Hanlon’s Razor

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Hanlon’s Razor (Übersetzung aus dem Englischen: Hanlons Rasiermesser) ist eine eponyme Lebensweisheit, die eine Aussage über den wahrscheinlichsten Grund von menschlichem Fehlverhalten trifft. Man könnte Hanlon’s Razor auch als geflügeltes Wort bezeichnen, wenn nicht die Zuordnung zu einem bestimmten Autor unsicher wäre.

“Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity.”

„Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

Andere Formulierung:

“Never assume malice when stupidity will suffice.”

„Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.“

Inhaltlich steht Hanlon’s Razor zwischen der pessimistischen Annahme des wahrscheinlichen Siegs von Missgeschick und Dummheit, so wie sie in zahllosen Variationen von Murphys Gesetz formuliert sind, und Ockhams Rasiermesser, einem logischen Schlussgesetz zur Kausalität eines Ereignisses bei unvollständigem Vorliegen von Informationen.

Entstehung[Bearbeiten]

Eine von zwei Erklärungen zur Entstehung besagt, dass Robert J. Hanlon eine reale Person war und ihm dieses Sprichwort zugeschrieben werden kann.[1] Entsprechend der Theorie[2] kam das Sprichwort als Zuschrift von Hanlon in das 1980 erschienene Buch Murphy’s Law Book Two. More Reasons Why Things Go Wrong.[3]

Die andere gängige Erklärung zur Entstehung schreibt das Sprichwort dem Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein zu; die Schreibweise „Robert Hanlon“ sei eine Fehlschreibweise oder Verballhornung von „Robert Heinlein“. In der Kurzgeschichte Logic of Empire[4] bzw. deutsch Auktion auf der Venus[5] von 1941 schreibt Heinlein:

“You have attributed conditions to villainy that simply result from stupidity.”

»Sie haben Bedingungen auf Schurkerei zurückgeführt, die lediglich auf Dummheit beruhen.«

Vergleichbare geflügelte Worte[Bearbeiten]

Es gibt von verschiedenen Autoren Beobachtungen über die menschliche Natur, welche die überwiegende Wahrscheinlichkeit von Dummheit gegenüber bösem Willen konstatieren. Goethe schreibt 1774 im Werther:

„[…] daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit. Wenigstens sind die beiden letzteren gewiß seltener.“

Johann Wolfgang von Goethe

Ein anonymes Zitat wird oft Einstein zugeschrieben:

„Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.“

Apokryph

Schiller lässt in der Jungfrau von Orléans die Figur des englischen Feldherren Talbot sagen:

„Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“

Friedrich Schiller

Der deutsche General Kurt von Hammerstein-Equord meinte zur Beurteilung der ihm unterstellten Offiziere:[6]

„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“

Kurt von Hammerstein-Equord

Sir Bernard Ingham, damals Pressesprecher von Margaret Thatcher, hat mit Cock-up before conspiracy (Pfusch statt Verschwörung) eine lakonische Variante von Hanlons Rasiermesser geprägt, in der er die fälschliche Annahme von bösem Vorsatz auf Verschwörungstheorien ausdehnt:

“Many journalists have fallen for the conspiracy theory of government. I do assure you that they would produce more accurate work if they adhered to the cock-up theory.”

„Viele Journalisten fallen auf die Theorie herein, hinter der Regierung würde eine Verschwörung stehen. Ich versichere Ihnen, dass diese Journalisten akkurater arbeiten würden, wenn sie stattdessen der Pfuschtheorie anhängen würden.“

Sir Bernard Ingham[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Bigler: Erste E-Mail an Quentin Stafford-Fraser
  2. Joseph Bigler: Zweite E-Mail an Quentin Stafford-Fraser
  3. Arthur Bloch: Murphy’s Law Book Two. More Reasons Why Things Go Wrong. Price Stern Sloan, Los Angeles 1980, ISBN 0-417-06450-0, S. 52.
  4. Robert A. Heinlein: Logic of Empire. In: Astounding Science-Fiction. März 1941. In Buchform veröffentlicht unter anderem in The Past Through Tomorrow. Putnam, New York 1967, ISBN 0-441-65304-9 (Neuauflage in Paperback).
  5. Robert A. Heinlein: Auktion auf der Venus. In: Die grünen Hügel der Erde. Goldmann, München 1964.
  6. Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein oder der Eigensinn – Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-518-41960-1.
    Eine Variation des Talleyrand zugeschriebenen Bonmots
    klug und fleißig – gibt's nicht;
    klug und faul – bin ich selbst;
    dumm und faul – für Repräsentationszwecke noch ganz gut zu gebrauchen;
    dumm und fleißig – davor behüte uns der Himmel!
  7. What quote