Hammer und Sichel
Hammer und Sichel sind Symbole, die für die Arbeit in der Industrie (Hammer) und der Landwirtschaft (Sichel) stehen. In der Regel wird mit ihnen eine politische Aussage beabsichtigt.
Außer diesen beiden Symbolen fanden sich häufig hierfür auch das Zahnrad, die Ähre und der Äskulapstab sowie der Merkur für die Symbolisierung von Wissenschaft und Handel bis in das beginnende 20. Jahrhundert. Ähre, Zahnrad, Hammer und Sichel sind in der politischen Symbolik bis heute zu finden, während Merkur und der Äskulapstab diesbezüglich an Bedeutung verloren.
Hammer und Sichel gilt als Symbol des Kommunismus. Je nach Kontext ist die Verwendung dieses Symbols in mehreren Staaten wie Ungarn, Lettland, Litauen, Polen und Moldawien verboten.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Das Symbol entwarf der Maler Jewgenij Iwanowitsch Kamsolkin (1885-1957) zum 1. Mai 1918 für eine Festdekoration in Moskau. Der 5. Allrussische Sowjetkongress erklärte das Zeichen wenige Monate später zum Staatsemblem und so wurde es dann auch in die Wappen der Sowjetunion und der Unionsrepubliken eingefügt. [1]
Vorkommen [Bearbeiten]
Hammer und Sichel als Bestandteile politischer Symbolik gibt es weltweit. Sie werden nicht nur als offizielle Hoheitszeichen auf Flaggen, Zahlungsmittel oder ähnlichem verwendet, sondern auch von politischen Parteien. Ihrer bedienen sich hauptsächlich links- aber auch vereinzelt rechtsgerichtete Organisationen. Ihr Vorkommen ist seit ca. 1990 stark rückläufig.
Hammer und Sichel dienten im 20. Jahrhundert hauptsächlich als Symbol des Kommunismus auf der Flagge der ehemaligen Sowjetunion. Auch das ehemalige Staatswappen der DDR mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz hatte die gleiche Funktion: die Symbolisierung des „Arbeiter-und-Bauern-Staates“ im Bündnis mit der „Intelligenz“. Der Zirkel steht für die Intelligenz als gesellschaftliche Schicht in der DDR, die Personen mit Hoch- oder Fachschulabschluss und Künstler meint.
Auf Banknoten und Münzen des Deutschen Reiches, der Weimarer Republik und des Dritten Reiches waren Hammer, Sichel, Pflug oder Ährenbündel häufig bei dem stilisierten Arbeiter oder der Arbeiterin anzutreffen. Wesentlich war hier die Symbolisierung von Macht und Stärke, die sich auf die Arbeit gründet. Die Banknoten zeigten deshalb nicht zufällig zugleich auch kriegerisch anzusehende Symbole, die die Wehrhaftigkeit verkörpern, wie z. B. die Nationalallegorie Germania mit Schild und Schwert. Paarweise finden wir Hammer und Sichel auf den deutschen Geldzeichen bis 1945 nur selten. So beispielsweise auf dem Reichskassenschein 5 Mark – nach Gesetz vom 30. April 1874 von der Reichsschuldenverwaltung ausgegeben.
Häufiger findet man Hammer und Zirkel zusammen oder zumindest paarweise in der Symbolik politischer rechter Organisationen. Diese kommt als antikommunistische Propaganda bzw. in Verbindung mit einem Adler, wie z. B. beim „Jungnationalen Bund“ oder im „Deutschen Jungvolk“, vor.
Von 1920 bis 1934 und wieder seit 1945 trägt der Adler des Österreichischen Wappens in seinen Fängen ebenfalls Hammer und Sichel. Allerdings stellt dies kein Überbleibsel sozialistischer Ideen dar, sondern ist zusammen mit der Mauerkrone auf dem Haupt des Adlers als Symbol für das Bürgertum nur eine Referenz an die drei traditionellen Stände, auf denen der Staat beruht.
Beispiele [Bearbeiten]
-
Hammer, Sichel und Ähren im Staatswappen der Sowjetunion
-
Flagge der Kommunistischen Partei Chinas
-
Flagge der Kommunistischen Partei Vietnams
-
Flagge der Kommunistischen Partei Libanons
-
Wappen der Armenischen SSR
-
Wappen der Aserbaidschanischen SSR
-
Logo der historischen KPD
-
Logo der Kommunistischen Partei Schwedens
Abwandlungen [Bearbeiten]
Machete und Zahnrad (Angola) [Bearbeiten]
In der Flagge Angolas wird die symbolische Aussage umgekehrt aber inhaltlich und grafisch beibehalten.
Die halbkreisförmige Sichel der Bauern wird durch das Zahnrad der Arbeiter ersetzt und der gerade Hammer der Arbeiter durch die Machete der Bauern.
Hammer und Gerste (Ungarn) [Bearbeiten]
Im ungarischen Wappen wurde von 1949 bis 1956 der Hammer als Symbol für die Arbeiterklasse und die Ähre als Symbol für die Bauern verwendet. Dieses Wappen wurde im selben Zeitraum auch in der ungarischen Nationalflagge geführt.
Hammer und Hacke (Volksrepublik Kongo) [Bearbeiten]
In der ehemaligen Flagge (1970–1991) der Volksrepublik Kongo (heutige Republik Kongo) steht der mit der Hacke gekreuzte Hammer für die Vereinigung der Bauern mit den Industriearbeitern.
Hammer und Zirkel im Ährenkranz (Deutsche Demokratische Republik) [Bearbeiten]
Im Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Aussage des Symbols durch den Hammer (Arbeiterklasse), den Zirkel (Intelligenz) und anstelle der Sichel der Ährenkranz (Bauern) getroffen.
Hammer und Sichel der Chinesischen Kommunisten [Bearbeiten]
Die Kommunistische Partei Chinas benutzt ein leicht abgewandeltes Symbol. Der Griff der Sichel ist abgerundet, das Gelb etwas dunkler.
Symbol der Juche-Ideologie [Bearbeiten]
Das Emblem ist aus Hammer, Sichel und dem traditionellen koreanischen Pinsel (stellvertretend für Literaten und Intellektuelle) zusammengesetzt. Die ideologische Symbolik ist also mit der des DDR-Wappens verwandt. Hier ist das Symbol auf der Flagge der Partei der Arbeit Koreas zu sehen.
Hacke und Kalaschnikow [Bearbeiten]
In der Flagge und im Wappen Mosambiks findet sich eine starke Abwandlung von Hammer und Sichel, dabei symbolisiert die Hacke die Klasse der Bauern, die Kalaschnikow steht für den Unabhängigkeitskampf und das aufgeschlagene Buch soll die Intelligenz des Landes darstellen.
Nationalflaggen mit Hammer und Sichel oder ähnlichen Symbolen [Bearbeiten]
In diesen Nationalflaggen werden oder wurden Hammer und Sichel oder daraus abgewandelte Symbole verwendet:
| Flagge | Datum | Funktion |
|---|---|---|
| seit 1975 | Flagge Angolas | |
| 1970–1991 | Flagge der Volksrepublik Kongo | |
| seit 1920 | Flagge Österreichs (Dienstflagge) | |
| 1923–1991 | Flagge der Sowjetunion | |
| 1949–1956 | Flagge der Volksrepublik Ungarn | |
| seit 1983 | Flagge Mosambiks |
Darstellung als Zeichen am Computer [Bearbeiten]
Unicode [Bearbeiten]
Der hexadezimale Unicode des Hammer-und-Sichel-Symbols lautet U+262D. Das Ergebnis ist ☭ bzw. als Grafiksymbol
falls der verwendete Unicode-Zeichensatz dieses Zeichen nicht beinhaltet.
Manche Betriebssysteme oder grafische Benutzeroberflächen wie GNOME erlauben die Darstellung von Hammer und Sichel als Sonderzeichen bei gleichzeitigem Halten von Strg+Shift+u, gefolgt von dem Code 262D.
HTML [Bearbeiten]
Die Eingabe der Zeichenfolge ☭ in HTML-Code hat ebenfalls die Anzeige des Symbols als Schriftzeichen zur Folge.
Heute [Bearbeiten]
Transnistrien [Bearbeiten]
Im Staatswappen des international nicht anerkannten Transnistrien hat sich das Symbol aus Sowjetzeiten erhalten.
Frankreich [Bearbeiten]
Die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF) trennt sich 2013 von Hammer und Sichel.
Verbot [Bearbeiten]
Die Benutzung des Symbols Hammer und Sichel, ebenso wie die des Roten Sterns und anderer kommunistischer Symbole oder auch der Hymne der Sowjetunion, sind in Ungarn (seit 1994)[2], Lettland und Litauen (seit 2008)[3], Polen (seit 2009)[4], Moldawien (seit 2012)[5][6] verboten.
Literatur [Bearbeiten]
- Deutsch
- Harry Pross: Politische Symbolik. Theorie und Praxis der öffentlichen Kommunikation (= Urban-Taschenbücher. Reihe 80, Bd. 866). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1974, ISBN 3-17-002033-1
- Jürgen Koppatz: Geldscheine des Deutschen Reiches. Transpress – Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1983.
- Karlheinz Weißmann: Schwarze Fahnen, Runenzeichen. Die Entwicklung der politischen Symbolik der deutschen Rechten zwischen 1890 und 1945. Droste, Düsseldorf 1991, ISBN 3-7700-0937-1 (Zugleich: Braunschweig, Universität, Dissertation, 1989).
- Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Zeit und Geschichte in Zeichen. Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00594-9.
- Englisch
- David Lempert: Daily Life in a Crumbling Empire: The Absorption of Russia into the World Economy (= Eastern European Monographs 444). 2 Bände. Columbia University Press, Boulder CO 1996, ISBN 0-88033-341-3.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Lexikon der Kunst, Leipzig 1968-78, Bd. 2, S. 179
- ↑ Ungar. Strafgesetzbuch 269/B.§ (1993.)
- ↑ http://news.bbc.co.uk/2/low/europe/7459976.stm
- ↑ http://www.foxnews.com/story/0,2933,577305,00.html
- ↑ http://german.ruvr.ru/2012_07_12/81288031/
- ↑ http://de.rian.ru/politics/20120712/263978427.html