebaute Kirchenschiff ist ein rechteckiger Fachwerksaal. Samuel Heinicke, einer der Pioniere im deutschen Gehörlosenschulwesen, war hier Kantor von 1768 bis 1778 und unterrichtete in der Küsterei mehrere gehörlose Schüler.
  • Holthusenbad: Das 1912 bis 1914 errichtete Holthusenbad wurde von Fritz Schumacher entworfen.
Eppendorfer Landstraßenfest

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Eppendorfer Landstraßenfest: das Eppendorfer Landstraßenfest findet alljährlich im Mai statt, 2006 zum 25. Mal
  • Erikastraßen-Fest: im August findet in ähnlichem, wenn auch kleineren Umfang, das Erikastraßen-Fest statt
  • Eppendorfer Fest: das Eppendorfer Fest findet alljährlich im Juni statt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Eppendorf hat mit dem U-Bahnhof Kellinghusenstraße (U1 und U3) einen wichtigen Knotenpunkt des Hamburger U-Bahn-Netzes. Am Eppendorfer Marktplatz kommen mehrere Buslinien zusammen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Universitätsklinik Eppendorf (UKE) ist eine der alten, großen Kliniken Hamburgs und wurde 1884 gegründet. Seit 1934 ist es Universitätsklinikum.

Auch das Bezirksamt Hamburg- Nord hat hier seinen Sitz und wurde in den letzten Jahren stetig ausgebaut. Das Kundenzentrum für öffentliche Angelegenheiten zog während dieser Phase in das ehemalige Gebäude einer öffentlichen Bücherhalle, welches sich direkt neben dem Bezirksamt befindet. Im Jahr 2009 wurde zudem ein Neubau auf dem ehemaligen Karstadt-Gelände eingeweiht.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Eppendorf AG, nach dem Stadtteil benannt, entstand auf dem Krankenhausgelände des UKE und ist inzwischen weltweit tätig. Sie fertigt Maschinen und andere Geräte für Labore. Inzwischen ist der Hauptfirmensitz in Hummelsbüttel.

Bildung[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Wolfgang-Borchert-Denkmal, Eppendorfer Landstraße

Söhne und Töchter des Stadtteiles[Bearbeiten]

  • Claus Johannes Timmermann (1842–1919), der letzte Bauernvogt von Eppendorf
  • Hans Ferdinand Bubbe (1873–1961), deutscher Schulmann und Heimatforscher
  • Ernst Thälmann (1886–1944), an den heute noch der Ernst-Thälmann-Platz und die DKP-nahe Ernst-Thälmann-Gedenkstätte erinnern
  • Wolfgang Borchert (1921–1947), deutscher Schriftsteller, in Eppendorf geboren und besuchte die später nach ihm benannte Wolfgang-Borchert-Schule (vorher Erica-Schule)
  • Uwe Seeler (* 1936), Fußballlegende, besuchte die Wolfgang-Borchert-Schule
  • Fabius (* 1966), Sänger, Schauspieler und Musicaldarsteller; in Eppendorf aufgewachsen, besuchte die Wolfgang-Borchert-Schule; heute spielt er in diversen Musicalstücken und im Ohnsorg-Theater Hamburg, insbesondere in der Rock-Revue „Wi rockt op Platt“
  • Jan Delay (* 1976), Rapper der Gruppe Beginner, spricht im Track „Lang is her“ zusammen mit Samy Deluxe über seine Jugend in Hamburg-Eppendorf
  • Samy Deluxe (* 1977), Rapper, ist in Eppendorf aufgewachsen.[3]

Personen mit Beziehung zum Stadtteil[Bearbeiten]

  • Heinz Erhardt (1909–1979), der deutsche Komiker und Schriftsteller lebte bis zu seinem Tode mit seiner Familie am Eppendorfer Baum
  • Karl Dall (* 1941), der deutsche Komiker lebt hier
  • Karolin Klimek (* 1969), deutsche Modedesignerin und Hochschullehrerin; lebt hier seit 1997
  • Harry Rowohlt (* 1945), der deutsche Schriftsteller, Kolumnist, Übersetzer und Schauspieler lebt hier
  • Lonzo Westphal (1952–2001), der „Teufelsgeiger von Eppendorf“ und Mitglied der Hamburger Musikgruppe Leinemann, besang den Stadtteil 1980 in seinem Stück Der Zaubergeiger (Der Teufel kam nach Eppendorf)

Die Country-Band Texas Lightning, die Deutschland 2006 beim Eurovision Song Contest 2006 vertrat, kommt aus Eppendorf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Alter: Eppendorf. Leben und Wohnen im Hamburger Vorort. Hans Christians Verlag Hamburg 1976.
  • Christian Hanke: Eppendorf von A–Z. Das Stadtteillexikon mit Hoheluft-Ost. Medien-Verlag Schubert 2001. ISBN 3-929229-80-3
  • Hakim Raffat: Eppendorf und seine Parks. 2. überarb. & erw. Auflage 2007, Herausgegeben vom Stadtteilarchiv Eppendorf. Vertrieb: Abera Verlag. Hamburg. ISBN 978-3-934376-76-2.
  • Werner Skrentny: Eppendorf 1860-1945. Ein photographischer Streifzug. Edition Temmen Bremen 1998. ISBN 3-86108-727-8.
  • Knuth Weidlich (Hrsg.), Werner Skrentny (Text): Das Eppendorf-Buch. Historika Photoverlag Hamburg 1991. ISBN 3-9802761-0-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Irene Müller, „Eppendorf historisch – Die Geschichte Eppendorfs“, in: Der Eppendorfer, Heft Mai 2011, Seite 13.
  2. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  3. Zeit Online, Artikel Mal die Steuern senken vom 1. April 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Eppendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien