Hans-Jürgen Syberberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans-Jürgen Syberberg

Hans-Jürgen Syberberg (* 8. Dezember 1935 in Nossendorf, Vorpommern) ist ein deutscher Regisseur. Er wird zu den Vertretern des Neuen Deutschen Films gezählt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Geboren als Sohn eines Gutsbesitzers, lebte er nach 1945 in Rostock und Berlin. 1952/53 entstanden erste 8-mm-Filme von den Theaterproben des Berliner Ensembles. 1953 zog er in die Bundesrepublik, wo er 1956 bis 1957 Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte studierte. Er promovierte in München über „Das Absurde bei Dürrenmatt“. 1963 drehte Syberberg Kulturberichte für die Münchener Abendschau des Bayerischen Rundfunks, unter anderem über Fritz Kortner und Romy Schneider.

Es folgten erste Spielfilme wie der 1969 gedrehte Film Scarabea nach einer Tolstoi-Novelle. Filme wie Ludwig, Karl May und Hitler waren eine Auseinandersetzung mit der deutschen Tradition. Sein Film San Domingo erhielt 1971 den deutschen Filmpreis für Beste Kamera (Christian Blackwood) und Beste Filmmusik (Amon Düül) in Gold. Seit 1982 arbeitete Syberberg eng mit der Schauspielerin Edith Clever zusammen. Hieraus entstanden zahlreiche Theater- und Filmprojekte, beispielsweise Parsifal (1982) und Penthesilea (1988).

Syberberg lebt in München und Nossendorf bei Demmin, wo er nach 1989 das Gutshaus der Familie erwarb und restaurierte. Für die Renovierung des Elternhauses aus eigener Kraft erhielt er im Jahre 2010 den Friedrich-Lisch-Denkmalpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der mit 4.500 € dotiert ist.

Für Syberberg stellt das Kino eine vitale Passion dar, ein „Gesamtkunstwerk“. Sein kinematographisches Werk ist geprägt durch eine Fusion zweier ursprünglich entgegengesetzter Pole der deutschen Kulturgeschichte: dem Rationalismus im 18. Jahrhundert und dem Romantizismus im 19. Jahrhundert.

Anlässlich des Filmes zu Winifred Wagner (1975), des Hitler-Filmes (1977), eines Interviews mit André Müller (1988)[1] sowie des Buches Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege von 1990 wurde ihm eine Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen.

1968 und 1982 wurde Syberberg mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1965: Fünfter Akt, siebente Szene. Fritz Kortner probt Kabale und Liebe – Regie, BR
  • 1966: Fritz Kortner spricht Monologe für eine Schallplatte – Regie
  • 1966: Romy, Portrait eines Gesichts, auch als: Romy, Anatomie eines Gesichts – Regie, BR, Dokumentation
  • 1969: Scarabea – Wie viel Erde braucht der Mensch? – Regie, (Kinoproduktion), 114 Min.
  • 1969: Sex-Business, Made in Pasing – Regie, Dokumentation
  • 1970: San Domingo – Regie
  • 1970: Nach meinem letzten Umzug. Erste Veröffentlichung des 1953 im Berliner Ensemble auf 8 mm aufgenommenen Materials mit Inszenierungen Bertolt Brechts (siehe auch 1993)
  • 1972: Ludwig – Requiem für einen jungfräulichen König (2 Teile) – Regie, ZDF, 140 Min.
  • 1972: Theodor Hierneis oder Wie man ehem. Hofkoch wird – Regie, BR-Koproduktion (Co-Autor: Hauptdarsteller Walter Sedlmayr)
  • 1974: Karl May – Regie, ZDF-Koproduktion: 187 Minuten
  • 1975: Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914–1975 – Regie, BR/ORF
  • 1977: Hitler, ein Film aus Deutschland (4 Teile zu je 90–120 Minuten, mit Heinz Schubert als Hitler und Himmler), Regie, WDR/BBC Koproduktion
    • 1977: 1. Teil: „Der Gral“, 91 Min.
    • 1977: 2. Teil: „Ein deutscher Traum“, 121 Min.
    • 1980: 3. Teil: „Das Ende eines Wintermärchens“, 93 Min., WDR/BBC Koproduktion
    • 1980: 4. Teil: „Wir Kinder der Hölle“, 100 Min., WDR/BBC Koproduktion
  • 1982: Parsifal – Regie, BR-Koproduktion
  • 1986: Die Nacht – Regie, ZDF
  • 1987: Fräulein Else – Regie, ORF
  • 1989: Die Marquise von O. – Regie, ORF
  • 1989: Penthesilea – Regie, ZDF-Koproduktion
  • 1993: Syberberg filmt bei Brecht. Herr Puntila und sein Knecht Matti – Urfaust – Die Mutter. Neubearbeitung des 1953 aufgenommenen 8-mm-Materials (siehe oben, 1970)

Schriften[Bearbeiten]

  • Interpretationen zum Drama Friedrich Dürrenmatts: Zwei Modellinterpretationen zur Wesensdeutung des modernen Dramas. Uni-Druck, München 1965.
  • Fotografie der 30er Jahre: Eine Anthologie. Schirmer-Mosel Verlag, München 1977, ISBN 978-3-921375-14-3.
  • Filmbuch – Filmästhetik – 10 Jahre Filmalltag- Meine Trauerarbeit für Bayreuth- Wörterbuch des deutschen Filmkritikers. Fischer Taschenbuch, 1979, ISBN 3-596-23650-9.
  • Die freudlose Gesellschaft-Notizen aus dem letzten Jahr. Hanser Verlag München 1981, ISBN 3-446-13351-8.
  • Kleist, Penthesilea. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-49-4.
  • Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege. Matthes & Seitz, München 1990, ISBN 3-88221-761-8.
  • Der verlorene Auftrag – ein Essay. Karolinger, Wien 1994, ISBN 978-3-85418-068-5.
  • Das Rechte – tun. Kronenbitter, München 1995, ISBN 3-930580-02-0.
  • Film nach dem Film. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2008, ISBN 3-940748-12-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sucher, C.Bernd (Herausgeber) Theater Lexikon, Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker, Deutscher Taschenbuch Verlag (DTV), München 1995, ISBN 3-423-03322-3.
  • Guido Goossens, Verloren zonsondergangen. Hans Jürgen Syberberg en het linkse denken over rechts in Duitsland. Amsterdam University Press, 2004, ISBN 90-5356-677-5. [2]
  • Roger Hillman: A Wagnerian German Requiem: Syberberg's Hitler (1977). In: R.H.: Unsettling Scores: German Film, Music, and Ideology. Bloomington, Indiana U.Pr., 2005.
  • Gerald Matt, Hans Jürgen Syberberg, Boris Groys u. a.: Syberberg – Film nach dem Film. Hrsg. Hans-Jürgen Syberberg, Ursula Blickle Stiftung, Gerald Matt für die Kunsthalle Wien, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-940748-12-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. André Müller: Man will mich töten, Interview mit Hans-Jürgen Syberberg in DIE ZEIT vom 30. September 1988
  2. Dissertation Universiteit Maastricht