Hans-Ulrich von Oertzen

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Hans-Ulrich von Oertzen (* 6. März 1915 in Berlin; † 21. Juli 1944 ebenda) war ein deutscher Major im Generalstab und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944.

Leben[Bearbeiten]

Hans-Ulrich von Oertzen stammte aus dem alten Adelsgeschlecht Oertzen. Sein Vater Ulrich von Oertzen aus dem Hause Lübbersdorf-Teschow des weitverzweigten Adelsgeschlechts starb schon 1916 als Offizier im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter Elisabeth von Oertzen, geb. von Oertzen aus dem Hause Rattey (* 12. Oktober 1887 in Rattey; † 11. August 1938 in Berlin) erzog den jungen Hans-Ulrich von Oertzen allein, zunächst auf dem Gut ihres Bruders Henning von Oertzen im mecklenburgischen Ort Rattey bei Strasburg. Sie ging als Malerin nach Berlin, während ihr Sohn auf der Schule Schloss Salem am Bodensee ausgebildet wurde.

Hans Ulrich von Oertzen wurde Mitte der 1930er Jahre an die Kriegsakademie kommandiert, um eine Generalstabsausbildung zu absolvieren. 1943 wurde er Major im Generalstab und Ausbildungsoffizier beim Stab der Heeresgruppe Mitte unter Henning von Tresckow. Von Oertzen gehörte zu einer Gruppe von Offizieren, die Hitler bereits im März 1943 beim Besuch der Heeresgruppe Mitte erschießen wollten.

Zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt in Berlin, erarbeitete von Oertzen im Herbst 1943 die Operation Walküre. Ursprünglich als Plan zur Niederwerfung möglicher innerer Unruhen gedacht, wurde sie durch die Hinzufügung einiger weiterer zu verhaftender Personen zu einem Operationsplan der Widerstandsgruppe für den Staatsstreich. Am 26. März 1944, knapp vier Monate vor dem Attentat, heiratete von Oertzen Ingrid von Langenn-Steinkeller (* 13. September 1922 in Braunschweig), die Tochter eines Gutsbesitzers aus der Neumark.

Operation Walküre[Bearbeiten]

Hans-Ulrich von Oertzen gab am 20. Juli 1944 als Verbindungsoffizier für den Wehrkreis Berlin, vom Sitz des Wehrkreiskommandos am Hohenzollerndamm aus, die ersten „Walküre“- Befehle weiter. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler wurde er festgenommen. An der Vernehmung Hans-Ulrich von Oertzens durch General der Infanterie Joachim von Kortzfleisch beteiligt sich auch Karl Freiherr von Thüngen, der eigentlich zur Widerstandsgruppe gehörte. Zunächst ergaben sich keine Hinweise auf seine Teilnahme an der Verschwörung, bis sich eine Sekretärin erinnerte, dass sie Oertzen im Herbst 1943 zusammen mit Stauffenberg gesehen hatte. Vor dem Eintreffen der Gestapo tötete sich Hans-Ulrich von Oertzen mit einer Sprenggranate.

Seine Frau Ingrid von Oertzen beschrieb den Hergang:

„Er hat zwei Handgranaten in die Sandsäcke getan, die wegen der Luftangriffe auf den Fensterbänken standen. Die erste hat ihm nur seine Hand abgerissen. Und dann hat er noch die Kraft aufgebracht, irgendwie an die zweite ranzukommen und die hat er dann also ...[1]

Die zweite Handgranate steckte sich Hans-Ulrich von Oertzen in den Mund. Dann zog er den Splint ab.

Die Leiche Hans-Ulrich von Oertzens konnte durch das Eingreifen seines Schwiegervaters ins Krematorium gebracht werden. Während die Asche der meisten Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 verstreut wurde, befindet sich sein Grab in einer Grabstätte der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in der Berliner Straße in Berlin-Wilmersdorf.[2]

Urteil[Bearbeiten]

Philipp Freiherr von Boeselager, der letzte Überlebende des innersten Kreises der militärischen Widerstandsgruppe gegen Hitler um Generalmajor Henning von Tresckow und Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg würdigte die Rolle von Oertzens so:

„Wenn man an den militärischen Widerstand denkt, dann fallen einem sofort die Namen Oster, Tresckow, Stauffenberg ein, wobei Oster der Verstand, Tresckow das Herz und Stauffenberg der mutige Arm des Widerstands war. Aber ohne Männer wie Hans-Ulrich von Oertzen wäre das Attentat auf Hitler und seine Planung gar nicht möglich gewesen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lars-Broder Keil: Hans-Ulrich von Oertzen Offizier und Widerstandskämpfer. Ein Lebensbild in Briefen und Erinnerungen, Lukas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-936872-49-X

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zit.n. Bert Lingnau, Gescheiterter Tyrannenmord - der 20. Juli 1944, Radiosendung auf NDR 1 Radio MV.
  2. Laut Auskunft Grünflächenamt-Friedhofsverwaltung Charlottenburg-Wilmersdorf: Abteilung C13, Reihe 14, Nummer 4.
  3. Vgl. Keil, S. 154.