Hans-Joachim Born

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans-Joachim Born (* 8. Mai 1909 in Berlin; † 15. April 1987 in München) war ein deutscher Chemiker und Hochschullehrer, der vorwiegend auf dem Gebiet der Radiochemie lehrte.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

1927 machte er das Abitur am Reform-Realgymnasium in Berlin-Schöneberg. Darauf studierte er Chemie an de Berlin und Tübingen. 1933 machte er sein Diplom in Chemie. 1934 wurde er bei Otto Hahn am Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) in Chemie promoviert.[1]

Anschließend war er dort als wissenschaftlicher Assistent tätig. Von 1934 bis 1945 war er Assistent und Mitarbeiter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem und für Hirnforschung in Berlin-Buch. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in der von Nikolai Wladimirowitsch Timofejew-Ressowski geleiteten Abteilung für Experimentelle Genetik im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung.

Vor Abschluss seine Promotion Ende 1933 wurde Born Mitglied der SA, aus der er nach eigenen Angaben „wegen mangelhafter Beteiligung“ wieder ausschied. 1937 war Born der NSDAP und anderen NS-Massenorganisationen beigetreten. Spätestens 1942 war Born neben seiner Anstellung bei der Auergesellschaft auch wieder beim KWI für Chemie tätig, wo er „voll für kriegswichtige Aufgaben eingesetzt wurde und als „unabkömmlich“ gestellt.[2]

In der Sowjetunion[Bearbeiten]

Gegen Kriegsende geriet Born in sowjetische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung aus dem Kriegsgefangenenlager in Krasnojarsk arbeitete er zunächst in der Gruppe von Nikolaus Riehl im Werk Nr. 12 in Elektrostal östlich von Moskau. Ende 1947 wurde er zusammen mit Alexander Katsch und Karl Zimmer zur Arbeit in ein Gefängnislabor B (Scharaschka) in Sungul (Objekt 0211), Oblast Tscheljabinsk im Südural-Gebiet nahe Kasachstan gebracht. In Sungul arbeitete er wiederum unter der Leitung von Timofeev-Resovskij in der radiobiologischen Forschung. Von 1946 bis 1955 war er als Wissenschaftler und Leiter eines radiochemischen Labors in der Sowjetunion tätig und an Forschungen im Rahmen des sowjetischen Atombombenprojekts beteiligt. 1955 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und ging in die DDR.

In der DDR[Bearbeiten]

Nach seiner Ankunft in Ostdeutschland war Born weiterhin in seinem Fachgebiet tätig. Von 1955 bis 1957 war Born Mitarbeiter an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und Direktor des Instituts für Angewandte Isotopenforschung in Berlin-Buch. Er vollendete seine Habilitation an der Technischen Hochschule Dresden, wo er Professor an der Fakultät für Kerntechnik wurde.[3]

Wechsel nach Westdeutschland[Bearbeiten]

1957 erhielt er einen Lehrruf nach München. Born wurde ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Radiochemie an der Technischen Hochschule München.

Werke[Bearbeiten]

  • Radiochemie und Anwendung radioaktiver Isotope (Habilitation), Technische Hochschule Dresden, 1956.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Professoren der TU Dresden, 1928–2003, (175 Jahre TU Dresden, Bd. 3), Köln 2003 von Reiner Pommerin und Thomas Hänseroth, Biographisches zu Born auf Seite 118.
  • Florian Schmaltz: Kampfstoff-Forschung im Nationalsozialismus: Zur Kooperation von Kaiser-Wilhelm-Instituten, Militär und Industrie. Wallstein Verlag, Göttingen 2005 (
ISBN 9783892448808).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Es ist unklar, ob Born eine Dissertation in Chemie oder einem anderen Fach verfasste. Sie behandelte das Thema Über den Bleigehalt der norddeutschen Salzlager und seine Beziehungen zu radioaktiven Fragen, Jena, Fischer-Verlag, 1934, Berlin, Phil. Diss. (!) v. 27. Juli 1934, Sonderdruck aus: Chemie der Erde, Bd 9, H. 1 - 1934, S. 66-87.
  2. Kampfstoff-Forschung im Nationalsozialismus: Zur Kooperation von Kaiser-Wilhelm-Instituten, Militär und Industrie, Von Florian Schmaltz, Wallstein Verlag, Göttingen 2005, Details zu Born auf Seite S. 262, Anmerkung 308.
  3. Angaben zu Born über seine Lehrtätigkeit an der TU Dresden, sein Wechsel nach München bleibt unerwähnt.

Weblinks[Bearbeiten]