Hamburg (Schiff, 1926)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hamburg
Zweischrauben-Turbinendampfer HAMBURG der Hamburg-Amerika-Linie wa.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Handelsflagge) Deutsches Reich
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
andere Schiffsnamen

Juri Dolgoruki

Schiffstyp Passagierschiff
Walfangmutterschiff
Heimathafen Hamburg
Kaliningrad
Eigner HAPAG
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 473
Stapellauf 14. November 1925
Verbleib 1977 verschrottet
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
193,5 m / 207,4 m (Lüa)
182,4 m / 195,0 m (Lpp)
Breite 22,1 m / 24,0 m
Seitenhöhe 16,92 m / 19,37 m
Tiefgang max. 9,98 m / 12,05 m
Vermessung 21.132 BRT / 12.248 NRT
 
Besatzung 423 / 521
Maschine
Maschine 2 x Getriebeturbinen
Maschinen-
leistung
14.000 PS (10.297 kW)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Propeller 2
Ab 1930
Maschinen-
leistung
29.000 PS (21.329 kW)
Geschwindigkeit max. 19 kn (35 km/h)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit etwa 15.000 t / 16.960 tdw
Zugelassene Passagierzahl 222 I. Klasse
471 II. Klasse
456 III. Klasse
Bereits als Juri Dolgoruki

Die Hamburg war ein deutsches Passagierschiff, das ab 1926 im Liniendienst der Hamburg-Amerika Line (HAPAG) auf dem Nordatlantik eingesetzt wurde. Im März 1945 sank das Schiff nach einem Flüchtlingstransport durch einen Minentreffer vor Saßnitz.

1950 wurde das Schiff gehoben und schließlich zu einem Walfangmutterschiff umgebaut. Die ehemalige Hamburg wurde 1960 als Juri Dolgoruki von der Warnow-Werft an die Sowjetunion abgeliefert und blieb bis 1976 im Einsatz.

Geschichte[Bearbeiten]

Gebaut wurde der Passagierdampfer 1925/26 unter der Baunummer 473 bei der Hamburger Werft Blohm & Voss als drittes Schiff der Albert Ballin-Klasse. Der Stapellauf fand am 14. November 1925 statt. Abgeliefert wurde die Hamburg am 27. März des folgenden Jahres, die Jungfernreise nach New York begann am 9. April 1926.[1] Das Schiff wurde auf der Nordatlantikroute eingesetzt, auf der die Schwesterschiffe Albert Ballin seit 1923 und Deutschland seit 1924 schon im Einsatz waren. 1927 trat als viertes Schiff noch das letzte Schiff der Klasse, die New York, hinzu. Die Hamburg konnte etwa 950 Passagiere aufnehmen, hatte eine maximale Maschinenleistung von 14.000 PSw und erreichte wie ihre Schwesterschiffe eine Dienstgeschwindigkeit von 16 Knoten (kn).

Die Hamburg wurde 1929/30 als erstes der Schwesterschiffe mit leistungsstärkeren Dampfturbinen ausgerüstet. Die alten Turbinen wurden ausgebaut und für andere Schiffe verwandt. Die Passagierdampfer erhielten eine neue Hochdruck-Kesselanlage und neue Turbinen, deren Höchstleistung 29.000 PSw betrug. Damit konnte die Dienstgeschwindigkeit auf 19 kn erhöht werden. Bei dem Umbau wurde das äußere Erscheinungsbild durch kurze gedrungene Schornsteine verändert und die Passagiereinrichtung verbessert. Von Oktober bis Dezember 1933 durch ein Vorschuhen des Vorschiffs die Hamburg als erstes Schiff der Klasse um etwa 12 Meter verlängert.[2] Die Schornsteine wurden wieder verlängert, die Passagiereinrichtung erneut verbessert, für nunmehr über 800 Passagiere. Mit der neuen Rumpfform war jetzt eine Höchstgeschwindigkeit von 21,5 kn möglich. Die Plangeschwindigkeit blieb allerdings bei 19,2 kn.

Beide Maßnahmen sollten die Schiffe konkurrenzfähiger machen. Der wirtschaftliche Erfolg blieb aber aus.[3] Zwar konnten die Schiffe jetzt sicher eine Plangeschwindigkeit von 19 Knoten halten, ihnen fehlte aber der Flair der Bremer Schnelldampfer Bremen und Europa. Erheblich erfolgreicher war das Schiff als Kreuzfahrtschiff für amerikanische Kunden. Ihre erste Kreuzfahrt begann am 31. Januar 1931 in New York und ging für 70 Tage in das Mittelmeer und den Orient.[4] Während des Nordatlantikdienstes machte die Hamburg zwischen den Reisen häufig viertägige Kreuzfahrten zu den Bermudas. So startete sie auch am 31. Dezember 1937 eine Neujahrsfahrt zu diesem Ziel.[5] Ab 1938 wurde es noch schwieriger die deutschen Passagierschiffe auszulasten, da seit dem Anschluss Österreichs zunehmend Boykottmaßnahmen gegen die deutschen Schiffe griffen.

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Den Zweiten Weltkrieg über verwendete man die Hamburg als Wohnschiff einer U-Boot Ausbildungseinheit in Gotenhafen. Im Zuge der Evakuierung der deutschen Ostgebiete lief das Schiff am 5. März 1945 mit etwa 10.000 Flüchtlingen an Bord auf ihrer dritten Reise nach Westen Sassnitz an und gab die Flüchtlinge an Land. Am 6. März griff die britische Royal Air Force den Fährhafen und die Schiffe auf der Reede mit Lancaster-Bombern an.[6] Da der Kapitän einen weiteren Angriff befürchtete, verlegte er am Morgen des 7. März sein unbeschädigtes Schiff weiter seewärts und lief dabei auf eine Mine. Die Hamburg kenterte etwa 1,5 Seemeilen nordöstlich von Sassnitz in der dort 18 Meter tiefen Ostsee. Todesopfer waren nicht zu beklagen.

Walfangmutterschiff[Bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde das Schiff 1950 gehoben und sollte als „sozialistische Gemeinschaftsarbeit der Werktätigen der Werftindustrie der DDR“ für die Sowjetunion wieder aufgebaut werden. Am 7. November des Jahres brachte man das Wrack zur Warnowwerft, um es für eine Überführung nach Belgien vorzubereiten. Dort wurde der Rumpf des Schiffes bei der Cockerill Werft in Antwerpen weiter instand gesetzt und kehrte am 3. Dezember 1951 nach Rostock zurück. Es war geplant, das inzwischen auf den Namen Juri Dolgoruki getaufte Schiff wieder als Passagierschiff aufzubauen.[7]

Ausrüstung der Juri Dolgoruki

Gleichzeitig setzte die Werft schon das Schwesterschiff Albert Ballin instand, das 1949 vor Warnemünde gehoben worden war. Auch ihr Rumpf war bei Cockerill von August 1950 bis zum Juni 1951 repariert worden. Ab Ende 1955 diente die ehemalige Albert Ballin (ab 1935 Hansa) als Sowjetski Sojus erst im Schwarzen Meer und ab 1957 im Fernen Osten unter sowjetischer Flagge. Als weiteres Passagierschiff baute die Warnow-Werft noch die ehemalige Berlin als Admiral Nachimow wieder auf.

Heckansicht der Juri Dolgoruki

1955 änderte man jedoch die Pläne hinsichtlich der Hamburg und baute das Schiff bis zum Beginn der Erprobungen im Oktober 1959 zum Walfangmutterschiff um.
Am 12. Juli 1960 schließlich wurde das Schiff unter Beibehaltung des Namens Juri Dolgoruki (25.377 BRT) an seine Eigner übergeben und ging in Einsatz ins Südpolarmeer. Ihr Heimathafen wurde Kaliningrad. In den folgenden Jahren verarbeitete man auf der Juri Dolgoruki pro jährlicher Fangsaison zwischen 1400 und 2200 Wale. Sie arbeitete dabei mit der Slava (ehemals Wikinger/Vikingen, seit 1946 als erstes Sowjetisches Fabrikschiff im Südpolarmeer eingesetzt) und zwei 32 024 BRT große Fabrikschiff-Neubauten (Sovetskaya Ukraina -ab 1959 im Einsatz, Sovetskaya Rossia- ab 1961 eingesetzt) und bis zu 70 Fangbooten zusammen. Obwohl Unterzeichner des Internationales Übereinkommen zur Regelung des Walfangs sollen die Zahlen der tatsächlich durch sowjetische Schiffe getöteten Wale die der Internationalen Walfangkommission (IWC) gemeldeten Zahlen weit übertroffen haben.[8]

1976 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und im Folgejahr in der UdSSR verschrottet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rolf Schönknecht, Uwe Laue: Hochseefrachter der Weltschiffahrt. Band 1: Für Stückgüter, Container und Trailer. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00182-5 (Bibliothek der Schiffstypen).
  •  Claus Rothe: Deutsche Ozean-Passagierschiffe. 1919 bis 1985. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00164-7 (Bibliothek der Schiffstypen).
  •  Ludwig Dinklage: Die deutsche Handelsflotte 1939–1945. Unter besonderer Berücksichtigung der Blockadebrecher. Band 1: Handelsschiffe – Blockadebrecher – Hilfskriegsschiffe. Musterschmidt, Göttingen u. a. 1971, ISBN 3-7881-1406-1 (Studien und Dokumente zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges 5a).
  • Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt 1850 bis 1990. Ernst Kabel Verlag, 1986.
  • Reinhart Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919–1939. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, ISBN 3 7979 1847 X.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

Schiffsdaten aus Listung im Miramar Ship Index. Abgerufen am 12. September 2009 (englisch, seit Januar 2010 nicht mehr frei zugängig).

  1. Kludas, Bd. 4, S. 64.
  2. Kludas, Bd. 5, S. 18.
  3. Kludas, Bd. 5, S. 29f.
  4. Kludas, Bd. 5, S. 109.
  5. Kludas, Bd. 5, S. 118.
  6. Kriegsgräberstätte für Marinesoldaten.
  7. Rothe, S. 108.
  8. Alfred A. Berzin: The Truth About Soviet Whaling. (PDF-Datei; 16,02 MB)