Hamburg-Klostertor

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Klostertor ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch: Klosterthor
Lage des Bezirks Mitte

bis 29. Februar 2008

Lage Klostertors

bis 29. Februar 2008

Pincerno - Bezirk Hamburg-Mitte 8-2007.PNG
Pincerno - Klostertor 8-2007.PNG
Basisdaten
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Hamburg-Mitte
Fläche: 3,6 km²
Einwohner: 1.235 (2006)
Bevölkerungsdichte: 343 Einwohner je km²
Vorwahl: 040
Geografische Lage: 53° 32' 39″ n. Br.
10° 0' 52" ö. L.
Kfz-Kennzeichen: HH
Bestand: von 1951 bis

29. Februar 2008

Baakenhafen, in der Bildmitte die Großmarkthallen

Der ehemalige Stadtteil Klostertor in Hamburg bestand von 1951 bis 29. Februar 2008 und gehörte zum Bezirk Hamburg-Mitte. Er umfasste das Gebiet am Nordufer der Elbe, das vorher zu Hamburg-Altstadt gehörte, sowie Teile, die früher zu St. Georg zählten. Er gliederte sich in die Ortsteile 115 und 116. Klostertor wurde auf die benachbarten Stadtteile aufgeteilt:

  • Zum 1. März 2008 wurde ein neuer Stadtteil HafenCity geschaffen. Dieser besteht aus dem Ortsteil 116 des Stadtteils Klostertor, Teilen der Altstadt und Teilen von Rothenburgsort.[1]
  • Der bisherige Ortsteil 115 des Stadtteils Klostertor wurde dem Stadtteil Hammerbrook zugeordnet.

Geographie[Bearbeiten]

Der südliche Teil des Stadtteils, die heutige HafenCity, umfasste das Gebiet zwischen Oberhafen im Norden, Magdeburger Hafen im Westen und der Norderelbe im Süden und enthielt auch den Baakenhafen auf der Elbinsel Baakenwerder. Der nördliche Teil ist eine ursprünglich sumpfige Marschniederung. Dort liegen heute Teile der City Süd und der Hamburger Großmarkt.

Der Stadtteil wurde wie folgt begrenzt (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Nordseite der Altmannbrücke, dann der Bahnlinie nach Osten folgend bis zum Nagelsweg. Dem Nagelsweg in der Straßenmitte nach Süden folgend bis zum Amsinckstraße (B 4), Diese nach Südosten bis zur Brücke über die Bille, sodann durch die Bille, die Brandshofer Schleuse und den Oberhafen bis zu den Bahnanlagen auf Baakenwerder. Dann verläuft die Stadtteilgrenze zwischen Versmannstraße und der Bahnlinie nach Harburg bis zur Mitte der Freihafen-Elbbrücke. Dort befindet sich das südlichste Ende des Stadtteils. Durch die Norderelbe verläuft die Grenze sodann nach Westen bis zum Magdeburger Hafen, durch diesen und den Brooktorhafen bis zum Oberhafen, wo sie kurz nach Osten verspringt und dann zwischen Bahnlinie und Deichtorhallen nach Norden führt. In Höhe des Deichtorplatzes springt die Grenze auf die westliche Straßenseite des Klosterwalls und führt dann bis zur Altmannbrücke.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Drache auf der Ersten Banksbrücke verweist noch auf die frühere Zugehörigkeit des nördlichen Klostertors zu St. Georg
Der ehemalige Bahnhof Klosterthor

Der Stadtteil Klostertor wurde zunächst 1938 aus Teilen St. Georgs gebildet. Diese auf dem Hammerbrook liegenden Gebietsteile waren seit 1830 Teil der Vorstadt St. Georg, zuvor wurden sie von der Landherrenschaft Hamm und Horn verwaltet. Gleichzeitig entstand auch der Stadtteil Klostertorhafen, der den Großteil des Gebietes der heutigen HafenCity umfasste und zuvor zur südlichen Altstadt gehörte. Der Name beider Stadtteile leitete sich von dem Klostertor ab, das wiederum nach dem früher am Klosterwall belegenen St. Johannis-Kloster benannt worden war und sich in Höhe der heutigen Altmannbrücke im Befestigungwall Hamburgs befand. 1951 wurden beide Stadtteile zum Stadtteil Klostertor vereinigt.[2] Die alte Stadtteilgrenze ist heute noch als rein technische Ortsteilgrenze zwischen den Ortsteilen 115 (Klostertor) und 116 (Klostertorhafen) vorhanden. Sie verläuft in der Mitte des Oberhafens.

Beim Bau der neuen Stadtbefestigung ab 1625 wollte man Feinden keine Gelegenheit bieten, die Stadt von der Elbe her anzugreifen. Zahlreiche Fleete wurden zugeschüttet, nur am Baumwall wurde eine Öffnung in den für die Alster gelassen. Außerhalb der Befestigung entstand der Niederhafen am Baumwall und der Oberhafen vor dem Deichtor.

Zum Beitritt Hamburgs zum Zollverein wurde ein neuer Hafen notwendig. Bei der Planung wurden zwei Lösungen diskutiert: nach dem Vorbild des Londoner Hafens eine Schleuse in der Elbe zu bauen oder einen Tidehafen. Man entschied sich für den Tidehafen. Parallel zum Wandrahm wurde der Zollkanal angelegt, der die Speicherstadt auf dem Grasbrook von der Altstadt trennt.

Nach dem Großen Brand von 1842 wurde Trümmerschutt dazu verwendet, den Hammerbrook - auch im Bereich des heutigen Klostertors - aufzuschütten und zu bebauen. Von Kanälen durchzogen, wurde ab 1880 hier ein dichtbebautes Wohn- und Gewerbequartier errichtet, in dem viele aus dem Gelände der Speicherstadt verdrängte Arbeiter eine neue Heimstatt fanden. Durch die Bombardierungen im Juli 1943 wurde das Gebiet fast vollständig zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet - dem Hammerbrook vergleichbar - fast ausschließlich mit gewerblichen Nutzungen wieder aufgebaut. In den 1980er Jahren wurde stadtteilübergreifend in Klostertor und Hammerbrook die City Süd eine Bürolandschaft beiderseits des Mittelkanals erbaut.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

  • 2003: 1.533
  • 2006: 1.235

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der ehemalige Stadtteil Klostertor war ein überwiegend durch gewerbliche Nutzungen geprägter Stadtteil. Lediglich im äußersten Norden, um den Münzplatz sowie am Högerdamm, gab es noch signifikanten Wohnungsbau.

Die zur Zeit entstehende HafenCity umfasst nicht mehr genutztes Hafengelände am nördlichen Elbufer sowie Teile der historischen Speicherstadt. Hier werden - neben gewerblichen Nutzungen - auch Wohnungen entstehen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Großmarkthallen von Bernhard Hermkes

Der Großmarkt Hamburg, zwischen B 4, Schleusenkanal und Stadtdeich gelegen, versorgt tagtäglich Hamburg mit Blumen, Obst und Gemüse. Seine Hallen entstanden zwischen 1956 und 1962 nach Plänen von Bernhard Hermkes, Gerhard Becker, Gottfried Schramm und Jürgen Elingius. Der heutige Großmarkt ersetzte den Deichtormarkt in der Altstadt.

Verkehr[Bearbeiten]

Nach dem Bau der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn erhielt der südlich davon gelegene Bahnhof den Namen Klosterthor. Er wurde jedoch bereits 1906 wieder stillgelegt und abgerissen. Der Hannoversche Bahnhof am Lohseplatz wurde im selben Jahr zum Güterbahnhof herabgestuft. Er diente von 1941 bis 1944 auch der Deportation von Juden in die Konzentrationslager.

Die Bundesstraße 4, die hier Amsinckstraße heißt, durchquert den ehemaligen Stadtteil. Der Hamburger Hauptbahnhof mit allen Schnellbahnlinien liegt direkt jenseits der nördlichen ehemaligen Stadtteilgrenze in St. Georg. Auch die S-Bahn-Station Hammerbrook der Linien S 3 und S 31 (Richtung Pinneberg und Neugraben bzw. Stade) liegt nur rund 150 Meter östlich des ehemaligen Stadtteils. Für die Erschließung der HafenCity ist der Bau der U-Bahn-Linie 4 vorgesehen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In der Amsinckstraße befindet sich das Einwohnerzentralamt Hamburgs, das auch für alle Ausländerangelegenheiten zuständig ist. Seit 1981 befindet sich die Tagesaufenthaltsstelle für Obdachlose Herz As in Klostertor. Zunächst in der Norderstraße 66 gelegen, ist sie nun im Wichern-Hof untergebracht.

Bildung[Bearbeiten]

Im Schultzweg befindet sich die Hörgeschädigtenschule. Früher eine Schwerhörigenschule, wurde sie inzwischen mit der Gehörlosenschule in Hamm-Nord zusammengelegt, wo sich noch eine Zweigstelle befindet. Die Grund- und Hauptschule Norderstraße liegt bereits knapp außerhalb des Stadtteils in St. Georg

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Markthalle. Einst Großmarkt, heute Kommunikationszentrum

Musik[Bearbeiten]

Das Veranstaltungszentrum Markthalle ist seit 1976 in der früheren Blumenhalle des Deichtormarktes untergebracht. Hier treten sowohl bekannte Künstler als auch Newcomer auf.

Bildende Künste[Bearbeiten]

Direkt neben der Markthalle befinden sich seit 1995 die Freie Akademie der Künste, das Kunsthaus und der Kunstverein. Der 1817 gegründete Kunstverein, der vor dem Umzug nach Klostertor am Ferdinandstor neben der Hamburger Kunsthalle ansässig war, zeigt auf seinen 1.200 m² Ausstellungsfläche vor allem Gegenwartskunst. Das Kunsthaus wird vom Berufsverband Bildender Künstler Hamburgs e.V. betrieben und stellt auf 500 m² vor allem Werke der Verbandsmitglieder aus. Die Freie Akademie der Künste wurde 1949 auf Anregung von Hans Henny Jahnn, der auch erster Präsident wurde, und Rolf Italiaander gegründet. Sein Ziel ist es, alle Künste in Hamburg unter einem Dach zu vereinen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Ehemalige Hauptpost am Hühnerposten

Nach Umgestaltung der Hamburger Bahnanlagen wurde von 1902 bis 1905 auf das Bahnpostamt Hühnerposten nach Plänen von Postbaurat Schuppe im Stil märkischer Spätgotik erbaut. Durch den Ausbau 1923 bis 1927 nach Plänen von Postbaurat Thieme erfolgte eine Angleichung an die typischen hanseatischen Kontorhäuser jener Zeit. Das Deichtorhaus (Architekten: Bothe, Richter, Teherani) mit dem ZDF Studio Hamburg als Hauptmieter wurde im Jahr 2002 fertiggestellt. Die Oberhafenkantine konnte als typische Hafenklappe und schrägstes Lokal Hamburgs erhalten werden.

Die repräsentative Münzburg am Münzplatz 11, von J.H.M. Brekelbaum 1886 erbaut, ist als Backsteinrohbau im Sinne der Hannoverschen Schule gestaltet worden. Sie ist ein Beispiel für repräsentativen Wohnungsbau im innerstädtischen Bereich. Die Hammerbrookschleuse, von Johann Hermann Maack (dem Erbauer der Lombardsbrücke) 1865/66 errichtet, ist heute als technisches Kulturdenkmal erhalten. Sie schließt den Schleusenkanal zum Oberhafen hin ab.

Oberhafenbrücke[Bearbeiten]

Oberhafenbrücke 2005

Am Übergang zum ehemaligen Stadtteil Klostertorhafen befindet sich zwischen dem Zollkanal und dem Oberhafen seit 1. Januar 2008 die neue Oberhafenbrücke. Ihr historischer Vorgänger wurde von 1902 bis 1904 gebaut. Da der Frachtverkehr noch mit Segelschiffen durchgeführt wurde, wurde sie als Drehbrücke ausgelegt, mit vier Gleisen für die Bahn oben und zwei Fahrspuren für den Straßenverkehr in der unteren Ebene.[3] Zwischen dem 26. Dezember 2007 und dem 1. Januar 2008 wurde die Oberhafenbrücke demontiert und durch einen vorgefertigten Neubau ersetzt. Bei dem Neubau wurde auf den Denkmalschutz sehr hohen Wert gelegt und die Doppelstöckigkeit wurde erhalten. Die untere Autoebene dient bei vielen Kriminalfilmen als Kulisse.
Sie wurde 101 Jahre genutzt.[4]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Hamburgs neue Bezirks- und Stadtteilgrenzen
  2. Hamburger Abendblatt vom 25. Mai 2004
  3. Michael Berndt: Ein sehr eigenartiges Bauwerk – die Oberhafenbrücke in Hamburg. In: geschichtsspuren.de. 22. März 2005, abgerufen am 23. Oktober 2012.
  4. Spiegel Online am 26. Dezember 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Klostertor – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

53.5441810.01443Koordinaten: 53° 33′ N, 10° 1′ O