Hamburg-Lemsahl-Mellingstedt

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Wappen von Hamburg
Lemsahl-Mellingstedt
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 41′ 24″ N, 10° 5′ 47″ O53.6899810.09648Koordinaten: 53° 41′ 24″ N, 10° 5′ 47″ O
Fläche 7,9 km²
Einwohner 6540 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 828 Einwohner/km²
Postleitzahl 22397
Vorwahl 040
Bezirk Wandsbek
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Lemsahl-Mellingstedt ist ein Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg im Bezirk Wandsbek; für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Lemsahl-Mellingstedt zum Wahlkreis Alstertal-Walddörfer. Es ist eines der Walddörfer.

Name[Bearbeiten]

Lemsahl, in alten Karten auch Lehmsal geschrieben, und geht zurück auf die Bezeichnung für ein lehmiges Sahl oder Soll, ein abflussloses Wasserloch. Konkret handelte es sich hier um ehemalige Ziegeleikuhlen, die sich nach und nach mit Wasser füllten. Der Name Mellingstedt verweist auf eine sächsische Siedlung, dessen Gründer Madling oder Melling hieß.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in der Steinzeit und Bronzezeit wurde auf dem Gebiet Lemsahl-Mellingstedts gesiedelt, worauf die Grabhügel im Randgebiet des Wittmoors hinweisen. 1271 wurden Lemsahl und Mellingstedt erstmals urkundlich erwähnt. Ein Hamburger Bürger stiftete Einkünfte aus mehreren Dörfern für eine Vikarie am Hamburger Mariendom, darunter Einkünfte aus „Mellinghestede und Lemsole“. Vier Jahre später verkauften die Gebrüder von Heynbroke an das Harvestehuder Kloster in Mellingstedt eine Hufe und bestätigten 1276 den von den Gebrüdern von Haghen „ebendaselbst geschehenen Verkauf von zwei Hufen“ an dasselbe Kloster. 1271 besaß das Hamburger Domkapitel in Mellingstedt zwei Hufen. Seit dem 15. Jahrhundert gehörten die beiden Siedlungen zum alten landesherrlichen Amt Tremsbüttel. Ab 1693 kamen Lemsahl und Mellingstedt wirtschaftlich zum neu gebildeten Kanzleigut Tangstedt, in dem bis in das Jahr 1848 Frondienste geleistet werden mussten. Häufige und heftige Streitigkeiten zwischen den Bauern und den Besitzern von Gut Tangstedt um die weitere Erbringung von Hand- und Spanndiensten, den Frondiensten, zogen sich bis 1876 hin. Seit 1876 mussten die Besitzer vom Gut Tangstedt dann endgültig auf sämtliche Hand- und Spanndienste verzichten.

Seit 1780 hat Lemsahl-Mellingstedt eine Grundschule im Redderbarg, die 2005 ihr 225-jähriges Bestehen feierte. Mit 405 Schülern und 24 Lehrern (Juni 2005) ist die Grundschule Lemsahl-Mellingstedt eine der größten Grundschulen der Walddörfer und Hamburgs insgesamt.

Die mit der Trilluper Hufe verbundene Ziegelei und Töpferei hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Bedeutung. Nach dem großen Hamburger Brand von 1842 wurden viele Gebäude mit den gelben Trilluper Ziegeln wiederaufgebaut.

Das bisher dänische Herzogtum Holstein wurde 1864 nach dem Angriff Preußens und Österreichs auf den dänischen Gesamtstaat zunächst unter österreichische Verwaltung gestellt und 1867 von Preußen annektiert. Die Dörfer Lemsahl und Mellingstedt wurden dem Kreis Stormarn innerhalb der preußischen Provinz Schleswig-Holstein(-Lauenburg) zugeteilt. Lemsahl und Mellingstedt bilden seitdem eine Dorfgemeinde. Neun Jahre später wurden Lemsahl und Mellingstedt unabhängig von der Gutsherrschaft Tangstedt und im August 1876 freie Gemeinden, 1889 wurde die Gemeinde zum Amtsbezirk Tangstedt im preußischen Kreis Stormarn zugeordnet und schließlich 1937 im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes an Hamburg angeschlossen. Die alten Dorfstrukturen sind noch heute erkennbar. Die Hofstelle auf dem hohen Alsterufer entwickelte sich zum Gutshof Treudelberg und wird heute als Hotel und Golfplatz genutzt.

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zur Bürgerschaft und zur Bezirksversammlung Wandsbek gehört Lemsahl-Mellingstedt zum Wahlkreis Alstertal-Walddörfer.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

SPD CDU FDP Grüne-GAL Die Linke1) Übrige
Bürgerschaftswahl 2011 45,7 % 29,4 % 11,3 % 08,6 % 01,3 % 03,7 %
Bürgerschaftswahl 2008 24,3 56,5 % 06,4 % 09,1 % 02,2 % 01,5 %
Bürgerschaftswahl 2004 23,0 % 60,5 % 03,2 % 10,3 % 03,0 %
Bürgerschaftswahl 2001 30,9 % 34,7 % 09,6 % 07,0 % 17,8 %2)
Bürgerschaftswahl 1997 27,8 % 41,0 % 04,9 % 13,5 % 00,0 % 12,8 %3)
Bürgerschaftswahl 1993 30,0 % 33,6 % 06,5 % 14,1 % 15,8 %4)
Bürgerschaftswahl 1991 35,4 % 46,7 % 09,4 % 06,7 % 00,2 % 01,6 %
Bürgerschaftswahl 1987 31,2 % 50,2 % 12,2 % 06,0 % 00,4 %
Bürgerschaftswahl 1986 27,2 % 54,5 % 08,3 % 09,4 % 00,6 %
Bürgerschaftswahl Dez. 1982 34,5 % 50,2 % 08,0 % 07,0 % 00,3 %
Bürgerschaftswahl Juni 1982 29,2 % 56,4 % 06,8 % 06,9 % 00,7 %
Bürgerschaftswahl 1978 35,8 % 52,4 % 07,0 % 02,5 %5) 02,3 %
Bürgerschaftswahl 1974 31,8 % 52,8 % 12,9 % 02,5 %
Bürgerschaftswahl 1970 43,9 % 39,7 % 11,9 % 04,5 %
Bürgerschaftswahl 1966 49,1 % 37,2 % 08,3 % 05,4 %6)

1) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste.
2) Darunter 16,7 % für die Schill-Partei.
3) Darunter 6,1 % für die Statt Partei.
4) Darunter 8,8 % für die Statt Partei.
5) Als Bunte Liste - Wehrt Euch.
6) Darunter 5,1 % für die NPD

Bevölkerung und Religion[Bearbeiten]

Jahr EWZ
1937 950
1998 7.018
2003 6.956
2006 6.750

Der Ausländeranteil in Lemsahl-Mellingstedt liegt bei 8,9 Prozent und damit unter dem Durchschnitt Hamburgs (14,9 Prozent) und des Verwaltungsbezirks Wandsbek (10,2 Prozent). Der Ausländeranteil der Schüler in Lemsahl-Mellingstedt beträgt 7,5 Prozent, in ganz Hamburg 17,9 Prozent. Der Anteil der über 65-Jährigen ist mit 13,6 Prozent deutlich unterdurchschnittlich; hingegen ist der Anteil der Jugendlichen (unter 18-jährigen) bei 23,2 Prozent überdurchschnittlich.[2] Das durchschnittliche Einkommen in Lemsahl-Mellingstedt beträgt knapp 60.000 Euro jährlich und ist somit fast doppelt so hoch, wie der Hamburger Durchschnitt.[3]

In Lemsahl-Mellingstadt existiert eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, die "Jubilatekirche"[4].

Bürgeraktivitäten[Bearbeiten]

Das „Haus Trillup“ im Sarenweg ist eine Einrichtung der Behindertenhilfe Hamburg BHH für Menschen mit geistiger Behinderung. 40 Frauen und Männer leben in sechs betreuten Wohnungen. Die überwiegende Zahl der Bewohner geht einer Arbeit in einer Werkstatt nach. Das Haupthaus wurde um 1895 als „Herrenhaus Trillup“ erbaut.

In Lemsahl-Mellingstedt gibt es außerdem das Childrens International Summer Villages (CISV) im Sarenweg und das Jugendhaus-Lemsahl, genannt „JuLe“, des CVJM-Oberalster.

Zudem ist der „Heimatbund Lemsahl-Mellingstedt“ mit 732 Mitgliedern (2007) Hamburgs zweitgrößter Bürgerverein, der 2004 sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat. Daneben ist die Freiwillige Feuerwehr Lemsahl-Mellingstedt von 1890 und der Lemsahler Sportverein aktiv an der Gestaltung des Gemeindelebens beteiligt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Lemsahl-Mellingstedt befinden sich der Grabhügel der Stein- und Bronzezeit am Rand des Wittmoors sowie ein Gedenkstein zur Erinnerung an das KZ Wittmoor, das von März bis Oktober 1933 als erstes Hamburger Konzentrationslager bestand.

Außerdem ist das Wittmoor als Naturdenkmal anzusehen. Es handelt sich dabei um ein Hochmoor und wurde früher zur Torfgewinnung genutzt. Jetzt ist es Naturschutzgebiet. Auf dem Damm der alten Lorenbahn führt ein Wanderweg durch das renaturierte und aufgestaute Hochmoor.

Sport[Bearbeiten]

Der Lemsahler Sportverein von 1967 e. V., der „LSV“, hatte sein Gelände und Vereinshaus zunächst zwischen Huulkamp und Fiersbarg. 2004 wurde die neue Sportanlage am Eichelhäherkamp mit Sporthalle, Plätzen und Vereinshaus eröffnet. Fußball kann auf zwei Plätzen (ein Grant- und einen kleinen, bzw. 7er Rasenplatz), Tennis auf vier Sandplätzen, Bouleanlage mit vier Bahnen gespielt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit zum Jazz Dance in der Grundschule Redderbarg und es existiert der Golf Club Treudelberg.

Verkehr[Bearbeiten]

Lemsahl-Mellingstedt ist mit den Buslinien 176, 276 und 476 des Hamburger Verkehrsverbunds an das öffentliche Hamburger Verkehrsnetz angebunden. 1960 plante Hamburg, die S-Bahn von Poppenbüttel nach Lemsahl-Mellingstedt zu verlängern. Diese Planung wurde 1973 im Flächennutzungsplan ersetzt durch die Idee einer Verlängerung der S-Bahn nach Bergstedt, da die geplanten Bauverdichtungen in Lemsahl-Mellingstedt zurückgenommen wurden. Auch diese Planungen wurden storniert.

Söhne und Töchter von Lemsahl-Mellingstedt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 72
  2. Stadtteilstatistik, Stand 2004 (PDF; 6,5 MB)
  3. Statistik-Nord: Stadtteilprofile 2010, S. 162 (PDF; 3,4 MB)
  4. http://www.kirche-duvenstedt.de/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Lemsahl-Mellingstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien