Hanns Jess

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hanns Jess (* 5. Juli 1887 in Lüneburg; † 3. Februar 1975 in Schloßborn/Taunus) war von 1952 bis 1954 Direktor des Bundeskriminalamtes und vom 23. Juli 1954 bis zum 31. Juli 1955 Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Nach dem Abitur 1907 studierte Jess Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn und Marburg, wo er 1910 das erste juristische Staatsexamen ablegte. Er wurde 1907 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Bonn. Nach Ernennung zum Referendar war er in Wetter (Hessen), Marburg, Köln und Kassel tätig, bevor er 1914 die zweite juristische Staatsprüfung ablegte. Während seines Referendariats promovierte Jess zum Dr. jur.

Er wurde unmittelbar nach seiner Promotion zum Kriegsdienst an die Westfront eingezogen. Während des Krieges wurde ihm das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse verliehen, bevor er Ende 1918 als Leutnant der Reserve aus dem Militär entlassen wurde. Ab Oktober 1919 war er Chef der Stadtpolizei Schwerin, bevor er 1923 in das mecklenburgische Innenministerium wechselte, wo der für Polizeiangelegenheiten zuständig war. In dieser Funktion war er gleichzeitig Leiter des Landeskriminalamtes.

Als die NSDAP 1932 in Mecklenburg die Regierung übernahm, wurde Jess – als Mitglied der Deutschen Volkspartei – als Leiter des Landeskriminalamtes abgelöst und in das Sozialressort umgesetzt. Da er zu Kriegsbeginn zu alt für den Militärdienst war, bearbeitete Jess während des Krieges Kriegssachschäden.

Seine berufliche Nachkriegskarriere begann er als Direktor des Landeskriminalamtes von Mecklenburg. Von 1945 bis 1948 war er als Direktor der Reichsbahndirektion Schwerin tätig und flüchtete 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone nach Westdeutschland.

Seit 1949 war Jess Polizeivizepräsident in Frankfurt am Main. Nach der Verhaftung des Polizeipräsidenten Willy Klapproth übernahm er kommissarisch die Tätigkeit des Polizeipräsidenten, bis er am 24. März 1952 zum Präsidenten des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden ernannt wurde. Am 20. Juli 1954 ging der damalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz Otto John in die DDR, weshalb Jess ab dem 23. Juli 1954 die kommissarische Leitung des Bundesamts für Verfassungsschutz übernahm.[1] Am 31. Juli 1955 trat Jess in den Ruhestand.

Anlässlich seiner Pensionierung wurde Jess das Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik verliehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 22–23.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Protokoll des Bundeskabinetts vom 23. Juli 1954