Hammer Forum

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Das Hammer Forum e. V. ist eine Hilfsorganisation, die weltweit medizinische Hilfe für Kinder leistet. Es wurde am 12. März 1991 - also während des zweiten Golfkrieges - von Ärzten und Bürgern der Stadt Hamm gegründet. Mittlerweile hat das Hammer Forum mehr als 1300 Kinder zur medizinischen Betreuung nach Deutschland geflogen. Die Kinder sind in der Regel zwischen 4 und 13 Jahre alt. Sie werden für die Dauer ihres Aufenthaltes in Deutschland in Gastfamilien untergebracht und bei stationärer Behandlung von diesen betreut. Nach abgeschlossener Behandlung werden die Kinder in ihre Heimatländer zurückgeflogen. Die Organisation führt zusätzlich medizinische Aufbauprojekte in den Einsatzländern durch, um die Zahl der Behandlungsreisen nach Deutschland zu reduzieren und die Versorgung vor Ort zu verbessern. Beginnend mit den Kriegsopfern aus dem Irak wurden Kinder aus Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien, Inguschetien, Georgien, Jemen, Angola, Kosovo, Eritrea, Kongo und Albanien versorgt.

Ziele[Bearbeiten]

Das Hammer Forum will die medizinische Versorgung von erkrankten und verletzten Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten verbessern bzw. sichern. Die Hilfe wird ungeachtet der Religion, Nationalität oder des Geschlechts der Hilfebedürftigen gewährt, ist also streng dem Neutralitätsprinzip verpflichtet. Langfristig soll der Auf- bzw. Ausbau von medizinischen Einrichtungen vor Ort den Transfer von Patienten nach Deutschland überflüssig machen oder zumindest die Zahl der nötigen Transfers verringern.

Stiftung und Förderverein[Bearbeiten]

Das Hammer Forum hat die Stiftung Internationale Kinderhilfe Hammer Forum ins Leben gerufen. Ihr Zweck ist die materielle und ideelle Unterstützung des Vereins Hammer Forum e. V. Mit Wirkung vom 26. November 2007 hat das Finanzamt Hamm die Gründung dieser unselbständigen Stiftung des Hammer Forum e. V. in Verwaltung des Hammer Forum e. V. amtlich anerkannt. Schon 1995 wurde zur Unterstützung des Hammer Forums der Förderverein Verein der Freunde und Förderer des Hammer Forums e. V. gegründet. Seitdem unterstützt der Förderverein die Arbeit des Hammer Forums durch Öffentlichkeitsarbeit, die Organisation von Veranstaltungen und durch Spenden. Die Mitgliedsbeiträge werden vollständig an das Hammer Forum weitergeleitet.

Projekte[Bearbeiten]

Die Projekte in Eritrea, Jemen, Tschetschenien, Guinea und Sri Lanka folgen dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Zum festen Programm der Auslandseinsätze gehört daher die Aus- und Fortbildung von einheimischen Ärzten und Pflegepersonal. Dazu werden stationäre Einrichtungen geschaffen, deren Leitung zwar zunächst in den Händen des deutschen Personals liegt, die ihre übrigen Mitarbeiter aber aus den Reihen der Einheimischen rekrutieren. Diese Mitarbeiter werden dann ausgebildet und angeleitet, damit sie später die Einrichtung übernehmen können.

Eritrea[Bearbeiten]

Das Hammer Forum ist seit Juli 1995 in Eritrea tätig. Im Laufe der ersten Reise wurden von Dr. Schwidtal elf Kinder zur Behandlung nach Deutschland gebracht. In den Jahren 1996, 1997, 1999 und 2000 erfolgten weitere Einsätze zur Behandlung von Patienten vor Ort. In diesem Rahmen wurden immer wieder Transporte nach Deutschland durchgeführt. Heute sind solche Transporte nur noch in seltenen Einzelfällen notwendig. Im Jahr 2001 konnte schließlich in Asmara eine Station für Brandverletzte eingerichtet werden, die 2002 durch die Eröffnung des Internationalen Operationszentrums für Kinder in Asmara (IOCCA) ergänzt wurde. Ein Jahr darauf folgte die Einrichtung einer Neonatologie; 2005 die Eröffnung einer Geburtsklinik. In dieser Zeit wurden weitere Hilfskräfte nach Eritrea gesandt, um das Zentrum vor Ort zu unterstützen. Im Oktober und November 2005 führten erstmals Teams aus Italien und Österreich chirurgische Eingriffe im Internationalen Operationszentrum für Kinder in Asmara durch. Im Frühjahr 2008 konnte ein neuer OP-Trakt eingeweiht werden.

Jemen[Bearbeiten]

1997 wurde vom Vorstand der Organisation beschlossen, auch den Jemen in die Aktivitäten des Forums einzubeziehen. Seitdem wurden 23 Aktionen im Jemen durchgeführt, bei denen 300 Kinder vor Ort operiert werden konnten, während weitere 300 nach Deutschland gebracht werden mussten. Seit 2003 besteht in Taiz eine Brandstation, die die früher dort befindliche Brandstation ersetzt. Im August 2001 nahm ein jemenitischer Arzt eine Hospitation in die Verbrennungs-Klinik Duisburg-Buchholz wahr. Seit 2003 werden in Zusammenarbeit mit dem Senior-Experten-Service in Bonn regelmäßig Fachschwestern und Physiotherapeuten nach Taiz geschickt, um das Personal zu trainieren. Die jemenitischen Krankenschwestern und –pfleger werden nun auch im Bereich der Physiotherapie ausgebildet. Damit wurde die Pflege in die Hände von fachlich geschultem Personal gegeben - bislang wurde sie von den Angehörigen der Patienten durchgeführt. Die auf diese Weise entstandene Klinik wird heute von dem jemenitischen Arzt Dr. Salah geleitet. Seit dem 23. März 2005 existiert die erste jemenitische Kinderstation. Sie wurde inzwischen durch eine Neonatologie ergänzt.

Sri Lanka[Bearbeiten]

Das Hammer Forum übernahm nach dem Tsunami 2006 den Wiederaufbau des zerstörten Krankenhauses in Mullaitivu. Ein neues Gebäude wurde errichtet, das in der Lage ist, alle wichtigen medizinischen Leistungen zu erbringen. Dazu wurde je eine Kinder-, Frauen- und Männerstation eingerichtet. Das Krankenhaus kann so seit Ende 2006 62 stationäre Patienten versorgen. Der Wiederaufbau umfasste eine grundlegende Ausstattung mit medizinischem Gerät und die Bereitstellung einfacher Quartiere für das Personal. Um die notwendige fachliche Qualifizierung des Personals zu erreichen, wird seit 2007 ein Aus- und Weiterbildungsprogramm für das Krankenhauspersonal durchgeführt.

Tschetschenien und Inguschetien[Bearbeiten]

Seit Dezember 1996 hilft das Hammer Forum in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union den Kindern in Tschetschenien und dem benachbarten Inguschetien. Sechzehn Kinder wurden zu einer notwendigen Behandlung nach Deutschland geholt; viele weitere konnten in Moskau behandelt werden. Seit 2000 wird das Projekt vor Ort durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden zwei mobile Kliniken nach Inguschetien gebracht. Sie blieben für vierzehn Monate in Inguschetien, um tschetschenischen Flüchtlingsfamilien in den abgelegenen Bergdörfern eine medizinische Basisversorgung zukommen zu lassen. Aus finanziellen Gründen musste dieses Engagement jedoch eingestellt werden. Seit Mai 2002 wird in Kooperation mit der World Health Organisation die medizinische Versorgung von Kindern in Grosny forciert, was eine Entlastung der vom Forum wiederaufgebauten Kinderpoliklinik bewirkt. In Tschteschnien werden mittlerweile 10 Kinderpolikliniken und Kinderstationen in verschiedenen Hospitälern unterstützt. Sie betreuen etwa 6.000 Kinder pro Monat.

Palästina[Bearbeiten]

Seit November 2000 hat das Hammer Forum seine Aktivitäten auch auf Palästina ausgeweitet. Nach anfänglichen Evakuierungen von verletzten Kindern wird nun der Versorgung der Kinder in Palästina der Vorrang eingeräumt. Zu diesem Zweck fanden allein im Jahre 2005 acht Missionen statt, um Kinder vor Ort zu behandeln. Unter anderem führten Ärzte des Kinderherzzentrums der Uniklinik Gießen mehrere Herzoperationen mittels Katheter aus.

Guinea[Bearbeiten]

In Madina übernahm die Organisation den Wiederaufbau und die Erstausrüstung des verwüsteten Gesundheitszentrums Madina in Gueckedou. Die Einrichtung war während des liberianischen Bürgerkriegs mehrfach geplündert worden, da sie im Grenzgebiet zu Liberia liegt. Sie nahm im September 2003 ihre Arbeit wieder auf und wird seitdem kontinuierlich mit Verbrauchsmaterial versorgt und in ihrer Arbeit durch einen Arzt aus Deutschland unterstützt. Das Gesundheitszentrum verfügt nun über eine Allgemeinambulanz, ein Entbindungszimmer und Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere sowie eine Abteilung zur Durchführung des umfassenden staatlichen Impfprogramms. Die Station in Madina wird von dem einheimischen Arzt Dr. Marcel Kalivogi geleitet. Mit dem Frühjahr 2007 wurde der Aufbau einer mobilen Notfallhilfe begonnen.

Kongo[Bearbeiten]

Im August 2003 reiste für vierzehn Tage eine Delegation in den Kongo, um die Hospitäler zu besuchen und erste Hilfen zu leisten. Eine Reihe von Patienten wurde zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Im Jahr 2005 erging der Beschluss, in Kinshasa, namentlich im General Hospital mit 1.800 Betten, die OP-Säle und die Ambulanz zu renovieren und auszustatten. Doch wurde dieses Projekt nicht umgesetzt, da die Operateure nicht einwilligten, künftig die Patienten kostenlos zu behandeln. Sie wollten - wie bisher - 40 % des Operationspreises für sich behalten. So suchte das Hammer Forum andere Räumlichkeiten und fand sie schließlich in der Universität. Ein Vertrag mit der Universität und der Regierung wurde erarbeitet und sah auch die spätere Übergabe der Operationsräume sowie der Ambulanz vor. Doch schon kurz nach Beginn der Renovierungsarbeiten wurde das Projekt abgebrochen. Ursache dafür waren Honorarforderungen, die vertragswidrig seitens der Universität erhoben wurden. Im August 2008 gab es 500 km weiter östlich von Kinshasa in der Stadt Kikwit eine Vertragsunterzeichnung über eine Zusammenarbeit zwischen dem Hammer Forum (HFO) und dem General Hospital de Reference Kikwit (HGRK). Auf dem Krankenhausgelände wurde eine Kinderambulanz errichtet, in der täglich 30-50 Kinder behandelt werden, die hauptsächlich unter Malaria, Bronchial- und Durchfallerkrankungen sowie Parasitose leiden. Viele Patienten sind unterernährt. Neben den Mitarbeitern des Hammer Forums kümmern sich einheimische Ärzte und Schwestern um die ambulanten und ca. 30 stationären Patienten. Zwei bis drei Mal pro Jahr werden Kinder von deutschen Medizinern in Zusammenarbeit mit den kongolesischen Kollegen operiert.

Irak[Bearbeiten]

Am 9. Mai 2003 wurde eine erste Expedition in den Irak der Ära nach Saddam Hussein unternommen. Wie in jedem Krieg litt auch diesmal die Zivilbevölkerung unter dem Kriegsgeschehen. Schon kurz nach der ersten Reise begann das Hammer Forum zusammen mit der Stiftung RTL ein Evakuierungsprojekt, um besonders schwere Fälle ausfliegen zu können.

Partner[Bearbeiten]

Partnerkrankenhäuser[Bearbeiten]

Der Verein wird bei der Behandlung von Kindern aus den Einsatzgebieten von einer Reihe von Partnerkrankenhäusern unterstützt. Dazu gehören die nachfolgenden Krankenhäuser:

Das Marien-Krankenhaus Ahaus- Vreden GmbH, das Malteser-Krankenhaus in Hamm, das Charlottenstift in Stadtoldendorf, das Lutherhaus in Essen, das Marienhospital Osnabrück, das Evangelische Krankenhaus Düsseldorf, das Marienkrankenhaus Trier, das Klinikum St. Marien in Amberg, das Katharinen-Hospital in Willich und das Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen.

Weitere Kliniken und Krankenhäuser in ganz Deutschland arbeiten immer wieder mit dem Hammer Forum zusammen.

Partnerorganisation und Behörden[Bearbeiten]

Das Hammer Forum arbeitet bei seinen Projekten mit verschieden Organisationen und Stiftungen zusammen, als da wären:

Die Karl Bröcker Stiftung, das Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung e. V. in Hamm, Aufbau Eritrea e. V., die Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e. V., der Malteser Hilfsdienst e. V., Der Paritätische Gesamtverband, Aktion Deutschland hilft, dem Schweizerischen Unterstützungskomitee für Eritrea und Hilfmit.eu. Hinzu kommen staatliche Organisationen wie die World Health Organisation (WHO) Sektion Europe, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland und die European Commision Humanitarian Aid.

Weblinks[Bearbeiten]

  1. Homepage Hammer Forum
  2. Deutsche Botschaft Sanaa