Handtransplantation

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Eine Handtransplantation ist eine Operation zur Übertragung einer Hand oder beider Hände von einem (toten) Menschen auf einen anderen, lebenden Menschen.

Beschreibung der Operation[Bearbeiten]

Die Operation wird in folgender Reihenfolge durchgeführt: Fixation des Knochens, Verbindung der Sehnen, der Arterien, der Nerven und zuletzt der Venen. Die Operation dauert durchschnittlich 8 bis 12 Stunden. Zum Vergleich: eine typische Herztransplantation dauert 6 bis 8 Stunden.

Der Empfänger der Hand muss spezielle Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva einnehmen, um die Abwehrreaktion des Körpers gegen das fremde Organ zu unterdrücken. Diese Medikamente schwächen aber auch die Abwehr gegen Infektionen, sodass der Patient besonders anfällig für bakterielle, virale und fungale Erkrankungen ist.

Geschichte der Handtransplantationen[Bearbeiten]

Die erste Transplantation einer Hand wurde 1964 in Ecuador durchgeführt. Bereits nach zwei Wochen erfolgte jedoch die Abstoßung der transplantierten Hand.

Der erste Kurzzeiterfolg einer Handtransplantation wurde mit dem Neuseeländer Clint Hallam erzielt. Die Operation wurde am 23. September 1998 im französischen Lyon durchgeführt. Nach der Operation litt Hallam allerdings körperlich und seelisch unter seiner neuen Hand. Er kämpfte mit den Nebenwirkungen der Medikamente und empfand seine neue Hand als Fremdkörper. Er nahm nicht zuverlässig am Physiotherapieprogramm teil und verweigerte schließlich auch die Medikamenteneinnahme. In der Folge begann sein Körper die Hand abzustoßen. Sie wurde auf seinen Wunsch und wegen der Abstoßungsreaktionen am 2. Februar 2001 wieder entfernt.

Die erste Handtransplantation mit anhaltendem Erfolg wurde von Ärzten der Universität von Louisville in Kooperation mit dem „Kleinert, Kutz and Associates Hand Care Center“ und dem „Jewish Hospital & St. Mary's HealthCare“ in Louisville, Kentucky durchgeführt. Der Patient verlor seine Hand bei einem Unfall mit Feuerwerkskörpern, als er 24 Jahre alt war. Die Operation erfolgte am 24. Januar 1999. Die Mediziner der Universität von Louisville führten außerdem die erfolgreiche Handtransplantation von Jerry Fisher im Februar 2001 durch.

Am 14. Januar 2004 meldete Professor Jean-Michel Dubernard (Edouard-Herriot Hospital, Frankreich) den Erfolg einer fünf Jahre zurückliegenden doppelten Handtransplantation.

In den Jahren 2000 bis 2005 wurden weitere 26 Handtransplantation durchgeführt, davon sechs doppelte, d.h. beide Hände wurden transplantiert.

Anfang 2000 fand die weltweit erste doppelte Handtransplantation in Lyon statt. Empfänger war ein 33-jähriger Franzose.

Der nächste „doppelte“ Empfänger war ein österreichischer Polizist. Er erhielt im März 2000 an der Universitätsklinik in Innsbruck (Hildegunde Piza) zwei neue Hände. Pizas Team gelang es weiters im Jahr 2002, einem 41-jährigen Bahnarbeiter beide Unterarme und Hände erfolgreich zu transplantieren sowie im Jahr 2006 einem 25-jährigen Studenten aus der Ukraine, der durch eine Autobombe beide Hände verloren hatte.

Am 26. Juli 2008 gelang am Klinikum rechts der Isar in München die weltweit erste Doppel-Arm-Transplantation. Der Empfänger hatte 5 Jahre vorher beide Arme komplett bei einem landwirtschaftlichen Unfall verloren. Das fast 40 köpfige Team, welches 5 Jahre lang diesen Eingriff vorbereitete, sowie die Operation selbst, stand unter der Leitung von Edgar Biemer. Er hatte die Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum über 25 Jahre geleitet. Bereits 1975 hatte er das erste deutsche Replantationszentrum dort gegründet. Aus den Erfahrungen des Wiederannähens von abgetrennten Gliedmaßen ergaben sich die technischen Kenntnisse für die Transplantation.

Sonstiges[Bearbeiten]

In seinem Buch „Die vierte Hand“ erzählt der Autor John Irving die fiktive Geschichte eines Handtransplantat-Empfängers.

Siehe auch[Bearbeiten]

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