Hans-Rudolf Merz
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hans-Rudolf Merz (* 10. November 1942 in Herisau, Kanton Appenzell Ausserrhoden) ist ein Schweizer Politiker der «FDP. Die Liberalen.» (früher Freisinnig-Demokratische Partei). Er ist seit seiner Wahl in den Bundesrat im Jahre 2003 Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartementes und somit Finanzminister der Schweiz. Während des Jahres 2009 amtiert er als Bundespräsident.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Berufliche und politische Karriere
Merz studierte Ökonomie an der Hochschule St. Gallen, war dort als Assistent tätig und wurde 1971 promoviert. Von 1977 bis 2003 war er als selbständiger Unternehmensberater in Europa, Nord- und Südamerika, Südafrika sowie im arabischen Raum tätig. Gleichzeitig sass er im Verwaltungsrat mehrerer Schweizer Unternehmen. Als Berater befasste er sich schwergewichtig mit der Rekrutierung und Entwicklung der obersten Kader sowie mit der Unternehmensentwicklung. 1992 wurde Merz in den Verwaltungsrat der Ausserrhodener Kantonalbank gewählt, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Schieflage befand. Im Folgejahr wurde er zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Er entwarf in seinem ersten Geschäftsbericht ein Papier über die «Vision einer regionalen Universalbank», einer Kleinbank die sämtliche Bankdienstleistungen anbietet. Im Jahr 1994 wurde die Kantonalbank durch die Umwandlung in einer Aktiengesellschaft teilprivatisiert, an der der Kanton Appenzell Ausserrhoden die Mehrheit behielt. Die Bevölkerung des Kantons musste über die Teilprivatisierung abstimmen, da sie als Landsgemeinde die Legislative des Kantons war. Am 22. Dezember 1995 wurde die Ausserrhodener Kantonalbank von der Schweizerische Bankgesellschaft (der heutigen UBS) aufgekauft [1].
Politisch aktiv war Merz bereits in den 1960er-Jahren als Sekretär der Freisinnig-Demokratischen Partei des Kantons St. Gallen. Später präsidierte er den interimistischen Einwohnerrat von Herisau. Nach einer langen Zeit ohne politischer Aktivität, steht Merz als Kandidat für den Ständerat an. Die offiziellen Kandidaten der FDP waren Finanzdirektorin Marianne Kleiner und der Landamman Hans Höhener. Merz war hingegen von der Schweizerische Volkspartei unterstützt worden. An der letzten Landesgemeinde des Kantons Appenzell Ausserrhoden, welche per Landsgemeindebeschluss vom 1997 abgeschafft werden sollte, gehen Merz und Kleiner als Sieger hervor.
Merz wurde am 10. Dezember 2003 in den Bundesrat gewählt. Er steht dem Eidgenössischen Finanzdepartement vor. Bei dieser Wahl setzte er sich gegen die ebenfalls freisinnige Kandidatin Christine Beerli durch. Dies und die wenige Stunden zuvor erfolgte Abwahl von Ruth Metzler führte zu Kritik betreffend Ungleichbehandlung der Frauen.
Bei den Bundesratswahlen 2007 vom 12. Dezember 2007 wurde Merz mit dem besten Resultat aller Kandidaten für eine weitere Amtszeit bestätigt. Er erhielt 213 von 233 gültigen Stimmen der Bundesversammlung. Am 13. Dezember 2007 wurde Hans-Rudolf Merz mit 193 von 211 gültigen Stimmen zum Vizepräsidenten des Bundesrates für das Jahr 2008 gewählt.[2]
Am Abend des 20. Septembers 2008 erlitt Merz einen Herz-Kreislauf-Stillstand und wurde ins Spital Herisau gebracht, wo man ihn reanimierte und danach ins Kantonsspital St. Gallen verlegte. Hier wurde er in ein künstliches Koma versetzt.[3] Am folgenden Tag überführte man ihn ins Inselspital nach Bern. Noch am selben Abend wurde er durch den renommierten Herzchirurgen Thierry Carrel operiert. Dabei wurden ihm fünf Bypässe gelegt.[4] Am Mittwoch, dem 24. September, erwachte Merz aus dem Koma und war ansprechbar.[5] Nach seiner Genesung und einer Kur hat Merz am 3. November 2008 das Eidgenössische Finanzdepartement wieder übernommen.[6]
Am 10. Dezember 2008 wählte die Vereinigte Bundesversammlung an der Bundesratswahl 2008 Hans-Rudolf Merz mit 185 von 209 gültigen Stimmen zum Bundespräsidenten für das Jahr 2009.[7] In Herisau wurde er zu seiner Wahl gefeiert.
Er spricht Deutsch, Französisch, Spanisch, Englisch, Italienisch und Russisch.[8]
[Bearbeiten] Privates
Hans-Rudolf Merz ist mit der Künstlerin Roswitha Merz verheiratet. Sie wohnen in Herisau und haben drei erwachsene Söhne. Merz ist Bürger von Beinwil am See im Kanton Aargau.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
- Finanz- und Verwaltungsvermögen in öffentlich-rechtlicher und wirtschaftlicher Betrachtungsweise, unter besonderer Berücksichtigung der Staatsrechnungen der Kantone. St. Gallen 1971 (Dissertation)
- Die aussergewöhnliche Führungspersönlichkeit: Essay über Elativität und elative Persönlichkeit. Rüegger, Grüsch 1987, ISBN 3-7253-0297-9
- Der Landammann und weitere Erzählungen aus dem Appenzellerland. Schläpfer, Herisau 1992, ISBN 3-85882-072-5
[Bearbeiten] Weblinks
-
Commons: Hans-Rudolf Merz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien - Lebenslauf von Hans-Rudolf Merz auf der Website des Eidgenössischen Finanzdepartements
- Biografie von Hans-Rudolf Merz auf der Website der Bundesversammlung
- Artikel Merz, Hans-Rudolf im Historischen Lexikon der Schweiz
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Das kleine Bankgeheimnis des Finanzministers: Warum Hans-Rudolf Merz seine Appenzeller Bankgeschäfte gern verschweigen würdeWOZ, 4.12.2008
- ↑ Mit 61 Jahren als Quereinsteiger in Bundesrat gewählt – Ein Porträt von Bundesrat Hans-Rudolf Merz, NZZ, 21.9.08
- ↑ Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach Kreislaufkollaps im künstlichen Koma, Bundeskanzlei, 21.9.08
- ↑ Merz ausser Lebensgefahr, TA, 21.9.08
- ↑ Merz’ Zustand «besser als erträumt», TA, 24.9.08
- ↑ Bundesrat Hans-Rudolf Merz wieder im Amt, Bundeskanzlei, 3.11.08
- ↑ Hans-Rudolf Merz ist Bundespräsident für 2009, NZZ, 10.12.08
- ↑ Ein Mann und zwei Leben: Hans-Rudolf Merz – Bundespräsident des Jahres 2009, NZZ, 30.12.08
| Vorgänger |
Mitglied im Schweizer Bundesrat seit 2004 |
Nachfolger --- |
Micheline Calmy-Rey | Pascal Couchepin | Moritz Leuenberger | Doris Leuthard | Ueli Maurer | Hans-Rudolf Merz | Eveline Widmer-Schlumpf
Josef Munzinger | Daniel-Henri Druey | Josef Martin Knüsel | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Jean-Jacques Challet-Venel | Victor Ruffy | Paul Cérésole | Karl Schenk | Johann Jakob Scherer | Wilhelm Matthias Naeff | Bernhard Hammer | Simeon Bavier | Walter Hauser | Robert Comtesse | Marc-Emile Ruchet | Josef Anton Schobinger | Giuseppe Motta | Jean-Marie Musy | Albert Meyer | Ernst Wetter | Ernst Nobs | Max Weber | Hans Streuli | Jean Bourgknecht | Roger Bonvin | Nello Celio | Georges-André Chevallaz | Willi Ritschard | Otto Stich | Kaspar Villiger | Hans-Rudolf Merz
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Merz, Hans-Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker (FDP) |
| GEBURTSDATUM | 10. November 1942 |
| GEBURTSORT | Herisau |

