Hans-Albrecht Herzner

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Hans-Albrecht Herzner (* 6. Februar 1907 in Potsdam; † 3. September 1942 in Hohenlychen) war ein deutscher Offizier in der Abwehr (Nachrichtendienst). Eine Woche vor Beginn des Polenfeldzugs leitete er das erste Kommandounternehmen der Wehrmacht.[1][2][3] Für Susanne Meinl ist er eine zentrale Figur im nationalkonservativen Widerstand gegen Adolf Hitler.[4]

Leben[Bearbeiten]

Herzners Eltern waren der Architekt Richard Herzner und seine Frau Elisabeth. Unterbrochen vom Ersten Weltkrieg, besuchte Herzner von 1913 bis 1927 das Reform-Realgymnasium in Berlin-Zehlendorf.[5] Nach dem Abitur studierte er ab dem Sommersemester 1927 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. 1928 wurde er im Corps Borussia Berlin aktiv.[6] 1938 promovierte er zum Dr. phil.. Im selben Jahr erhielt er das Band des Corps Frankonia Prag, dessen Altherrenverein nach der Suspension des Prager Senioren-Convents-Verbands in Berlin ansässig war.

Herzner war Reserveoffizier im Infanterie-Regiment 9 (Wehrmacht). Als Zivilist war er vom 1. August 1938 bis zum 1. Oktober 1938 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Oberkommando des Heeres.[2] Anschließend kam er zur Abwehrstelle beim Generalkommando VII. Armeekorps in Breslau.[5] Als Leutnant der Reserve diente er (wie Hans-Wolfram Knaak) im Bau-Lehr-Regiment z. b. V. 800, aus dem die Brandenburg (Spezialeinheit) hervorging. Vor Beginn des Polenfeldzugs sollte er ein Kommando aus Sudetendeutschen aufstellen und den Eisenbahntunnel am Jablunkapass für die 7. Armee (Wehrmacht) freimachen. Das gelang; aber die Armee kam nicht, weil Hitler den Kriegsbeginn in letzter Minute verschoben hatte. Wilhelm Canaris schlug Herzner und andere für das Eiserne Kreuz 2. Klasse vor. Wilhelm Keitel verweigerte indes die Verleihung, weil der Krieg noch nicht begonnen hatte. Herzner erhielt das EK später.[5]

In der Legion Ukrainischer Nationalisten war Herzner 1940/41 als Oberleutnant Kommandeur des Bataillons „Nachtigall“. Nach einer Schussverletzung des Rückens kam er in das SS-Lazarett Hohenlychen.[5] In einem solchen Lazarett − einem Sanatorium mit orthopädischer Heilanstalt – war keine operative Versorgung möglich.[7] Unter welchen Umständen er dort starb, ist ungeklärt. Einiges spricht dafür, dass er umgebracht wurde. Im Krankenbuchlager sind keine Unterlagen über ihn erhalten.[8]

Herzner wurde postum zum Hauptmann befördert und erhielt ein Ehrengrab auf dem Ehrenfriedhof Nr. 9 des Neuen Friedhofs Potsdam. Die Grabstätte ist Bestandteil der Soldatengräberanlage des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Gepflegt wird sie durch den Bereich Friedhöfe der Stadtverwaltung Potsdam.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Herzners Grab

Werke[Bearbeiten]

  • Sozialismus und Arbeiterbewegung der Polen im 19. Jahrhundert. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Verlag Priebatsch Buchhandlung, Breslau 1939. Anfang. (Neudruck der Jahrbücher bei Johnson Reprint Corporation New York).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Müller, 2006
  2. a b The Enigma Bulletin (1998)
  3. P. Hoffmann, 1983
  4. S. Meinl (GoogleBooks)
  5. a b c d Knapp: Hans-Albrecht Herzner. Corpszeitung der Frankonia-Prag, Jahresausgabe 2003, S. 20–24
  6. Kösener Corpslisten 1996, 15, 354; 42, 119
  7. Lazarett Hohenlychen (Forum der Wehrmacht, 2008)
  8. Mitteilung Landesamt für Gesundheit und Soziales, Berlin
  9. Mitteilung Gunther Butzmann, Friedhofsverwaltung Potsdam
  10. Conference of the International Intelligence History Study Group (Hamburg 1996)

Weblinks[Bearbeiten]