Hamsun-Zentrum

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Hamsun-Zentrum (März 2013)

Das Hamsun-Zentrum (norwegisch Hamsunsenteret) ist ein Literaturhaus und Dokumentationszentrum über den Schriftsteller Knut Hamsun. Das preisgekrönte Turmgebäude wurde von dem amerikanischen Architekten Steven Holl entworfen und 2010 für das Publikum geöffnet. Es liegt am Ufer des kleinen Gezeitenstromes Glimma in Presteid in der nordnorwegischen Gemeinde Hamarøy.

Geschichte[Bearbeiten]

Während der Hamsun-Tage 1986 entstand die Idee für ein Hamsun-Zentrum. Für die Ausführung wurde 1994 der amerikanische Architekt Steven Holl beauftragt, der sich zunächst längere Zeit mit dem Leben und Werken Hamsuns beschäftigte und nach Hamarøy reiste und zu zeichnen begann. 1996 präsentierte er auf Aquarellskizzen das Turmgebäude als Interpretation von Hamsuns Charakter und Literatur. Das New Yorker Museum of Modern Art erwarb sein vielfach diskutiertes Modell. 1997 erhielt der Architekt dafür den „Progressive Architecture Award“. Das Zentrum wurde finanziert von der Provinz Nordland, der Gemeinde Hamarøy, dem norwegischen Staat und zahlreichen privaten Sponsoren. Im Jahr 2009 wurde das Gebäude mit einer großen Eröffnungsfeier anlässlich des 150. Jahrestags der Geburt Hamsuns fertiggestellt und durch die Kronprinzessin Mette-Marit eröffnet. Nach Fertigstellung der Ausstellungs- und Inneneinrichtung wurde das Zentrum dann am 13. Juni 2010 für das Publikum geöffnet. Der Bau wurde 2010 mit dem „International Architecture Award“ ausgezeichnet, 2011 mit dem norwegischen Statens byggeskikkpris.

Das Gebäude und seine Besonderheiten[Bearbeiten]

Das rhombenförmige Turmgebäude besteht aus sechs Geschossen und gilt als das weltweit größte Literaturhaus.[1] Die Baukosten betrugen 20 Millionen Euro. Der Ausstellungsparcours beginnt auf dem Dachgeschoss; dorthin gelangt man über einen Aufzug im Mittelpunkt des Gebäudes. Der Rundgang führt von oben über unterschiedlich gebaute Ausstellungsebenen weiter, wobei sich durch die moderne Architektur nach der Absicht von Steven Holl „seltsame, überraschende und außergewöhnliche Erfahrungen mit Raum, Perspektive und Licht“ ergeben.

Alle Interieurs entwickeln sich entlang einer »promenade architecturale« um den Aufzug herum als offene Treppen, die Lufträume über drei Etagen entstehen lassen. Der Lift ist mit Messing-Lochblech verkleidet, das, von innen beleuchtet, geheimnisvolle Schatten in die Ausstellungsräume wirft. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion werden verwischt, wie in Hamsuns Dichtung.

Ulf Meyer[2]

In einer der Sektionen, in der Abteilung „Der geachtete und geächtete Hamsun“ wird gezeigt, wie widerstreitend Norwegen zu dem Nobelpreisträger und Nationalschriftsteller Hamsun steht. Dass sich Holl ausführlich mit Hamsun und Norwegen beschäftigt hat, gelangt im Bau mehrfach zum Ausdruck. So weist die mit Holzteer geschwärzte Fassade auf die alten norwegischen Stabkirchen hin, die Bambusstäbe auf dem Dachgarten auf die mit Gras bewachsenen Bauernhausdächer. Auf die Figur des Johan Nagel aus Hamsuns Roman Mysterien, der seinen leeren Geigenkasten dauernd dabei hatte, deutet der mit Zedernholz verkleidete Aussichtsbalkon. Hier befindet sich eine von Jana Winderen geschaffene Klanginstallation. Die Besucher vernehmen Tonaufnahmen aus dem Umfeld des Flusses Glimma aus allen Jahreszeiten, zum Beispiel von Fischen, Insekten oder schmelzendem Eis. Vom „Geigenkasten“ gibt es einen Zugang zur von Erle Stenberg und Elin T. Sørensen gestalteten Bibliothek, in der Kunst und Funktion eng verwoben wurden. Im Erdgeschoss befinden sich die Rezeption, ein Bücherladen und ein Café.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Englert: Diesem Bau stehen die Haare zu Berge. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. August 2010, S. 30
  • Daniel Rosbottom: Knut Hamsun Centre. In: The Architectural Review. London, September 2009, ISSN 003-861X
  • Ulf Meyer: Hamsun-Zentrum. In: Deutsche Bauzeitung. [1] (Abruf: 23. August 2010)
  • Agnes Bührig: Für Kunst und für Hitler. Der umstrittene Knut Hamsun wird posthum geehrt. In: Deutschlandfunk. Kultur heute vom 4. August 2009. [2] (Abruf: 23. August 2010)
  • Øyvind A. Olsen: Hamsunsenteret ble undervurdert. Debatten om Hamsunsenteret har også vært en arena for å behandle sårene etter 2. verdenskrig. In: Fremover vom 5. August 2010. [3] (Abruf: 23. August 2010)
  • Katrin Hillgruber: Der schwarze Turm von Hamarøy. In: Der Tagesspiegel vom 3. August 2009
  • Aaslaug Vaa, Nina Frang Høyum; Erik Fenstad Langdalen; Lars Müller: Hamsun Holl Hamarøy. Mit Fotografien von Iwan Baan. Lars Müller Publishers, Baden 2010, ISBN 978-3037782132

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ vom 19. August 2010
  2. Hamsun-Zentrum. In: Deutsche Bauzeitung

68.08472222222215.645555555556Koordinaten: 68° 5′ 5″ N, 15° 38′ 44″ O