Klasse 101/101A
Zerstörer Schleswig-Holstein nach Umbau (Klasse 101A) |
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| Übersicht | |
| Typ | Zerstörer |
| Einheiten | 4 |
| Bauwerft | |
| Kiellegung | 1959 bis 1961 |
| Stapellauf | 1960 bis 1961 |
| Indienststellung | 1964 bis 1968 |
| Außerdienststellung | 1990 bis 1994 |
| Verbleib | abgebrochen |
| Technische Daten | |
| Verdrängung |
4.050 t |
| Länge |
133,70 m |
| Breite |
13,40 m |
| Tiefgang |
4,80 m (Standard) |
| Besatzung |
284 |
| Antrieb |
|
| Geschwindigkeit |
35 kn |
| Bewaffnung |
siehe Abschnitt Bewaffnung |
Die Klasse 101/101A war eine Klasse von vier Zerstörern der Bundesmarine, die Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre gebaut wurde Die Einheiten waren bis Mitte der 1990er Jahre in Dienst und gehörten mit einer Verdrängung von 4.050 Tonnen zu den damals größten Schiffen der Bundesmarine.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Planung und Bau
Bereits 1955, zu Beginn der deutschen Wiederbewaffnung, wurde, noch unter dem Namen „Zerstörer 55“, bereits mit dem Entwurf deutscher Zerstörer-Neubauten begonnen. Geplant war zwölf Einheiten dieser Zerstörerklasse zu bauen. Bewilligt und in Auftrag gegeben wurden letztendlich jedoch nur vier Neubauten (ZA - ZD).[1]
Um den Zeitraum bis zur Verfügbarkeit der ersten Neubauten zu überbrücken, wurden sechs US-amerikanische Zerstörer der Fletcher-Klasse aus dem Zweiten Weltkrieg ausgeliehen. Sie wurden als Zerstörer 1 bis Zerstörer 6 in Dienst gestellt. Der erste Neubau, der Zerstörer ZA wurde am 29. Januar 1959 auf der Hamburger Werft H. C. Stülcken Sohn auf Kiel gelegt. Am 26.März.1960 fand die Taufe auf den Namen Hamburg mit anschließendem Stapellauf statt. Aufgrund einer Gasexplosion im Vorschiff verzögerte sich die Indienststellung bis zum 23. März 1964.[1] Der Hamburg folgten im Oktober 1964 die Schleswig-Holstein, im Juli 1965 die Bayern und im Oktober 1968 die Hessen. Die Zerstörer wurden zur Klasse 101 zusammengefasst. Nach dem Ersten Schiff der Klasse, der Hamburg, wird die Klasse inoffiziell auch als Hamburg-Klasse bezeichnet.
[Bearbeiten] Bezeichnung
Benannt wurden die Schiffe nach deutschen Bundesländern. Jeder der Namen hatte bereits eine Tradition in früheren deutschen Marinen. Die erste Hamburg war eine Radkorvette während des Schleswig-Holsteinischen Krieges. In der Kaiserlichen Marine trug dann ein Kleiner Kreuzer den Namen Hamburg. Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen waren Linienschiffe der Kaiserlichen Marine.
[Bearbeiten] Dienstzeit
Die Einheiten der Klasse 101/101A bildeten das 2. Zerstörergeschwader in Wilhelmshaven. Bis zur Aufstellung des Geschwaders am 1. April 1965 waren die Zerstörer Hamburg und Schleswig-Holstein dem 1. Zerstörergeschwader in Kiel unterstellt. Die Zerstörer waren immer in Wilhelmshaven beheimatet. Nach der Mitte der 1970er Jahre durchgeführte Kampfwertsteigerung, erfolgte die Umklassifizierung zur Klasse 101A. Beginnend mit der Hessen 1990 wurden die Zerstörer der Klasse 101/101A dann bis 1994 außer Dienst gestellt und über die VEBEG verkauft und anschließend abgebrochen.
[Bearbeiten] Technik
[Bearbeiten] Rumpf
Die Zerstörer der Klasse 101/101A waren 133,70 Meter lang und 13,40 Meter breit. Ihr Tiefgang betrug 4,80 Meter, die Wasserverdrängung 4.050 Tonnen. Die Schiffe waren mit fünf Decks äußerst hoch und wurden deswegen im Marinejargon auch „Hochhäuser“ genannt.[1]
Im Rahmen der Modernisierung zur Klasse 101A erhielten die Zerstörer, die vorher nur über einen relativ kleinen Fahrstand und eine offene Brücke verfügten, eine geschlossene Brücke.
[Bearbeiten] Antrieb
Der Antrieb der Schiffe der Klasse 101/101A bestand aus vier WAHODAG-Hochdruck-Heißdampfkesseln, die mit bis zu vier Kesselbrennern pro Kessel befeuert waren und zwei Hochdruck-Turbinen. Sie erzeugten rund 68.000 PS und brachten das Schiff auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Zum Ende der Dienstzeit waren auf den einzelnen Einheiten nicht mehr alle Brenner und Kessel in Betrieb. Anfänglich waren die Schiffe mit zwei dreiflügeligen Propellern ausgerüstet. Später wurden sie gegen fünfflügelige Propeller ausgetauscht.[1]
[Bearbeiten] Bewaffnung
Zu Beginn bestand die Bewaffnung der Zerstörer der Klasse 101 vor allem aus Rohrwaffen. Die Schiffe verfügten über vier vollautomatische 100 mm Marine-Einzelgeschütze in Turmlafette (METL) L/55, hergestellt von der französischen Firma Creusot Loire und acht Bofors 40 mm/L70 Flak in Marine-Doppel-Lafette (MDL) Mod 68 II/62 Breda. Ferner waren fünf 533 mm Torpedorohre (drei im Bug, zwei im Heck) für Torpedos der Typen G7a, Seal und Nixe vorhanden. Für die U-Jagd-Mitteln wurden ferner acht U-Jagd-Raketenwerfer 375 mm Bofors in zwei Vierlingsgruppen vor der Brücke aufgebaut, ferner zwei Ablaufbühnen für Wasserbomben Typ Hagenuk. Die Möglichkeit zur Mitnahme von insgesamt 90 Minen war ebenfalls gegeben, die über zwei Wurfgestelle am Heck geworfen werden konnten.[2]
Bei der Modernisierung zur Klasse 101A wurde ein 100 mm Turm, der Turm Charlie, ausgebaut, ebenso die Bug- und Hecktorpedorohre. Stattdessen erhielten die Schiffe zwei Doppelstarter für Exocet-Flugkörper gegen Seeziele und zwei 533 mm U-Jagd-Torpedorohre. Zur Selbstverteidigung gegen Flugkörper kamen zwei zwanzigrohrige 105 mm Düppelwerfer der Firma Breda an Bord.[2]
[Bearbeiten] Elektronik/ Führungssystem
Verfügten die Zerstörer zunächst nur über mechanische Feuerleitanlagen (M2/ M4, Hersteller: Hollandse Signaalapparaten), wurden sie im Rahmen der Modernisierung zur Klasse 101A auch mit dem bereits bei den Schnellbooten der Klasse 148 eingeführten PALIS-System ausgerüstet und verfügten damit über eine rudimentäre Führungsfähigkeit mittels Link 11. Die Waffensysteme waren aber nicht integriert.
Als Ortungsmittel standen der Klasse 101A zur Verfügung:
- Seezielradaranlage ZW, 3 cm, Hersteller: Hollandse Signaalapparaten
- Luftzielradaranlage DA, 8 cm, Hersteller: Hollandse Signaalapparaten
- Weitbereichsradaranlage LW, 25 cm, Hersteller: Hollandse Signaalapparaten
- Navigationsradar KH-14, Hersteller: Kelvin Hughes
- eine Sonaranlage 1BV2 mit einziehbarem Dom
- eine ESM-Anlage
Zur elektronischen Ausstattung gehörten auch diverse Sprech- und Schreibfunksende/-empfangsanlagen im UHF- sowie HF- Frequenzbereich.
[Bearbeiten] Einsatzprofil
Die Einsatzmöglichkeiten der Zerstörer der Klasse 101 waren äußerst vielseitig. Neben der „klassischen“ Geleitsicherung und dem Bekämpfen von See- und Luftzielen waren die Zerstörer auch zum Kampf gegen U-Boote und zum Minenlegen geeignet.[3]
Jedoch galten ihre Fähigkeiten spätestens Ende der 1970er Jahre aufgrund der veralteten Elektronik (elektromechanische Feuerleitanlagen, siehe oben) als obsolet, da vor allem ihre Fähigkeit, moderne und schnelle Flugzeuge abwehren zu können, als zunehmend unzureichend eingeschätzt wurde. Lediglich die nachgerüstete Flugkörperbewaffnung entsprach bis zu ihrer Ausmusterung dem Stand der Technik.
[Bearbeiten] Besondere Vorkommnisse
Bereits während des Baus der Hamburg kam es zu einer Gasexplosion, die ihre Fertigstellung verzögerte. Probleme mit den Kupplungen zwischen den Turbinen und den Getrieben auf der Hessen, die abweichend von den anderen Einheiten waren, verzögerten die Indienststellung um mehr als zwei Jahre. Eine Explosion mit Brand ereignete sich 1971 im E-Werk der Hessen und forderte zwei Todesopfer. 1980 kollidierte die Bayern mit dem Großen Betriebsstofftransporter Spessart, bei dem der Bug bis zum Wellenbrecher eingedrückt wurde.
[Bearbeiten] Einheiten
| K l a s s e 101/101A | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Kennung | Funkrufzeichen | Bau- nummer |
Kiel- legung |
Stapel- lauf |
Indienst- stellung |
Außerdienst- stellung |
Verbleib | Foto | |
| bis 30.11.1981 | ab 01.12.1981 | |||||||||
| Hamburg | D 181 | DBZK | DRAA | 890 | 29.01.1960 | 26.03.1960 | 23.03.1964 | 24.02.1994 | 1998 in Spanien abgebrochen | |
| Schleswig-Holstein | D 182 | DBZL | DRAB | 891 | 20.08.1959 | 20.08.1960 | 12.10.1964 | 15.12.1994 | 1998 in Belgien abgebrochen | |
| Bayern | D 183 | DBZM | DRAC | 892 | 15.02.1961 | 14.08.1962 | 06.07.1965 | 07.12.1993 | 1995 in Dänemark abgebrochen | |
| Hessen | D 184 | DBZN | DRAD | 898 | 05.02.1961 | 04.05.1963 | 08.10.1968 | 29.03.1990 | 1991 in Portugal abgebrochen | |
[Bearbeiten] Verweise
[Bearbeiten] Literatur
- Gerhard Koop/Siegfried Breyer: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine 1956 bis heute. Bernard & Graefe Verlag, München 1996, ISBN 3-7637-5950-6.
- Wolfgang Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2001, ISBN 3-7822-0816-1
- Zvonimir Freivogel: Marine-Arsenal, Sonderheft Band 21: Die Zerstörer der HAMBURG-Klasse. -Die letzten ihrer Gattung-. Podzun-Pallas-Verlag, Wölfersheim-Berstadt, 2000, ISBN 3-7909-0713-8
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d Koop/Breyer: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine von 1956 bis heute.
- ↑ a b Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute
- ↑ Zerstoerer-Hamburg.de: Allgemeine Daten