Hamza (Grundwasserleiter)

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Als Hamza (port. Rio Hamza) wird ein vermuteter Grundwasserleiter in Brasilien bezeichnet, der in einer Tiefe von 4000 Metern unterhalb des Amazonas verläuft.[1] Seine Entdeckung wurde im August 2011 bekanntgegeben und geht auf Untersuchungen einer brasilianischen Forschungsgruppe um Valiya Mannathal Hamza zurück, nach dem der Aquifer benannt ist.[2]

Verlauf und Bedeutung[Bearbeiten]

Der Hamza-Grundwasserleiter erstreckt sich über eine Länge von etwa 6000 Kilometern tief unterhalb des Amazonas und verläuft ähnlich dem Amazonaslauf von West nach Ost aus den peruanischen Anden in Richtung des Atlantischen Ozeans.[2] Der Aquifer transportiert auf einer Breite von bis zu 400 Kilometern ca. 3900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde,[1] was etwa 2 % der Abflussmenge des Amazonas entspricht und ein zweites wichtiges Entwässerungssystem des Amazonasbeckens darstellt. Das Fließsystem stellt keinen Fluss im üblichen Sinne dar, wird aber häufig im übertragenen Sinne so bezeichnet.[3] Der Wassertransport findet jedoch innerhalb poröser Gesteinsschichten etwa 4 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche statt, zudem liegen die Fließgeschwindigkeiten von wenigen Metern im Jahr unterhalb der Geschwindigkeiten durchschnittlicher Gletscher.[1][3] Das Wasser wird als salzhaltig beschrieben,[3] führt vermutlich jedoch trotzdem zu einer Verminderung der Salinität des salzigeren Atlantik im Mündungsbereich.[1][2]

Entdeckung[Bearbeiten]

Der Hamza-Aquifer wurde durch eine Forschungsgruppe des brasilianischen National Observatory entdeckt, die thermische Daten von 241 Tiefbohrungen auswerteten, die bereits in den 1970er und 1980er Jahren durch die Erdölgesellschaft Petrobras vorgenommen wurden.[2] Die Ergebnisse lassen auf den beschriebenen langsamen Wasserfluss schließen. Die Erkenntnisse wurden erstmals im August 2011 auf dem 12. Internationalen Kongress der Brazilian Geophysical Society vorgestellt. Die endgültige Bestätigung für die Existenz des Grundwasserleiters in der dargestellten Form wird jedoch erst in wenigen Jahren erwartet.[2] Auch die weitere Bedeutung des Entwässerungssystems, beispielsweise für ökologische Prozesse, muss weiter erforscht werden.

Kritik[Bearbeiten]

Kritisiert wurden die Ergebnisse von Jorge Figueiredo, einem Geologen von Petrobras. Er wies die These eines durchgängigen Grundwasserleiters zurück und bezeichnete die Ergebnisse als unwissenschaftlich und durch andere Zusammenhänge erklärbar. Weiterhin verwies er darauf, dass die Ergebnisse bisher nur auf einer Konferenz vorgestellt wurden und noch nicht in der Wissenschaft diskutiert werden konnten.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Daniel Lingenhöhl: Amazonas besitzt mächtigen Zwilling im Untergrund. In: Spektrum.de. 26. August 2011, abgerufen am 28. Februar 2012 (deutsch).
  2. a b c d e Alok Jha: Underground river 'Rio Hamza' discovered 4km beneath the Amazon. In: The Guardian. 26. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (englisch).
  3. a b c Richard Black: Subterranean Amazon river 'is not a river'. In: BBC. 27. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (englisch).
  4. Chris Arsenault: 'Huge underground river' found below Amazon. In: Al Jazeera. 28. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (englisch).