Hannoversche Waggonfabrik

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Hawa-Elektrowagen von 1922

Die Hannoversche Waggonfabrik AG (Hawa) in Hannover-Linden produzierte von 1898 bis 1933 Eisenbahnwagen, Straßenbahnwagen, Automobile, Kampfflugzeuge und Landmaschinen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Artillerie-Rademacher Heinrich Christian Oelschläger betrieb seit 1830 in Linden das Rademacherhandwerk. Sein geschäftstüchtiger Sohn Friedrich Oelschläger erhielt 1857 die Erlaubnis, Kutschwagen herstellen zu dürfen. Daneben fertigte er Einzelteile, wie Räder, Deichseln, Achsen und führte Reparaturarbeiten aus.[1]

Das Geschäft ging auf Wilhelm Buschbaum über, der mit dem Stellmachermeisters Fritz Holland einen Teilhaber fand, der für eine Erweiterung des Bauprogramms und Vergrößerungen der Fabrikanlagen sorgte. Als ein großer Bedarf an Eisenbahnfahrzeugen auftrat, stellte man den Betrieb auf Waggonbau um. 1891 erhielten sie den ersten Waggonauftrag über 25 Pferdebahnwagen für die hannoversche Straßenbahn. Nach weiteren Straßenbahn-Aufträgen für Braunschweig und Stadthagen folgte 1895 der erste Auftrag über Personen- und Güterwagen für die Eisenbahn BörßumHornburg (vgl. Osterwieck-Wasserlebener Eisenbahn).

Nachdem Max Menzel (* 25. Juli 1858 in Gadebusch; † 1903[2]) sich die finanzielle Unterstützung des Hannoverschen Bankhauses Ephraim Meyer & Sohn gesichert hatte, trat er an die Firma Buschbaum & Holland heran, und nach längeren Verhandlungen wurde schließlich die Aktiengesellschaft gegründet. Die Gründung fiel in eine Zeit der Stagnation, es waren in dem Jahr sechs Waggonfabriken gegründet worden. Ungünstige Zahlungsbedingungen sowie stark gedrückte Preise verzögerten den Aufschwung trotz reichlicher Aufträge. Nachdem es der Gesellschaft gelungen war, bedeutende Aufträge aus dem Ausland zu erhalten, zumeist für Straßenbahnwagen, die sie in Gemeinschaft mit der AEG herstellten, waren diese Schwierigkeiten überwunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Innenaufnahme Üstra Tw 172 ("Stahlwagen")
Eine Hannover CL.II aus dem Jahr 1918
HAWA-Triebwagen 274 der Straßenbahn Den Haag aus dem Jahr 1921
HAWA-Triebwagen der Straßenbahn Trondheim aus dem Jahr 1924

Die Gesellschaft wurde am 6. Februar 1898 in Linden bei Hannover als Hannoversche Holzbearbeitungs- und Waggonfabriken (vorm. Max Menzel und Buschbaum & Holland) AG gegründet. Gegenstand des Unternehmens war der Betrieb einer Waggonbau-, Wagenbau- und Holzbearbeitungsfabrik, insbesondere zur Herstellung und Verwertung aller Arten von Eisenbahn-, Straßenbahn- und sonstiger Wagen, die Herstellung und Veräußerung aller zur Ausrüstung von Eisenbahn- und sonstigen Transportmitteln erforderlichen Gegenstände. 1904 wurde die Firmenbezeichnung in Hannoversche Waggonfabrik AG und 1925 in Hannoversche Waggonfabrik AG (Hawa) geändert.

Die Hawa war bekannt für ihren Betriebssport. 1921 und 1922 war Hawa-Alexandria Hannover Vizemeister der Rugby Union in Deutschland.

Kurz nach der Deutschen Hyperinflation geriet HAWA erstmals in Insolvenz und riss damit das Bankhaus Ephraim Meyer & Sohn 1924 in ernste Zahlungsschwierigkeiten: Die Bank hatte eine einzulösende Garantie auf eine Anleihe der HAWA abgegeben und musste nun von einem durch die Reichsbank initiierten Konsortium von anderen Privatbanken gestützt werden. In der Folge verlor die Gründerfamilie Meyer ihre Anteile an der Bank; diese wurden vom Bankhaus Z. H. Gumpel übernommen.[3]

Am 14. Dezember 1931 musste die Hawa infolge der Weltwirtschaftskrise ein gerichtliches Vergleichsverfahren anmelden. Am 17. Februar 1932 wurde die Liquidation der Gesellschaft beschlossen.

Produkte[Bearbeiten]

Die HAWA hatte eine große Produktionspalette vom eisernen Gartenpavillon über Traktoren, Dreschmaschinen, Elektroautos bis hin zu Straßen- und Eisenbahnwaggons sowie Flugzeugen und Segelflugzeugen. Chefkonstrukteur war seit September 1916 Dipl. Ing. Hermann Dorner.

Die Fabrik stellte Eisenbahnwaggons unter anderem für die Erstausstattung der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft[4] her.

Straßenbahnen produzierte sie u.a. für die Straßenbahn Hannover, die Berliner Straßenbahn (TF 21/29 und T 24), die Straßenbahn Freiburg[5], die Straßenbahn Gießen, die Hofer Straßenbahn, die Straßenbahn Den Haag und die Straßenbahn Trondheim.

Insgesamt stellte das Unternehmen in seiner rund 30-jährigen Geschichte etwa 45.000 Wagen für Eisen- und Straßenbahnen her. Im Ersten Weltkrieg wurden vermehrt militärische Eisenbahnwaggons zur Beförderung von Munition und Proviant produziert, ebenso Lazarett- und Feldküchenwagen.

Zunächst als Instandsetzungswerk für Flugzeuge übernahm die HAWA auf Grund ihrer Erfahrungen im Bau von Holzkonstruktionen die Herstellung neuer Maschinen und Ersatzteile. Im Frühjahr 1915 begann die Lizenzfertigung der Aviatik C.I, später die der Rumpler C.Ia und der Halberstadt D.II. Ab 1917 produzierte HAWA eigene Konstruktionen, darunter die sehr erfolgreichen Hannover CL.-Typen.[6] Ab 1919 war der Werksflughafen der Hannoverschen Waggonfabrik am Tönniesberg der erste zivile Flughafen Hannovers, bis er 1928 vom Flughafen Hannover-Vahrenwald abgelöst wurde.

Der HAWA Vampyr war ein Segelflugzeug, das von hannoverschen Studenten konstruiert und von der HAWA gebaut wurde. Er gilt als der Urahn der modernen Segelflugzeuge.

Literatur[Bearbeiten]

  • Waldemar R. Röhrbein: Hannoversche Waggonfabrik. In: Stadtlexikon Hannover. S. 277
  • Friedrich Wilhelm Dahlmann: Denkschrift zum 25jährigen Bestehen der HAWA, Hannoversche Waggonfabrik A.-G. Hannover-Linden: 1898–1923. Edler & Krische, Hannover 1924
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918: in 127 Vierseitenrissen im Maßstab 1:144. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge 1914–1919: Angriffs- und Trainingsflugzeuge. Orell Füssli, Zürich 1968
  • Heinz J. Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. J.F.Lehmann, München 1959

Weblinks[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt Schumacher: Die deutsche Waggonbauindustrie und ihre Organisation; 1930; S. 30; http://gso.gbv.de/DB=2.1/PPNSET?PPN=311831257
  2. http://www.fidele-doerp.de/gegenwart/strassenkl.html
  3. Peter Schulze: Bankhaus Ephraim Meyer & Sohn, in: Stadtlexikon Hannover, S. 47
  4. http://www.selketalbahn.de/p-wagen.htm
  5. http://www.nahverkehr-breisgau.de/bilder_BW2.html
  6. http://www.luftfahrtgeschichte.com/hannover.htm

52.3523199.71076Koordinaten: 52° 21′ 8″ N, 9° 42′ 39″ O