Hans-Olaf Henkel

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Hans-Olaf Henkel

Hans-Olaf Henkel (* 14. März 1940 in Hamburg) ist ein deutscher Manager, Verbandsfunktionär und politischer Publizist. Er war Manager bei IBM, Präsident des BDI und Präsident der Leibniz-Gemeinschaft.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Hans-Olaf Henkel wuchs zunächst als Halbwaise in Hamburg auf, da sein Vater, der eine Generalvertretung für Papierfabriken führte, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Ungarn gefallen war. Sein Stiefvater war der in Hamburg populäre Volkssänger Richard Germer (1900–1993).[1] Er wuchs bei seiner Mutter und seinen Großeltern in Hamburg-Poppenbüttel auf.

Er besuchte insgesamt vierzehn Schulen. Nach der mittleren Reife absolvierte er bei Kühne + Nagel in Hamburg eine Lehre zum Speditionskaufmann. Über den zweiten Bildungsweg belegte er ab 1960 Kurse in Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Soziologie an der damals gewerkschaftsnahen Hamburger Akademie für Gemeinwirtschaft.

Henkel ist Kuratoriumsmitglied des Deutschen Familienverbandes. Er ist Vater von vier Kindern.

Berufliches Wirken [Bearbeiten]

Seit 1962 war er bei IBM Deutschland in verschiedenen Managementfunktionen tätig, 1987 wurde er dort zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Von September 1993 bis Dezember 1994 war er Chef der IBM Europa, Mittlerer Osten und Afrika mit Dienstsitz in Paris. 1995 bis 2000 war er (im Ehrenamt) Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und wurde durch seine Direktheit und kontroversen Standpunkte bekannt.

Von 2001 bis 2005 war Henkel Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, einer Wissenschaftsorganisation. Im November 2005 wurde der Chemiker Ernst Theodor Rietschel zu seinem Nachfolger gewählt. Zur Verabschiedung wurde eine neue Schmetterlingsart nach Henkel benannt, die „Bracca olafhenkeli“ und der „Hans-Olaf-Henkel-Preis – Preis für Wissenschaftspolitik“ ausgelobt, der in zweijährigem Turnus vergeben wird. Erster Träger des Preises wurde 2007 Benno Parthier, ehemaliger Präsident der Leopoldina.

Seit 2006 berät Henkel die Bank of America als „Senior Advisor“ für den deutschsprachigen Raum, um ihre Marktposition im Investment Banking in Deutschland auszubauen. [2]

Henkel ist Mitglied der Aufsichtsräte von Bayer AG (Leverkusen), Continental AG (Hannover), Daimler Luft- und Raumfahrt AG (München), SMS GmbH (Düsseldorf), Ringier AG (Zofingen/Schweiz) und Heliad Equity Partners (Frankfurt/Zürich).

Seit November 2000 lehrt er als Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim und hält dort die Vorlesung „Management in einer globalisierten Welt“.[2]

Politische Positionen [Bearbeiten]

Henkel unterstützt die Bundesvereinigung Freie Wähler. Er äußert sich in seiner Kolumne „Henkel trocken“ kritisch zur Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung. Zusammen mit Hubert Aiwanger und Stephan Werhahn will er die Freien Wähler 2013 in den Bundestag führen.[3] Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 unterstützte er die FDP[4], der er Dezember 2011 jedoch aufgrund deren „Abkehr vom Prinzip des Liberalismus“ keine Zukunft bescheinigte.

Hans-Olaf Henkel vertritt in seinen Schriften und öffentlichen Auftritten wirtschaftsliberale beziehungsweise angebotspolitische Positionen. Er tritt ein für die Globalisierung, die Föderalismusreform, für „weniger Staat im Staat“, gegen „Gleichmacherei“ und für „mehr Wettbewerb“. Bezüglich der Globalisierung verwendet er in Vorträgen häufig das Bild eines „sympathischen Dreiecks“, dessen Seiten für Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte stehen.[5] Er ist für die Minimierung des Sozialstaates und für die Senkung von Steuern. Die bisher angestrebte Entwicklung der europäischen Währungsunion sei der Integration Europas nicht dienlich, sondern führe seines Erachtens eher zu einer Art „EUdSSR“.[6]

Er ist häufiger Interviewpartner und Gast in politischen Talkshows und Radiointerviews sowie Gründungsmitglied des Konvents für Deutschland, eines von Großunternehmen, Stiftungen und Privatpersonen gesponserten Vereins, der sich unter der Führung von Alt-Bundespräsident Roman Herzog laut eigenen Angaben für die „Reform der Reformfähigkeit“ Deutschlands einsetzt. Er ist regelmäßiger Gastautor beim Handelsblatt,[7] dem Focus, der Welt und dem Hamburger Abendblatt. Des Weiteren war er Autor bei der Bild und der Jungen Freiheit.[8]

Um in einem Fünf-Parteien-System stabile Regierungsverhältnisse erreichen zu können, forderte Henkel 2008 die Einführung des Mehrheitswahlrechts in der Bundesrepublik Deutschland.[9]

Im Oktober 2009 bedankte sich Henkel beim damaligen Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin für sein kontrovers diskutiertes Interview in der Zeitschrift „Lettre International“ in einem offenen Brief. So schrieb Henkel, dass er Sarrazins „Äußerungen ohne jedes Wenn und Aber unterstütze“ und er „sich auch in der Ausdrucksweise nicht vergriffen“ habe.[10]

Im November 2010 schlug Henkel in einem Focus-Artikel vor, wegen der Schuldenkrise in verschiedenen europäischen Ländern (erst Griechenland, dann Irland und Spanien) den Euro in zwei Währungen aufzuteilen:

  • einen „harten“ Nord-Euro – zu ihm sollten neben Deutschland Länder wie die Benelux-Staaten, Österreich, Finnland und auch Irland gehören – hier würde das „Festhalten an Geldwertstabilität und Haushaltsdisziplin“ gepflegt – sowie
  • einen „weichen“ Süd-Euro unter Führung Frankreichs, kongruent zur „Ausgabenfreude und dem währungstechnischen Improvisationstalent“ dieser Länder.

Die Einführung eines eigenen Euro versetze diese Länder in die Lage, Inflation in Kauf zu nehmen, um ihre Ökonomien am Laufen zu halten beziehungsweise anzukurbeln. In dem Beitrag kritisiert Henkel die Bundesregierung und Bundeskanzlerin Merkel:

  • Die Einführung des Euro-Rettungsschirmes nennt er eine „Nacht-und-Nebelaktion“.
  • Henkel wirft ihnen den Bruch von Verträgen und Abmachungen früherer Regierungen sowie massive Gesetzesverstöße vor und bezeichnet dieses Vorgehen als „Putsch“.[11]

Er ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013.[12] Er erklärte, kein Mitglied der Partei Alternative für Deutschland werden zu wollen, ihre Ziele jedoch zu unterstützen.[13]

Kritik [Bearbeiten]

Anfang Februar 2010 kritisierte der US-Ökonom James K. Galbraith Henkels Äußerung, niemand habe die globale Finanzkrise ab 2007 vorhergesehen. Galbraith warf Henkel Engstirnigkeit und Inkompetenz vor, da mindestens drei ökonomische Schulen vor der Krise gewarnt hätten. Auch widersprach er Henkels These, die Krise sei durch „Gutmenschentum“ amerikanischer Politiker ausgelöst worden.[14] Henkel verfasste daraufhin eine Replik, in der er als Beispiele für seine These, dass verfehltes „Gutmenschentum“ zur US-Immobilienblase und damit zur globalen Finanzkrise geführt habe, die Wohneigentums-Förderungsprogramme unter Bill Clinton und George W. Bush sowie das Verbot des „Redlining“ (Community Reinvestment Act) unter Jimmy Carter an. Letzteres hindere die Banken daran, bei der Beurteilung der jeweiligen Kreditwürdigkeit zwischen „besseren“ Wohnvierteln und „Slums“ zu unterscheiden.

William K. Black, Professor für Wirtschaft und Recht an der Universität Missouri-Kansas, forderte darauf hin in einem Offenen Brief an den damaligen Vorsitzenden der Bank of America, Walter E. Massey, dass der "rassistische Bankenberater" Hans-Olaf Henkel zu entlassen sei. Nicht nur seine Forderung nach Redlining sei rassistisch, sondern auch die Unterstützung von Thilo Sarrazins Bigotterie [15].

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Seit 2007 verleiht Leibniz-Gemeinschaft alle zwei Jahre den „Hans-Olaf-Henkel-Preis – Preis für Wissenschaftspolitik“, eine Auszeichnung für herausragende Leistungen bei der Förderung der Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland.

Werke [Bearbeiten]

  • Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft – Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet. Wilhelm Heyne Verlag, München 2010, ISBN 978-3-453-18284-4.
  • Die Abwracker. Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen. Wilhelm Heyne Verlag, München 2009, ISBN 978-3-453-16829-9.
  • Kampf um die Mitte. Mein Bekenntnis zum Bürgertum. Droemer-Verlag, September 2007, ISBN 978-3-426-27423-1.
  • Die Kraft des Neubeginns. Droemer/Knaur-Verlag, 2004, ISBN 3426273497.
  • Die Ethik des Erfolgs. Ullstein Taschenbuch, 2004, ISBN 3-430-15515-0.
  • Die Macht der Freiheit. Econ Taschenbuch, 2002, ISBN 354875077X.
  • (Co-Autoren: Thomas Brand, Gerdum Enders) Forschung erfolgreich vermarkten. Springer Verlag, 2002, ISBN 354044078X.
  • Jetzt oder nie. Siedler, 2001, ISBN 3886806650.

Filmdokumentationen [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/print-welt/article261490/Wach_auf.html
  2. a b Henkel berät Bank of America
  3. Die Anti-Euro-Kampagne der Freien Wähler Welt Online vom 30. Mai 2012
  4. Die Wahlkampagne der FDP zur Bundestagswahl 2005 (PDF, S. 20; 1,3 MB)
  5. Hans-Olaf Henkel: Das sympathische Dreieck, NZZ Podium vom 4. Februar 2010 (PDF; 51 kB)
  6. http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/use-eudssr/4681178.html
  7. http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/?p4672922=2
  8. http://www.freitag.de/community/blogs/margareth-gorges/von-der-deutschen-tea-party-zur-henkel-partei
  9. Henkel für Mehrheitswahlrecht, stern.de, Februar 2008
  10. Offener Brief von Henkel an Thilo Sarrazin, welt.de, September 2009
  11. focus.de vom 27. November 2010: Ex-BDI-Präsident Henkel: Mit „Nord-Euro“ und „Süd-Euro“ aus der Schuldenkrise
  12. zu den Gründern zählen u. a., Wahlalternative 2013, abgerufen am 20. September 2012.
  13. Ex-BDI-Chef Henkel will nicht Mitglied in Anti-Euro-Partei werden The Epoch Times, abgerufen am 24. März 2013
  14. Interview mit James K. Galbraith (engl.), newdeal20.org, Februar 2010
  15. William K. Black: Open Letter to BofA Chairman: Racist Bank Adviser in Germany Must Go
  16. Deutscher Mittelstandspreis 2006

Weblinks [Bearbeiten]