Hanfparade

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Logo der Hanfparade

Die Hanfparade ist eine Demonstration zur Legalisierung von Cannabis und Cannabisprodukten. Sie findet seit 1997 jedes Jahr im August in Berlin statt. Das erklärte Anliegen ist die Kritik am Betäubungsmittelgesetz sowie die Freigabe von Hanf als Rohstoff (Industriehanf), Medizin (Medizinalhanf) und Genussmittel (Cannabis als Rauschmittel). Von 1997 bis 2006 wurde die Hanfparade durch das Bündnis Hanfparade e. V. veranstaltet. 2007 bis 2009 wurde die Hanfparade von einer Gruppe engagierter Einzelpersonen organisiert, seit Ende 2009 gibt es eine neue Vereinsstruktur.[1] Die Veranstaltung wird durch Sponsoren unterstützt. Sie wird von der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenabhängigkeit als eine von 13 in Deutschland drogenpolitisch tätigen Organisationen angesehen.[2]

Den Auftakt bildet der Zug der Paradewagen durch die deutsche Hauptstadt. Am Ende der Demonstration fand bis 2006 stets eine Abschlusskundgebung mit Bühne und Marktständen statt. Von 2007 bis 2010 wurden die Reden bei den Abschlusskundgebungen von einem Musikwagen aus gehalten. Seit 2011 gibt es wieder eine Bühne mit Programm bis in den Abend.

Nationale und internationale Musiker unterhielten die Besucher im Wechsel mit Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Medizin und Legalisierungsbewegung. Auf der Alternative Stage trat eine Auswahl unbekannterer Bands auf. Im Nutzhanfareal werden die Möglichkeiten von Hanf als nachwachsender Rohstoff aufgezeigt. Auf dem Markt der Möglichkeiten wurden viele verschiedene Produkte aus Hanf präsentiert.

Bisher verliefen die Demonstrationen friedlich. Die Demonstration wird, wie jede andere Demonstration auch, regelmäßig von der Polizei begleitet. Natürlich sind an diesem Tag die geltenden Gesetze nicht außer Kraft gesetzt, so dienen sie auch zur Abschreckung bzw. Verfolgung möglicher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

1997[Bearbeiten]

Zehntausende folgen dem Aufruf der „Herumschweifenden Haschrebellen“ und des H. A. N. F. e. V. zur ersten bundesweiten Demonstration für Hanf. Bei ihrem Zug zum Brandenburger Tor fordern sie: Legalisierung jetzt! [3] Neben den politischen Rednern spielten die deutschen Bands J.B.O. und Blind Passengers sowie die englischen Formation Saxon.

1998[Bearbeiten]

Im Wahljahr beteiligten sich fast 50.000 Menschen an der Demonstration. Unter dem Motto Der Kampf geht weiter forderten sie die Legalisierung von Hanf durch die neue Bundesregierung. Als Bands kamen Zion Train, Fünf Sterne Deluxe und Mutabor.

1999[Bearbeiten]

Mehrere zehntausend Menschen nahmen an der Hanfparade 1999 unter dem Motto Mit Hanf in die Zukunft teil. Erstmals sprachen Vertreter aller Parteien (außer der CDU).

2000[Bearbeiten]

Hanfparade 2000 am Brandenburger Tor

Zur Millenniumsausgabe der Hanfparade fordern Teilnehmer aus aller Welt Legalize it globally.

2001[Bearbeiten]

Kein Krieg gegen Pflanzen ist das Motto der fünften Hanfparade. Die Besucher feierten vor dem Roten Rathaus eine Party. Auftritte der Sofa Surfers, der Spezializtz feat. Curse, von Götz Widmann (ex Joint Venture) und Rockers Hi-Fi fanden statt, politisch war u. a. Dana Beal zu Gast, Mitbegründer der YIPPIE-Bewegung in den USA.

2002[Bearbeiten]

Hanfparade 2002

Die Hanfparade zieht mit 10.000 Demonstranten zur Gedächtniskirche. Die Teilnehmer kämpfen: Für Hanfgebrauch! Gegen Hanfmissbrauch! Aufklärung statt Verbote!

Ein Auszug aus einer Rede von Hans-Christian Ströbele (Grüne) diente außerdem als Grundlage für das Lied Gebt das Hanf frei! von Stefan Raab. Auf der Bühne spielten Ganjaman, Dubtari und Letzte Instanz.

2003[Bearbeiten]

Die Hanfparade 2003 am 23. August begann um 12 Uhr mit einer 60-minütigen Anfangskundgebung vor dem Bundesfinanzministerium an der Wilhelmstraße (zwischen Leipziger Straße und Niederkirchnerstraße). Die Parade mit 13 Wagen verlief friedlich. Es gab aber Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Etwa 5.000 Demonstranten, darunter der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele und Vertreter der Grünen Jugend, der PDS und der Grauen Panther nahmen an der Demonstration teil.

Auf der Bühne spielten Les Babacools, Schwarz auf Weiß, Götz Widmann, Kamikaze 52, MC Rene und die Skunk Allstars.

2004[Bearbeiten]

Die Hanfparade 2004 fand am 14. August in Berlin, am Alexanderplatz, um 12 Uhr statt. Es waren etwa 3.500 Personen auf der Demonstration anwesend, auf dem Abschlussgelände etwa 8.000.

Auf der Bühne spielten Chico Trujillo, Culcha Candela, Götz Widmann, Dr. Ring Ding, The Special Guests, sowie All Massive, Kaosloge und Phaderheadz

2005[Bearbeiten]

Die Hanfparade 2005 fand am 13. August in Berlin statt. Sie stand unter dem Motto Wir sind das Hanf! und startete um 12 Uhr vor dem Roten Rathaus, dem Sitz des Berliner Senats. Nach der Auftaktkundgebung zog der Demozug, begleitet von fünf Paradewagen, durch die Berliner Innenstadt. Die Hanfparade 2005 war mit 1.000 bis 1.200 Teilnehmern wieder kleiner als in den Vorjahren. Dies lag unter anderem daran, dass die Abschlusskundgebung vom zuständigen Grünflächenamt kurzfristig untersagt wurde.

Die Polizei führte massive Kontrollen durch und schrieb 24 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das BtMG.

2006[Bearbeiten]

Poster der 10. Hanfparade
Abschneiden von Nutzhanf durch die Berliner Polizei

Die 10. Hanfparade fand am 5. August 2006 in Berlin statt. Sie stand unter dem Motto: Legalisierung Jetzt! Umdenken statt Milliarden verschenken! und führte vom Alexanderplatz (Weltzeituhr) über die Oranienburger Straße und Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Zwischenkundgebungen fanden vor dem Kunsthaus Tacheles und der Britischen Botschaft statt. An der Hanfparade beteiligten sich rund 1.500 Teilnehmer. Am Brandenburger Tor gab es einen Hanfmarkt mit mehreren Hanffeldern aus Nutzhanfpflanzen. Die Polizei führte Vorkontrollen durch und schnitt mehrere tausend Hanfpflanzen am Brandenburger Tor ab, obwohl die Veranstalter die Genehmigung dafür hatten. Als Abschluss der Demonstration fand auf dem Platz des 18. März eine sechsstündige Abschlusskundgebung statt.

2007[Bearbeiten]

Die Hanfparade 2007 fand am 25. August 2007 ab 13 Uhr in Berlin am Fernsehturm auf dem Alexanderplatz statt. Das Motto dieses Jahres lautete Gib mir 5 – Gegen Gift im Gras und sollte die Entwicklung des letzten Jahres mit gesundheitsgefährlich verunreinigtem Hanf widerspiegeln.

2008[Bearbeiten]

Demonstranten mit Bannern der Hanfparade 2008

Die Hanfparade 2008 fand am 2. August 2008 ab 13 Uhr in Berlin am Fernsehturm auf dem Alexanderplatz statt und führte zum Leipziger Platz. Das Motto dieses Jahres lautete Jugendschutz, Verbraucherschutz, Legalisierung. Dies wurde gefordert, da nur ein legaler Hanfmarkt in der Lage sei, die Konsumenten zu schützen. Obwohl der Veranstalter mit 2.500 Menschen rechnete, beteiligten sich nur rund 1.000 Leute.[4]

Auch in diesem Jahr führte die Polizei Kontrollen durch und schrieb elf Anzeigen wegen Verstoßes gegen das BtMG.[4]

2009[Bearbeiten]

Zum 13. Mal zog die Hanfparade 2009 unter dem Motto Für eine freie Wahl am 1. August 2009 durch die Straßen Berlins. Das Motto spiegelt das verweigerte Menschenrecht der freien Wahl des Genussmittels gemäß Artikel 4 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 wider. Für die Legalisierung von Cannabis demonstrierten fast 1.000 Menschen.[5]

2010[Bearbeiten]

Die 14. Hanfparade fand am Samstag, dem 7. August 2010, unter dem Motto Cannabis ist Weltkultur! statt. Sie begann um 13 Uhr mit einer Kundgebung zwischen Fernsehturm und S-Bahnhof Alexanderplatz. Von dort führte die Demonstration mit mehreren Musikwagen mitten in das Regierungsviertel, wobei der Demonstrationszug beim Hackeschen Markt, dem Gesundheitsministerium und vor der Russischen Botschaft für Zwischenkundgebungen anhielt. Die Abschlussveranstaltung fand in der Scheidemannstraße zwischen Bundeskanzleramt, Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor statt. An der Demonstration nahmen etwa 2.000 Personen teil. Die Polizei hatte 23 Menschen zumeist im Umfeld der Abschlusskundgebung vorläufig festgenommen. Grund seien meist Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gewesen, teilte die Polizei mit.[6]

2011[Bearbeiten]

Am 6. August 2011 fand die 15. Hanfparade mit dem Motto 40 Jahre sind genug! BtMG adé! statt. Der Auftaktsort war diesmal der Alexanderplatz, in der Nähe des Berliner Congress Centers. Der Demozug führte mit mehreren Musikwagen über den Hackeschen Markt, der Friedrichstraße mit dem Bundesministerium für Gesundheit sowie in das Regierungsviertel. Auf der Scheidemannstraße fand die Abschlussveranstaltung mit Bühne statt. Es nahmen etwa 3.000 Personen an der Demonstration teil.[7] Es kam zu keinen Verhaftungen.[8] Allerdings wurde den Veranstaltern der sogenannte „Markt der Möglichkeiten“, das „Forum für Hanfmedizin“, das „Nutzhanfarea“ sowie ein „Kinderland“ von der Versammlungsbehörde untersagt, da diese Elemente der Abschlussveranstaltung nur „im Einzelfall immer wieder punktuell für kurze Zeit versammlungsimmanente Elemente auftreten, eine Behandlung der gesamten Veranstaltung als Versammlung i.S. des Grundgesetzes und des Versammlungsgesetzes [ließe] sich darauf jedoch nicht ableiten“ auf Grundlage des Urteils BVerfG. Eilbeschluss vom 12. Juli 2001. –1 BvQ 28/01–, NJW 2001, 2459 und die Veranstaltung damit einen kommerziellen Charakter habe.[9][10] Das Urteil von 2001 wurde allerdings durch das Urteil BVerwG 6 C 23.06 am 16. Mai 2007 aufgehoben.[11] Infolgedessen klagen die Veranstalter der Hanfparade gegen die Versammlungsbehörde von Berlin.[12] Auf der Bühne spielten die Bands Samsara Blues Experiment, Götz Widmann, Ras Perez & The Reggae Ambassadors sowie Conexion Musical.

2012[Bearbeiten]

Die 16. Hanfparade fand am Samstag, 11. August 2012, in Berlin statt. Ab 13 Uhr wurde unter dem Motto Freiheit, Gesundheit, Gerechtigkeit! für die Legalisierung von Cannabis als Medizin, Rohstoff und Genussmittel demonstriert. Treffpunkt war die Urania-Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz und Abschluss mit Bühne und Infoständen bis 22 Uhr am Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni. Es nahmen etwa 3.000 Personen teil.[13] Auf der diesjährigen Hanfparade gab es sogar einen neuen Slogan. Der klassische Slogan Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns das Ganja klaut! wurde ergänzt mit „Wir sind Gras! Wir sind Gras!“. Eher zufällig fiel im Beitrag von Markus Berger dieses andere Motto, das begeistert aufgegriffen wurde. Der menschliche Körper erzeuge dieselben Substanzen wie die Cannabispflanze – deshalb sei es konsequent, auch die Menschen zu verbieten, führte der Redner inhaltlich euphorisiert einen längeren Gedankengang aus und stolperte irgendwie in den Schlusspunkt: Wir sind Gras. Großes Gelächter, spontan wurde skandiert: „Wir sind Gras! Wir sind Gras!“[14][15]

2013[Bearbeiten]

Die 17. Hanfparade fand am Samstag, 10. August 2013, in Berlin statt. Ab 13 Uhr wurde unter dem Motto Meine Wahl – Hanf legal! für die Legalisierung von Cannabis als Medizin, Rohstoff und Genussmittel demonstriert. Treffpunkt war die vor dem Bahnhof Zoo. Dieser wurde als Treffpunkt gewählt, weil der Bahnhof Zoo nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein sozialer Brennpunkt war. In den 1970er und 1980er Jahren war dort ein Treffpunkt der Drogen- und Stricherszene. Deutschlandweit wurde der Bahnhof durch das Buch und die Verfilmung von Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bekannt. Der Abschluss der Hanfparade mit Bühne und Infoständen bis 22 Uhr fand am Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni statt. Ein großer Diskussionspunkt waren auch die im Sommer 2013 von der Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg, Monika Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen), aufgegriffene Thematik zu Coffeeshops in Berlin.[16] Es nahmen rund 6500 Personen teil.[17]

Die Hanfparade lief laut Polizei ruhig und friedlich ab und wurde von den politischen Parteien Die Linke, Piratenpartei und Bündnis 90/Die Grünen mit jeweiligen Paradewagen begleitet. Als Redner während der Veranstaltung waren unter anderem politische Sprecher wie Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen), Frank Tempel (Die Linke), Klaus Lederer, (Die Linke), Benedikt Lux (Bündnis 90/Die Grünen) und Emanuel Kotzian (Piratenpartei) vertreten. Musikalisch wurde die Abschlusskundgebung unterstützt von Nude, Stoney Moe, The Hempalicious, BombenProdukt und The Tips.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hanfparade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Impressum der Hanfparade
  2. Drug policy advocacy organisations in Europe, EMCDDA, Lisbon, December 2013
  3. Haschrebellen Archiv: Aufruf zur Hanfparade 1997 vom 15. Dezember 1996
  4. a b Drogenmissbrauch auf der Hanfparade. In: Der Tagesspiegel, 2. August 2008
  5. Nora Grosse Harmann: Entspannter Protest für Cannabis. In: taz, 2. August 2010; Steffen Geyer/Roland Grieshammer: Rückblick auf die Hanfparade 2009 In: Hanfjournal, Ausgabe September 2009
  6. ddp: Polizei nimmt 23 Teilnehmer der Hanfparade fest. In: Der Tagesspiegel, 8. August 2010; Detlef Kuhlbrodt: Die Hanfparade, in: Blogs-taz vom 9. August 2010; ddp, dpa: Die Hanfparade und der Mann mit dem Gras. In: taz, 6. August 2010; MBÖ/SKA: Hauptstädter feiern mit Hanf und Hopfen – Berlin dröhnt sich zu. In: Berliner Kurier, 7. August 2010
  7. 2500 Hanf-Freunde demonstrieren in Berlin für Legalisierung. In: Märkische Oderzeitung
  8. Parade in Berlin – Kiffer demonstrieren mit Hanfpflanzen. In: Der Spiegel, 6. August 2011
  9. Kein Forum für Hanfmedizin auf der Hanfparade?. In: taz.de, 5. August 2011
  10. Hanfparade 2011 Ablehnungsbescheid der Berliner Versammlungsbehörde vom 14. Juli 2011 (PDF; 100 kB)
  11. Urteil des BVerwG 6 C 23.06 vom 16. Mai 2007
  12. Hanf Journal: Die Hanfparade verklagt die Berliner Versammlungsbehörde
  13. Hanfparade: Sie geben nicht auf. In: Das Sicherheitsportal e110 (eine Internetseite, die mit Aktenzeichen XY … ungelöst zusammenarbeitet)
  14. Hanfparade 2012 – Wir sind Gras. In: die tageszeitung, 13. August .2012
  15. Rede von Markus Berger zur Hanfparade 2012
  16. Recht auf Rausch – Tausende demonstrieren bei der Hanfparade. In: Neues Deutschland, 12. August 2013.
  17. N24: Tausende protestieren für legalen Cannabis-Verkauf.