Handstreich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Handstreich bezeichnet allgemein einen den Gegner unvorbereitet treffenden Angriff, der ihn ohne jede wirksame Verteidigungsmöglichkeit überwältigt. Aus dem Militärischen (s. u.) stammend, wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch auch für politische oder wirtschaftliche Übernahmen verwendet.

Etymologie[Bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert wird der Begriff Handstreich im Deutschen im Sinne von Handschlag verwendet. Unabhängig hiervon wurde das Wort als Lehnwort aus dem französischen Coup de main im Sinne der militärischen Bedeutung übernommen.[1]

Vor der modernen Kriegsführung[Bearbeiten]

Zu Zeiten, in denen sich die Kriegsführung hauptsächlich um die Eroberung und das Halten von wichtigen Städten und Burgen drehte, verstand man einen Handstreich als Eroberung einer Befestigung des Feindes ohne Belagerung. Am häufigsten waren Handstreiche, bei denen Spione oder Überläufer kurz nach oder genau bei dem Eintreffen des angreifenden Heeres die Tore öffneten. Die Eroberung Trojas durch das trojanische Pferd wird trotz Ausnutzen eines Überraschungsmoments nicht als Handstreich bezeichnet, da eine lange Belagerung voraus ging.

Der Obristwachtmeister Graf Heinrich von Dampierre versuchte 1620 im Böhmischen Krieg mit 10.000 Mann die Stadt und das Schloss Pressburg im Handstreich einzunehmen. Der Versuch ist allerdings gescheitert, Dampierre wurde dabei getötet.

In der modernen Kriegsführung[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

In der modernen Kriegsführung steht Handstreich für den überraschenden, überfallartigen, und nicht im Sinn vorgeplanter Operationsführung, aber erkundeten Angriff auf Feindkräfte oder auf gegnerische Objekte. Der Handstreich ist eine Gefechtshandlung, die von allen mobilen oder infanteristischen Truppen, beispielsweise beim Jagdkampf, bei der Aufklärung oder Erkundung angewendet werden kann.

Im Gegensatz zum Hinterhalt wird ein Handstreich aus der Bewegung heraus ausgeführt. Dabei sind das Überraschungsmoment und eine schlagartige Ausführung für den Erfolg des Handstreiches wesentlich. Dadurch können auch zahlenmäßig unterlegene Kräfte zum Erfolg kommen. Sinn und Zweck des Handstreichs ist, den Gegner zu überraschen, eine zeitliche und räumliche Überlegenheit herzustellen, ihn zu vernichten, oder ihm Verluste zuzufügen und sich vom Gegner anschließend zu lösen, bevor dieser Gegenwehr leisten kann.

Der Befehl zum Handstreich erfolgt durch Führen mit Auftrag durch den militärischen Führer vor Ort.

Der Handstreich ist in der Regel in andere militärische Operationen eingebunden. Ein gelungener Handstreich kann auch für die eigene Führung überraschend kommen. Es ist dann entscheidend, dass der Truppenführer schnell beurteilt und entscheidet, inwieweit eine sich bietende Gefechtssituation ausgenutzt werden soll, und ob der Operationsplan zu ändern ist. An der entschlossenen und energischen Ausnutzung von derartigen Chancen zeigen sich die Befähigung und Eignung des verantwortlichen Führers vor Ort.

Ein Angriff ist im Vergleich zum Handstreich vorausgeplant und vorbereitet. Die Gefechtshandlungen während des Kampfes können nicht durch die den Einsatz führende Kommandoebene befohlen werden. Der Führer vor Ort entscheidet ad hoc, meist ohne nähere Erkundung oder Aufklärung, über den Einsatz, wenn eine erfolgreiche Durchführung naheliegt.

Wesentlich bei Ausführung des Handstreichs ist die Aufteilung der Kampfeinheit in Deckungsgruppe und Sturmgruppe, bei motorisierten Kampfeinheiten mit Deckungsfahrzeug und Sturmfahrzeug (Panzer, Schützenpanzer etc.). Die eigene Sturmausgangsstellung wird durch einen oder mehrere Sicherungstrupps gesichert. Wesentlich ist eine genaue Zuweisung der Schusssektoren mit Hauptschussrichtung und linker oder rechter Grenze, um nicht in das Feuer der eigenen Waffen zu geraten.

Nach einem Feuerschlag der schwersten verfügbaren Waffen auf die Einbruchstelle wird die Zuführung von Feindkräften durch Feuer unterbunden. Die Sturmgruppe nimmt die Einbruchstelle und hält durch Sturmfeuer Feindkräfte nieder oder vernichtet diese mit der verfügbaren Feuerkraft, z. B. auch durch Handgranatenwurf. Drahthindernisse oder andere Sperren werden durch Einsatz von Sprengmitteln passierbar gemacht. Nach dem Einbruch werden weitere Teilziele genommen und soweit notwendig Teile der Deckungsgruppe nachgezogen. Wichtige Einrichtungen des Gegners werden durch Beschuss oder Sprengen unbrauchbar gemacht.

Nach Ausführung des Handstreichs weicht die Kampfeinheit auf einen vorher festgelegten Sammelpunkt aus und bewegt sich von diesem weiträumig bis zu einem Versteck oder führt ihren übergeordneten Auftrag weiter aus. Mit Reaktionen des Gegners - auch durch Aufklärungskräfte -, die das Ziel haben, die am Handstreich beteiligte Kampfeinheit zu stellen, ist zu rechnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heeresdienstvorschrift 100/100 Führung im Gefecht (TF/G) - Verschlusssache Nur für den Dienstgebrauch (nicht öffentlich), Bonn 1962, 1974, 1998, (Neuausgaben und ständige Fortschreibung), ab 2007 Heeresdienstvorschrift 100/100 Truppenführung von Landstreitkräften
  • Heeresdienstvorschrift 100/900: Führungsbegriffe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Friedrich Kluge (Begr.), Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1, S. 389.