Vahrenwald-List

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hannover-Vahrenwald)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karte
Hannover, Stadtbezirk Vahrenwald-List hervorgehoben
Basisdaten
Stadtbezirk Vahrenwald-List (2)
Fläche 8,23 km²
Einwohner 67.620
Bevölkerungsdichte 8.216 Einwohner/km²
Postleitzahl 30161, 30163, 30165, 30177, 30655
Stadtteile
  • Vahrenwald
  • List
Webpräsenz hannover.de
Politik
Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann (SPD)
Stadtbezirksrat
(21 Sitze)
SPD: 8, Grüne: 6, CDU: 4, Piraten: 1, Linke: 1, FDP: 1

Vahrenwald-List ist der 2. Stadtbezirk in Hannover. Er ist mit 67.620 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk der Stadt und besteht aus den Stadtteilen Vahrenwald (24.036 Ew.) und List (43.584 Ew.) (Stand 2011).

List[Bearbeiten]

Die List wird im Norden begrenzt durch den Mittellandkanal, im Osten erstreckt sie sich bis zur Straße Eulenkamp, im Südosten bis zur Eilenriede, im Süden bis zur Wedekindstraße, Celler Straße und Hamburger Allee und im Westen bis zur Raiffeisenstraße, Isernhagener Straße, Linsingenstraße und Gradestraße.

Die größtenteils vierspurige Podbielskistraße führt als Ausfallstraße aus dem Stadtzentrum in Richtung Nord-Osten. Der Stadtteil ist von Bürgerhäusern aus der Gründerzeit mit teilweise sehr aufwendigen Ornamenten an Fassaden und Balkonen sowie gartenarchitektonischen Arrangements aus Grün- und Mehrzweckflächen des späten 19. Jahrhunderts geprägt. Größere Grünflächen des Stadtteils sind der Welfenplatz und angrenzend der zum Stadtteil Zoo gehörende Stadtwald Eilenriede.

Durch den Stadtteil verläuft der nördliche Teil der Lister Meile. Die 1,08 km lange Bödekerstraße als eine der verkehrsreichsten Straßen der Oststadt verbindet den Stadtteil mit der List.

Im Jahre 2004 feierte die List ihr 700jähriges Bestehen. Das älteste noch vorhandene Fachwerkhaus ist eine frühere Einsiedlerkate in der Waldstraße. Durch die wachsende Attraktivität großer und aufwändig gestalteter Altbauwohnungen hat sich die Sozialstruktur des Stadtteils verändert.

Weitere Orte und Einrichtungen mit dem Zusatz List sind:

Über die Grenzen Hannovers hinaus bekannt ist der Sportverein Germania List.

Das Pelikanviertel befindet sich an der Podbielskistraße zwischen dem Stadtwald Eilenriede und dem Mittellandkanal.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des Dorfes List 1771 an der Eilenriede
Der Welfenplatz um 1900

Der heutige Stadtteil List war ein bereits im Mittelalter bestehendes Bauerndorf. Das Dorf List wurde 1304 erstmals urkundlich erwähnt, als Herzog Otto der Strenge zu Braunschweig und Lüneburg 12 Morgen Ackerland einem Stift in Hannover schenkte. Die anfänglich 4 Gehöfte des Dorfes List lagen nahe dem damals noch unbedeutenden Hannover. Später entstand die Siedlung List als Haufendorf auf einer Fläche von 500 x 500 m zwischen der heutigen Höfe-, Wöhler-, Wald- und Liebigstraße. Der Ortsname List beruht vermutlich auf seiner Lage nahe dem heutigen hannoverschen Stadtwald Eilenriede. Früher stand im norddeutschen Raum der Begriff List für einen Ort am Waldrand.

Da die Bodengüte nicht hoch war, herrschten im Dorf List eher ärmliche Verhältnisse vor. Einzelne frühere Bauernhäuser sind noch heute vorhanden. 1689 hatte das Dorf List 180 Bewohner. Bei der Kurhannoverschen Landesaufnahme, einer Landvermessung von 1780, gab es 26 Hofstellen unterschiedlicher Größe.

Um 1860 begann die städtische Besiedlung mit dem Bau der Kasernen um den Welfenplatz. Ende des 19. Jahrhunderts rückte Hannover mit seiner Wohnbebauung und neuen Fabriken immer näher an das Dorf heran. Durch Grundstücksverkäufe gelangten einige Bauernfamilien (z.B. Kollenrodt und Kokemüller) zu Wohlstand und errichteten Villen.

Um die Jahrhundertwende siedelten sich bedeutende Unternehmen im Gebiet des heutigen Stadtteils List an, welches damals teilweise noch zu Klein-Buchholz gehörte:


Wohnanlage am De-Haën-Platz, entstanden ab 1912 bzw. 1925

Viele große Unternehmen bevorzugten als Standort die freien Flächen entlang der Celler Chaussee, die seit 1904 Podbielskistraße heißt. Die Industrieansiedlungen in der Lister Feldmark lösten eine Nachfrage nach Wohnungen aus, das dörfliche Leben ging damit zu Ende. 1891 wurde die List nach Hannover eingemeindet. Zu dieser Zeit setzte der Wohnbau in großem Stil ein. Die hannoversche Städtebauförderung gab günstige Kredite und Zuschüsse besonders für Stuck und Ornamente, es entstanden vier- bis fünfgeschossige Bauten und Villen mit prunkvollen Fassaden im wilhelminischen Stil. Je näher die Bebauung der Eilenriede kam, desto repräsentativer wurde sie gestaltet. Die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg führte auch in den List zu einer starken Bautätigkeit in den 1920er Jahren.[1] Eine charakteristische Wohnanlage entstand am De-Haën-Platz, wo sich bis zur Jahrhundertwende die Chemische Fabrik de Haën befand. Mit der Bebauung des Platzes wurde bereits 1912 begonnen, kriegsbedingt konnten die Arbeiten jedoch erst 1925 fortgesetzt werden. Nördlich der Podbielskistraße wurde ab 1927 die Siedlung Im Kreuzkampe errichtet. Das geschlossene Areal umfasst mehrere Straßenzüge, die einheitlich bebaut wurden.[2] 1906 wurden die evangelischen Kirchen Markuskirche und Matthäuskirche eingeweiht, die katholische St.-Josephs-Kirche in einem dekorfreudigen neugotischen Stil entstand 1911/12. 1936 folgte die inzwischen profanierte katholische St.-Bruder-Konrad-Kirche und 1938 die evangelische Gethsemane-Kirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden einige der letzten Bauernhäuser des Dorfes List bei den Luftangriffen auf Hannover zerstört.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Gebäude
1304 4
1689 180 26
1823 286 38
1859 574 73
1891 3.200
2011 43.584

Vahrenwald[Bearbeiten]

Vahrenwalder Platz

Der Stadtteil Vahrenwald schließt sich im Westen an den Stadtteil List an. Mitten durch ihn führt eine der größten hannoverschen Verkehrsachsen, die Vahrenwalder Straße. Sie verläuft als mehrspurige Ausfallstraße aus dem Stadtzentrum nach Norden Richtung Langenhagen zur A 2. Im südlichen Bereich der Straße liegt die Hauptverwaltung der Continental AG und der ContiTech AG.

An der Kreuzung der Vahrenwalder Straße mit der Werderstraße und der Philipsbornstraße befindet sich die U-Bahn-Station Werderstraße. Sie gehört zur B-Strecke der Stadtbahn. Bei der architektonischen Gestaltung der Station wurde Bezug genommen auf die hiesige Continental-Fabrik. Die Station wird bedient durch die Stadtbahnlinien 1 und 2.

Nördlich davon liegt der Vahrenwalder Platz, der das Zentrum des Stadtteils bildet. Noch etwas weiter nördlich befinden sich das Freizeitheim, das Vahrenwalder Bad und die evangelische-lutherische Vahrenwalder Kirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte des Dorfes Fahrenwohld, heute Vahrenwald, von 1771
Dorfmodell um 1850 mit der heutigen Vahrenwalder Straße

Das Dorf Vahrenwald wurde 1183 erstmals urkundlich als Vorenwalde bekannt, während Hannover bereits 20 Jahre zuvor 1163 als Honovere erwähnt wurde. Einer weiteren Urkunde von 1266 zufolge, vermachte ein Prediger der hannoverschen Marktkirche einen Teil seiner Güter in Vorenwalde einer anderen Kirche.

Der Dorfname Vahrenwald ist wahrscheinlich aus Vor-dem-Wolde (vor dem Walde) abgeleitet. Am heutigen Kolonnenweg begann damals das Waldstück De grote Wald, das sich auf 30 km Länge in Richtung Westen in Höhe des heutigen Mittellandkanals bis nach Neustadt am Rübenberge ausdehnte.

Das damalige Dorf lag im Bereich der heutigen Rotermund-, Melanchthon- und Vahrenwalder Straße. Schon früh passierte eine Nord-Süd Heerstraße von Hamburg über Hannover nach Mainz den Ort. Damals hieß sie Stader Chaussee, heute ist es die Vahrenwalder Straße. Auf ihr zogen im Mittelalter Pilger aus Skandinavien in die Heilige Stadt Rom. Nach Norden gab es die großen Heideflächen (unfruchtbares Land) der Mecklenheide, auf denen später der Stadtteil Vahrenheide entstand. 1689 zählte Vahrenwald 103 Bewohner. Mitte des 19. Jahrhunderts standen 17 Bauernhöfe in Vahrenwald. Um 1860 war es insgesamt 80 Gebäude und 308 Bewohner. Davon sind bis heute nur zwei Gebäude erhalten. 1876 hatte Vahrenwald schon fast 1.000 Bewohner. Zu dieser Zeit setzte die Ausdehnung der Großstadt Hannover durch den Bau von Kasernen ein, darunter eine Kaserne mit der preußischen Kavalleriereitschule, der späteren Heeres-Reitschule. Heute sind davon noch einzelne rote Backsteinbauten an der Dragonerstraße vorhanden, die sich in einem gut renovierten Zustand befinden. Darunter ist die Königliche Reithalle. In der Kaserne war im Anschluss an die militärische Nutzung ab 1950 bis 1994 das Kraftwagenbetriebswerk der Deutschen Bundesbahn (Kbw Hannover) beheimatet.

Industriebetriebe folgten bald den Kasernenbauten, wie 1871 die Continental Gummiwerke. 1880 verkehrte eine Pferdebahn von Hannover über Vahrenwald nach Langenhagen. 1897 wurde die Strecke elektrifiziert.

1891 erfolgte die Eingemeindung nach Hannover. Auf der Vahrenwalder Heide entstand nach dem Ersten Weltkrieg der Flughafen Hannover-Vahrenwald. Im Zweiten Weltkrieg war Vahrenwald ein bevorzugtes Angriffsziel für alliierte Bomberverbände. Ziele waren u.a. die Continental-Werke als Rüstungsbetrieb, die Eisenbahnstrecke und der Flughafen. Durch den letzten großen Luftangriff auf Hannover, der Ende März 1945 etwa zwei Wochen vor Einnahme der Stadt durch amerikanische Truppen erfolgte, entstanden große Zerstörungen im Stadtteil. Der Flughafen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder in Betrieb genommen. Stattdessen entstand hier der neue Stadtteil Vahrenheide.

Bezirksrat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 wurde die SPD mit 39,0 % der Stimmen wieder die stärkste Partei im Stadtbezirk und stellt mit Irma Walkling-Stehmann die Bezirksbürgermeisterin. Die Grünen wurden mit 28,3 % erstmals zweitstärkste Partei und stellen mit Monica Plate die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin.[3] Der Bezirksrat Vahrenwald-List tagt etwa achtmal im Jahr öffentlich meistens entweder im Freizeitheim Lister Turm oder im Freizeitheim Vahrenwald.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Heinz Estermann, Ernst Walther: Chronik Vahrenwald (1183-1981), Hannover, 1981
  • Joachim Schiele: Liststadt - Geschichte und Bild eines Stadtteils, Hannover, 1983, ISBN 3-7716-1436-8
  • Ernst Bohlius, Wolfgang Leonhardt: Die List - 700 Jahre Umschau aus der Dorf- und Stadtteilgeschichte, 2004, Norderstedt, ISBN 3-8334-0276-8
  • Wolfgang Leonhardt: List und Vahrenwald, zwei prägende Stadtteile von Hannover, Hamburg, 2005, ISBN 3-8334-3333-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vahrenwald-List – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Neß, Ilse Rüttgerodt-Riechmann, Gerd Weiß (Hrsg.): Baudenkmale in Niedersachsen. 10.2. Stadt Hannover, Teil 2. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig / Wiesbaden, 1985. ISBN 3-528-06208-8. S. 27.
  2. Wolfgang Neß, Ilse Rüttgerodt-Riechmann, Gerd Weiß, Marianne Zehnpfenning (Hrsg.): Baudenkmale in Niedersachsen. 10.2. Stadt Hannover, Teil 1. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig / Wiesbaden, 1983. ISBN 3-528-06203-7. S. 186-193.
  3. HAZ Stadtteil-Anzeiger Nord vom 24. November 2011

52.3986111111119.7491666666667Koordinaten: 52° 24′ N, 9° 45′ O