Hamburger Konstituante

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Im Zuge der Revolution von 1848/49 wählten die Hamburger im Herbst 1848 eine verfassunggebende parlamentarische Versammlung, die Hamburger Konstituante.[1] Am 14. Juni 1850 wurde die Hamburger Konstituante wieder aufgelöst.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Hamburger Brand 1842, bei dem das alte Hamburger Rathaus zerstört wurde, vermehrte sich die Kritik an den Staats- und Verwaltungsorganen. Im Vormärz, der überall in Deutschland Kritik an den politischen Verhältnissen hervorbrachte, entstanden auch in Hamburg verschiedene Strömungen. Auf der einen Seite standen die Liberalen, die eine Repräsentativverfassung nach englischem Vorbild forderten. Sie wollten aber bei den Wahlen das Besitz- und Bildungsbürgertum gegenüber den ärmeren Schichten bevorzugen. Die Gruppe der Demokraten dagegen wollte eine „Unbedingte Volkssouveränität“ und eine Beteiligung aller Schichten am politischen Prozess. Gegen beide Richtungen stemmte sich die Erbgesessene Bürgerschaft, aus der der Senat gewählt wurde.[2]

Auf die immer massiveren Forderungen im Winter und Frühjahr 1848 reagierten am 13. März der Senat und die Erbgesessene Bürgerschaft mit einer gemeinsamen Deputation. Sie sollte alle Forderungen sammeln und beraten. Überraschenderweise beruhigten sich die Gemüter, auch wenn in der Deputation wieder nur Mitglieder der beiden Organe beteiligt waren. Die erste moderne Wahl vom 18. bis 20. April fand aber nicht zu einem Hamburger Parlament, sondern zur Frankfurter Nationalversammlung statt. Gewählt wurden die drei liberalen Politiker Edgar Daniel Roß, Ernst Merck und Johann Gustav Wilhelm Moritz Heckscher.

Einsetzung der Hamburger Konstituante[Bearbeiten]

Haus der patriotischen Gesellschaft und Sitz der Hamburger Konstituante von 1848 bis 1850

Da die Deputation sich nicht auf ein neues Wahlrecht beziehungsweise eine Verfassung einigen konnte und klar wurde, dass sie am Status Quo festhalten wollte, forderten die politischen Vereine in Hamburg eine „Konstituante“ (verfassunggebende Versammlung) nach dem Vorbild der Frankfurter Nationalversammlung. Der Senat und die Erbgesessene Bürgerschaft konnten sich dem Druck des Volkes nur schlecht entziehen, weil auch das Bürgermilitär mit den neuen politischen Ideen sympathisierte. Aber die vom Senat am 18. August 1848 zugesicherten freien Wahlen brachten Streit zwischen der liberalen und der demokratischen Strömung. Streitpunkte waren vor allem die Fragen nach einem relativen oder absoluten Mehrheitswahlrecht sowie nach den Diäten der Abgeordneten.

Am 8. September wurde mit Zustimmung der Erbgesessenen Bürgerschaft das Wahlgesetz verkündet. Es sollten mit wenigen Ausnahmen alle männlichen Staatsangehörigen ab 22 Jahre wahlberechtigt sein. Hamburg wurde in elf Wahlbezirke aufgeteilt, aus denen insgesamt 188 Abgeordnete gewählt werden sollten. Die beiden Hauptgruppen, die sich zur Wahl stellten, waren das fortschrittliche „Liberale Wahlkomitee“ und der eher konservative „Patriotische Verein“. Die Beteiligung an der Wahl vom 5. Oktober bis 4. Dezember (es wurde nacheinander in den Wahlkreisen gewählt) fiel mit 50 % der 38.000 Wahlberechtigten ernüchternd aus. Das Liberale Wahlkomitee ging aber mit mehr als zwei Dritteln der Stimmen als klarer Sieger aus dieser Wahl hervor. David Christopher Mettlerkamp wurde Alterspräsident der Konstituante und forderte am Anfang der Beratungen: „Gleiche politische und bürgerliche Berechtigung aller Staatsangehörigen, […] ist eine unabweisliche Forderung der Vernunft und eines sittlichen Willens.“[3]

Präsident dieser Konstituante wurde zeitweise Johannes Versmann. Als herausragender Erfolg kann die Verabschiedung der „Verfassung des Freistaates Hamburg“ vom 11. Juli 1849 gesehen werden.[4] Die Konstituante tagte bis zu ihrer Auflösung am 14. Juni 1850 in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft von 1765.[5]

Mitglieder der Hamburger Konstituante[Bearbeiten]

Personen im Umfeld der Hamburger Konstituante[Bearbeiten]

  • Ludwig Friedrich Wilhelm Kaufmann war als Ersatzmann für die Hamburger Konstituante gewählt, wurde auch einberufen, erklärte aber unter den gegebenen Verhältnissen und Bestimmungen, nicht eintreten zu können und bat um seine Entlassung.
  • Carl Friedrich Petersen gehörte der Neuner-Kommission an, die vom Senat die Aufgabe bekommen hatte, die von der Hamburger Konstituante vorgeschlagenen Verfassungsentwürfe zu prüfen.
  • der gewählte Hermann Emil Fischer lehnte die Leistung des von den Mitgliedern verlangten Eides ab und wurde daher aus der Konstituante entlassen.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Die Geschichte der Hamburgischen Bürgerschaft
  2. Eckardt: Von der privilegierten Herrschaft, S. 21.
  3. Kopitzsch (1999), S. 295
  4. Eckardt: Von der privilegierten Herrschaft, S. 21–27.
  5. Ernst Christian Schütt: Die Chronik Hamburgs, Chronik Verlag, Dortmund 1991, S. 230.
  6. Jakob Audorf (der Ältere), * 20. Dezember 1807; † 30. August 1891 in Hamburg. Digitale Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
  7. Vgl. Johann Christian Jauch junior (1802–1880) in: Jauch (Hanseatengeschlecht)#Großbürger der Freien und Hansestadt Hamburg
  8. http://www.literaturhaus.ch/bibliothek/fundstueck/fundstueck-ein-untertaeniger-fingerzeig
  9. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MarrWilhelm/
  10. Peter Anton Rodatz in Hamburger Persönlichkeiten

Weblinks[Bearbeiten]