Hans-Georg von Friedeburg

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Major Wilhelm Oxenius, Generaloberst Jodl und Hans-Georg von Friedeburg (v. l. n. r.) bei der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in Reims am 7. Mai 1945
Hans-Jürgen Stumpff, Wilhelm Keitel und Hans-Georg von Friedeburg (v. l. n. r.) bei der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in Karlshorst am 9. Mai 1945

Hans-Georg Friedrich Ludwig Robert von Friedeburg (* 15. Juli 1895 in Straßburg; † 23. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Generaladmiral sowie ab 1943 Kommandierender Admiral der Unterseeboote im Zweiten Weltkrieg. Er war der einzige Mitunterzeichner beider Kapitulationsurkunden. Kurz nach der Kapitulation nahm er sich das Leben.

Leben[Bearbeiten]

Hans-Georg war Spross der badischen Offiziersfamilie von Friedeburg sowie der Sohn des preußischen Offiziers und späteren Generalmajors Karl von Friedeburg (1862–1924) und dessen Ehefrau Elisabeth Adelheid Agnes Hedwig, geborene von Kayser (1872–1947).[1]

Kaiserliche Marine[Bearbeiten]

Friedeburg trat am 1. April 1914 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Im Ersten Weltkrieg nahm er, im Dezember 1914 zum Fähnrich zur See befördert und auf das Großlinienschiff SMS Kronprinz versetzt, an der Skagerrakschlacht gegen die britische Flotte teil. Kurz darauf, am 13. Juli 1916, wurde er zum Leutnant zur See befördert. Im Dezember 1917 kam Friedeburg zur U-Boot-Waffe, wo er nach entsprechender sechsmonatiger Ausbildung von Juni 1918 bis zum Ende des Krieges Wachoffizier auf U 114 war.

Reichsmarine[Bearbeiten]

Von Dezember 1918 bis Oktober 1919 diente er als Wachoffizier auf dem Kleinen Kreuzer Regensburg. Er wurde in die Reichsmarine übernommen und dann bis Ende Mai 1920 auf dem Kleinen Kreuzer Königsberg verwendet.[2] Von Juni bis September 1920 war er Adjutant bei der Schiffsstammdivision der Nordsee, dann wurde er zum Oberleutnant zur See befördert und als Adjutant auf den Kleinen Kreuzer Hamburg, das Flaggschiff des Befehlshabers der Sicherung der Nordsee, versetzt. Von Februar 1922 bis September 1922 diente Friedeburg als Zugführer beim Küstenschutzbataillon II, dann bis Juni 1924 als Adjutant des Bataillons. Nach verschiedenen Lehrgängen war er von Dezember 1924 bis zum 30. Juni 1927 Wach- und Torpedooffizier auf dem nunmehr als Schulschiff fungierenden Kreuzer Hamburg, unterbrochen von einer zweimonatigen Abkommandierung im April und Mai 1925 als Ausbilder an der Torpedoschule in Mürwik. Seine Beförderung zum Kapitänleutnant erfolgte am 1. Juli 1925.

Nach kurzzeitigen Kommandierungen zur Marinestation der Nordsee (Juli–August 1927) und der Marineschule Mürwik (September 1927) durchlief er vom 6. Oktober 1927 bis zum 22. April 1929 die Admiralstabsoffiziersausbildung und wurde danach als Marineverbindungsoffizier zum Wehrkreiskommando I und der 1. Division in Königsberg versetzt. Am 16. Juni 1932 wurde er Referent im Wehrmachtamt des Reichswehrministeriums (unter dem seit 1. Juni 1932 amtierenden Minister Kurt von Schleicher). Am 1. Februar 1933 wurde er zum Marine-Adjutanten im Reichswehrministerium (unter dem neuen Minister Werner von Blomberg) ernannt und in dieser Dienststellung am 1. April 1933 zum Korvettenkapitän befördert.

Kriegsmarine[Bearbeiten]

Am 30. September 1936 wurde Friedeburg als Erster Offizier auf den Leichten Kreuzer Karlsruhe versetzt. Dort erfolgte am 1. Januar 1937 seine Beförderung zum Fregattenkapitän. Vom 17. März bis zum 1. November 1938 diente er als Stabsoffizier beim Befehlshaber der deutschen Seestreitkräfte, die im Spanischen Bürgerkrieg an der internationalen Seeblockade zur Durchsetzung eines Waffenembargos gegen Spanien eingesetzt waren, danach bis zum 5. Februar 1939 als Stabsoffizier beim Befehlshaber der Sicherung der Nordsee. Am 1. Januar 1939 wurde er zum Kapitän zur See befördert.

Am 6. Februar 1939 wurde Friedeburg dem Führer der U-Boote zur Verfügung gestellt. Dort übernahm er für wenige Wochen (6. Juni – 8. Juli 1939) das Kommando über das U-Boot U 27 und wurde dann Stabsoffizier für besondere Aufgaben in der Organisationsabteilung beim Führer der U-Boote, Kommodore Karl Dönitz. Am 25. September 1939 wurde er Chef dieser Abteilung.

Zwei Jahre später, am 12. September 1941, wurde er 2. Admiral der U-Boote. Am 1. September 1942 wurde Friedeburg zum Konteradmiral befördert, und am 1. Februar 1943 folgte seine Ernennung zum Kommandierenden Admiral der U-Boote. Am 1. September 1943 wurde er Vizeadmiral. Zwei Monate später, am 1. November 1943 Admiral. Nach Hitlers Suizid und Dönitz' Nachfolge als Reichspräsident am 1. Mai 1945 erfolgte Friedeburgs Beförderung zum Generaladmiral (mit Rangdienstalter vom 1. Februar 1944) und seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine.

Am Abend des 4. Mai 1945 unterzeichnete Friedeburg auf dem Timeloberg am Ortsrand von Wendisch Evern im Beisein des Feldmarschalls Montgomery die deutsche Teilkapitulation. Dies war das faktische Ende aller Kampfhandlungen in Norddeutschland, Dänemark, Norwegen und den nördlichen Niederlanden, also dem weitaus größten Teil jenes Territoriums, das zu diesem Zeitpunkt noch von deutschen Truppen gehalten wurde.[3] Am 7. Mai war er, als einer der Unterhändler, anwesend bei der Unterzeichnung der bedingungslosen Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht durch Generaloberst Alfred Jodl im operativen Hauptquartier der SHAEF in Reims, und in der Nacht vom 8. zum 9. Mai war er als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Mitunterzeichner der ratifizierenden Kapitulationsurkunde im Hauptquartier der Roten Armee in Berlin-Karlshorst.

Tod[Bearbeiten]

Grabmal Hans-Georg von Friedeburg

Friedeburg nahm sich am 23. Mai 1945 mittels einer Zyankalikapsel das Leben, als die Briten die Mitglieder der Geschäftsführenden Reichsregierung und des Oberkommandos der Wehrmacht verhafteten. Er wurde auf dem Friedhof Adelby bei Flensburg beigesetzt.

Familie[Bearbeiten]

Sein älterer Sohn Ludwig von Friedeburg (1924–2010) war jüngster U-Boot-Kommandant der Kriegsmarine, wurde nach dem Krieg ein bekannter Soziologe im Kreis von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno im Frankfurter Institut für Sozialforschung. Er engagierte sich politisch in der SPD, von 1969 bis 1974 war er hessischer Kultusminister.

Sein jüngerer Sohn Friedrich von Friedeburg (1926–1991) war ebenfalls U-Boot-Fahrer, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Journalist. Er war beteiligt am Schutz Helgolands gegen die englischen Pläne eines Bombenübungsziels. 1962 wurde er von der Public Relations Society of America mit dem „Silbernen Amboß“ für die beste Leistung der Öffentlichkeitsarbeit auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen ausgezeichnet; er war Pressesprecher verschiedener Industrieunternehmen, zuletzt der Braun AG.[4][5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Ludger Borgert: Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende. Band 2. Primus, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-089-1, S. 55–62.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 10, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, S. 109
  2. Beide Schiffe mussten im Juni 1920 an Frankreich ausgeliefert werden.
  3. Die Kapitulation auf dem Timeloberg (pdf, 16. S.; 455 kB)
  4. Ehrungen: Friedrich von Friedeburg, Der Spiegel vom 6. Juni 1962, abgerufen am 10. Januar 2013
  5. Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen: Hessische Biografie: Friedeburg, Friedrich-Ferdinand von, abgerufen am 10. Januar 2013
  6. a b Rangliste der Deutschen Reichsmarine, Hrsg.: Reichswehrministerium, Mittler & Sohn, Berlin 1929, S. 46