Hannah und ihre Schwestern

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Filmdaten
Deutscher Titel Hannah und ihre Schwestern
Originaltitel Hannah and her Sisters
Produktionsland USA
Originalsprache englisch
Erscheinungsjahr 1986
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Woody Allen
Drehbuch Woody Allen
Produktion Robert Greenhut,
Charles H. Joffe,
Jack Rollins,
Gail Sicilia
Musik verschiedene Interpreten
Kamera Carlo Di Palma
Schnitt Susan E. Morse
Besetzung

Hannah und ihre Schwestern ist eine romantische Filmkomödie aus dem Jahre 1986. Es ist einer der komplexesten Filme Woody Allens. Anders als in seinen meisten anderen Filmen tritt Allen nur in einer Nebenrolle auf. Die Protagonisten des Films sind miteinander auf vielfältige Art und Weise verbunden.

Figuren[Bearbeiten]

Hannah, eine liebevolle und anspruchslose Person, ist Schauspielerin. Hannah gibt sich ausgesprochen verschlossen und versucht, niemandem mit ihren Problemen zur Last zu fallen. Dabei bemerkt sie gar nicht, wie belastend gerade ihre Verschlossenheit für ihr Umfeld ist.

Elliot und Hannah sind miteinander verheiratet. Der sensible und belesene Elliot kommt mit Hannahs unkomplizierter und vordergründig bedürfnislosen Art nicht zurecht. Er möchte für jemanden da sein, um den er sich kümmern kann. Diesen Menschen glaubt er in Lee, Hannahs Schwester, gefunden zu haben.

Lee: Bevor Lee ihren Freund, den Maler Frederick, getroffen hat, verlief ihr Leben katastrophal. Sie trank und fand sich selbst fett und hässlich. Nachdem sie es erst genoss, für einen berühmten Künstler die wichtigste Person in seinem Leben zu sein, empfindet sie dieses Leben nun als Belastung. Ihre Rolle als Fredericks Schülerin füllt sie nicht mehr aus.

Holly war lange kokainabhängig. Ihre Karriere als Schauspielerin kommt nicht in Schwung. Sie leidet unter Minderwertigkeitsgefühlen und erlebt jedes gescheiterte Vorsprechen als Beweis ihrer Unzulänglichkeit. Ihr Verhältnis zu Hannah ist gespannt. Sie fühlt sich von ihr bevormundet.

Mickey ist ein erfolgreicher und gestresster Comedy-Autor fürs Fernsehen. Einen Ausgleich findet er in seiner Hypochondrie. Mickey war mit Hannah verheiratet, mit der er zwei Söhne hat, die durch die Samenspende eines Freundes entstanden, weil er selbst als unfruchtbar gilt.

Frederick ist ein begabter Maler, der mit der Welt um ihn herum nicht klarkommt. Er sieht in Lee seine einzige Verbindung zur Außenwelt. Sie liebt er mehr als alles andere, und eigentlich liebt er niemanden, außer Lee.

Aufbau und Handlung[Bearbeiten]

Der Film gliedert sich in 16 Kapitel und folgt mehreren Handlungssträngen, die miteinander in Beziehung stehen. Zentral sind die Thanksgiving-Dinners, eines ganz zu Beginn des Filmes, eines kurz vor Ende und eines als Abschluss des Films. Die Handlung erstreckt sich über zwei Jahre.

Lee und Elliot

Die Geschichte beginnt mit dem traditionellen Thanksgiving-Dinner bei Hannah. Elliot hat sich in Lee verliebt. Einige Zeit später gelingt es Elliot, Lee scheinbar zufällig über den Weg zu laufen. Elliot schenkt Lee ein Buch von E. E. Cummings und verweist sie auf das Gedicht, das ihn an sie erinnert. Als Lee das Gedicht, offensichtlich eine Liebeserklärung an sie, liest, kommen ihr die Tränen. Während Frederick sich mit einem Kunden im Keller Ölbilder ansieht, küsst Elliot Lee. Sie ist entsetzt und stößt ihn weg, läuft ihm aber nach. Elliot gesteht Lee seine Liebe, aber Lee bleibt vage. Lee und Elliot treffen sich in einem Hotelzimmer. Nachdem sie miteinander geschlafen haben, fahren beide zu ihren Partnern nach Hause. Lee trennt sich von Frederick, aber Elliot schafft es nicht, sich von Hannah zu trennen. Schuldgefühle belasten ihre Beziehung, und so entfernen sich Elliot und Lee immer mehr voneinander. Nachdem Lee einen anderen Mann kennengelernt hat, trennt sie sich beim zweiten Thanksgiving-Dinner endgültig von Elliot.

Mickey

Nach einem Besuch beim Arzt ist Mickey überzeugt, dass seine Hörprobleme auf einen Gehirntumor zurückzuführen sind. Mickey lässt im Krankenhaus weitere Tests durchführen, die zwar ergebnislos verlaufen aber seine Beunruhigung weiter steigern. Bei einer anschließenden Computertomographie stellt sich heraus, dass Mickey gesund ist. Mickey ist überglücklich, aber gleichzeitig wird ihm bewusst, dass er irgendwann sterben muss. Er kündigt seinen Job und versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. In seiner Verzweiflung will Mickey vom Judentum zum Katholizismus konvertieren. Er besorgt sich alles, was er für notwendig hält, kann aber keinen Glauben aufbringen. Auch andere Versuche, religiöse Erleuchtung zu erlangen, schlagen fehl. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch kommt Mickey bei einem Film der Marx Brothers endlich die Erleuchtung.

Holly

Holly und ihre Freundin April haben einen Party-Service gestartet. Bei ihrem ersten Auftrag treffen sie David Tolchin, einen erfolgreichen und sympathischen Architekten, der beiden Frauen gefällt. Die beiden Frauen beginnen um David zu kämpfen. April schafft es, David mit ihrem Halbwissen zu beeindrucken. Auch als Schauspielerin übertrumpft April Holly. Die Konflikte führen zur Auflösung des gemeinsamen Betriebs. Holly will die Schauspielerei endgültig aufgeben und beginnt, ein Theaterstück zu schreiben.

Mickey und Holly

Nachdem Mickey und Hannah sich getrennt hatten, wollte Hannah ihn mit ihrer Schwester zusammenbringen. Ihr erster gemeinsamer Abend wurde zur Katastrophe. Jahre später, nachdem Mickey seine Sinnkrise überwunden und Holly endlich ihre Berufung als Autorin von Drehbüchern gefunden hat, treffen sie sich wieder. Mickey spricht Holly in einem Plattenladen an, und sie verabreden sich. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten. Ein Jahr später ist Holly schwanger.

Hannah und ihre Familie

Hannah und ihre Schwestern wuchsen als Kinder zweier Schauspieler auf. Ihre Eltern waren immer mehr mit sich selbst als mit ihren Kindern beschäftigt. Ständige Affären der beiden und daraus entstehende Vorwürfe vergiften deren Beziehung. Von den drei Schwestern ist Hannah die einzige, die zumindest vordergründig ihr Leben im Griff hat. Über ihre Probleme redet sie, wenn überhaupt, nur mit Elliot. Ein gemeinsames Essen der drei Schwestern zeigt, wie gespannt deren Beziehung ist. Holly fühlt sich von Hannah bevormundet. Lee leidet unter Schuldgefühlen aufgrund ihrer mehrmonatigen Affäre mit Elliot.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: Woody Allens romantische Tragikomödie ist eine Liebeserklärung an New York und reflektiert so intellektuell wie unterhaltsam die Sinnsuche des modernen Menschen. Als Komödie, Parabel und Zeitgemälde gleichermaßen sehenswert.
  • Der Spiegel, 41/1986: „Hannah und ihre Schwestern“ ist der gelungenste, weil vielschichtigste Film Woody Allens.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscarverleihung 1987

  • Michael Caine (beste männliche Nebenrolle)
  • Dianne Wiest (beste weibliche Nebenrolle)
  • Woody Allen (bestes Originaldrehbuch)

Außerdem Nominierungen in den Kategorien

  • bester Film
  • beste Regie
  • bester Schnitt
  • bestes Szenenbild

British Academy Film Award 1987[2]

  • Woody Allen (beste Regie)
  • Woody Allen (bestes Originaldrehbuch)

Außerdem Nominierungen in den Kategorien

  • bester Film
  • bester männliche Schauspieler (Woody Allen)
  • bester männliche Schauspieler (Michael Caine)
  • beste weibliche Schauspielerin (Dianne Wiest)
  • beste weibliche Nebenrolle (Barbara Hershey)
  • bester Schnitt

Literatur[Bearbeiten]

  • Woody Allen: Hannah und ihre Schwestern. Drehbuch (Originaltitel: Hannah and Her Sisters). Deutsch von Walle Bengs. Diogenes, Zürich 1987, ISBN 3-257-21470-7, 260 S.
  • Gerhard Pisek: Die große Illusion. Probleme und Möglichkeiten der Filmsynchronisation. Dargestellt an Woody Allens „Annie Hall“, „Manhattan“ und „Hannah and her sisters“. Dissertation. Wissenschaftlicher Verlag Trier (WVT), Trier 1994, ISBN 3-88476-082-3, 263 S.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hellmuth Karasek: Drei Schwestern in Manhattan. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1986, S. 231–238a (online).
  2. BAFTA Awards 1987 auf der Internet Movie Database