Hamburg-Niendorf

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Wappen von Hamburg
Niendorf
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 37′ 4″ N, 9° 57′ 1″ O53.617699.95032Koordinaten: 53° 37′ 4″ N, 9° 57′ 1″ O
Fläche 12,7 km²
Einwohner 40.145 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3161 Einwohner/km²
Postleitzahl 224..
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Eimsbüttel
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein.

Niendorf ist ein Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg. Er gehört zum Bezirk Eimsbüttel und liegt zwischen Schnelsen, Lokstedt und dem Flughafen in Fuhlsbüttel. Niendorf hat sich vom schleswig-holsteinischen Dorf zum städtischen Wohnquartier entwickelt. Der Stadtwald Niendorfer Gehege zieht auch Besucher aus anderen Teilen Hamburgs an.

Geografie[Bearbeiten]

Niendorf liegt im Nordwesten Hamburgs an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Die Fläche umfasst 12,7 km². Im Westen schließen sich Eidelstedt und Schnelsen, im Süden Stellingen und Lokstedt an. Östlich wird Niendorf vom Flughafengelände in Fuhlsbüttel begrenzt.

Das Zentrum Niendorfs ist der Tibarg. In der ehemaligen Dorfstraße, heute Fußgängerzone, konzentriert sich der Einzelhandel, Gewerbe und Gastronomie. Der Stadtteil wird überwiegend als Wohnquartier genutzt und ist zum großen Teil mit Einfamilienhäusern bebaut; es gibt aber auch Wohnblocks und in Niendorf-Nord eine Hochhaussiedlung. Die Randgebiete dienen vorrangig der Naherholung. Neben dem Niendorfer Gehege und einigen Kleingärten befinden sich auch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die südliche und westliche Grenze Niendorfs bildet die Kollau, die in Groß Borstel in die Tarpenbek mündet. Nach starken Regenfällen ist die Kollauniederung regelmäßig überschwemmt[1]. Im Norden lagen drei große Moore: Das Ohmoor, das Rahmoor und das Schippelsmoor. Die Flächen sind im 20. Jahrhundert abgetorft, kultiviert und bebaut worden. Nur von dem Ohmoor sind kleine Reste übriggeblieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Das Ortsgebiet war spätestens seit der mittleren Steinzeit besiedelt. Zwei große Siedlungsplätze bestanden von der Mittel- bis zur Jungsteinzeit im Norden in der Nähe der Moorgebiete. Alte Flurkarten verzeichnen auch bronzezeitliche Grabhügel; diese sind nicht erhalten geblieben. Sofern sie nicht der Landwirtschaft oder Neubauvorhaben im Wege standen, wurden sie spätestens bei der Flughafenerweiterung eingeebnet. In der Eisenzeit verlagerte sich die Siedlung nach Süden. Auf dem alten Friedhof fanden sich Topfscherben, Eisenschlacken und ein Mahlstein. Ein Flurstück nordöstlich davon hieß noch im 18. Jahrhundert „Ohl Dörp“. Als die hier gelegene Siedlung im 14. Jahrhundert unterging, entstand Niendorf (das „neue Dorf“) am Tibarg, dem heutigen Stadtteilzentrum.

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Das älteste schriftliche Dokument über das Niendorfer Gebiet stammt von 1184 und erwähnt den Kollauer Hof, ein Gehöft am Zusammenfluss von Kollau und Tarpenbek, als Eigentum des Bremer Erzbischofs Siegfried. Niendorf selbst wurde 1343 erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr schenkte Bürger Hinrich Halstenbeke sein Eigentum im besagten Dorf dem Hamburger Domkapitel. Der Ort war Teil des Kirchspiels Eppendorf. 1347 verzeichnet das Register des Eppendorfer Pfarramtes in Niendorf sechs steuerpflichtige Bauernstellen. Die weltliche Obrigkeit der Niendorfer war eine Seitenlinie des Hauses Schauenburg, Herren der Grafschaft Holstein-Pinneberg. Ab 1640 war es Teil der Pinneberger Waldvogtei in der Herrschaft Pinneberg und stand unter der Oberhoheit Dänemarks.

Am Ende des 18. Jahrhunderts gelangte der kleine Ort zu einer gewissen Bedeutung, als König Christian VII. die dänischen Grenzdörfer aus der Hamburgischen Kirchenorganisation herauslöste und 1768 in Niendorf ein neues Kirchspiel gründete. Zu diesem gehörten auch Hummelsbüttel, Lokstedt, Schnelsen, Eidelstedt, Stellingen und Langenfelde. 1770 wurde die Kirche am Markt geweiht, seit 1795 gab es zwei große Vieh- und Krammärkte. Neben der Landwirtschaft war die Gewinnung von Torf aus den großen Mooren auf der Niendorfer Gemarkung eine lukrative Einnahmequelle. Die Stecher verkauften den Torf nach Hamburg und Altona, wo die Bier-, Essig- und Branntweinbrenner große Mengen davon brauchten. Elf Nachbarorte beteiligten sich an dem Abbau und teilten die Moorflächen untereinander auf.

Vom 19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Die Doppeleiche am Tibarg erinnert an den Aufstand gegen die dänische Herrschaft 1848

Im 19. Jahrhundert begann der Wandel vom Bauerndorf zum städtischen Vorort. Zunächst diente Niendorf den Hamburgern nur als Ausflugsziel. Die „Topographie des Herzogtums Holstein“ aus dem Jahr 1841 beschreibt den Ort als „großes, ansehnliches Dorf mit mehreren zum Aufenthalte für Städter eingerichteten Gebäuden“. Für die Ausflüge in das dänische Niendorf musste weiterhin die Landesgrenze passiert werden. Als die Schleswig-Holsteiner 1848 vergeblich versuchten, sich gegen die dänische Herrschaft zu erheben, nahmen auch die Niendorfer Bauern an dem Aufstand teil. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 wurde Niendorf 1867 preußisch, gehörte zum Kreis Pinneberg im Regierungsbezirk Schleswig. Als 1889 die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, hatte Niendorf 1.125 Einwohner[2].

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Villen und Bürgerhäuser, als wohlhabende Hamburger Niendorf zunächst als Sommersitz und später als Wohnort für sich entdeckten. Seit 1907 fuhr auch die Straßenbahn aus Hamburg nach Niendorf. Sie blieb bis 1978 in Betrieb und wurde durch Busse sowie -- wenn auch einige Jahre später -- die Verlängerung der U-Bahnlinie U2 ersetzt.

1927 wurde Niendorf durch das "Unterelbegesetz" mit den Nachbargemeinden Lokstedt und Schnelsen zur preußischen Landgemeinde Groß-Lokstedt vereinigt[3], um sich vor einer Eingemeindung in die Stadt Altona (Groß-Altona-Gesetz) zu schützen. In den folgenden Jahren beschleunigte sich die Entwicklung zur städtischen Siedlung. Die Einwohnerzahl nahm von 2.750 im Jahr 1921 auf 7.940 im Jahr 1939 zu[4]. 1930/32 wurde die Tarpenbek, ab 1934 die Kollau reguliert. Infolgedessen sank der Grundwasserspiegel um mehrere Meter ab und vorher unpassierbare Wiesen konnten als Bauland ausgewiesen werden. Die ersten zusammenhängenden Wohnblocks entstanden. Die Großgemeinde hatte bis zum 26. Januar 1937 Bestand. An diesem Tag wurde sie durch das Groß-Hamburg-Gesetz aus dem preußischen Kreis Pinneberg ausgegliedert und der Hansestadt zugeteilt. Bei dem verheerenden Bombenangriff auf Hamburg starben in Niendorf elf Menschen und 89 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, darunter fast alle strohgedeckten Häuser in der Ortsmitte. Weitere 13 Menschenleben kostete der Folgeangriff in der Nacht vom 3. auf den 4. August 1943.

In der Nachkriegszeit verbreiterte sich die Siedlungsfläche abermals. Zum einen holzten die Einwohner Teile des Niendorfer Geheges ab, weil sie Brennholz benötigten, wodurch bereits 1948 die Hamburgische Baumschutzverordnung eingeführt wurde. Die Flächen wurden anschließend bebaut. Zum anderen beschloss der Hamburger Senat 1946, den 300 ha großen Niendorfer Anteil am Ohmoor abzutorfen und zu kultivieren. Pläne hierzu gab es bereits in den 1930er Jahren, sie scheiterten aber an ungeklärten Eigentumsverhältnissen. In den 1980er Jahren entstand auf dem Gelände des ehemaligen Ohmoors die Siedlung Niendorf-Nord.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Wappen Eimsbüttel.png

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Niendorf zum Wahlkreis Lokstedt-Niendorf-Schnelsen. Die Bürgerschaftswahl 2011 brachte folgendes Ergebnis[5]:

  • SPD 52,2% (+20,2)
  • CDU 22,9% (-26,0)
  • GAL 8,4% (+0,8)
  • FDP 7,4% (+2,5)
  • Die Linke 4,4% (-0,3)
  • Übrige 4,7% (+2,7)

Niendorf besitzt kein eigenes Wappen. Die Marktkirche ist neben dem Wasserturm im Sternschanzenpark und einem Elefantenkopf, der Hagenbecks Tierpark symbolisiert, Teil des Eimsbütteler temporären Bezirkswappens.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Niendorfer Marktkirche

Kirche am Markt[Bearbeiten]

Die 1770 geweihte Kirche am Markt gilt nach dem Michel als bedeutendstes Barockbauwerk Hamburgs. Der Architekt Heinrich Schmidt gestaltete den achteckigen Zentralbau nach dem Vorbild der Rellinger Kirche und der Kirche in Brande-Hörnerkirchen, den Innenraum mit dem freistehenden Marmoraltar entwarf der Hamburger Bildhauer Hans Kock. Auffällig ist der auf halber Höhe schwebende Taufengel, der mit einer Handkurbel herabgelassen werden kann. Das Gotteshaus wurde zwischen 1977 und 1986 umfassend renoviert und restauriert.

Südlich schließt sich der Alte Niendorfer Friedhof an. Dort findet man das kleine Mausoleum der Familie Heymann, kunstvolle Grabmale und große Familiengruften. Auf dem Friedhof sind einige Persönlichkeiten der Hamburger Geschichte bestattet, darunter Adolph Godeffroy und John von Berenberg-Gossler. Weiterhin wurden hier die Schauspieler Axel von Ambesser, Evelyn Hamann und Günther Jerschke beerdigt, ebenso der Fußballer Josef "Jupp" Posipal, Mitglied der WM-Mannschaft von 1954. Auf dem nahegelegenen Neuen Niendorfer Friedhof ist die Sängerin Friedel Hensch beigesetzt.

Künstlerhaus Sootbörn[Bearbeiten]

Seit 1993 gibt es in der Straße „Am Sootbörn“ das gleichnamige Künstlerhaus mit Ateliers und wechselnden Ausstellungen. Das Gebäude war 1927 bis 1929 als Schule errichtet worden und beherbergte eine Mittelschule und die Oberschule Lokstedt. Architekten waren die Hamburger Gebrüder Langloh. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Unterricht wegen des Fluglärms vom unmittelbar angrenzenden Flughafen Fuhlsbüttel unmöglich. Wegen der Flugsicherheit mussten zudem zwei der ursprünglichen drei Stockwerke abgetragen werden.

Villen im Niendorfer Gehege[Bearbeiten]

1903 entstand im Auftrag des Direktors der Hamburg-Amerika-Linie, Johann Theodor Merck, eine große Villa mit Park im Niendorfer Gehege. Ganz in der Nähe errichtete die Bankiersfamilie Berenberg-Gossler 1909 bis 1911 ein Sommerhaus in Stil einer Jagdhütte, das 1923/24 zum ständigen Wohnsitz erweitert wurde. Beide Gebäude stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Berenberg-Gossler-Haus[Bearbeiten]

Seit 1997 betreibt ein Verein das „Berenberg-Gossler-Haus – Bürgerhaus für Niendorf“ und bietet ein Kulturprogramm und Gesundheitskurse, außerdem nutzen zahlreiche Gruppen das Haus für ihre Treffen. Das Gebäude im Niendorfer Kirchenweg war 1913 vom Bankier John von Berenberg-Gossler errichtet und der Gemeinde als „Warteschule“, also als Kinderkrippe, zur Verfügung gestellt worden und wurde bis 1995 für Vorschulkinder genutzt.

Doppeleiche am Tibarg[Bearbeiten]

Auf dem Tibarg erinnert seit 1898 eine Doppeleiche an die erfolglose Rebellion der Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen. Neben ihr steht ein Gedenkstein mit der Aufschrift: „1848–1898 Up ewig ungedeelt“ (Hochdeutsch: „Auf ewig ungeteilt“).

Mahnmal „Tisch mit 12 Stühlen“[Bearbeiten]

Gedenkstätte Widerstandskämpfer

Auf einer kleinen Grünfläche am Kurt-Schill-Weg in Niendorf-Nord steht das 1987 eingeweihte Mahnmal zum Gedenken an Hamburger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Nach einem Entwurf des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte wurden zwölf Stühle und ein ovaler Tisch aus Ziegelsteinen errichtet. Auf elf Rückenlehnen sind Schilder mit den Namen von Nazi-Opfern angebracht: Georg Appel, Clara und Walter Bacher, Rudolf Klug, Curt Ledien, Reinhold Meyer, Hanne Mertens, Ernst Mittelbach, Joseph Norden, Margaretha Rothe, Kurt Schill und Magda und Paul Thürey. In der Umgebung des Mahnmals wurden 1984 auch elf Straßen mit diesen Namen benannt. Der zwölfte Stuhl ist eine Aufforderung an den Besucher, sich diesem Kreis zuzugesellen und der Toten zu gedenken.

Wirtschaft, Sozial- und Infrastruktur[Bearbeiten]

Niendorf hat eine ausgewogene Sozialstruktur. Das Durchschnittseinkommen liegt etwas über dem Hamburger Mittelwert, der Anteil der Arbeitslosen lag 2011 bei 3,4 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 5,9 Prozent, Bezirk Eimsbüttel: 4,3 Prozent). Der Ausländeranteil betrug 2011 6,2 Prozent (Hamburg: 13,7 Prozent, Bezirk Eimsbüttel: 10,7 Prozent), 16,1 Prozent der Niendorfer hatten einen Migrationshintergrund (Hamburg: 29,2 Prozent, Bezirk Eimsbüttel 22,8 Prozent).[6]

Der Tibarg[Bearbeiten]

Der Tibarg

Zentrum Niendorfs ist der Tibarg (53.61996049.9515303), eine Fußgängerzone mit Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen im Service- und Gesundheitswesen, dem Busbahnhof und dem U-Bahnhof Niendorf Markt. Den Namen erhielt die ehemalige „Hauptstraße“ im Jahr 1948. Auf dem „Theeberg“, so die alte Flurbezeichnung für den heutigen Niendorfer Marktplatz, dürfte der Thieplatz, der Versammlungs- und Gerichtsplatz des Dorfes gewesen sein. Die Läden entstanden erst nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Vorher prägten Bauernhöfe und Wohnhäuser die Straße, bis 1963 gab es noch einen Hufschmied. Über die Umwandlung in eine Fußgängerzone wurde lange gestritten. Über die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplanes musste 1985 das Bundesverfassungsgericht entscheiden (BVerfGE 70, 35 ff.). Am nördlichen Ende des Tibargs hat sich das 2002 eröffnete Tibarg-Einkaufscenter zu einem Anziehungspunkt entwickelt, der südliche Bereich des Tibarg ist geprägt von etablierten Fachgeschäften. Um die Attraktivität für alle Anwohner, Besucher und die vielen Beschäftigten ständig zu verbessern und an die gewachsenen Ansprüche anzupassen, engagieren sich am Tibarg eine Vielzahl von Bürgern, Grundeigentümern und die örtliche Interessengemeinschaft für die Belange des Tibarg. Unter Federführung des Quartiersmanagement Tibarg werden seit einigen Jahren zukunftsweisende Aktivitäten gebündelt. Mit der Einrichtung eines Business Improvement District Business Improvement District (BID) im Jahr 2010 ist die Grundlage für zahlreiche kurz- und langfristige Umgestaltungsmaßnahmen gelegt worden. Zudem finden auf dem Tibarg regelmäßig große Veranstaltungen wie z. B. das traditionelle Tibargfest, der Bauernmarkt mit Weinfest oder aber die Nordischen Weihnachten statt. [7]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die 1985 eingeweihte und 1991 bis Niendorf Nord verlängerte U-Bahn-Linie U2 und die MetroBuslinie 5 ist der Stadtteil gut an die Innenstadt angebunden. Weitere Buslinien bedienen die verschiedenen Ortsteile Niendorfs und verbinden den U-Bahn- und Busbahnhof Niendorf Markt am Tibarg mit anderen Stadtteilen. Belastungen für die Wohnqualität in Teilen des Stadtteils bringt die Nähe zum Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel[8] und die vielbefahrene Bundesstraße 447 mit sich, die zur nahegelegenen Bundesautobahn 7 nach Schnelsen führt.

Bildung und Sport[Bearbeiten]

Niendorf hat ein gut ausgebautes Netz von Schulen, mit fünf Grundschulen, einer Haupt- und Realschule, zwei Gymnasien und einer Gesamtschule. Dazu kommt die Berufliche Schule Niendorf, die schwerpunktmäßig Sozialpädagogische Assistenten ausbildet.

Der Niendorfer Turn- und Sportverein (NTSV) von 1919 hat etwa 9.000 Mitglieder und bietet unter anderem Ballspiele, Leichtathletik und Kampfsport an. Seit 1990 spielen die Hamburg Dodgers Base- und Softball im NTSV. Am Niendorfer Gehege liegt das Trainingsgelände Langenhorst, das der FC St. Pauli und das Baseball-Team des HSV nutzen.

Kirchen[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Niendorf ist aus dem alten Kirchspiel hervorgegangen. Die sechs ursprünglich dazugehörigen Dörfer erhielten im Laufe der Zeit eigene Gemeindekirchen, sodass seit 1946 die Gemeinde nur noch Niendorf selbst umfasst. Neben der Marktkirche von 1770 stehen die 1966 erbaute Verheißungskirche, ein Gotteshaus am Gemeindezentrum Nordwest und die Kapelle am neuen Friedhof für Gottesdienste zur Verfügung. Der alte, 1840 angelegte Friedhof an der Marktkirche war am Ende des 19. Jahrhunderts zu klein geworden. 1903 wurde daher der neue Friedhof auf der Flur „Ohldörp“ geweiht. Er liegt heute unmittelbar am Flughafengelände und ist 12,5 ha groß.

Die katholische Gemeinde St. Ansgar vereint seit 2004 die ehemals selbständigen Pfarreien Niendorf, Eidelstedt und Stellingen. Deren St. Ansgar-Kirche am Niendorfer Kirchenweg wurde 1934 geweiht. Ein eigenes Gotteshaus unterhält außerdem seit 1960 die Neuapostolische Kirche.

Grünflächen und Naherholungsgebiete[Bearbeiten]

Niendorfer Gehege

Seit Beginn der 1950er Jahre erwarb die Stadt Hamburg die privaten Parkflächen des Niendorfer Geheges und machte hieraus den heutigen Stadtwald. Das Niendorfer Gehege, die Eidelstedter und die Schnelsener Feldmark sind zentral gelegene Freizeit- und Erholungsgebiete für alle Hamburger. Im Norden an der Grenze zu Schleswig-Holstein liegt das Landschaftsschutzgebiet Ohmoor, das mit seinen Wiesen, Wäldern und Moorflächen einen grünen Gürtel zwischen Niendorf und Norderstedt bildet.

Einen großen Anteil an den Grünflächen haben auch die 17 Kleingartenvereine. Die ersten Kleingärten entstanden in Niendorf 1905; viele Pächter bauten die Lauben vor allem nach den beiden Weltkriegen zu Wohnzwecken aus, und noch 1964 waren 65 Prozent aller Niendorfer Schrebergärten dauerhaft bewohnt. Das Wohnen im Behelfsheim ist seitdem stark zurückgegangen, aber immer noch anzutreffen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In den 1960er-Jahren lebte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in einer, wie er schreibt, „bescheidenen und sehr engen Wohnung“ im Ubierweg in Niendorf. Auch die Schriftstellerin Ilse Gräfin von Bredow (Kartoffeln mit Stippe) wohnte in Niendorf, bis sie 1976 in die Grindelhochhäuser in Hamburg-Harvestehude zog[9]. In der damaligen Mittelschule am Sootbörn führte der später als Kabarettist bekannt gewordende Hans Scheibner als Schüler ein selbstgeschriebenes satirisches Theaterstück auf[10]. Der Schauspieler Til Schweiger hat 2003 die alte Merck-Villa im Niendorfer Gehege gekauft und lebte dort zeitweilig mit seiner Familie. Auch Rocksängerin Suzi Quatro hat ein Haus in Niendorf und die Schauspielerin Evelyn Hamann besuchte das örtliche Bondenwald-Gymnasium. Auf dem alten Friedhof in Niendorf ist sie beigesetzt, in der Nähe des Grabes ihrer Mutter. Die Gitarristen der Popband Revolverheld, Niels Grötsch und Kristoffer Hünecke, sind in Niendorf aufgewachsen[11], Hünecke besuchte das Ohmoor-Gymnasium. Auch Stefan Effenberg verbrachte seine Jugend im Stadtteil. Er besuchte die nahegelegene Realschule Sachsenweg, war allerdings kein Spieler beim Niendorfer Turn- und Sportverein, sondern begann als Fünfjähriger beim Bramfelder SV und spielte dann bis zu seiner Profikarriere 12 Jahre lang beim SC Victoria Hamburg. Nur kurz war das Gastspiel des Musikers und Komikers („Ditsche“) Olli Dittrich: Er spielte als Siebenjähriger beim TSV Niendorf Fußball. Ein weiterer bekannter Niendorfer ist der ehemalige Spieler des VfL Wolfsburg Alexander Laas.

Niendorf in Literatur und Musik[Bearbeiten]

Der Heimatdichter Joachim Mähl beschrieb in mehreren plattdeutschen Erzählungen und Romanen das ländliche Niendorf um 1840. In dem 1999 erschienenen Krimi "Mit geschlossenen Augen" von Helga Beyersdörfer wohnt eine Hauptfigur in Niendorf und besucht einen Reitstall im Gehege. Die Schilderung der Örtlichkeiten weicht aber von den tatsächlichen Gegebenheiten ab. Ildikó von Kürthy beschreibt in ihrem Roman Herzsprung aus dem Jahre 2001 das Niendorfer Gehege als einen der „Glücks- und Liebesorte“ ihrer Heldin: „Die Waldlichtung im Niendorfer Gehege, wo wir uns unbeobachtet glaubten – und erst beim Anziehen feststellten, dass wir das nicht waren.“ 2004 erschien der Krimi Im Gehege von Martina Borger und Maria Elisabeth Straub, einer früheren Autorin der Lindenstraße, der Protagonist wohnt in der Straße Bansgraben in Niendorf. Die in Niendorf lebende Autorin Katrin Seddig siedelte ihren Roman Runterkommen in ihrem Stadtteil an. Der Hamburger Sänger Niels Frevert veröffentlichte 2008 auf seinem Album Du kannst mich an der Ecke rauslassen den Song Niendorfer Gehege.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Frantz: Lokstedt-Niendorf-Schnelsen - Drei preußische Landgemeinden werden Hamburger Stadtteile. Forum Kollau, Hamburg 2012, ISBN 978-3-00-037681-8
  • Karin Kuppig: Eimsbüttelbuch. Mit Eidelstedt, Hoheluft-West, Lokstedt, Niendorf, Schnelsen, Stellingen. Junius, Hamburg 2012, ISBN 978-3-88506-496-1
  • Horst Grigat (Hrsg.): Hamburg-Niendorf von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Selbstverlag, Hamburg 1972
  • Horst Grigat (Hrsg.): Hamburg-Niendorf von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Band II 1971-1991. Selbstverlag, Hamburg 1991
  • Katharina Marut-Schröter / Jan Schröter: Niendorf Lokstedt Schnelsen im Wandel. Medien-Verlag Schubert, Hamburg 1992, ISBN 3-929229-03-X
  • Horst Moldenhauer: Hamburg-Niendorf. Die Reihe Archivbilder, Sutton-Verlag, Erfurt 2008, ISBN 978-3-86680-340-4
  • Michael Voß: Niendorf – gestern und heute. Vom Dorf zum Stadtteil – eine kleine Geschichtsschreibung. Niendorfer Wochenblatt Verlag, Hamburg 1985

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Niendorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spd-fraktion-eimsbuettel.de/hochwasserschutz-an-der-kollau-2/
  2. Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg-Niendorf aus Anlass des 125-jährigen Bestehens, Hamburg, August 2014
  3. Preußische Gesetzsammlung 1927, S. 129
  4. Jürgen Frantz: Lokstedt-Niendorf-Schnelsen, S. 20
  5. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  6. http://www.statistik-nord.de/fileadmin/download/Stadtteil_Profile/atlas.html
  7. http://www.bid-tibarg.de/TIBARG-BID
  8. Übersichtskarte des Lärmschutzbereiches (PDF; 4,2 MB) des Hamburger Flughafens. Abgerufen am 21. Dezember 2012.
  9. Hamburger Abendblatt, 2. Juli 2012
  10. Scheibner-Interview im Hamburger Abendblatt, 9. Juni 2012
  11. Die Welt, 14. März 2014