Hanhart

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hanhart (Begriffsklärung) aufgeführt.
A.Hanhart GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1882
Sitz Gütenbach, Deutschland
Leitung Klaus J. Eble
Branche Uhrenhersteller
Website http://www.hanhart.com

Die Hanhart GmbH & Co. KG ist ein deutsch-schweizerischer Uhrenhersteller, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1882 reichen. Der heutige Firmensitz befindet sich in Gütenbach im Schwarzwald. Der Hersteller ist vor allem für seine mechanischen Uhren bekannt, darunter Stoppuhren und Armband-Chronographen.

Unternehmen[Bearbeiten]

Hanhart ist auf die Fertigung von Stoppuhren und hochwertigen Chronographen spezialisiert. 1882 gründete der Schweizer Johann Adolf Hanhart in Diessenhofen, Kanton Thurgau, seine Uhrenmanufaktur und verlagerte sie nach 20 Jahren aufgrund von Mangel an Uhrmachern über die Grenze in die Uhrenhochburg Schwenningen in den Schwarzwald. Sein jüngster Sohn Wilhelm Julius Hanhart (*31. Oktober 1902 - †22. Oktober 1986) tritt 1920 mit 18 Jahren in den Betrieb ein. 1924 brachte Wilhelm Julius Hanhart die weltweit erste bezahlbare Stoppuhr auf den Markt, welche den teuren Schweizer Fabrikaten Paroli bieten sollte.[1] Der Erfolg dieser Uhr bildete die Grundlage für den Aufstieg der Firma. Ab 1926 wurde die Produktionspalette um Armband- und Taschenuhren erweitert.

Im Jahr 1932 starb Johann Adolf Hanhart. Die Neuausrichtung des Betriebes noch im gleichen Jahr, in deren Zentrum die Aufgabe des Einzelhandelsgeschäftes lag, wird für das Unternehmen zum Erfolg. Beschäftigte Hanhart zu diesem Zeitpunkt 30 Mitarbeiter, waren es 1939 bereits 200.[1] 1934 entstand als Erweiterung der heute noch bestehende Betrieb in Gütenbach im Schwarzwald. 1938 entwickelte Hanhart den Eindrücker-Chronographen Kaliber 40. Dessen originalgetreues Replika ist heute unter dem Namen Pioneer Mk I unter Uhrenliebhabern beliebt. Die im Jahr 1939 vorgestellte Tachy Tele wurden an die Kriegsmarine aber vor allem in der deutschen Luftwaffe ausgegeben und waren aufgrund ihrer Zuverlässigkeit und Präzision während des Zweiten Weltkriegs neben den Uhren des Herstellers Tutima auch bei Berufspiloten sehr beliebt. Neben diesen Fliegerchronographen wurde um 1940 mit der Produktion des Zweidrücker-Modells Kaliber 41 begonnen. Fliegeruhren wurde zum damaligen Hauptprodukt des Herstellers, der unter anderem auch Taschen-Chronographen für die Schiffsartillerie produzierte. Damals fertigte die Firma unter anderem acht verschiedene Stoppuhren. Mit dem sogenannten Superschnellschwinger war die Messung von 1/100 Sekunden mit einer mechanischen Stoppuhr möglich. Doch die Uhrenproduktion musste bis Kriegsende zugunsten der Produktion von Zeitzündern für Torpedos eingeschränkt werden.

Nach der Demontage begann ab 1948 erneut die Produktion von Fliegeruhren. Willy Hanhart, der während der Entnazifizierung in Deutschland in die Schweiz gegangen war, kehrte in das neu gegründete Baden-Württemberg zurück. Zeitgleich wurde ein Chronograph speziell für Ärzte und Offiziere entwickelt. Hanhart war zunächst für die französische, ab 1955 mit leichten Veränderungen auch für die wiedergegründete deutsche Luftwaffe tätig. Auch die Bundesmarine wurde mit Präzisionsmessern beliefert. Hanhart war zum damaligen Zeitpunkt der einzige Uhrenlieferant der jungen Bundeswehr. Gleichzeitig entwickelte sich der Geschäftsbereich Stoppuhren in den 1950er Jahren zum Marktführer in Europa und der Präzisionsuhrenverkauf konnte auf weitere westeuropäische Luftwaffen ausgedehnt werden. Die Herstellung der Fliegeruhr und der Chronographen für Stabsoffiziere und Ärzte der Bundeswehr erfolgte bis 1962. Dem Ende der militärischen Produktionslinie folgt wenig später das Aus für Hanharts Armbanduhrgeschäft. Der weitere Ausbau des Stoppuhrensortiments setzte sich mit dem teilweisen Wegfall der Bundeswehraufträge in den 1960er Jahren fort. Bereits 1962 war Hanhart Marktführer für mechanische Stoppuhren.

Ab den 70er Jahren verdrängten elektronische Zeitmesser die mechanischen Uhrwerke. Ein weiteres Arbeitsfeld lag daher bei Quarzuhren und -weckern. Als in den 1980er Jahren Japan den Markt mit Billigware überschwemmte, gerieten Qualitätsprodukte aus westlicher Produktion in den Hintergrund. Trotz dieser schwierigen Bedingungen gewann Hanhart 1985 den iF Design Award, einen Preis für gute Industrieform. Doch das Geschäft blieb rückläufig. 1992 musste das Familienunternehmen verkauft werden.[1]

Klaus Eble, dem Schwiegersohn von Willy Hanhart, gelang es, die Marke mit einer konsequenten Firmenpolitik aus der Krise zu lenken und sich auf das Kerngeschäft, die Herstellung hochwertiger Uhren, zu konzentrieren.[1] Mit einer Neuauflage der in Fach- und Sammlerkreisen immer noch beliebten Armbandfliegeruhr von 1939 wurde 1997 begonnen. Außerdem bietet Hanhart Replikas seines Ein-Drücker-Chronographen an. Die nach den alten Vorbildern gefertigten Armbanduhren verfügen über eine Drehlünette. Die Drücker haben einen unterschiedlichen Abstand zur Krone und um versehentliches Rückstellen zu verhindern, ist der Drücker rot. Ebenfalls 1997 wurde die Verwaltung und Produktion in Gütenbach zusammengelegt.

Heute gehört Hanhart zu den letzten Uhrenmanufakturen, welche hochwertige Stoppuhren produziert. Jährlich verlassen rund 150.000 elektronische sowie 25.000 mechanische Stoppuhren die Ateliers in Gütenbach. Die Uhren werden bei Automobilrallyes, sportlichen Wettkämpfen sowie in der Labortechnik (Forschung/Photolabor) und zur Arbeitszeitaufnahme (REFA) eingesetzt. Hanhart liefert seine Produkte bei Bedarf auch kalibriert mit Zertifikat aus. Der Vertrieb erfolgt weltweit über autorisierte Juweliere und über den Industrie- und Sportfachhandel sowie durch firmeneigene Internetportale.

2008 nahm in der Schweiz die Hanhart AG mit Sitz am ursprünglichen Gründungsort in Diessenhofen (Kanton Thurgau) ihre Arbeit auf. Zur Uhren- und Schmuckmesse Baselworld 2009 wurde eine Kollektion vorgestellt, die auf traditioneller Uhrmacherkunst aufbaut und hochwertige schweizerisch-deutsche Fertigungstechniken einbringt. Der Name dieser Chronographen-Kollektion ist Primus, benannt nach dem 1938 auf dem Markt erschienenen Erfolgsmodell. Die neue Uhrenkollektion behielt das alte Erkennungszeichen, den roten Drücker. Die Kollektion dieser hochwertigen Chronographen umfasst die Themengebiete Luft, Erde sowie Wasser (Pilot, Racer, Diver) und ist je nach Modell in Stahl, mit schwarzer ADLC-Beschichtung und in 18k Roségold erhältlich.[2]

In der Kollektion Pioneer sind die Klassiker von Hanhart zusammengefasst, welche auf den historischen Hanhart-Fliegerchronographen der 1930er Jahre basieren. Sie enthält folgende Modelle: Pioneer Mk I, Pioneer Mk II und Pioneer TachyTele. Zur Baselworld 2011 stellte Hanhart in dieser Kollektion die Modelle Pioneer MonoControl, Pioneer TwinControl und als Spitzenmodell die Pioneer TwinDicator vor.

2012 feierte Hanhart sein 130-jähriges Firmenjubiläum und präsentiert anlässlich der Baselworld ein auf 2 × 130 Stück limitiertes Sondermodell, die Pioneer Stealth 1882. Im September 2012 stellt Hanhart die Pioneer Racemaster vor, welche klassische Rennwagenattribute als Gestaltungselemente aufnimmt. Zunächst werden drei Modelle aus neuem, kratzfestem Stahl als Racemaster GT, GTM und GTF vorgestellt.

2014 wurde die Hanhart AG an einen Investor veräußert und damit indirekt auch die Mehrheit der A. Hanhart GmbH & Co. KG in Gütenbach. Im Zuge dieses Eigentümerwechsels wurde das Chronographengeschäft vollumfänglich nach Deutschland auf die KG übertragen. Gesteuert wird diese wieder von Klaus J. Eble.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980. Villingen-Schwenningen: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V., 2005, ISBN 3-927987-91-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hanhart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Florian Langenscheidt: Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Gabler Verlag, Wiesbaden 2006. ISBN 3-8349-0436-8. S. 120.
  2. Hanhart lanciert die exklusive Chronographen-Kollektion Primus, Meldung vom 5. Februar 2009 auf dem NA-Presseportal