Hannoveraner (Pferd)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hannoveraner (Pferd)
RCMP Farm Hannoverian2.jpg
Wichtige Daten
Ursprung: Deutschland, 15. Jahrhundert
Hauptzuchtgebiet: Niedersachsen
Verbreitung: in Europa stark verbreitet, ca. 450 Zuchthengste und ca. 18.100 Zuchtstuten
Stockmaß: 160 bis 180 cm
Farben: Braune, Rappen, Füchse und Schimmel
Haupteinsatzgebiet: Dressur- und Springsport
Brandzeichen
Hannoveraner Brandzeichen.svg
Hannoveraner Brand 0001.jpg

Der Hannoveraner ist eine Reitpferderasse, die zahlenmäßig zur stärksten europäischen Warmblutzucht gehört. In den vergangenen Jahrzehnten zählte der Hannoveraner Zuchtverband dank der durch die World Breeding Association for Sport Horses (WBFSH) registrierten und analysierten Sporterfolge seiner Vertreter zu den erfolgreichsten Reitpferdezuchten in den Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

[Bearbeiten] Exterieur

Der Hannoveraner ist ein typisches modernes Sportpferd im Rechteckformat (länger als hoch). Das Zuchtziel ist recht umfassend:

„Gezüchtet wird der Hannoveraner als Rasse mit besonderer Eigung für den Reitsport. Es werden Pferde angestrebt, die auf Grund ihrer inneren Eigenschaften, der Rittigkeit, ihres äußeren Erscheinungsbildes, des Bewegungsablaufs, der Springveranlagung und der Gesundheit ideale Leistungs- und Freizeitpferde sind. Auf dieser Grundlage wird die Zucht von Pferden mit einer Schwerpunktveranlagung für eine der Disziplinen Dressur, Springen oder Vielseitigkeit angestrebt. Für die jeweils zweite Leistungsanlage (Dressur/Springen) werden Mindestanforderungen verlangt. Mit den oben genannten Eigenschaften wird auch die Zucht von Pferden angestrebt, die außerdem Qualitäten für den Fahrsport haben.“

Hannoveraner Verband[1]

Es existiert eine Bandbreite von unterschiedlichen Typen, die vom harten, blutgeprägten Pferd bis zum sogenannten Kommandeurspferd (besonders großrahmiger, stämmiger Typ) reichen. Angestrebt wird ein Stockmaß um 165 cm.

[Bearbeiten] Interieur

Der Hannoveraner zeichnet sich durch ein exzellentes Gangwerk aus, das ihn für den großen Sport prädestiniert. Er ist sowohl in der Dressur-, im Spring- und im Vielseitigkeitsport auf höchstem Niveau einsetzbar und gilt als gelehrig, aufmerksam, ausgeglichen, aber auch temperamentvoll. Zudem eignet er sich als Fahr-, Jagd- und Freizeitpferd.

[Bearbeiten] Zuchtgeschichte

Die Hannoveranerzucht lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Hannoveraner wurde für die Landwirtschaft und für den Militärdienst gezüchtet. Die Grundlage für die heutige Zucht stellt die Gründung des Landgestüts Celle am 27. Juli 1735 mit der die zentrale Registrierung von Bedeckungen und Abfohlmeldungen eingeführt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt Vollblut- und englische Halbbluthengste zur Veredelung des „Hannöverschen Pferdes“ eingesetzt. Nach 1870 erfolgte die Konsolidierung der Zucht unter Berücksichtigung der einheimischen Stämme, bei der die Kutsch- und Militäreignung des Hannoveraners im Vordergrund stand. In diese Zeit fällt die Gründung des Hannoverschen Stutbuches 1888, dem Vorgänger des Hannoveraner Verbandes.

Kennzeichnend war und ist für die Hannoveraner Zucht die vorrangige Haltung von Zuchtstuten bei bäuerlichen Züchtern, unterstützt durch das Landgestüt und dessen Deckstationen. Bis in die frühe Nachkriegszeit war noch ein in allen Belangen der Landwirtschaft einsetzbarer Pferdetyp Schwerpunkt der Zucht. Nach der weitgehenden Mechanisierung der Landwirtschaft wurde die Zucht auf den neuen Sporttyp umgestellt, vor allem durch Einsatz von Vollblütern und Trakehnern als Veredler. Die Hannoveraner Zucht war damit „Trendsetter“ für die übrige deutsche Warmblutzucht.

Hannoveranerhengst „Romantic Boy“ bei der Dressurkür der Klasse S für gekörte Hengste

Einer der herausragendsten Hannoveraner Vererber der vergangenen 20 Jahre war der 1984 geborene Hengst Weltmeyer von World Cup I a. d. Staatsprämienstute Anka, der bis zu seinem Tode 2011 im Eigentum des Celler Landgestütes stand. Weltmeyer wurde 1986 Körungssieger in Verden und 1987 Bundeschampion der dreijährigen Reitpferde. Bei der Hengstleistungsprüfung im gleichen Jahr in Adelheidsdorf erzielte er einen Index von 143,96. 1998 wurde der Titel „Hannoveraner Hengst des Jahres“ an ihn verliehen. Von Weltmeyers männlichen Nachkommen wurden 51 wieder für Hannover gekört, während seine Stuten in 151 Fällen die Staatsprämie erhielten.

Der Wallach Deister war eines der erfolgreichsten Springpferde der Welt.

[Bearbeiten] Zuchtverband

Der Hauptsitz des Hannoveraner Verbandes liegt in Verden. Dort werden auch in großen Veranstaltungen Körungen, Turniere, und Auktionen veranstaltet.

Auf der Eliteauktion im Herbst 2011 lag das Spitzengebot für das Pferd Lemony’s Nicket v. Londonderry aus der St.Pr.St. Wild Flower v. Weltmyer aus der Zucht von Dietmar Eckard bei 900.000 Euro. Der dreijährige Hengst hatte das Bundeschampionat des Deutschen Reitpferdes in Warendorf gewonnen und wurde bei seiner Körung als Prämienhengst ausgezeichnet. Ein Käufer aus den Vereinigten Staaten erhielt damit den Zuschlag für den Dunkelbraunen, der als Zuchthengst in Deutschland verblieb.

Insgesamt gibt es sieben Absatzveranstaltungen für Reitpferde, eine Auktion für Fohlen sowie die Hengstkörung mit anschließendem Hengstmarkt. Pferde für den Spitzensport werden ebenso verkauft wie Freizeitpferde.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Claus Schridde: Hannovers Hengste – Dynastien im Wandel. Asmussen 2004, ISBN 3-935985-16-9

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Hannoveraner – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Zuchtziel, abgerufen am 14. Februar 2012
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen