Hang (Musikinstrument)

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Hang

Hang, zweite Generation 2007
Klassifikation
Idiophon, Schlaginstrument
Klangbeispiel
Siehe unten
Verwandte Instrumente
Steel Pan, Gong

Das Hang haŋ (Plural: Hanghang) ist ein den Idiophonen zuzuordnendes, linsenförmiges Musikinstrument. Es besteht aus zwei miteinander verklebten Schalen aus gehärtetem Stahlblech. Auf der oberen Halbschale befinden sich Tonfelder, die - ähnlich wie bei der Steel Pan - mit Hämmern ins Blech eingearbeitet sind.

Meistens wird das Hang waagerecht oder senkrecht auf dem Schoß gehalten. Manche Spieler verwenden einen Ständer. Gespielt wird es mit den Fingern und Händen, was den Namen ergab: Hang ist Berndeutsch für Hand. Das Instrument wurde im Jahr 2000 von den Schweizer Instrumentenbauern Felix Rohner und Sabina Schärer entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Manu Delago spielt auf zwei Hanghang der ersten Generation

Der Korpus des Hang hat einen Durchmesser von 53 cm und eine Höhe von 24 cm. Auf seiner Oberseite sind sieben oder acht Tonfelder kreisförmig um einen in der Mitte liegenden Kuppelton, den Ding, angeordnet. Gegenüber, in der Mitte der unteren Halbschale, befindet sich der Gu, eine handgroße, runde Resonanzöffnung mit nach innen gezogenem Hals.

Die obere Halbschale des Hang wird auch als Ding-Seite, die untere als Gu-Seite bezeichnet.

Der Ding ist das zentrale Tonfeld des Instruments und meistens eine Quinte oder Quarte unterhalb des tiefsten Tones des Tonkreises gestimmt. Er besteht aus einem kreisrunden, flachen Bereich mit einer nach außen gewölbten Kuppel in der Mitte und verleiht dem Hang Gong-ähnliche Eigenschaften.

Die elliptischen Tonfelder des Tonkreises sind leicht konkav und haben in der Mitte eine ebenfalls elliptische, nach innen gerichtete Kuppel. In jedes Tonfeld sind neben der Grundfrequenz auch die beiden ersten harmonischen Obertöne Oktave und Duodezime eingestimmt.[1] Diese Art der Stimmung trägt wesentlich zum weichen, harmonischen Klangcharakter des Hang bei.

Der Hohlraum des Hang bildet zusammen mit dem Gu einen Helmholtz-Resonator, in dem die Luft mit einer bestimmten Frequenz schwingt und einen Basston (F2) erzeugt, der sich durch Verengung der Gu-Öffnung um bis zu einer Oktave absenken lässt.

Bis 2007 wurde das Hang in einer Vielzahl von Klangmodellen angeboten. Sie unterscheiden sich in der Tonhöhe des Ding (zwischen D3 und B3), der Zahl der Tonfelder im Tonkreis (sieben oder acht) und der eingestimmten Tonskala (zwischen Ges3 und F5).[2]

[Bearbeiten] Spielweise

Die Spielweise des Hang ist vielfältig und stark individuell geprägt. Beim Spielen kann die ganze Hand verwendet werden: Nicht nur Finger und Daumen, auch Knöchel und Fingernägel, Handwurzel, die flache Hand oder die geballte Faust werden zum Hervorrufen unterschiedlicher Klänge eingesetzt.

Auf den Tonfeldern lassen sich Melodien und Harmonien spielen, die Bereiche dazwischen eignen sich zur Erzeugung perkussiver Klänge, wobei die Übergänge von gestimmten zu nicht gestimmten Bereichen der Oberfläche fließend sind. Durch Anschlagen oder Antippen bestimmter Areale des Ding und der Tonfelder lassen sich die verschiedenen Obertöne unterschiedlich stark hervorheben.[3] Auf der Gu-Seite lässt sich das Hang ähnlich wie eine Ghatam spielen.

Die Helmholtz-Resonanz im Korpus regt der Spieler mit einem gedämpften Schlag auf den Ding, mit der Handwurzel in der Nähe des Ding oder mit der flachen Hand am Gu an. Durch Veränderung des Beinwinkels (bei waagerechter Haltung des Hang auf dem Schoß) oder durch teilweises Abdecken der Gu-Öffnung mit der Hand (bei senkrechter Haltung) kann er diesen Basston in Resonanz mit der Frequenz des Ding bringen. Die Hangbauer beschreiben dies poetisch: „Dann erfüllt sich das Hang mit Klang. Jede Berührung des Hang erzeugt eine Antwort.“ [4]

[Bearbeiten] Klangbeispiele

Hang 2005 horizontal.ogg
Low Hang (2005, acht Töne im Tonkreis), waagerecht gespielt
Bild:low hang 2005 horizontal.jpg
Hang 2007 vertical.ogg
Hang der 2. Generation (2007, sieben Töne im Tonkreis), senkrecht gespielt.
Bild:2nd gen hang 2007 vertical.jpg

[Bearbeiten] Geschichte und Entwicklung

Vorne: „Ur-Hang“ (2000) und Ghatam; hinten v.l.n.r.: Modelle 2007, 2006, 2005.

Die Entstehung des Hang begann mit der Pang-Instrumentenfamilie, die von den Berner Pan-Tunern Felix Rohner und Sabina Schärer (PANArt Steelpan-Manufaktur AG) in den 1990er Jahren in mehrjähriger Forschungsarbeit aus den damals in der Schweiz beliebten Steel Pans entwickelt wurde.[5]

Das traditionelle Ausgangsmaterial der Steel Pan, Spundfässer, wurde bei PANArt durch Rohformen aus tiefgezogenem und anschließend gasnitriertem Stahlblech ersetzt.[6] Die Tonfelder erhielten eine neue Geometrie mit einer Kuppel im Zentrum. Für das Tuning der Pang-Instrumente wurde ein eigenes Verfahren entwickelt.[7]

Der Perkussionist Reto Weber brachte die beiden Instrumentenbauer auf die Idee, zwei Halbschalen aus dem Pang-Blech zu kombinieren, um Eigenschaften der indischen Ghatam und der Steel Pan in einem mit der Hand gespielten Instrument zu vereinen. Im Laufe des Jahres 2000 entstand so das Hang.[8]

2001 stellten Rohner und Schärer ihr neues Instrument auf der Frankfurter Musikmesse vor. In der Folgezeit gaben sie den Bau von Steel Pans auf, benannten ihre Firma 2003 in PANArt Hangbau AG um und widmeten sich exklusiv dem Bau und der Weiterentwicklung des Hang.

[Bearbeiten] Erste Generation

Damit sind die Hanghang aus den Jahren 2001 bis 2005 gemeint. Diese Instrumente hatten acht Töne im Tonkreis und wurden in zunächst 30, später 45 verschiedenen Klangmodellen angeboten, die sich an ethnomusikalischen Tonskalen orientierten. Der Ding wurde überwiegend auf A3 oder G3, seltener auf F3 gestimmt. Im Laufe von fünf Jahren wurden etwa 4300 solcher Instrumente hergestellt und weltweit vertrieben.

Das Interesse an tieferen Klängen führte im Jahr 2005 zur Weiterentwicklung des Tuningverfahrens. Durch mehrmaliges Erhitzen im Ofen konnte die innere Spannung größerer Tonfelder besser kontrolliert werden. Das Ergebnis war eine Verbesserung des Klangs und eine Erhöhung der Stabilität der Stimmung. Diese als Low Hang bezeichneten Instrumente hatten einen Ding in F3, E3 oder Es3 und wurden mit 7 oder 8 Tönen im Tonkreis gebaut. [9]

[Bearbeiten] Zweite Generation

Fünf Entwicklungsstufen des PANArt Hang

2006 entstand eine neue Generation des Hang. Der Klang wurde durch eine Oberflächenvergütung mit eingebürstetem und eingebranntem Messing verfeinert und die Naht, an der die beiden Halbschalen des Instruments zusammengeklebt sind, mit einem Messingring eingefasst. Die Hangbauer gaben die Orientierung an ethnomusikalischen Skalen auf und gaben stattdessen jedem Hang ein klangliche Basisstruktur, die sie mit einer „akustischen Kathedrale“ vergleichen.[10] Das Fundament bildet die Helmholtz-Resonanz des Korpus (mit den Beinen oder der Hand auf D2 abgesenkt), ergänzt um einen Ding in D3 und dessen Quinte A3 als tiefsten Ton im Tonkreis. Außerdem befinden sich die Oktaven dieser beiden Töne, D4 und A4, im Tonkreis jedes Hang. Die übrigen Töne wurden frei gewählt. Die meisten Hanghang der zweiten Generation hatten sieben Töne im Tonkreis, es wurden aber auch Modelle mit acht Tönen gebaut.

Mit der neuen Generation des Hang änderte sich auch der Vertrieb. Die Firma gab ihr internationales Händlernetz auf und schloss ihre Website. Interessenten wurden nur nach schriftlicher Anfrage zu einem Besuch der Werkstatt eingeladen, um ihr Instrument selbst auszusuchen.

2007 nahmen die Hangbauer weitere Modifikationen vor. Die bis dahin radial ausgerichteten Tonfeld-Ellipsen wurden jetzt um etwa 45° gedreht, um den Klang zu optimieren. Außerdem wurde in den Hals des Gu ein D5 eingestimmt. Die Zahl der angebotenen Klangmodelle wurde auf solche Tonskalen reduziert, die sich besonders gut in den Gesamtklang des Hang einfügen.

In zwei Jahren wurden insgesamt 826 Hanghang der zweiten Generation gebaut.

[Bearbeiten] Gudu Hang

Eine Variante des Hang mit einer zusätzlichen kleineren Öffnung, dem Du, auf der Unterseite wurde von 2004 bis 2007 produziert. Es ermöglicht im Zusammenspiel mit dem Gu Udu-ähnliche Klänge (daher der Name). Wird das Du-Loch nicht verwendet, kann es mit einer magnetischen Platte verschlossen werden.[11]

[Bearbeiten] Integrales Hang

Im Februar 2008 stellte PANArt das Integrale Hang vor. Es hat eine veränderte Ding-Kuppel, eine etwas rauere Oberfläche und eine leicht ovaloide Gu-Seite und wird nur in einem einzigen Klangmodell angeboten: Ein Ding in D3 kombiniert mit den Tönen A3, B3, C4, D4, E4, F4, und A4 im Tonkreis.[12] Andere Hangmodelle werden seither nicht mehr hergestellt.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Lit. History, Development and Tuning of the Hang, S. 5. und Sound of the Hang, Abschnitt 4. Sound Spectra
  2. Lit. Hang Sound Models
  3. Lit. Die Obertöne des Hang entdecken
  4. Lit. „Hang“ S. 20
  5. Lit. The Pang Instruments in: Research Papers Steeldrum
  6. Bei diesem Härtungsverfahren wird das Blech in einem gasdichten Brennofen („Retorte“) unter Ammoniakatmosphäre auf 500-600°C erhitzt. Dabei diffundiert Stickstoff in das Material und bildet zwei härtere Außenschichten über dem (weicheren) Kern.
    Siehe dazu die Schweizer Patentschrift, Verfahren zur Herstellung von Blechklang-Musikinstrumenten
  7. Lit. A Systematic Tuning Process in: Research Papers Steeldrum
  8. Lit. Hang – melodisches Perkussionsinstrument aus dem 21. Jahrhundert. Eine Entwicklungsgeschichte., S. 6
  9. Lit. „Hang“ S. 10
  10. Lit. History, Development and Tuning of the Hang, S. 7, „…acoustical cathedral“
  11. Lit. „Hang“ S. 12
  12. Lit. „Hang“ S. 16

[Bearbeiten] Literatur

Deutsch

Englisch

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Hang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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