Hamburg-Neustadt

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Wappen von Hamburg
Neustadt
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 33′ 7″ N, 9° 59′ 8″ O53.551969.98558Koordinaten: 53° 33′ 7″ N, 9° 59′ 8″ O
Fläche 2,2 km²
Einwohner 12.301 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 5591 Einwohner/km²
Postleitzahl 20354, 20355, 20359, 20457, 20459
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Hamburg-Mitte
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B4
Eisenbahn U1Hamburg U1.svg U2Hamburg U2.svg U3Hamburg U3.svg U4Hamburg U4.svg
S-Bahn S1Hamburg S1.svg S2Hamburg S2.svg S3Hamburg S3.svg
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Die Neustadt ist ein zwischen Hamburg-Altstadt und St. Pauli zentral gelegener Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die Grenze zur Altstadt wird von einem alten Mündungsarm der Alster, dem heutigen Alsterfleet, im Osten, der Elbe im Süden und den Wallanlagen zwischen Elbe und Binnenalster nach Westen und Norden gebildet. Im östlichen Teil zwischen dem Jungfernstieg, dem Gänsemarkt und dem Alsterfleet dominieren die Läden und Kontore sowie viele Hamburger Hauptniederlassungen von Banken, während es im Westen um die Wexstraße und den Großneumarkt herum auch Wohnquartiere gibt. Das historisch als Neustadt entstandene Gebiet rund um die Nikolaikirche, ist heute Teil des Stadtteils Hamburg-Altstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Neustadt liegt in der Hamburger Stadtmitte westlich des Alsterlaufes. Östlich schließt sich Hamburg-Altstadt und westlich – jenseits der Wallanlagen – St. Pauli an. Im Norden, abgegrenzt durch die Verbindungsbahn, liegt Rotherbaum und im Süden, durch die Elbe getrennt, Steinwerder.

Stadtteilgliederung[Bearbeiten]

Für statistische Zwecke ist der Stadtteil in vier Ortsteile geteilt:

  • Der Ortsteil 104, auch „südliche Neustadt“ genannt, umfasst das Gebiet um den Schaarmarkt südlich des Straßenzuges Seewartenstraße – Rothesoodstraße – Wincklerstraße – Martin-Luther-Straße – Pulverturmsbrücke und erstreckt sich bis zum Hafen. Hier befinden sich die nordischen Seemannskirchen an der Ditmar-Koel-Straße, die auch das Zentrum des sogenannten Portugiesenviertels bildet, da in diesem Gebiet überproportional viele Portugiesen und Spanier ihren Wohnsitz haben und entsprechende Gastronomiebetriebe vorherrschen.
Der reformjüdische Tempel an der Poolstraße
  • Nördlich davon liegt westlich der Linie Englische Planke – Ludwig-Erhard-Straße – Erste Brunnenstraße – Thielbek – Kohlhöfen – Poolstraße – Gorch-Fock-Wall – Jungiusstraße der Ortsteil 105. In diesen Ortsteil fallen mit den Kleinen und den Großen Wallanlagen sowie dem Alten Elbpark große Teile des Grünzuges, der anstelle der ehemaligen Stadtbefestigung angelegt wurde. In den Kleinen Wallanlagen liegt auch das Justizforum mit Oberlandesgericht, Straf- und Ziviljustizgebäude sowie das Untersuchungsgefängnis. Bis Ende des 19. Jahrhunderts lag hier und im Ortsteil 106 das Hauptwohngebiet der Hamburger Juden.
  • Der Ortsteil 106 schließt sich westlich an den Ortsteil 105 an. Er wird durch den Straßenzug Kaiser-Wilhelm-Straße – Stadthausbrücke begrenzt. Am Südwestende des Ortsteils liegt mit dem Michel eine der fünf Hamburger Hauptkirchen. Früher befanden sich auch die Haupt-Synagoge (Kohlhöfen) und der reformjüdische Tempel (Poolstraße) hier.
In der nördlichen Neustadt befinden sich Einkaufspassagen wie die Alte Post
  • Den Nordteil der Neustadt bildet der Ortsteil 107. Er ist heute vorwiegend durch die gehobenen Einkaufsstraßen westlich des Alsterfleetes geprägt. Im Nordwesten liegt der Alte Botanische Garten. Auch der Axel-Springer-Verlag hat hier sein Hamburger Verlagsgebäude.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Hamburg (Alt- und Neustadt) 1835
Schaarmarkt 1889
Alsterarkaden 1890
Kaiser-Wilhelm-Straße 1906

Westlich des Alten und des Neuen Walls, die früher die Stadt Hamburg abgrenzten, waren ursprünglich vor allem in der Stadt störende, aber dafür notwendige Einrichtungen untergebracht, wie z. B. Ziegeleien, Pulvermühlen und der Pestfriedhof. Zwischen 1615 und 1626 legte der Holländische Festungsbauer Johan van Valckenburgh eine neue Befestigungsanlage an, die auch diesen Bereich sicherten. Diese Absicherung, in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges besonders wichtig, führte zu baldiger Besiedlung. Es dauerte jedoch noch bis 1685, bis die Pfarrkirche St. Michaelis zur Hauptkirche und die Neustadt damit zum gleichberechtigten Kirchspiel erhoben wurde. Erst damit erreichten die Bürger der Neustadt die gleichen Rechte wie die altstädtische Bevölkerung. Da sich in der Neustadt jedoch vor allem die Hamburgische Mittel- und Unterschicht ansiedelte, war das Michaelis-Kirchspiel auch später nicht so angesehen wie die vier anderen Kirchspiele, was ein Vers aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verdeutlicht:

Sankt Petri de Rieken
Sankt Nikolai desglieken
Sankt Catharinen de Sturen
Sankt Jakobi de Buren
Sankt Michaelis de Armen
Daröber mag sick Gott erbarmen

Die Neustadt war aber nicht nur Armen- sondern auch Judenviertel, ohne dass es dort wie in anderen Städten ein Ghetto oder explizite Judengassen gegeben hätte. In der Poolstraße wurde 1844 der durch seine Reformen bekannte (zweite) jüdisch-liberale Tempel eingeweiht. Daneben entstanden diverse weitere jüdische Einrichtungen, etwa die Israelitische Freischule, die 1830 am Zeughausmarkt ein neugebautes Haus bezog. Als um die Wende zum 20. Jahrhundert der Großteil der jüdischen Bevölkerung aus der Neustadt in Richtung Grindel gezogen war, zogen die Gemeindeinstitutionen nach, so dass um 1933 – von einigen Wohnstiften abgesehen – schon kaum noch spezifisch jüdische Einrichtungen in der Neustadt zu finden waren.

Der Hummelbrunnen wurde im Gebiet des ehemaligen Gängeviertels errichtet.

Die Neustadt ist der einzige Stadtteil, in dem während der NS-Zeit in größerem Umfang Wohnungsbau stattfand, der durch den flächenhaften Abriss des extrem dicht bebauten „roten Gängeviertels“ ermöglicht wurde. Das Wohngebiet um den Bäckerbreitergang war vorher abgerissen worden, nachdem bereits 1890–1893 mit dem Durchbruch der Kaiser-Wilhelm-Straße die Sanierung begonnen hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wallgraben mit Trümmern zugeschüttet. Nur ein kleines Stück im ehemaligen Botanischem Garten ist heute noch erhalten.

In den 1950er-Jahren wurde die Ost-West-Straße als eine zentrale Achse für den Durchgangsverkehr von den Elbbrücken in Richtung Nordwesten angelegt; im Bereich der Neustadt heißt sie heute Ludwig-Erhard-Straße. Die sechsspurige Straße wirkt wie eine nahezu unüberwindbare Barriere zwischen den nördlich und südlich angrenzenden Vierteln.

Das Dammtor-Café, bis in die 1980er-Jahre Münchner Hofbräuhaus, wurde durch einen Kino-Komplex ersetzt.

Im Ortsteil 105 wird seit 2009 im Rahmen von Stadtumbau- und Stadterneuerungs-Maßnahmen im Bereich Neanderstraße, Neuer Steinweg, Hütten und Peterstraße die Quartiersentwicklung Wallhöfe umgesetzt; für die städtebauliche Planung zeichnet das Architekturbüro Bieling Architekten als Wettbewerbssieger verantwortlich. Die Neubauung des östlich des Holstenwalls und nördlich der Ludwig-Erhard-Straße gelegenen Quartiers umfasst unter anderem Büro-, Hotel- und Wohngebäude.[1][2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1895: 89.000
  • 1920: 63.000
  • 2002: 11.989
  • 2006: 11.544

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Hamburg-Neustadt zum Hamburg-Mitte. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis:[3]

  • SPD: 45,5 % (+7,1)
  • GAL: 18,3 % (+2,5)
  • CDU: 14,6 % (−15,0)
  • Linke: 10,1 % (+1,4)
  • FDP: 4,9 % (±0,0)
  • Übrige: 6,6 % (+4,1)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Hamburgische Staatsoper

Die Hamburgische Staatsoper war in früheren Jahrhunderten am Gänsemarkt untergebracht. Die heutigen Räume wurden 1826 nach Entwürfen von Carl Ludwig Wimmel für das damalige Stadttheater errichtet und mehrfach umgebaut. Martin Haller errichtete 1873 einen ersten Anbau. Das Bühnenhaus wurde 1925 nach Plänen von Distel & Grubitz neu errichtet. Nachdem das Gebäude im Zweiten Weltkrieg ausbrannte, wurde es zwischen 1953 und 1955 von Gerhard Weber wieder aufgebaut. Es ist äußerlich ein typischer Repräsentationsbau der 1950er-Jahre.

Die Laeiszhalle (Musikhalle) am Johannes-Brahms-Platz verdankt ihre Existenz einem Vermächtnis des 1901 verstorbenen Reeders Carl Laeisz und weiteren Zuwendungen seiner Witwe Sophie. Nach Plänen von Martin Haller und Wilhelm Emil Meerwein wurde ein spätbarocker Backsteinbau mit zwei Konzertsälen errichtet.

Der Hamburger Michel

Bauwerke[Bearbeiten]

Portalinschrift am Hertz-Joseph-Levy-Stift
Das Museum für Hamburgische Geschichte wurde von Fritz Schumacher erbaut

Holstenwall[Bearbeiten]

Der Holstenwall bezeichnet heute eine Straße, die im Abschnitt zwischen dem Holsten- und Millerntor der Wallanlagen angelegt wurde. Hier entstanden eine Reihe repräsentativer Bauten:

Peterstraße[Bearbeiten]

Die Peterstraße und weitere Kulturdenkmäler rund um den Großneumarkt siehe dort.

Parks[Bearbeiten]


Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaftlich ist der Stadtteil von sehr gemischter Nutzung geprägt: Am Rande gibt es viele Bürohäuser, deren Angestellte zur Mittagszeit für Geschäft in zahlreichen Restaurants sorgen. Auch abends haben viele Restaurants und Kneipen geöffnet, v.a. rund um den Großneumarkt. Es gibt viele Einkaufsläden sowie Büros / Galerien von kreativen Menschen. An Kaiser-Wilhelm-Straße und Caffamacherreihe befindet sich ein kleines Presseviertel (Axel-Springer-Verlag).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Neustadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quartiersentwicklung Neustadt / Wallhöfe in Hamburg-Mitte. Auf: www.drost-consult.de, Oktober 2008; abgerufen am 21. Juni 2011.
  2. (gs): Baubeginn für Quartier Wallhöfe. In: Die Welt vom 21. Februar 2009; abgerufen am 21. Juni 2011.
  3. Ergebnis beim Statistikamt Nord. Über die Suchfunktion muss nach dem Stadtteil Neustadt gesucht werden.
  4. FürSingle-Haushalte ungeeignet in FAZ vom 16. Oktober 2013, Seite 28