Hans-Georg Neumann

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Hans-Georg Neumann (* 14. September 1936 in Berlin) ist ein deutscher Strafgefangener, der sich wegen Mordes seit mehr als 50 Jahren in Haft befindet.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Als Sohn einer Prostituierten zur Welt gekommen, wuchs Neumann im Städtischen Waisenhaus in Berlin-Kreuzberg und später bei einer Pflegefamilie auf. Am 29. Dezember 1951 wurde er wegen verschiedener Diebstähle vom Jugendrichter in den Jugendhof Schlachtensee eingewiesen. Im Entlassungsbericht wurde der Junge ein Jahr später als „ruhig und nett, aufgeschlossen und liebesbedürftig“ bezeichnet. Im Jahre 1953 starb seine Pflegemutter. Er fand Anschluss in der Familie eines Handwerkmeisters, bei dem er eine Lehre zum Feinmechaniker machte. Im Jahre 1956 schiffte er sich nach Kanada ein, wurde aber im Jahre 1961 nach Verurteilung wegen bewaffneter Banküberfälle nach Deutschland abgeschoben. Am 13. Januar 1962 entführte er ein in einem geparkten Auto sitzendes Liebespaar und erschoss es schließlich mit einem Smith & Wesson Revolver, Kaliber 38, den er damals ständig bei sich führte.

Verurteilung und Vollstreckung[Bearbeiten]

Für diese Tat wurde Neumann am 30. Mai 1963 wegen Doppelmordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Neumann verbüßte seine Strafe zunächst in der JVA Berlin-Tegel, ab 1991 in der JVA Bruchsal. In Tegel fiel er immer wieder durch Cannabis-Konsum auf und verbrachte längere Zeit auf einer „Abschirmstation für Dealer“. In Bruchsal galt er als ruhiger Gefangener; eine erste Ausführung fand im Jahre 1993 statt. Im März 1994 befand das Landgericht Karlsruhe, dass selbst die besondere Schwere der Schuld von Neumanns Tat eine weitere Verbüßung nicht mehr gebiete. Anträge auf Aussetzung des Strafrests zur Bewährung (§ 57a StGB) wurden jedoch seither regelmäßig abgelehnt, weil Sachverständige ihm eine negative Sozialprognose bescheinigten. Ebenso abgelehnt wurden bislang Gnadengesuche.

In einem Gutachten vom 5. Juni 2012 schrieb der Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden: „Insgesamt ist festzustellen, dass Herr Neumann nach 50 Jahren Haft genauso bindungslos erscheint wie zu Beginn seiner Haft“. Nach dem Tod von Heinrich Pommerenke ist Hans-Georg Neumann mit über 52 Jahren in Haft der am längsten einsitzende Strafgefangene Deutschlands.

Am 28. März 2014 hat das Oberlandesgericht Karlsruhe auf die sofortige Beschwerde des damaligen Verteidigers die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer am Landgericht Karlsruhe bestätigt, mit welcher dessen Antrag auf Reststrafenaussetzung erneut abgelehnt worden war. Gegen diese Entscheidung hat Neumanns neuer Verteidiger am 28. April 2014 vor dem Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde eingereicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Roman Deininger: 18.628 Tage. Hans-Georg Neumann sitzt seit 51 Jahren im Gefängnis, länger als jeder andere Häftling in der Geschichte der Bundesrepublik. Besuch bei einem Mann, für den der Hofgang Freiheit ist. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 12, vom 15. Januar 2013, S. 3.

Weblinks[Bearbeiten]